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LOGBUCH 

Wie alles begann: 

Im Dezember 2007 habe ich mich entschlossen gross auf Reisen zu gehen. Zuerst plante ich mit dem Rucksack durch Südostasien zu trampen. Indien als spannender Subkontinent liegt auf dem Weg und wurde somit auch noch in die Planung miteinbezogen.

Irgendwann kam die Idee mit dem Schiff nach Indien zu reisen. Als zahlender Passagiert würde das ca 2500.- bis 3000.- Franken kosten was mir zu teuer war. (zum Vergleich: das Flugticket um die Welt kostet 4500.-Fr.) So suchte ich zuerst nach einem Schiff wo ich gegen Arbeit mitfahren konnte. Mehrere Stellen bestätigen mir dass dies nicht möglich sei.

Die Vorstellung mit dem Schiff zu verreisen wollte ich nicht verwerfen und so habe ich mich entschlossen als Hilfskraft auf ein Schiff arbeiten zu gehen. Ich klapperte verschiedene Reedereien ab. Bei Enzian Shipping wurde ich dann fündig und an einen Agenten weiter verwiesen. Am 30.April hatte ich ein längeres Gespräch mit Kapitän Sip von der Elvetina AG. In diesem Gespräch zeigte er mir auf was die Herausforderung und Ansprüche für die Seefahrt sind, aber auch was für Türen einem danach offen stehen. Ich beschloss auf das Abenteuer einzugehen und mich für ein halbes Jahr als Apprentice (Stift) zu verpflichten.

 

19. Mai. 2008
Überraschen habe ich ein Mail vom Agenten bekommen der meinen Einsatz organisiert. Die Reederei will keine weiblichen Crewmitglieder mehr und so komme ich schon früher zum Zug. Safmarin Angela heisst das Schifft Am 30. August schon soll es in Antwerpen los gehen. Sofort habe ich im Internet nach Bildern und Informationen gesucht. Ist ein topmodernes Schiff welches erst ein halbes Jahr im Dienst ist.  

22. Mai 2005
Als Seemann muss man flexibel sein, und das auch wenn man erst in den Vorbereitungen steckt. Von der modernen Safmarine Angela wurde ich mangels, freiem Bett, auf die Céline verschoben. Im Internet sind einige Bilder vorhanden, denen nach werde ich auf der Céline mehr Zeit mit Rost klopfen und Malerarbeiten verbringen.

27.Mai 2008
Heute konnte ich einen Termin mit der US-Botschaft vereinbaren. Das Visum brauche ich um auch in amerikanische Häfen an Land gehen zu können. Und da die Amis ja etwas paranoid sind und es für das Visum sehr viel Zeit braucht, wird dieses im Voraus besorgt.

15. Juni 2008
Langsam aber sicher nimmt die Sache Formen an. Bis am 22. August arbeite ich bei der Ärztekasse. Ab dem 25 August bin ich in Deutschland auf dem Schulschiff der GGT-Emsstrom. In einem 10 tägigen Kurs lerne ich die Tücken der Seefahrt kennen und wie in Notfällen handeln, dazu gehört auch die Feuerbekämpfung oder die Handhabung von Rettungsgeräten.

Ende September geht es dann richtig auf See. Wo genau kann ich noch nicht sagen da die Celine „on Tramp“ d.h. nicht nach Fahrplan sonder nach Auftrag fährt. Im Internet habe ich diese Seite gefunden wo man die Fahrt des Schiffes mitverfolgen kann (leider nur nach erfolgter Registrierung) Das Schiff ist unterdessen von Le Havre um die Iberische Halbinsel gefahren und liegt im Moment vor Algerien.

21. Juni 2008
Für die Reise habe ich mir ein Asus Eeepc zugelegt. Das ist ein Mininotebook, kaum grösser als ein A5 Block aber mit allem was es braucht ausgestattet. Das Teil sieht richtig schnüselig aus. Die Tastatur ist jedoch schon etwas gar klein, ich muss noch einiges üben um flüssig mein Logbuch tippen zu können.
Vom Militär habe ich auch die Bestätigung bekommen dass ich den ganzen Grümpel abgeben kann.
Von der Celine habe ich leider keine Angaben mehr wo sie sich befinden, habe aber auch noch keine Meldung bekommen dass sie gesunken sei.
Langsam aber sicher kommt das Ende bei der Ärztekasse immer näher. Von den ersten Kunden habe ich mich schon verabschiedet und einige Aufträge werden noch durchgeführt solange ich noch bei der Ärztekasse arbeite. In der WG bin ich auch die Sachen wie Konten, Telefonanschluss Billag usw. am ab- und übergeben. Heute hatte ich das erste Mal das Gefühl dass ich noch sehr viel erledigen muss bevor ich abreisen kann. Die Vorfreude wird dafür umso grösser. 

19. Juli 2008
Einiges hat sich wieder getan. So war ich beim Hausarzt für die Seetauglichkeitsuntersuchung, hier kam nichts raus dass ein Hinderungsgrund währe an Bord zu gehen. Von Kollegen wurde ich immer wieder aufgezogen dass an Bord ein raues Klima herrschen würde und was alles mit mir angestellt werden würde usw. So ging ich wieder mal zu Kapitän Sip der mich ausführlich über alles informierte.
Anstellung: Angestellt werde ich von der „MV Celine AG“ Dies ist die Firma welcher das Schiff gehört. Meine Anstellung wird beginnen wenn ich in Kloten ins Flugzeug steige um in den Hafen zu fahren und auch wieder in Kloten enden wenn ich aus dem Flieger steige. Dies darum weil die Firma aus rechtlichen Gründen keine Angestellten in der Schweiz haben will. Interessant auch, Seeleute welche als das deklariert reisen geniessen bevorzugte Behandlung beim erhalten von Flugsitzen und haben 40kg FreigepäckAb dem Zeitpunkt wo ich abreise ist die Reederei für mich verantwortlich. Fluganschluss nicht geklappt? Kein Problem, Meldung an die Reederei und für mich wird etwas anderes organisiert. Natürlich wenn das Verschulden auf meiner Seite liegt wird sie nicht wirklich „amused“ sein.

Alltagsfragen: Das Schiff hat eine Wäscherei an Bord, somit wird wohl jeder 11 Tag für mich Waschtag sein. Bei der Kleidung werden die Arbeitskleider von der Reederei gestellt und für den Alltag tun’s alte Kleider die man nachher wegwerfen kann. (Kapitän Sip: „Die Céline ist jetzt 10 Jahre alt, da wird sich in einer Ecke einiges an alten Kleidern angesammelt haben, da wird sich schon was für Sie finden lassen) Einzig für den Landgang brauchts eine Garnitur „anständige“ Kleider. Also für alle welche mich schon in Matrosenuniform vor dem geistigen Auge gesehen haben… nöö nix mit Romantik, der Inhalt vom Texaidsack wird wieder ausgepackt.

Die Stromversorgung an Bord ist 220V deutsches Schuko System. Dank eines Adapters den ich mir schon besorgt habe sollte das kein Problem sein. Mit was für einem Stromsystem ein Schiff ausgerüstet wird bestimmt entweder der Auftraggeber oder die Werft installiert das was ihr sinnvoll erscheint. 

Besatzung: Mit mir werden 11 Leute an Bord sein

1 Kapitän „Gott“ an Bord, Verantwortlich für das Schiff

1 1. Offizier Verantwortlich für Deck, Ladung, Sicherheit an Bord.

1 2. Offizier Nautischer Offizier, verantwortlich für Fahrt

1 leitender Ingenieur Maschine

1 Ingenieur

1 Elektriker

3 Matrosen

1 Motormann

1 Koch

1 Stift --> Ich

Die Céline ist unterdessen via Agäis, Bosporus ins Schwarze Meer bis Odessa und wieder zurück. Am 16.7 war sie im Hafen von Gibraltar. Jetzt kann ihre Position nicht bestimmt werden, ich nehme an sie fährt um die Iberische Halbinsel wieder Richtung Nordeuropa.
Am Donnerstag 17.7.konnte ich mein Militärgrümpel abgeben Kurz und schmerzlos alles im Zeughaus Hinwil auf einen Tisch gelegt, Waffe und Dienstbüchlein abgegeben, thats it, Nun warte ich noch auf die Rücksendung des Dienstbüchleins und dann ist meine militärische Ära definitiv abgeschlossen.
Als nächstes Ereignis steht der Besuch des amerikanischen Konsulates an am 29.7.

30. Juli 2008
Gestern war ich nun also auf der US Botschaft in Bern. Als ich da hinkam und nun schaute wo genau die Adresse war wurde ich sofort von Sicherheitspersonal gefragt was ich da suche und mir gezeigt wo ich hingehen muss. Vorgängig musste ich ja einen Termin vereinbaren über eine 0900er Nummer welche 2.00Fr pro Minute kostet. Nun gut. Wenn man dafür nicht warten muss…. Na denkste ich war um 8.20 vor der Botschaft und mit mir hatten ca. 25 andere Leute einen Termin um 8.30Uhr. Um 8.40Uhr ging es dann los. Im Minutentakt wurde man einzeln hereingelassen, Natels, Taschen Rucksäcke Mappen usw war alles nicht erlaubt was vor allem die Damen in Bedrängnis brachten welche Sich nicht richtig informiert haben. Vor der Botschaft konnte man die Taschen nicht lassen der Sicherheitsdienst warf sie weg. So wurden die Taschen in den Gärten der Umgebung deponiert. Für mich hatte es den Vorteil dass die Schlange schneller kürzer wurde.
Um 9.20 wurde ich dann reingelassen. Nun zuerst ging es durch die Sicherheitskontrolle. Am Flughafen ist sie weniger streng. Ich hatte die Hände in der Hosentasche und musste nochmals durchlaufen mit den Händen draussen. Und da der Typ bei der Kontrolle alles aus der Tasche haben wollte musste er halt auch die Bonbonpapierchen oder verschnuderte Taschentücher anschauen. Muss ja spannend sein meine Nasenpoppel zu begutachten.
Danach musste ich zu einer Lady welche überprüfte ob alle Unterlagen da sind, ein Rücksendecouvert vorhanden und die Bezahlung erfolgt ist. Dieser musste ich dann auch erklären warum ich kein Einreisedatum nennen kann und noch mehr erstaunte sie als sie ein Bild der Celine sah. Dann gings aus dem Vorgebäude raus und unten im Keller wieder rein. Dort hatte es wie in einer Bank Schalter hinter dickem Panzerglas. Da musste ich meine Unterlagen abgeben und die Fingerabdrücke würden eingescannt. Dann hiess es wieder warten.

Eine Tafel an der Wand zeigte mir wieder wie paranoid die Amis sein müssen. Darauf wurden zwei verschiedne Sirenentöne beschrieben. Bei einen musste man so schnell wie möglich das Gebäude verlassen, beim andern sich ducken und von den Fenstern weggehen. Wenn man dann dazu im Vergleich z.b. die Littauische Botschaft in der Altstadt sieht die ganz ungeschützt ist frag ich mich schon wie weit die Amis gesunken sind dass man solche Ängste haben muss.
Gut eine halbe Stunde später wurde ich dann wieder aufgerufen und ein Herr schaute sich das Bild der Celine an und meinte ich solle nur einfach immer weit weg von den Amerikanischen Flugzeugträgern sein, diese könnten nicht einfach bremsen. Der Typ war 20Jahre lang auf See unterwegs als Offizier auf der JFK Dann wurden nochmals die Abdrücke der beiden Mittelfinger eingescannt, danach bestätigte er mir noch dass das Visum ok sei und ich es in den nächsten Tagen per Post erhalten sollte. Nach knapp zwei Stunden war ich dann wieder draussen und konnte den Tag in Bern noch geniessen.
Von der Celine habe ich dieses Bild gezeigt, da sieht sie doch etwas edler aus. :-)

31. Juli 2008
Die Celine ist wieder aufgetaucht! Nachdem ich sie 14 Tage lang nicht mehr orten konnte ist sie nun im Mississippi Richtung New Orleans unterwegs. Somit steigen die Chancen dass ich das Visum doch gebrauchen werde und sich der Besuch bei den Amis doch gelohnt hat.

22. August 2008
Jetzt ist es aus und vorbei. Ich habe heute meine Tätigkeit bei der Ärztekasse beendet. Meine nun ehemaligen Arbeitskolleginnen und Kollegen haben mir einen sehr schönen Abschied bereitet und mich mit äusserst grosszügig beschenkt.

Folgende Verse wurden für mich gereimt:

Verlassen steht der PC Kasten
Verstummt sind alle Zaubertasten
Bits und Bytes durch den Speicher rollen
ROM und RAM verärgert grollen
der Bildschirm seufzt: „Ich seh ihn dort -
den Rölli - dort - jetzt ist er fort“ 

Der Trimmer schwitzt schon unter Deck
Auch Christoph schwitzt und fegt den Dreck
Der Smutje kocht in der Kombüse
Rölli schnetzelt das Gemüse
So erzählen Wellen leise
Und wir hier wünschen gute Reise. 

Nochmals an alle vielen lieben Dank es war grossartig und sehr schön!
Überhaupt waren die letzten Tage sehr schön. Ich verabschiedete mich von der Kundschaft und durfte sehr viel Lob über meine geleistete Arbeit entgegen nehmen. Einerseits sehr schön und aufbauend, andererseits macht es den Abschied nicht leichter.

Am 24.8 reise ich an die ostfriesische Küste nach Leer, dort ist das Schulschiff. Dann gibt es zwei Wochen Sicherheitsausbildung. Ich freue mich darauf, es wird sicher sehr spannend.
Die Celine ist unterdessen von New Orleans nach Huston gefahren, dann durch den Panamakanal und liegt jetzt vor Costa Rica mit Richtung San Francisco oder Vancouver. Crewwechsel wird wohl in Europa sein, aber sie hat ja noch ein paar Wochen Zeit bis ich an Bord gehe. Hoffentlich bleibt die Route auch so spannend und führt mich in viele Ecken dieser Erde. Von meiner Seite her fehlt nur noch das Sicherheitszertifikat und danach kann es los gehen.

 

 24. August 2008
Heute bin ich nach Leer gefahren, die Bahnreise war sehr angenehm und verlief ohne Zwischenfälle. Witzigerweise fragt der Schaffner jedes mal nach einer Haltestelle „ist hier wer zugestiegen?“ und das bei jedem zweiten Abteil. Bei der SBB heist es „Billete ab sowieso“ und dann geht’s automatisch. Nach einem unfreiwilligen Stadtrundgang bin ich bei der Emsstrom angekommen. Leer ist ein typisches ostfriesisches Städtchen mit einer schön renovierten Altstadt. Die Häuser sind typische Klinkerbauten und die Strassen alle mit Kopfsteinpflaster, viele enge verwinkelte Gässchen und Hinterhöfe, alles sehr romantisch. Auf dem Schiff verpasste ich dann das Abendessen um wenige Minuten. (nein den chinesischen Koch habe ich nicht getroffen) So ging ich halt nochmals in die Stadt und verpflegte mich typisch deutsch mit einem Döner. Inkl Getränk kostete mich das nur 4.-€ was doch recht günstig ist. Bin übrigens nicht der einzige Schweizer auf dem Schiff. Ein junger Basler hat sich auch noch für den Kurs angemeldet. von den anderen Verkehrsteilnehmern habe ich noch nichts gesehen.
Einquartiert bin ich in der Kabine des 1. Elektrikers. der Raum ist ca 3x4m gross und hat einen schiefen Boden. Der Platz ist sehr gut ausgenutzt, es reicht für ein Bett, Lavabo, Ecksofa, Pult, Schrank und Bett. Ein öliger Geruch liegt immer in der Luft, aber man gewöhnt sich schnell an den. Müde schlafe ich schnell ein.


30. August 2008
Eine Woche Sicherheitskurs habe ich nun hinter mir. Es war sehr spannend. Unser Kursleiter ist ein waschechter Ostfriese, ein richtiger erfahrener Seebär mit einem trockenen Humor, harte Schale aber doch weichem Kern. Er führt uns in die Geheimnisse der Sicherheit auf See ein und macht uns mit den Gefahren auf einem Schiff vertraut. Eindrücklich ist zum Beispiel das in den geschlossenen Räumen wie Ladelucken und Ballasttanks immer mit Sauerstoffmangel gerechnet werden muss. So kann eine Ladung Alteisen gefährlich werden weil durch das Rosten der Sauerstoff aufgebraucht wird. Weiter lernen wir wie das ganze Unfallversicherungswesen geregelt ist mit Berufsgenossenschaften usw. Was in der Schweiz schon kompliziert ist, ist in Deutschland Bürokratie pur.

Weiter mussten wir einen Plan des Schiffes erstellen wo alle Feuerlöscheinrichtungen eingezeichnet sind. So durchkämmten wir jeden Winkel des Kahns und er wurde immer grösser und grösser. Am Anfang haben wir uns richtig drin verlaufen, doch beim zweiten Mal durchschreiten gings schon viel besser. So ein Schiff ist ausgerüstet mit Werkstätten, Vorratsräumen und vielem mehr. Für Kinder ein wundervoller Spielplatz wo es vieles zu entdecken gibt und auch in mir kam das Kind im Manne zum vorschein, ich fühlte mich so richtig auf Entdeckungsreise. Meistens hatten wir um 15 Uhr schon Feierabend. Die restliche Zeit verbrachten wir mit Kaffee trinken in der Stadt oder auch mit lernen. Haben wir doch nächsten Freitag eine Abschlussprüfung an der man auch durchfallen könne man sich dazu aber sehr anstrengen müsse. Nun ich bin nicht sicher ob ich auf einen schweizer Bonus zählen kann und bin somit fleissig am lernen.

Am Freitag hatten wir eine praktische Übung im Atemschutz. Bei der Feuerwehr in Leer mussten wir mit dem Atemschutzgerät durch eine Versuchsstrecke kriechen, das ganze bei Dunkelheit und Wärme. Es war so schon recht anstrengend und es verschaffte mir grossen Respekt vor den Leuten welche damit in den Einsatz gehen. Überhaupt ist Feuer eine der grössten Gefahren an Bord, einmal etwas grösser bleibt fast nur noch die Flucht mit den Rettungsbooten, daher wird viel in die Prävention investiert. Ob ich vielleicht doch besser Alphirt werden sollte?!?

Dieses Wochenende ist Gallimarkt in Leer, ein mittelalterlicher Jahrmarkt mit Handwerkern, Essensständen und viel Klamauk.

Nachtrag: Der Markt am Wochenende war nicht der Gallimarkt selbst sondern erst ein Vormarkt. Es war aber trotzdem sehr spannend und man fühlte sich ins Mittelalter zurückgesetzt. Gaukler sorgten für die Unterhaltung und auch die Pest hielt Einzug.


6. September 2008
Diese Woche wurde es richtig lustig, Nach einem Tag Theorie wo wir Begriffe lernten wie Bootstaljen, Feststander, Bootsläufer oder auch Leckschraube, Ducht und Heissplatte, übten wir am Dienstag das Aussetzen des Rettungsbootes. Mit einer Winde wird das Boot mal so herunter gelassen dass die Passagiere gut einsteigen können. Dies geschieht mit einer Fliehkraftwinde welche einen rechten Lärm macht so dass man erschrickt und gleich mal den Hebel wieder zurückfallen lässt was ein kräftiges Schaukeln des Bootes bewirkt. Dann werden die Bootstaljen befestigt, eine Art Flaschenzüge um das Boot langsam vom Schiff zu lassen. Dann noch die Leckschraube reindrehen und ab geht’s ins Wasser. Unten angekommen kraxeln wir die Bootstreppe, eine Strickleiter mit festen Sprossen hoch, hieven das Boot wieder in die Ausgangsposition und es geht von neuem los. Und da jeder mal das Kommando übernimmt spielen wir das 10 mal durch.
Am Mittwoch machten wir eine Hafenrundfahrt durch den Leeraner Hafen und übten dabei das Anlegen mit dem Boot und Mann über Bord. Dabei wude ein Rettungsring über Bord geworfen und der wurde wieder eingesammelt. Nun besteht die Kunst darin dass man nicht sofort das Ruder herumreisst, sondern noch ein paar Meter weiter fährt weil man sonst nicht direkt auf den Ring zufuhr sondern mehr drum herum. Nachdem alle alles mal gemacht haben gings ins Freifallboot. Dieses steht auf einer Rollbahn und kann vom Bootsinneren mittels einem Hydrauliksystem ausgelöst werden. Die Sitze sind in der Position mehr wie Liegen und man hat das Gefühl als sei man auf einer Achterbahn. Einsteigen, anschnallen und pumpen. dann rummpelt es zuerst, einen kurzen Moment fallen, der aber reicht um einigen Leuten das Herz in die Hosen rutschen zu lassen, und schon kommt der Aufprall aufs Wasser. Leider konnten wir nur einmal damit runterfallen. Unser Ausbilder Herr Haak ermahnte uns auch immer fleissig auf die Abschlussprüfung zu lernen und fragte uns auch immer wieder ab und deckte so schnell unsere Defizite auf... Also verbrachten ich wieder einige Stunden mit lernen....

Donnerstags konnten wir mit dem Bereitschaftsboot, einem kleinen Boot mit Aussenbordmotor üben. Dank viel Wind und Wellen wurde es ganz lustig damit auf dem Wasser herum zu kurven. Nach dem Mittagessen mussten wir uns in Überlebensanzüge zwängen. dies sind aus dickem Neopren, halten einem trocken und schützen bis zu 6 Stunden lang vor Unterkühlung.
Aussehen tut man darin wie Teletubbys. Beim Springen machte ich den Fehler und sah hinunter so stand ich auf der Treppe und musste dann nochmals einen Anlauf nehmen. Einmal im Wasser mussten wir ca 70m zur Rettungsinsel schwimmen. Dies war mit Rettungsweste und dem Anzug noch recht anstrengend und ich kam ins schwitzen. Tja das fleissige Nichtbeachten des Fitnesscenters rächte sich nun und ich war froh konnte ich mich danach ausruhen.
Freitag=Prüfungstag! Zuerst wieder Rettungsboot fieren (herunterlassen), dann Fahrt zu einem Schrottplatz. Dort konnten wir die Wirkung verschiedener Feuerlöscher ausprobieren und es war sehr eindrücklich zu sehe wie kraftvoll so ein Feuer ein kann. Danach gings zurück auf die Emsstrom zum schrftlichen Test. Um es kurz zu machen: Wir haben alle bestanden, bei mir hat sich das fleissige lernen gelohnt, machte ich doch 97.5 von 102 möglichen Punkten. So gingen wir danach zusammen essen und feierten unseren Erfolg. Dann noch etwas shoppen packen und einen letzten Spaziergang durch die Stadt. Für die Rückfahrt konnte ich mir ein Spezialticket der DB ergattern und fuhr für 49.-€ von Leer nach Zürich und das First Class! So geniesse ich die komfortablen Sessel, viel Platz und eine angenehme Ruhe.

Die zwei Wochen in Leer waren für mich sehr schön. unser Kursleiter Herr Haak vermittelte uns den Unterrichtsstoff gekonnt und mit vielen spannenden Anekdoten, die phillipinische Küchenmannschaft verwöhnte uns mit feinem Essen und war immer für einen Schwatz oder einen Scherz zu haben und so bin ich doch nun bestens gerüstet für den Start in ca drei bis vier Wochen.


15. September 2008
Sortieren, einordnen, ausmisten, einpacken, wegwerfen sind momentan meine Tätigkeiten, kurz ich bin am packen und immer wieder erstaunt was sich alles angehäuft hat und was alles Platz in meinem Zimmer hat. Wann genau ich abreise weis ich immer noch nicht, Käpten Sip hat für mich in Erfahrung gebracht dass es sicher nicht vor dem 30. September sein wird. Ich bin froh nun einen Fixpunkt zu haben bis wann ich sicher Zeit habe und die Vorfreude noch
geniessen kann. Die Celine entwickelt sich zum Überraschungsschiff, nix mit zurück nach Europa, sie ist im Moment auf dem Pazifik und steuert Singapur an. So scheint es dass ich Richtung Asien reisen werde


23. September 2008
Letztes Wochenende habe ich mich von meinen Freunden und meiner Familie verabschiedet. Viel zu schreiben gibt es da nicht, vielen Dank an alle für die guten Wünsche, ich freute mich sehr, so viele von euch nochmals zu sehen!!!
Offiziell weiss ich noch nicht mehr wann ich genau abreisen werde. Auf der Website der Firma, (www.u-shipms.com) welche das Schiff gechartert hat, ist aber zu entnehmen, dass die Céline in der zweiten Hälfte Oktober08 in Fremantle Westaustralien erwartet wird. Nach meiner Logik werde ich wohl nun nach Singapur fliegen und dort einschiffen, nun bin ich aber noch nicht wirklich sattelfest in der Seefahrtslogik und lasse mich mal überraschen. Morgen bekomme ich die letzte Abreibung von Käpten Sip und  hoffe mal dann endgültige Informationen zu erhalten. Als Wartender ist diese Ungewissheit etwas nervig, dafür werde ich mit einer abwechslungsreichen Fahrt auf der Cèline belohnt. Die Zeit dazu kann ich noch genügend nutzen mit einpacken, das Aussortieren braucht viel mehr Zeit als ich dachte, und für alle welche ans Fernwärmenetz der Kehrichtverbrennungsanlage angeschlossen sind… in den nächsten Wochen wird die Wärme sicher nicht ausgehen.

 

29. September 2008

Die Schifffahrt erstaunt mich immer wieder von neuem, heute eine Lektion aus dem Kapitel Flexibilität!

 

Nachdem ich mich schön auf dem 1. Oktober als Abreisedatum eingestellt habe ist heute das E-Mail gekommen dass es schon morgen Dienstag los geht. Um 9.35 Uhr geht der Flieger über München nach Singapur.

Am Anfang kam ich schon ins Schleudern und musste 2 3 mal tief durchatmen, dann aber halt den Turbo eingeschaltet und Guzzi gegeben, nun es hat alles geklappt, vielen lieben Dank an alle welche ich für meine "Probleme" einspannen durfte.

Dann fahr ich noch mit dem Töff zu meinen Eltern und mach ihn winterfest. Danach wieder zurück Richtung Zürich wo ich bei einer Kollegin übernachte. Im Zug telefoniere ich noch meinen Freunden und verabschiede mich von Ihnen. Beim Umsteigen in Winterthur kommt eine andere Kollegin extra noch auf das Perron zum Adjeu sagen.

Am Abend mag ich nicht mal die Desperate Housewifes anschauen. Schreibe noch die letzten Briefe und erledige die letzten Sachen.

 

Einerseits freue ich mich dass es nun (endlich) los geht, auf der anderen Seite hat mich angesichts der nahenden Abreise etwas der Mut verlassen und ich war nicht mehr so motiviert. Nun gut ein Zurück gibt es nicht mehr und angesichts dieser Tatsache kommt auch die Freude wieder, frei nach dem Motto Augen zu und durch!

 

Somit verabschiede ich mich mal aus der Schweiz und ein Sorry an alle welche ich nicht mehr persönlich verabschieden konnte. Alles Gute und bis bald von der Céline!



30. September 2008

Nun ist es also definitiv so weit. Auf zum Flughafen, die letzten Briefe einwerfen, ein letzter Orangensaft trinken und dann zieht es mich durch die Passkontrolle ab ins Gate. Abschied nehmen gehört nicht zu meinen Stärken und so wollte ich dann nur noch weg. Der Flug nach München verlief problemlos. Ich freute mich nochmals den Bodensee zu sehen, der restliche Thurgau lag leider unter einer Wolkendecke. In München musste ich dann gut zwei Stunden auf den Anschlussflug warten. Flughäfen sehen auf der ganzen Welt gleich aus. Duty-free Shops, überteuerte Restaurants, irgendwelche Souvenirhops mit Sachen Made in China, dazwischen immer wieder ein Aufruf welche Mrs. oder Mister nun gleich welchen Flug verpasst.... Nun ich war froh als es dann endlich weiter ging.

Der Airbus nach Singapur war sehr gut gefüllt. Glücklicherweise sass ich neben zwei grossen Schweden welche dann einen anderen Platz bekamen wo sie die Beine besser strecken konnten. so hatte ich dann zwei Sitze für mich und konnte mich etwas breiter einrichten was ganz nett war. Ansonsten halt auch ein Flug wie Langstreckenflüge halt so sind....

 

 

1. Oktober 2008

Pünktlich um 7.20 Uhr landeten wir in Singapur. Die Seeleute wurden gleich nach dem Gate eingesammelt, doch mein Name stand nicht auf dem Plakat und ich wurde zum Zoll geschickt. Nachdem ich durch die Immigration war und aufs Gepäck wartete wurde ich angesprochen ob ich ein Seemann sei und so kam ich dann doch noch ans richtige Plätzchen. Da ich aber schon eingereist war musste nun im Pass noch ein Stempel geändert werden. Statt abgerundete hat er nun spitze Ecken.... Nun traf ich auf die anderen drei Seeleute welche mit mir neu aufs Schiff kommen, Der Koch, der Elektriker und der zweite Chefmatrose. Unterdessen war es halb 9 Uhr. Uns wurde ausgerichtet dass die Celine erst am Abend erwartet werde und wir hätten die Zeit bis 18Uhr zur freien Verfügung. Nun ist es ja schon schön wenn man nicht nur die Infrastruktur eines Landes sieht, nach einem überstandenen Langstreckenflug steht das jedoch nicht an erster Stelle der Wunschliste...

nun der Koch und ich machten uns dennoch auf in die Stadt. Wir nahmen den Bus. Das Bussystem ist auf regelmässige Kunden ausgerichtet, am Eingang hat es Detektoren wie am Skilift und die Leute halten ihre Taschen, Geldbörsen usw. hin und beim Aussteigen auch wieder, der Betrag wird von einer Wertkarte abgezogen. Bei Barzahlung muss der genaue Betrag gegeben werden, Wechselgeld gibt es nicht.

Nun fuhren gut 20 Minuten und nachdem wir x mal uns auf next busstop geeinigt haben stiegen wir dann an einer uns genehmen Haltestelle aus.

Die Stadt war noch ganz auf das Formel 1 Rennen von vergangenem Wochenende eingerichtet. Überall standen Absperrgitter und Elemente rum. Wir gingen in ein Kaufhaus und tranken erst mal etwas, Viele Läden öffnen erst um 11 Uhr und es war noch sehr ruhig. Wir liefen dann zu Fuss ein paar Strassen entlang und so fanden wir eine kleine Strasse mit vielen hübschen alten aber teilweise schön renovierten Häuschen. Allzu günstig schien die Gegend allerdings nicht zu sein, so war ein Haus zum verkauf angeschrieben für 6Mio Singapurdollars mit 45000 Quadratfuss Fläche. Alleine mit dieser Angabe konnte ich noch nicht viel anfangen, da aber einige Porsches, Lexuse und andere teure Autos rum standen scheint es doch nicht das Armenviertel von Singapur gewesen zu sein.

Zudem erstand ich noch ein original Red Bull in einer gelben Dose. Noch süsser und noch aufputschender,..

Nun machte sich der Jetlag schon recht bemerkbar und wir fuhren um 13 Uhr wieder an den Flughafen zurück. Erst zu Mac Doof etwas essen, danach setzte ich mich auf einen eher unbequemen Flughafensessel und versuchte etwas zu schlafen, was aber eher unmöglich war.... so wurde halt wieder etwas Zeitung gelesen, das Klo besucht, nochmals ein Nickerchen versucht und sich gefragt warum man schon am Dienstag morgen geflogen sei, die 23 Uhr Maschine vom Dienstag Abend hätte doch noch lääääääängstens gereicht...

Um 19 Uhr wurden wir dann abgeholt und gut 45 Minuten, und zwei Sicherheits-Kontrollen später waren wir am Hafen. gleichzeitig lief die Celine ein. Da war nun das Schiff auf dem ich nun die nächsten sechs Monate verbringen werde. Es gab ein grosses Hallo und ich lernte Martin meinen Vorgänger kennen. er zeigte mir seine Kabine und erzählte von seinen Erfahrungen. Er genoss es sichtlich sich wieder mal in schweizerdeutsch unterhalten zu können. Da die Abgänger auch noch auf dem Schiff waren musste ich mit dem Koch die Offiziersmesse teilen. Da ich richtig „uf de Schnurre“ war schlief ich bald ein.

 

 

2. Oktober 2008

Um 6Uhr musste ich aufstehen, ich war zum Wache schieben eingeteilt, Nachdem ich mit einem neuen Kombi und Sicherheitsschuhen eingekleidet war stand ich nun an der Gangway. Ein teil der Hilfsarbeiter schlief auf dem Schiff in den Kleidern, auf einem Sack als Unterlage. Um 8 Uhr wurden sie geweckt und sie mussten wieder zur Arbeit. Unterdessen wurde das Schiff ausgeladen, Food wurde geliefert, Ersatzteile für die Maschine gebracht, ein Kranmechaniker kam an Bord usw.. Es war recht spannend dem zuzusehen und das mit zu erleben. Die Hafenarbeiter wurden hingebracht und immer mit Essen versorgt. Am Nachmittag hatte ich frei, da meine Kabine ja noch besetzt war legte ich mich in einen Stapel Karton und versuchte zu dösen. Dies löste offenbar bei der Besatzung ein Unmut aus und der 2. AB welcher sich in der Besenkammer eingerichtet hatte machte mir eine Liege zurecht. Bevor ich um 8 Uhr wieder antreten musste konnte ich noch meine Kabine beziehen und genoss die lang ersehnte Dusche. Am Abend reisen Martin und drei weitere Leute ab und ich schob nochmals Wache bis Mitternacht.

 

 

3. Oktober 2008

erneut beginnt mein Tag mit Wache schieben. Das Schiff ist unterdessen ausgeladen und wir haben noch ein paar Holzstapel zum mitnehmen nach Jakarta. Ich muss die Gurte um die Holzstapel legen und dann aufs Schiff gehen, und die Stapel wieder entgegennehmen und helfen platzieren. dies ist nicht so einfach da der Stapel hin und her bambelt und doch auch noch ein rechtes Gewicht hat. Danach werden de Ladeluken geschlossen, ich muss mit einem Schlaghammer die Arretierungsstifte rein schlagen. Die tropische Hitze lässt den Schweiss nur so herunter rinnen.

 Um 13.30 Uhr legen wir dann endlich ab, ein Schlepper zieht und von der Hafenmauer weg und ein Lotse führt uns durch den Hafen.

Ich schaue der vorbeiziehenden Landschaft zu und freue mich, das erste Mal mit dem Frachtschiff unterwegs, den Fahrtwind spürend... ein Glücksgefühl durchströmt mich... immer noch lässt mich der Jetlag nicht in Ruhe und ich lege mich nochmals etwa hin. Als ich um 18 Uhr aufwache sind die Maschinen gestoppt und ein Schiff in der Grösse eines Rheinfrachters hat neben uns angelegt. Wir bunkern Schweröl als Antriebsmittel. Nach dem Abendessen braucht der AB nochmals meinen Dienst, wir gehen ganz nach Vorne im Schiff, Dort müssen wir noch angelieferte Sachen verstauen Unter anderem die Farbe welche ich verstreichen muss. gut 30 Kübel a über 15 kg..... und trotzdem dass es schon fast sieben Uhr ist läuft der Schweiss nur so runter. Nun weiss ich was mich erwartet....

 

 

4. Oktober 2008

Pünktlich um halb sieben klingelt der Wecker vom Natel, Nun habe ich gemütlich eine halbe Stunde Zeit bis zum Morgenessen und um acht Uhr ist dann Arbeitsbeginn. um viertel nach sieben klopft es an der Zimmertür, Draussen der Chefmatrose wo ich denn sei es sei schon 08.15 Uhr. ich verstehe die Welt nicht mehr, mach mich aber schleunigst bereit zur Arbeit.

Die Lösung: Als letztes hat sich mein Natel in ein indonesisches Mobilenetz eingebucht und automatisch die Uhrzeit um eine Stunde zurück gestellt da Indonesien sich in einer anderen Zeitzone befindet.

Heute müssen wir die Laderäume putzen. Das heisst Ketten schleppen, Holbalken und Bretter zusammenräumen, Spannsets einsammeln und den Boden wischen. Für alle die welche die Celine als kleines Schiffchen sehen, das Teil ist zum putzen verdammt gross!!! einmal mehr lief der Schweiss nur so runter ich war fix und fertig.

Den ganzen Tag sind wir auf dem offenen Meer unterwegs, trotz der strengen Arbeit durchströmt mich ein Glücksgefühl wenn ich so über das Deck gehe und mir der Wind ins Gesicht bläst, hoffe es hält auch in ein paar Tagen noch an...

... übrigens, der ungarische Koch hat sein Metier bestens im Griff und verwöhnt uns immer wieder mit deftigen aber trotzdem feinen Gerichten!

 

 

5. Oktober 2008

Heute war Putztag für mich. Der Chiefmate zeigte mir was alles getan werden muss, Kübel leeren, Toiletten putzen, Gänge wischen, Kojen richten. In Jakarta sind zwei Gäste des Charterers angekündigt und nun müssen noch die Kojen gereinigt werden. In der Schweiz hätte mich das wohl gröber angegurkt, hier auf dem Schiff habe ich mich damit abgefunden dass ich als Cadet solche Arbeiten machen muss und ich denke nicht viel darüber nach, im Gegenteil der Ehrgeiz hat mich gepackt und ich putze nach Schweizer Standard was teilweise einiges Kopfschütteln auslöst „you must not cleaning like in a hotel“ meint Michail ein Matrose aus Rumänien. Irgendwann kommt der Käpten und meint ich solle doch auch mal eine Pause machen. Ich erkläre ihm dass ich lieber meine Arbeit fertig mache und dann pausiere. Mit einem „up to you“ zottelt er wieder davon. Nachdem ich dann noch das ganze Treppenhaus aufgewischt habe lasse ich noch die Waschmaschine laufen. Am Abend als ich noch das Schiffsbüro sauge kommt der Käpten dazu und meint ich solle nun aber wirklich aufhören mit putzen. Nun ich bin zufrieden dass ich alles erledigen konnte. Das schönste Kompliment habe ich jedoch vom Koch erhalten, er wollte im Stehen pinkeln, als er jedoch sah wie das WC so sauber geputzt war hat er sich nicht getraut und ist brav abgesessen.

 

Nach dem Abendessen gehe ich noch aufs Deck und geniesse den Sternenhimmel. Es ist einfach ein wunderbares Gefühl in einer tropischen Nacht auf dem Deck zu stehen, den Wind zu spüren, das Tempo zu fühlen, langsam aber stetig unterwegs zu sein. Ich gehe ganz nach vorne an den Bug wo es keine störenden Lichter hat und geniesse es einfach. Besonders freu ich mich als ich wieder das Kreuz des Südens erblicke! Nach über acht Jahren steht es direkt über mir. Was bin ich doch für ein glücklicher Mensch das erleben zu dürfen!

 

 

6. Oktober 2008

Wieder einmal ist putzen angesagt. Heute sind es die Fenster der Brücke. Von dort oben hat man eine gute Übersicht und in der Ferne ist dann auch schon Land in Sicht. Der Käpten ist fleissig mit den Indonesiern am funken und scheucht mich raus sobald ich fertig bin. Von zwei Schleppern werden wir in den Hafen bugsiert und machen fest. Von Jakarta ist weit und breit nichts zu sehen, dafür hat es ein Stahlwerk in der Nähe und in den nächsten Tagen laden wir das ganze Schiff voll mit grossen Stahlplatten. Ticho und ich öffnen die Laderäume und bevor wir fertig sind, kommen die Hafenarbeiter an Bord. Mit den Arbeitern kommen auch Händler welche Parfüm, Bilder, indonesische Kunstgegenstände oder auch nur Telefonkarten verkaufen wollen. Nach unzähligen Versuchen hat dann auch der letzte begriffen dass ich nichts kaufen will. Am Nachmittag können sie nichts mit mir anfangen, es heisst immer „go rest“ aber eigentlich hätte ich lieber was zu tun als die ganze Zeit in meiner Koje rumzuhängen... einmal mehr tobe ich mich beim putzen aus, dieses mal beim eigenen Bad. Am Abend werden noch Lebensmittel angeliefert und ich muss noch Wache schieben zuerst nur für ein paar Minuten, aus den Minuten wurden dann Stunden... kurz vor Mitternacht werde ich abgelöst und gehe schnell schlafen.

 

 

7. Oktober 2008

Heute habe ich einen freien Tag und zusammen mit dem Ticho und dem zweiten Offizier gehe ich in die Stadt. In die Stadt heisst zuerst mal eine halsbrecherische Autofahrt mit einem Fahrer bis in den nächsten grösseren Ort. Überholt wird wann immer es geht, auch Gegenverkehr lässt einem nicht davon abhalten, Sicherheitslinien... was ist das? Geht es rechts nicht vorwärts dann halt links usw. Eine knappe halbe Stunde später sind wir im Ort und gehen als erstes zur Wechselstube. Dort sitzt ein Mann, nimmt das Geld entgegen, rechnet aus wie viel man bekommt, schiebt das Geld durch ein Loch in der Seite. Dort ist ein zweiter Mann welcher das Geld entgegen nimmt und die Rupien abzählt und durch das Loch nach vorne gibt. Ich erhalte für 20€ 240000 indonesische Rupien. Dann geht es zum Shopping Centre

Dort hat es einerseits Supermärkte wie man es bei uns kennt. Daneben hat es viele kleine Läden wo es Kleider, Schuhe, Mobiltelefone Sonnenbrillen usw. zu erstehen gibt. Viele Läden werden von Frauen geführt welche da muslimisch, brav in Kopftücher gehüllt sind. Wir verbringen gut drei Stunden mit schauen, staunen und shoppen, danach geht es zurück zum Schiff. Auf dem Heimweg gehen wir noch tanken und kurz nach der Tankstelle will das Auto nicht mehr und ist kaputt. Wir steigen um in einen Minibus, der Leute mitnimmt und wieder absetzt. Wir bezahlen 10USD pro Person für die Fahrt und unser Fahrer bezahlt dem Minibusfahrer noch den Rest für die Fahrt zurück. Vor dem Hafen muss dann noch der Wachposten geschmiert werden damit wir ganz bis zum Schiff fahren können... für mich ist es das erste, wohl aber nicht das letzte Mal, dass ich eine „Amtsperson“ schmiere. Am Schiff selber will der Fahrer des Minibusses dann auch noch mal Geld von uns doch wir lassen ihn links liegen und er gibt schnell auf und macht sich aus dem Staub. Rückblickend bin ich nicht mehr so sicher ob die Autopanne wirklich eine Panne war oder eher gewollt damit z. b. der Fahrer nicht mehr den Rückweg in die Stadt machen muss oder den Wachposten schmieren muss. Die restliche Zeit verbringe ich mit ausruhen, Film schauen und Tagebuch schreiben.

 

 

8. Oktober 2008

Heute erlebte ich dass die Seefahrt nicht nur schöne Seiten hat sondern auch sehr gefährlich sein kann. Ich hatte Ruhezeit bis 15 Uhr. Danach musste ich die Brücke wischen und den Abfall entsorgen bevor ich die Wache an der Gangway ablöste. Die Hafenarbeiter waren immer noch mit dem Beladen des Schiffes beschäftigt als die Traggurte verrutschten und die Stahlplatten in den Laderaum hinunterknallten. Zwei Hafenarbeiter wurden getroffen, einer tödlich, der andere verletzt. Nun begann das ganze Rösslispiel. Zuerst kamen die Gaffer, dann zwei Fahrzeuge, einer der Verletzten wurde abtransportiert, Dann kam eine Ambulanz, die jedoch unverrichteter Dinge wieder wegfuhr. Dann die Polizei, irgendwelche Behörden usw. Das Schiff ist mit einem Polizeiabsperrband beschlagnahmt und die Ladearbeiten ruhen. Jede Behördenstelle machte Fotos von der Unglücksstelle usw... Ich fühle mich betroffen dass ein Mensch starb und einer verletzt wurde, andererseits bin ich froh dass nicht wir oder Enzian als Reederei Druck auf die Arbeiter machten damit diese schneller arbeiten.

 

 

9. Oktober 2008

Die Untersuchungen waren immer noch im Gang und so lief erst mal gar nichts, wir durften nicht mal die Laderäume öffnen. Am Nachmittag wurde das Schiff dann frei gegeben. Wir mussten gut 100m verschieben um Platz für ein Containerschiff freizugeben. Die Seefahrt ist ein eher langsames Business und so brauchten wir für dieses Manöver knapp zwei Stunden. Die Taue wurden gelöst und an den nächsten Poller gelegt. Dann wurden die Taue auf Winden aufgerollt und zogen so das Schiff langsam in die richtige Position. Ich war am Heck und konnte mithelfen.

Die Fracht welche noch eingeladen werden musste wurde auch verschoben und abends um 5 Uhr wieder mit Planen zugedeckt. Ich stellte mich schon darauf ein dass diese erst am nächsten Tag eingeladen werden und war umso mehr überrascht als um 7 Uhr abends noch mit dem Laden begonnen wurde. Der Unfall zeigte auch Auswirkungen auf die Hafenarbeiter. So war nun strickte Helmtragpflicht angesagt und wer keinen hatte half sich halt mit einem Motorradhelm aus. Dass sah dann lustig aus wenn ein Gabelstaplerfahrer mit dem Töffhelm unterwegs war.

 

 

10. Oktober 2008

Um halb fünf Uhr werde ich geweckt ich solle runter kommen und mithelfen das Schiff klar zu machen zum auslaufen. Nun müssen die Ladeluken geschlossen werden, und alle losen Sachen festgebunden werden. Danach morgen essen und um 8 Uhr kommen dann die Schleppe und wir können endlich los fahren. Nun muss ich das Schiff auf blinde Passagiere absuchen und dafür auch in die Kabine der Kräne klettern, von dort oben hat man eine herrliche Aussicht und für einmal habe ich sogar dran gedacht die Digicam mitzunehmen. Ich geniesse es endlich wieder unterwegs zu sein. Am Nachmittag habe ich Ruhezeit und liege auf dem Bett als das Schiff recht plötzlich zu schwanken beginnt. Nun heisst es alles verräumen und die Schubladen und Schränke zu verriegeln. Ich muss mich zuerst daran gewöhnen und merke schon wie mir das Adrenalin wie auf der Chilbibahn ins Blut schiesst. Ich gehe auf die Brücke und schau mir an wie die Wellen über den Bug spritzen. Der zweite Offizier klärt mich auf dass dies nicht wirklich hoch sei und zeigt mir auch wo wir gerade sind. Vom Gefühl her merke ich schon dass etwas nicht ganz in Ordnung ist, aber erbrechen muss ich nicht. Interessant ist das Treppen steigen bei dem Wellengang, So hat man das Gefühl dass man die Treppe hoch fliegt wenn das Schiff gerade in ein Wellental fährt oder man wird so richtig auf den Boden gedrückt wenn es auf eine Welle hoch geht. Am Abend, ich war schon im Bett, bringt der erste Offizier noch die Visaformulare für Australien welche unbedingt sofort ausgefüllt und wieder auf die Brücke gebracht werden müssen. Der Käpten ist dann noch unzufrieden weil ich Single durchgestrichen habe und not married hin schrieb... Er flucht über die Bürokratie und ich flüchte zurück in meine Koje.

 

11. Oktober 2008

Der heutige Tag ist schnell erzählt, putzen und ausruhen. Ich musste die Teppichböden reinigen indem ich einen Kübel mit Wasser und Teppichreiniger nahm und mit einem Schrupper die Teppichböden fegte danach trocknen lassen und mit dem Staubsauger nochmals drüber fertig. Na ja dies entspricht ja nicht gerade meinen Ansprüchen wie ein Teppich gereinigt werden soll und mein Drogistenherz musste leiden... Nun gut der Kapitän hat sich bei mir später überschwänglich bedankt es sei excellent und normalerweise würde er es ja selber machen. Nun da er zufrieden ist, mir ist es recht, Nachdem ich mich durch 23 Folgen Desperate Housewives durchgesehen habe komme ich mir langsam  wie Bree van de Kamp vor welche alles dran setzt einen perfekten Haushalt zu haben.... nun gut so ausgeprägt ist es bei mir nicht und wer mein Bürotisch kannte weiss dass da eine Portion Bree nicht schaden kann

 

Ich wurde angehalten zügig zu putzen danach hätten wir noch Drill. Dieser bestand dann hauptsächlich darin dass ich wissen musste welcher Platz im Freifallboot mir ist (Nr. 3 vorne rechts) Danach war Ausruhen angesagt. Leider äussert sich der Wellengang bei mir, die Fische haben zwar noch nichts bekommen, habe aber dennoch ein flaues Gefühl in der Magengegend und am wohlsten ist mir wenn ich im Bett liegen kann und immer wieder etwas kleines esse. So bin ich sehr froh über meinen Vorrat an Ovoschokolade und schlürfe kalte Getränke. Dem Koch muss ich beibringen dass ich nur wirklich ganz wenig essen mag und als er mir noch einen Dessert hinstellen will habe ich offenbar so entsetzt No gesagt dass er ganz verdattert diesen wieder in die Küche bringt.

 

 

12. Oktober 2008

Heute ist Ruhetag. Immer noch hab ich das flaue Gefühl im Magen, die Fische haben aber noch nichts bekommen. Ich schlafe lange aus und nach einer langen Dusche fühle ich mich wohl. Das Mittagessen ändert dies aber wieder und ich bin wieder froh als ich mich hinlegen kann. Hoffentlich gewöhne ich mich bald an die Unebenheiten des Wassers...:-)

Irgendwie bin ich mir noch nicht bewusst dass ich noch fast 6 Monate auf dem Schiff sein werde, Vom Gefühl her fühle ich mich wie auf einem turbulenten, langem Flug und warte bis der zu Ende geht. So freue ich mich mächtig auf Fremantle und hoffe auch viel an Land gehen zu können.

 

 

13. Oktober 2008

Noch immer rebelliert mein Magen und ich mag nichts essen, bin mir nicht sicher ob es mir schlecht ist vom Wellengang oder vom nichts essen. Der erste Offizier findet ich hätte zu viele Überstunden und gibt mir einen Ruhetag. Ich glaube er hat vergessen dass ich einen Tag an Land war. Da ich sowieso nicht viel machen kann und es mir am wohlsten im Bett ist verzichte ich darauf zu protestieren. Dank Ovoschokolade überlebe ich den Tag, hab auch Toblerone probiert, aber die Ovoschoggi ist weniger süss und ich fühle mich wohler. Trotzdem bin ich stolz darauf dass die Fische noch nichts bekommen haben.

 

 

14. Oktober 2008

heute geht es mir schon etwas besser, ich mag mehr essen und es schaukelt auch weniger. Bei den Arbeiten ist immer noch putzen angesagt. Ich versuche das Blut aus der Tragbare auszuwaschen was aber nach einer Woche auch mit allen Drogistenkniffen eher ein Ding der Unmöglichkeit ist. Nun ja der Fleck ist immer noch ersichtlich, nun ist es halt ein sauberer Fleck.

Für Australien müssen wir noch die Deklarationsfomulare ausfüllen, die wollen es aber ganz genau wissen, so weit bis hin zu den Seriennummern von elektronischen Geräten...Habe gemeint es spinnen nur die Römer und die Amis... Na ja so gebe ich halt den ganzen elektronischen Spielzeugpark an und da sie auch Messer als Waffen sehen meine Swiss Army Knifes was mich dann schon fast wieder etwas stolz macht. Noch immer freue ich mich auf Fremantle und hoffe auch an Land gehen zu können.

Irgendwie habe ich das Gefühl dass etwas nicht stimmt. So ist der 1. AB im Moment sehr wortkarg zu mir und ich werde immer von den anderen Matrosen losgelöst eingesetzt. Dummerweise passiert mir noch ein Missgeschick als der zweite Offizier in die Messe telefoniert und Sveto den zweiten AB verlangt, ich wohl nicht viel studiere und den ersten AB zur Brücke bestelle. Ein anderer Grund könnte sein dass ich erzählt habe wie ich auf die Idee kam auf ein Schiff arbeiten zu gehen. Der dritte AB Dorel brachte mal einen Spruch von wegen mir und Tourist. Ich habe das Gefühl ich muss ihnen klar machen dass es für mich zwar ein Abenteuer ist aber ich dennoch nicht der Tourist bin und ich mitarbeiten will. Na ja ich hoffe es bessert sich wieder, sonst muss ich halt ein klärendes Gespräch suchen. Und für mich gilt dass ich besser zuhöre und nachfrage wenn etwas unklar ist.

 

 

15. Oktober 2008

Auch heute ist wieder Putzen angesagt, dieses Mal die Gästekabinen. Dazwischen finde ich Zeit in den alten Gleitschirmmagazinen zu blättern und das Flugfieber beginnt zu kribbeln. Mal sehen was in 6 Monaten ist, im Moment würde ich gerne wieder mal Losfliegen. Ein klein wenig Wehmut nach der Schweiz hat das ganze schon ausgelöst, nach zwei Wochen auf dem Schiff ist der Enthusiasmus verflogen und im Moment macht sich Nüchternheit breit. Morgen treffen wir (endlich) in Fremantle ein und nach einem hoffentlich ausgedehnten Landgang sieht die Welt auch schon wieder anders aus.

 

 

16. Oktober 2008

Das Wetter hat sich verschlechtert und die ganze Nacht hatten wir recht hohe Wellen. Nun rächt sich dass ich nicht alles verschlossen habe, Kleider Schuhe, Schreibzeugs und co liegt am Boden und rutscht schön von links nach rechts und umgekehrt. Zum glück habe ich das Bett längs zur Fahrtrichtung, diejenigen welche es quer haben sind noch schlechter dran, mal sind die Füsse zuoberst, dann wieder der Kopf und der Magen fährt schön rauf und runter... Die Seekrankheit habe ich gut überwunden und ich habe nicht gekotzt!!! Gegen Mittag sind wir vor Perth und müssen dann noch bis am Abend warten bis wir in den Hafen von Fremantle einlaufen können. Bereits empfangen können wir Australisches Fernsehen. Da ist alles noch beim alten, ABC SBC als staatliche und werbefreie Sender, Channel seven, nine und then welche als Merdoc Kanäle nur so strotzen vor Werbung. Dennoch tut es gut wieder Nachrichten zu sehen und nicht mehr von der Welt abgeschnitten zu sein.

 

 

17. Oktober 2008

Heute musste ich nur kurz Wache schieben, danach hätte ich an Land gehen können... können! Zuerst machte ich noch die Crewmembercards für die neuen Crewmitglieder doch dafür mussten zuerst noch Bilder gemacht werden, wobei der PC oder der Drucker etwas gegen mich hatte und mein Ausweis immer ohne Foto druckte und partout mein Bild verweigerte. Mit einem neuen Foto ging es dann. Weiter wurde ich als „best Boy“ eingesetzt d.h. Gango um Leute zu suchen, Unterschriften einzuholen, Sachen zu bringen oder zu holen usw. Gut ein Dutzend mal rannte ich das Treppenhaus hoch und runter doch es hat Spass gemacht. Kurz bevor ich dann nach dem Mittagessen an Land gehen wollte kam der erste Offizier und teilte mir mit dass der Kapitän Landgänge verboten hätte weil er noch eine Inspektion erwarten würde. Super!!! So gab es halt einen langen Mittagsschlaf und um vier Uhr erlaubte dann der Käpten an Land zu gehen. Der lokale Seemannsclub hat einen Fahrtenservice eingerichtet der einem vom Schiff abholt und wieder zurückbringt. Dieser muss aber auch benutzt werden. Um 5Uhr war ich dann endlich in der Stadt und zusammen mit Bubu dem Motorman machten ich eine Stadtbesichtigung und versuchte ein offenes WLAN-Netz zu finden. Leider war nichts zu machen, entweder langsam oder passwortgeschützt. So gingen wir wieder zum Seemannsclub. Dort konnte ich dann auch ins Netz und die Mails lesen. Es tat richtig gut all die lieben Grüße und Geschichten zu lesen. Andrina mein Göttimeitli 3 Jahre alt erzählt allen ihr Götti sei nun gaaaaanz lange und gaaaaanz weit weg, er sei jetzt Pirat!!!

Die Militärverwaltung hat offenbar nicht gecheckt dass ich den Dienst fertig geleistet habe und so musste ich das noch telefonisch klären. Da noch über tausend Minuten auf der Telefonkarte übrig waren kamen Freunde und Familie in Genuss von Anrufen. Zufrieden fuhr ich zurück aufs Schiff und hoffe noch ein paar Tage hier in Freemantle verbringen zu können.

 

 

18. Oktober 2008

Wir warten auf die Hafenarbeiter, stundenlang läuft nichts und dann abends um 5Uhr wenn es niemand mehr erwartet kommen die Arbeiter und sind beginnen die Fracht auszuladen. Ich geniesse es den ganzen Tag in Fremantle zu flanieren, Postkarten schreiben und ausgiebig im Internet zu surfen. Dazu muss ich noch Augentropfen für den Käpten besorgen. Diese sind rezeptpflichtig, die Apothekerin kann sie mir aber geben wenn ich ein „offizielles“ Schreiben vom Kapitän bringe. Zurück auf dem Schiff erklär ich dem Kapitän die Umstände und er ist hocherfreut als ich mich gleich an den PC setzte und eine „offizielle“ Bestellung schreibe mit Logo von der Reederei. Dann noch die Unterschrift vom Kapitän und der offizielle Stempel und am nächsten Tag kann ich ohne Probleme die Tropfen abholen.

Interessanterweise dürfen in Australien keine Kombinationspräparate verkauft werden. So ist Tobradex aufgesplitet in Toprex und Mexatex.

Vom Hafen in die Stadt ist ein Shuttleservice eingerichtet, Laufen im Hafengelände ist verboten. Eigentlich würde ich gerne nach Perth in den Ausgang gehen, aber der letzte Bus fährt schon um 22. Uhr vom Seamansclub und ich weiss nicht wie ich zurück zum Schiff komme. Nun eigentlich ganz einfach, Zum Tor gehen, in der Gegensprechanlage sagen was man will, den Crewmemberausweis in die Kamera halten und schon gehts. Als ich das erfahre ist es leider ist es zu spät für ein Trip ins Nachtleben von Perth.

 

 

19. Oktober 2008

Was gestern nicht klappte wurde heute nachgeholt, Der Ausflug nach Perth. Bubu der Motorman, der Chefingenieur und ich fahren mit dem Zug dorthin. die Ticketautomaten sind modern mit Touchscreens ausgestattet und einfach zu bedienen. Ungewohnt für mich ist der beschränkte Zugang zum Perron, Nur  wer ein gültiges Ticket hat kann durch. Die Züge sind moderne klimatisierte Triebwagen im Stil von U-Bahnen. Nach einer halben Stunde sind wir in Perth und machen einen ausgedehnten Spaziergang. Perth ist ne „kleine“ Grossstadt und die City ist recht überschaubar, ein paar Hochhäuser, Obwohl Sonntag ist haben die meisten Geschäfte geöffnet und es hat recht viel Betrieb. Auf der Rückreise werden wir mit dem Ticket wohl aufs Perron gelassen, aber ich glaube die letzten 20 Minuten fahren wir schwarz. Danach besuchen wir noch das Maritime Museum, es zeigt die Geschichte von Hafen und der Umgebung, Freemantle war zuerst eine Walfangstation und im 2. Weltkrieg ein bedeutender Hafen für die Alliierten. Auch ein Thema ist natürlich die Einwanderung. tausende von Leuten kamen hier in Australien an. Besonders freue ich mich als ich ein Modell des Schwesterschiffes der Pamir finde welche im Buch von William Stark beschrieben ist. Danach geht’s zurück zum Schiff.

 

 

20. Oktober 2008

Ich erwarte ein E-Mail und will unbedingt nochmals in die Stadt. Zuerst muss ich noch den Müll einsammeln und die Toiletten putzen. Danach muss ich Wache schieben und am Abend noch den Müll im Laderaum wegputzen. Offenbar gibt es ein Problem mit Weizenkörnern welche von früheren Ladungen noch im Laderaum sind. Die Firma welche den Stahl bekommt will die Ladung zurückweisen weil die Körner offenbar ein Problem mit den strikten Quarantänevorschriften geben könnten. Im Laderaum sehe ich wie massiv die Stahlplatten sind. 2.5m x 8m x 16cm. Dazu haben wir noch aufgerolltes Stahlband welches gut 2cm dick ist. Um 22 Uhr ist dann endlich Schluss mit arbeiten und todmüde geh ich schlafen.

 

 

21. Oktober 2008

Heute bin ich das erste Mal Krankenwagen gefahren. Vorerst mir geht es gut, doch der Reihe nach... Um 7 Uhr stehe ich immer noch hundemüde auf und nach dem Frühstück muss ich weiter die Laderäume aufräumen und wischen. Um 9 Uhr werde ich gerufen, ich müsse mit dem Chief in das Spital. Er hat sich den Fuss eingeklemmt und es scheint als wäre sein Fuss gebrochen. Kurz duschen, umziehen, dann kommt der Krankenwagen. Zuerst stellen die Sanitäter ein paar Fragen und einer notiert sich alles mit Kugelschreiber auf dem Handschuh. Dann wird der Chief auf die Bare gesetzt und verladen, ich kann vorne mitfahren. Im Spital muss ich dann beim Empfang warten.

 

Im Empfang hat es rote und grüne Stühle, auf den roten sind die Patienten welche die Triageschwester noch nicht gesehen hat. Die erste Triage erfolgt noch im Empfangsraum und jeder kann da mithören und sehen was gerade so passiert. Der Pulsnehmer piepst so laut dass man ihn nicht überhören kann. Ich bin erstaunt wie offen das hier zu und her geht, in der Schweiz würde das wohl einen riesigen Aufstand geben von wegen Datenschutz und Arztgeheimnis.... Ich habe mein Notebook eingepackt und kann nun gemütlich Tagebuch schreiben. Nach gut 90 Minuten geht die Türe auf und mit einem russischen „Kristof“ kündigt sich der Chief an. Er hat zum Glück nur den Fuss gequetscht und nicht gebrochen. ich bin mir allerdings nicht sicher ob es für ihn auch zum Glück ist oder ob er gerne nach Hause gegangen währe... Wir bestellen ein Taxi und nach einem ungewollten Abstecher sind wir dann wieder beim Schiff. Wir können mit dem Taxi sogar bis zum Schiff fahren, Am Nachmittag muss ich noch an die Gangway stehen, Auf 20 Uhr ist der Lotse angekündigt wir werden aufs Meer hinausfahren und vor der Küste die Anker herunter lassen und auf weitere Anweisungen warten. Ich vermute wir werden um den 25.10 wieder in den Hafen fahren und dann neue Fracht laden und weiterfahren.

 

 

22. Oktober 2008

Wir fahren langsam die Australische Küste hoch. Der Charterer hat offenbar keinen neuen Auftrag für uns und so fahren wir mal Richtung Singapur und da schnell fahren viel Sprit braucht sind wir im Economic Modus unterwegs. Den ganzen Tag sind wir mit Schiff putzen beschäftigt. Wir kippen den Müll ins Meer. Die anderen Matrosen sind nicht wirklich motiviert in Sachen Umweltschutz, offiziell natürlich nur was im Wasser verrottet, inoffiziell wird alles ins Meer geknallt, auch Plastik. Auf der Steuerbordseite wirbelt es den Staub immer wieder hoch und ich werde so dreckig dass ich über Mittag duschen gehe und vorher noch Beweisfotos mache. Dann mach ich mich noch als Schlauchträger nützlich alles in allem ist es aber eher ein langweiliger Tag.

In Fremantle fand ich einen Laden der wie ein alter Tante Emma Laden eingerichtet ist voller Süssigkeiten, dort erstand ich eine Tüte Nougat. Täglich abends nach dem Essen gibt es ein Stück davon worauf ich mich richtig freue, sozusagen das Highlight des Tages.

 

 

23. Oktober 2008

Was gestern aussen war heute innen dran, putzen der Laderäume war angesagt. Dazu wurden die Feuerlöschpumpe aktiviert und die Laderäume ausgespritzt. Bis alles installiert ist und bereit vergeht gut eine Stunde und ich bin damit beschäftigt x mal die Leiter hoch und wieder runter zu klettern und irgendwelches Werkzeug zu holen oder der Brücke zu telefonieren sie sollen mit Schräglage Steuerbordseite fahren damit wir das Wasser wieder rauspumpen können. Heute habe ich das erste Mal das Gefühl die anderen Matrosen sehen mich nicht nur als Tourist sondern als Stift der halt noch viel „Pflege“ braucht, den man aber doch auch einspannen kann. Zufrieden geh ich zum Znacht wo es Lasagne gibt. Den Abend verbringe ich mit dem näheren kennen lernen meiner Digicam und mit Wäsche waschen. Das neuste Gerücht sagt dass wir nach Schanghai fahren wo die Celine ins Trockendock kommt. Ich lag also mit meinem Zurück nach Perth wieder mal falsch, aber eigentlich ja klar, erwartete ich sie doch schon längst in Europa......

24. Oktober 2008

Zum ersten Mal habe ich mich heute gefragt warum um aller Welt ich mir das antue. Am Morgen mussten wir noch das Finetuning im Laderaum machen, d.h. Wasserpfützen in Vertiefungen mit dem Mob oder einem Schwamm aufsaugen. Am Nachmittag mussten wir dann die Ketten und Kettenstrecker in den Werkzeugraum im Bug des Schiffes rein beigen. Die Dinger sind verdammt schwer und es war echt mühsam. Ich war froh machten wir öfters mal Pause. Ich bin verwundert dass man da keine benutzerfreundlichere Lösung gefunden hat. Heilfroh bin ich als wir um halb fünf Uhr schon Feierabend machen können.

 

 

25. Oktober 2008

Normalerweise war der 25. immer der Zahltag... heute ist es ein normaler Samstag. Pünktlich um acht Uhr bin ich im Deckoffice und warte auf die anderen, jedoch niemand kommt. So vergnüge ich mich mit Monopoly spielen am PC. Eine halbe Stunde später kommt der Chief und teilt mir mit dass ich wieder mal zu putzen hätte. So wische ich das Treppenhaus und bringe den Müll raus. Danach haben wir eine Besprechung über die Gefahren an Bord. Den Nachmittag verbringe ich mit Solitair spielen, schlafen und Digicam kennen lernen. Nach dem Abendessen gehe ich den Sonnenuntergang bewundern, der Himmel hat ein schönes Pastellblau und die paar Wolken werden von der untergehenden Sonne angeleuchtet. Später am Abend gehe ich vorne zum Bug und bewundere den Sternenhimmel fast in völliger Dunkelheit sieht man noch viel mehr Sterne. Dazu geniesse ich mein letztes Stück Nougat.

 



26. Oktober 2008

ich geniesse es lange ausschlafen zu können und stehe erst zum Mittagessen auf. Der zweite Offizier lädt mich zum lernen ein wie das Schiff zu steuern was ich gerne annehme. Wir vereinbaren dass ich um ein Uhr auf die Brücke komme. Um halb eins ruft mich der Käpten an und fragt ob ich ihm wegen dem PC helfen könnte. Als ich ihn darauf aufmerksam mache dass ich um ein Uhr auf der Brücke sein muss meint er nur sein Anliegen sei wichtiger die Brücke könne warten. Er hat von einem Matrosen eine DVD erhalten mit vielen Tools und Programmen drauf. Wir installieren und löschen einiges und da er schon viel mit seinem Notebook rumgespielt hat ist die Kiste recht langsam und ich würde sie am liebsten neu aufsetzen, aber ohne Internetverbindung ist mir das zu heikel. Nach über dreieinhalb Stunden sind all seine Wünsche befriedigt, ich verschiebe den Kurs in Schiff manövrieren und lege mich etwas hin.

Nach Feierabend und am Wochenende verzieht sich jeder in seine Kabine ist mehr für sich. einerseits verständlich kann man ja nicht 24 Stunden immer zusammen sein, andererseits ist es auch langweilig und ich würde gerne etwas unter die Leute gehen. Am Anfang war ich erstaunt als die Leute erzählten wie viele hundert Gigabytes an Musik und Filmen sie dabei hätten, unterdessen kann ich es nachvollziehen. Noch immer dümpeln wir im Ecospeed Richtung Singapur. Morgen Montag sollte dann endlich rauskommen wohin es als nächstes geht.

 

 

 

27. Oktober 2008

Heute war wieder mal Sklaventag, Ketten schleppen war angesagt, dieses mal aber beim Heck und das war bedeutend angenehmer da man aufrecht stehen kann und die Ketten auch nicht durch eine wasserdichte Tür ziehen muss. Und wenn ich nicht darüber nachdachte war es auch nicht so schlimm. Wir fahren nun Richtung Indonesien und man merkt gut dass wir wieder in den Tropen sind, es ist angenehm warm bis heiss. Am Nachmittag wäre Schiff fetten angesagt gewesen, aber da der Chief noch nicht zu lange auf seinem Fuss stehen kann wird ein Podest für einen Stuhl gebaut. Auf der Brücke hat es zwar zwei Stühle, der Steuerknüppel ist aber genau dazwischen. Ich beteilige mich als Handlanger, Dorel, der dritte Matrose hat noch nicht gemerkt dass er auch Arbeiten abgeben kann und macht alles lieber selber.

 

 

28. Oktober 2008

Schiff fetten, zusammen mit Ticho fette ich alle beweglichen Teile beim Bug. Das sind die winden um die Taue zu spannen und die Umlenkrollen in der Wand des Schiffes und auf dem Deck selber. Nach 10 Uhr muss ich im Laderaum 2 „Number two“ genannt die noch vorhandenen Wasserlachen aufwischen, sozusagen das Finetuning machen. Nach dem Mittagessen geht es weiter mit Schiff fetten. Die Umlenkrollen auf dem Deck sind alle verhockt und wir müssen sie auseinander nehmen. Dick mit Schmiermittel bestrichen rollen sie fast alle wieder wie perfekt. Nach der Kaffeepause ist das Heck dran. Einige Schmiernippel sind verhockt und am Schluss bin ich überall mit Schmiermittel bekleckert. Also an Land macht das Rumspielen mit dem Zeugs mehr Spass. Am Abend sind wir wieder in Gewässer mit Mobilfunkabdeckung. Hoffnungsvoll schalte ich das Natel ein und freue mich über ein SMS von einer lieben Freundin. Selber schreibe ich SMS nur in Ausnahmefällen das mir die Kosten schlichtwegs zu teuer sind, habe aber schon einige Mails im Postausgang und warte nur darauf wieder mal online gehen zu können. Als weiteres Highlight des Tages wird mir ein Teil des Lohnes ausbezahlt. So kriege ich 97US$ in Bar und nochmals 15$ für die Taxifahrt in Fremantle.

 

 

29. Oktober 2008

Bei mir haben sich wieder einige Überstunden angesammelt und so gibt mir der Chief heute einen Freitag. Ich verbringe die Zeit mit lesen. das Buch heisst das Gleichgewicht der Welt von Rohinton Mistry. Es wurde mir von einer Arztgehilfin als Vorbereitung für Indien empfohlen. Ein Kritiker schrieb: „Dieser Roman ist ein grosses Fest. Er schlägt den Bogen von einer heiteren Komödie bis zum bewegenden Portrait einer Familie. Der Autor schafft es in einem Stadtviertel die Schattenseiten, den Charme und die Tragödie eines ganzen Kontinents einzufangen." Ich kann dem nur zustimmen, einerseits macht es mich glustig auf Indien, andererseits schreckt es auch ein wenig ab. Der Zeitrahmen handelt von der Staatsgründung bis 1984. doch werden die Gebräuche wie das Kastensystem wohl immer noch ihre Gültigkeit haben. In den Buch kommt auch die Ermordung von Indira Ghandi vor an den ich mich noch gut erinnern kann, die Feuerbestattung hat mir damals sehr imponiert

 

Mehr oder weniger alle in der Geschichte vorkommenden Personen erleben einen sozialen Abstieg. Dies heisst aber nicht dass sie deswegen unglücklich sind. Eine der Hauptpersonen bringt sich um, er ist zwar materiell reich, seelisch aber arm und leer. Er verdiente sein Geld als Klimatechniker am Golf, vermisst aber sein Bergdorf und ist seinen Eltern böse dass sie ihn damals ins College nach Bombay geschickt haben. In mir löst das Gefühle der Angst der Einsamkeit und der Trauer aus. Ich bin auch aus meiner Welt fort gegangen weit weg von zu Hause und merke wie ich die Familie, meine Eltern und Geschwister, meine Freunde und Kollegen vermisse. Die vielen lieben SMS und E-Mails welche ich erhalten habe sind mir ein Trost.

Am Nachmittag muss ich nochmals zum Kapitän. Eine Software will nicht laufen, ich bringe sie jedoch auch nicht funktionstüchtig und so installieren wir eine alte Version die dafür funktioniert. Nebenbei erfahre ich noch interessante News: Wir fahren Nach Shanghai ins Trockendock und das Podest wurde nicht für den Chief gebaut sondern weil der Autopilot ausgefallen ist müssen wir das Schiff nun von Hand steuern. Diese Aufgabe übernehmen auch wir Matrosen und damit wir dabei nicht stehen müssen ist das Podest mit Stuhl darauf. Ich darf dann auch mal das Ruder übernehmen. Ist zwar nur ein Joystick aber trotzdem noch recht schwierig da eine Reaktionsverzögerung von ca. 20 Sekunden besteht. Nun ich komme etwas vom Kurs ab und so fahren wir eine scharfe Linkskurve zur Kurskorrektur, Wenigstens hat es keine Leitplanken wo ich hängen bleiben kann... Mit der Zeit geht es dann auch schon besser und ich bleibe auf Kurs.

 

 

30. Oktober 2008

Heute war ich den ganzen Tag alleine, immer noch bin ich mit dem Schmierwerkzeug unterwegs. Heute waren die Flügelmuttern, Butterflys genannt, dran. Von vorne nach hinten und von unten nach oben überall das Fett wegputzen und neues ranpinseln und dazu noch die Scharniere ölen. Am Morgen geraten wir in einen tropischen Regenschauer. Zuerst windet es stark und dann sträzt der Regen nur so runter. Ich ziehe die Kaffeepause vor und warte bis das Wetter wieder besser ist. Beim Abendessen sinniere ich zusammen mit Bubu darüber was mir auf de Schiff fehlt. Eigentlich ist es nur eine Internetverbindung. Diese würde den Kontakt zu den Familie, Freunden und Kollegen (FFK) ermöglichen. Ich merke dass mir sprachliche Austausch fehlt und geniesse es wenn ich dem Kapitän eine Witz erzählen kann. Dies ist umso schwieriger da ich den zuerst auf Englisch übersetzen muss und schauen muss ob er auch funktioniert, Er hat zum Glück einen eben so schwarzen Humor so dass mir doch einige Fettnäpfchen erspart bleiben.

 

 

31. Oktober 2008

Zum ersten Mal war heute Schiff streichen angesagt. Ich musste auf einem Teil der Laderaumabdeckung zuerst die ausgebesserten Stellen mit weissem Untergrund abdecken und dann am Abend wurde diese noch mit grüner Farbe gestrichen. Ich bin mir nicht sicher obs an der grünen Farbe oder an der schönen Stimmung lag ich fand es sehr beruhigend und habe es genossen. Das Meer war heute sehr ruhig, die Wellen nur klein und dann in der Abendsonne zu streichen war sehr schön. Am Nachmittag habe ich zum ersten Mal Delfine gesehen. Plötzlich war eine grosse Gruppe von schätzungsweise 20 Tieren welche neben und vor dem Schiff rum schwammen und auch aus dem Wasser gesprungen sind. Fliegende Fische haben wir heute auch gesehen. Spannend wie plötzlich ein silbriger Punkt aus dem Wasser auftaucht, teilweise wie ein Stein über das Wasser hüpft und dann plötzlich wieder weg ist. Teilweise waren es ganze Schwärme von 5 bis 6 Tieren. Am Abend hat es wieder einen wunderbaren Sonnenuntergang, ich spüre eine grosse Zufriedenheit, vermisse jedoch immer noch meine FFK.

 

 

1. November 2008

Nun bin ich schon ein ganzer Monat auf dem Schiff. Ich habe mich gut eingelebt und fühle mich hier auch zu hause, auch wenn ich einige Sachen vermisse. Samstag ist Putztag und so wische ich das Schiff von der Brücke bis zur Waschküche. Am Nachmittag beim aufräumen der Kabine kommen mir noch deutsche Zeitungen in die Finger vom Hinflug. Hätte nie gedacht das ich mich so darüber freue und dazu hat es noch zwei Sudokus darin! Ich geniesse es Zeitung zu lesen und lege die Sudokus behutsam auf die Seite. Der Käpten schafft es dann noch mich in die Ärztekassezeit zurück zu erinnern. Er ruft mich wegen jeder Kleinigkeit am Notebook. Heute weil sein Notebook komische Geräusche machte und er möchte wissen was es gewesen ist. Nun nachträgliche Diagnosen konnte ich schon bei der ÄK nicht stellen und das hat sich unterdessen nicht geändert. Als ich spät abends noch in de Messe schleiche um etwas zu essen sind da die Bulgaren welche einen feucht fröhlichen Abend feiern. Ich setzte mich zu ihnen und wir diskutieren über die Unterschiede wischen der Schweiz und Bulgarien. Laut Ticho verlief der Umbruch damals zu langsam und so haben nur wenige davon profitiert. Ein weiteres Problem sei die grosse Korruption. Ich geniesse es dass sich nicht jeder einfach nur in der Kabine verkriecht und komme erst um halb eins ins Bett.



2. November 2008

Genüsslich schlafe ich ganz lange, Danach löse ich ein Sudoku, aber nur eins, das andere hebe ich mir für später auf. Wir sind nun seit drei Tagen wieder auf dem offenen Meer irgendwo zwischen Vietnam und den Phillipinen. Der Koch hat heute zu Mittag einen Grillspiess mit Pommes Frittes gekocht. Es war wunderbar. Den restlichen Tag verbringe ich mit Schlafen und Freecell spielen, kann mich dann aber doch noch motivieren meine Kabine feucht aufzuwischen. Dann gehe ich noch den Sonnenuntergang bewundern. Ich bin fasziniert von einzelnen tief hängenden Wolken wie die so schön angeleuchtet werden und dadurch richtig griffig aussehen. Hinter uns liegt eine Gewitterfront aus der es immer wieder blitzt, dies leuchtet die Wolken genial schön an und ist spannend zuzusehen. Ich freue mich auf Shanghai und hoffe dort eine dicke Internetleitung zu finden um zu chatten, Zeitungen zu lesen, Mails zu versenden und nicht abgeschnitten von der Aussenwelt zu sein. Am 6. November sollten wir dort ankommen, also noch 4x schlafen.

 

 

3. November 2008

Heute wechselten wir das Drahtseil der Gangway aus. Dabei war eine Schraube verklemmt mir viel auf dass wenn etwas nicht geht dann wird einfach mal mit Gewalt probiert, das kenne ich aus der Schweiz weniger, da wird zuerst mal probiert, dann noch den Rostlöserspray hervorgeholt und erst wenn gar nichts mehr geht dann wird Gewalt angewendet. vielleicht sehe ich es auch zu rosig... Dann lerne ich auch noch dass Wire sowohl das Drahtseil wie auch der einfache Draht sein kann. Ich sollte the Wire geben und suchte nach einem grossen Stück... dabei war der normale Draht gemeint. Ab und zu brauchen sie schon noch etwas Geduld mit mir, das Touristenenglisch ist mir schon geläufig aber dann die Namen der Werkzeuge lerne ich jetzt nach und nach.

Sonst war heute nicht viel los, zwischendurch noch etwas putzen, Farbkübel schleppen ein paar kleinere Sachen und das war’s auch schon, nicht mal der Käpten hatte ein PC-Problem

 

 

4. November 2008

Offenbar ist die Seekrankheit erst überwunden wenn man richtig gekotzt hat. Heute hatte es wieder recht hohe Wellen und wenn das Schiff so richtig schön in eine rein kracht dann wackelt es schon recht. Bei mir meldet sich wieder der Magen. Ich habe dann ein Gefühl wie wenn es mir die Speiseröhre zuschnüren würde und wie wenn sich Luft ansammeln würde und muss auch vermehrt „görbsen“ (gibt’s dafür eigentlich einen hochdeutschen Begriff?) Weiter bin ich dann empfindlicher auf Gerüche, eine Freundin meinte dass sei wie wenn Frau schwanger sei... Ich bin froh kann nicht viel gemacht werden bei dem Wellengang und gönne mir ausgedehntere Pausen. Gegen Abend beruhigt sich dann das Meer und somit auch mein Magen.

 

 

5. November 2008

Man merkt dass es Richtung China geht. Vermehrt sind andere Schiffe anzutreffen, darunter viele Containerfrachter. Ich freue mich auf Shanghai und stehe richtig beschwingt auf. Wir bereiten das Schiff für das Trockendock vor, ich muss zwei Kabinen auf Vordermann bringen, zwei zusätzliche Leute werden dann auf der Celine wohnen und die Arbeiten überwachen. Dann wurde noch das Lager aufgeräumt und alle wertvollen Sachen werden ins Farbenlager eingeschlossen. Offenbar wird da geklaut was nur geht, ob das am Trockendock liegt oder an China weiss ich nicht.

Das Meer ist heute ganz ruhig und es ist neblig. Immer wieder tauchen chinesische Fischerboote auf, es ist eine ganz mystische Stimmung. Am Abend verwöhnt uns der Koch mit Lasagne, zwar nicht ganz so gut wie die eigene aber immer noch ein Festschmaus.

P.S. Nur noch einmal schlafen!

 

 

6. November 2008

Auch heute verbrachten wir den ganzen Tag mit Vorbereiten fürs Trockendock. Die Büros wurden mit Papier ausgelegt um die Böden zu schonen. Die Tische sind fix mit dem Boden verschraubt und wir musste einiges anpassen und zuschneiden. Mir hat die Arbeit aber Spass gemacht. Ich muss jedoch merken dass nicht alle so motiviert sind. Ich glaube die Schweizer Mentalität hat es so an sich dass auch wenn eine Arbeit nicht gern gemacht wird dann wird sie trotzdem richtig erledigt und nicht nur halb. Der eine Matrose meint immer wieder dies sei kein Hotel und müsse nicht so perfekt sein. Der Chiefmate ist jedoch zufrieden und findet es perfekt was wiederum mich freut. Am Abend setzen wir dann den Anker vor Shanghai. Wir empfangen chinesisches Fernsehen, Irgendwie kommt mir vieles bekannt vor, es werden die gleichen Produkte beworben und TV Soaps gibt es auch. Alles ist aber asiatisch angehaucht und mit dem chinesischen Singsang tönt es ganz fremd. Nun wo wir wieder auf der Nordhalbkugel sind wird es schon um 17 Uhr dunkel, am Morgen ist es jedoch schon vor 7 Uhr hell.

 

 

7. November 2008

Brav erscheine ich um 8 Uhr zur Arbeit. Ausser den Abfalleimern zu leeren muss ich nichts machen und ich lege mich wieder schlafen. Wir sind nicht alleine um uns herum hat es noch einige andere Schiffe und im Nebel sieht es gespenstisch aus. Als sich am Nachmittag der Nebel etwas lichtet zähle ich um uns herum über 30 Schiffe welche am Anker liegen. Ich versuche Fotos zu machen, für eine gescheite Aufnahme bräuchte ich fast ein Weitwinkelobjektiv. Ich entdecke dass ich im MMS 1000 Zeichen schreiben kann und es mich günstiger kommt als SMS schreiben und so breche ich meinen Vorsatz und beglücke einige Leute mit einem MMS Langsam habe ich Mühe mich zu beschäftigen und aus Frust esse ich die letzte Tafel Schokolade, muss mir an Land dann neue besorgen... Weiss nicht ob der Koch keine Vorräte mehr hat oder die Mens, das Mittagessen heute war jedoch nicht wirklich gut. Es gab eine wässrige Suppe und Würstchen mit irgendeinem mehligen Getreide. Das ganze schmeckte sehr fade. Dazu gab es Crépe als Dessert gefüllt mir kandierten Früchten und einer sehr süssen Sauce... unweigerlich schwenken meine Gedanken an die mütterliche Schoggimousse und wer die kennt wird mich sicherlich verstehen.

 

 

8. November 2008

Noch immer liegen wir vor Anker und ich habe nichts zu tun. Heute ist es nur noch bewölkt und so sehe ich was wirklich um uns herum ist. Über 450 Schiffe sind um uns herum und alle wollen nach Shanghai. Der Käpten zeigt mir noch den Radarschirm wo es nur so von gelben Punkten leuchtet. Vom zweiten Offizier erfahre ich dass 100 Seemeilen um uns herum über 600 Schiffe sind, nicht alle am Anker aber dennoch eine riesige Zahl. In der Nacht soll es dann losgehen Richtung Shanghai.

 

 

9. November 2008

Wir sind tatsächlich in der Nacht losgefahren. Um halb 8 werde ich vom Chief geweckt ich solle auf die Brücke kommen. Dort treffe ich auf den Kapitän in Uniform und will schon einen dummen Spruch reissen als ich sehe dass auch zwei chinesische Lotsen an Bord sind. Gut dass ich in Englisch mehr Zeit zum denken brauche und so ein Fettnäpfchen auslassen kann. Wir fahren schon den Fluss rauf und je näher wir zum Hafen kommen desto mehr Schiffe hat es. Manchmal sieht man gar nicht mehr wo es durch geht und immer wieder wird das Horn getätigt um andere zur Seite zu scheuchen. Einmal lässt sich ein Frachter so weit in unsere Fahrrinne reintreiben dass der Lotse wohl ganz nervös wird und permanent auf das Horn drückt. Alles verläuft jedoch glimpflich. Wir fahren mitten durchs Stadtzentrum durch, an Hochhäusern vorbei und überall auf dem Fluss hat es Schiffe Schiffe und nochmals Schiffe, teilweise in fünfer oder Sechserblöcken geparkt meine Digicam muss hart arbeiten... Dann kommen wir zur Werft. Wir kommen nicht ins Trockendock sondern nur an die Hafenmauer. Sofort nach dem Anlegen kommen chinesische Arbeiter an Bord und beginnen mit den Vorarbeiten, Stromanschluss wird gelegt, Telefon installiert, leider keine Internetleitung. Die Gangway geht direkt in den 2. Stock wir müssen unsere Abfalltonnen wegräumen, eine ist so gut verschraubt dass wir länger brauchen auf einmal ist es dem chinesischen Vorarbeiter zu langsam und die Tonne kann stehen bleiben, der Platz dazu reicht allemal aus. Kurz danach kommt noch ein weiteres Schiff und wird gleich an unseres vertaut. Der Zugang zum anderen Schiff verläuft über die Celine und so ist ein kommen und gehen... Mir hat es fast zu viele Menschen... Dann kommt noch eine Foodlieferung. Wir können die Sachen mit dem Kran direkt aufs Deck hieven und müssen sie nicht die lange Gangway rauftragen. Alle helfen mit und so fliegen die Kartons nur so vom einem zum nächsten. In der Schweiz habe ich immer chinesische Lebensmittel boykotiert, einerseits weil ich den langen Lieferweg sinnlos finde, andererseits weil die Produktionsmethoden mir nicht zusagen (Antibiotika im Pouletfleisch usw.) Nach dem neusten Skandal mit dem Melatonin in der Milch bin ich etwas misstrauisch... nun gut ich werde es überleben. Dann muss ich noch Wache schieben, es geht ein zügiger kalter Wind und ich muss mich warm anziehen, nichts mehr mit der angenehmen Wärme in tropischen Nächten...

 

 

10. November 2008

Nach dem Morgenessen hat Ticho keinen Job für mich und meint ich könne an Land gehen. Solle doch noch den Chief fragen. Nun bekanntlich verliert wer fragt und so geht es auch mir. Der Chief setzt mich auf Stand by. Ich verbringe die Zeit wieder mal mit Kabine aufräumen und Tagebuch schreiben. Viel zu tun gibt es aber nicht. Von den anderen Matrosen erhalte ich den Übername Mr. StandBy. Der Chiefingenieur hat heute seinen letzten und geht nach Hause. Der neue heisst Roman und kommt aus Polen.

Am Nachmittag ist wieder “shifting” angesagt, unser Schiff wird verschoben. Auf Mitternacht ist dann nochmals ein “shifting” angekündigt. So gehe ich frühzeitig ins Bett, kann aber nicht schlafen. Also wieder aufstehen, in die Messe was essen gehen und im Cargo Office am PC Monopoly spielen. Um 12 Uhr ist natürlich weit und breit noch nichts zu sehen und ich werde ins Bett geschickt um dann eine halbe Stunde später wieder geweckt zu werden. Also wieder Linsen montieren und runter aufs Deck, Bis es dann wirklich los geht vergeht nochmals gut eine Stunde. Dann kommen die Hafenarbeiter, einer ist kaum mehr als 1.40 Meter gross aber meistens zuvorderst wenn es ums Anpacken geht sobald eine kleine Pause ist werden die Spielkarten ausgepackt. Wir werden gut 500m weiter verschoben und sind nun an der Aussenseite eines Schiffes angemacht. Nun muss noch das Monopoly fertig gespielt werden, dann geht’s ins Bett.

 

 

11. November 2008

Müde stehe ich kurz vor acht Uhr auf und gehe frühstücken. Dort treffe ich auf Ticho und wir verabreden uns um 10 Uhr in die Stadt zu gehen. Wir müssen zuerst von unserem Schiff auf ein anderes Schiff steigen, dort zwischen den Ladeluken durch und über eine lange Treppe wieder nach unten gehen. Natürlich bei vollem Betrieb. Die Arbeiter sind fleissig am werken und wir müssen aufpassen dass uns der Kran nicht überrollt. Bis wir zum Werftgelände raus sind geht’s gut 700m. Beim Ausgang werden wir sofort von Taxifahrern angehauen wir wollen jedoch mit dem Bus fahren. Dazu wechseln wir zuerst etwas Geld. Die Bushaltestelle ist kaum zu sehen, ein kleines Schild weist darauf hin. Die Gegend ist recht arm, die Strasse eine Betonstrasse ohne richtiges Trottoir aber auf der Strasse ist viel los. Fussgänger Autos Velos Busse Mofas und Lastwagen suchen sich ihren Weg. Es wird viel gehupt was derjenige welcher das Hupen betraf aber überhaupt nicht beeindruckt. Seelenruhig wird weitergefahren und wenn zur Seite gegangen wird dann mit einem missbilligenden Blick. Mit dem Bus fahren wir ca. 20 Minuten bis zum Lotus Shoppingcenter, sind aber immer noch in einem Aussenquartier. Dennoch kann man auf der Fahrt den Wechsel von der ärmeren Gegend zur etwas wohlhaberenden gut beobachten. Im Shoppingcenter hat es einen riesigen Supermarkt. Sofort steuern wir die Elektronikabteilung an. Auf den grossen Flachbildschirmtv's sind Aufnahmen aus der Schweiz zu sehen. Da musste ich schon einmal tief durchatmen und dann sofort ein Foto davon machen. Interessanterweise sind die Memorysticks zwar günstig, 8GB für gut 20FR jedoch sind keine grösseren Sticks verfügbar. Vermutlich weil die Leute kein Geld haben es zu kaufen. Ich streife durch den Laden auf der Suche nach Schokolade. Die Auswahl ist aber sehr beschränkt. Einzig Snikers und Doveschokolade kann ich finden. Dafür finde ich die chinesische Version der Ovomaltine welche natürlich sofort eingepackt wird. Ticho ist unauffindbar und so suche ich ein Internetcafe. Dazu frage ich in einem Elektronikladen nach. Dieser bietet mir an dass ich mein Notebook an seine Leitung anschliessen kann. Leider funktioniert es nicht, ich bekomme keine Verbindung. Wir versuchen zwei drei Sachen, aber es will nicht gehen. Dafür erstehe ich für ca. 90 Fr eine externe HD. Auch hier sind es nicht wirklich die neusten Sachen. Ich hätte noch etwas mehr handeln sollen, aber der Typ hat sich ja auch Zeit genommen für mich und so ist es ok. Nun muss ich halt wieder auf die Suche nach einem Internetcafe gehen. Ich frage mich auf chinesisch durch und das geht folgendermassen: Man gehe in einen Laden und suche sich Leute die evtl. etwas Englisch können. Apotheken sind dafür recht gut geeignet, da der Apotheker studiert ist. Dann zeigt man auf sich selber, danach mit den Händen imaginäres tippen, Nun spricht man die Wörter Email und Internet und schaut dann suchend umher und zeigt mit dem Finger in alle Himmelsrichtungen. Zuerst wurde ich einfach mal grob in eine Richtung geschickt, danach konnte man mir genauer Auskunft geben. In einem Fotoladen kann ich den Kundenpc benutzen und meine E-Mails abrufen. Ich freue mich über die erhaltene Post, ich will den PC aber nicht zu lange blockieren und schreibe so nur ganz kurz zurück und stelle meinen letzten Bericht online. Ich möchte bezahlen es wird aber mehrmals abgelehnt und da ich nicht um Geld streite gibt es ein tiefes Kopfnicken zum Dankeschön sagen. Ich gehe noch etwas der Strasse entlang und finde tatsächlich das Internetcafe. Es hat sicher an die 100 PCs davon ist etwa 1/3 besetzt. Am Eingang löse ich für 10 Yuan eine Karte welche 3h Guthaben darauf hat. Die Rechner sind alle mit einem chinesischen Windows ausgestattet Dank den Symbolen und meinem Wissen was wo sein könnte finde ich mich aber gut zurecht. Die Leitung ist recht zügig dennoch kommt es mir etwas holprig vor. Nun erfahre ich dass Obama gewonnen hat, Sämi Schmied einen Gallenstein (kein Wunder bei der Belastung... ist eigentlich Blocher immer noch am täubelen und was macht Hansruedi Merz???) und dass es einen Wintereinbruch gegeben hat. Wochenlang von der Umwelt abgeschnitten zu sein, keine Zeitung lesen zu können, keine TV kein Radio macht mir etwas Mühe und ich vermisse es sehr.

Auf dem Weg zurück zur Busstation komme ich an einem Coiffureladen vorbei und beschliesse mir einen chinesischen Haarschnitt zuzulegen. Ich trete in den Laden ein und werde schon mal erstaunt angeschaut. Danach mit Zeigfinger und Mittelfinger etwas Haar imaginär zerschneiden, fragend schauen und dazu den Daumen nach oben halten. Diese Frage löst zuerst etwas Kichern aus, ich werde dann aber doch auf den Stuhl gebeten. Dann bekomme ich einen Umhang und ein Becher mit Wasser. Dieses ist erstaunlicherweise warm tut aber gut. Nun zeige ich wie ich es gerne geschnitten haben möchte. Zaghaft beginnt der Coiffure ein jüngerer Mann mir die Haare zu schneiden, ich fordere ihn mehrmals auf er solle es kürzer machen. nun geht er etwas mutiger zur Sache, hat aber offenbar noch etwas Mühe mit meiner Kopfform. Ich versuche immer zu lächeln, ab und zu zeige ich mit dem Daumen nach oben um Ihm so zu zeigen dass alles ok ist. Alles ist aber tip top und zum Abschluss mache ich noch ein Foto, die Dame an der Kasse zeigt mir auf Ihrem Natel die von ihr gemachten Fotos... Offenbar kommen nicht viele Westler in diese Gegend, mir ist den ganzen Tag kein anderer begegnet und viele Leute haben den Kopf gedreht... Auf dem Weg zur Busstation bekomme ich ein Anruf aufs Natel... na ja ich rechne mit ca. 10 Fr welche das mich kosten wird. Na denkste... 36FR!!!! für dass das ich angerufen werde. Nicht dass ich der Person jetzt ein schlechtes Gewissen machen möchte nein bitte nicht! Ich erschrecke schon recht. werde mir wohl eine lokale SIM Karte zulegen oder sonst was. Nimmt mich ja wunder wo das Geld bleibt, zockt da die Swisscom ab oder sind es die Chinesen????

Unterdessen ist es schon dunkel und die Rushhour hat begonnen. Auf der Strasse viel Verkehr, Gehupe und ein Tohuwabohu. Erstaunlich dass es nicht mehr Unfälle gibt. An der Busstation hat es viele Motorrad und Rollerfahrer welche die Leute nach Hause fahren wollen. Mir ist es aber zu kalt und ich warte auf den Bus. Dieser ist schon voll ich kann mich noch reinzwängen umfallen kann ich nicht mehr. Bin besorgt dass ich ja die richtige Haltestelle erwischen werde. Zur Not habe ich noch die Adresse auf chinesisch und auch ein Foto vom Schild der Haltestelle. Auf einer Kreuzung müssen wir links abbiegen, die Strasse ist völlig verstopft und nichts geht mehr. Im Gewühl hat es Verkehrsleiter welche versuchen das Chaos zu organisieren. Wir nehmen eine andere Route durch eine Strasse und die Sorge die am rechten Ort auszusteigen wird noch grösser. ist schlussendlich aber unbegründet, die Haltestelle wird sogar auf Englisch angesagt dann noch das Stück bis zur Werft, am Eingang den Ausweis zeigen und ab zum Schiff. dieses steht immer noch am gleichen Ort und so kehre ich zurück, glücklich und zufrieden aber todmüde nach diesem erlebnisreichen Tag. Ich bin froh in meiner bekannten Umgebung zu sein, es war spannend, erlebnisreich und lustig aber auch anstrengend.

 

 

12. November 2008

Heute muss ich büssen für den gestrigen Tag... Ich habe mich nicht abgemeldet und so bekomme ich einen Rüffel vom Kapitän. Nun ich kann ihn ja verstehen, bin nicht gut wenn die Leute einfach weg sind. Es kommt mir vor wie wenn man zu schnell fährt, man weiss dass es gefährlich ist, macht es aber trotzdem und schlimm ist ja noch... Es macht halt schon sehr viel Spass! Nun ich gebe mir heute besonders viel Mühe. Der Betreuer für die Celine von der Reederei ist auch an Bord, Herr Preisig auch Superintendant genannt. Er überwacht die Arbeiten am Schiff. Heute kann ich ihn eine Zeit lang begleiten, ist einerseits sehr spannend da er mir viel zur Schiffsbauweise erklären kann, andererseits tut es richtig gut wieder mal schweizerdeutsch zu sprechen. Am Abend gebe ich mir selber Hausarrest und tippe den Reisebericht.

 

 

13. November 2008

Unsere Pontons, das sind Metallklötze, ca. 10m lang, 4m breit 0.5m hoch und 20 Tonnen schwer werden sind sandgestrahlt worden und nun bereit für den Anstrich. Tja und da wir in China sind und es genug günstig arbeitende Chinesen hat muss nicht ich daran glauben mit Schiff streichen, und da die Chinesen es mit der Genauigkeit nicht so genau nehmen werde ich ernannt zum Stellvertreter von Herrn Preisig. Zuerst werden sie rot lackiert die Farbe wird gespritzt mit altertümlich wirkenden laut zischenden Maschinen. Ich muss vor allem überwachen dass auch die 7 Kübel mit Farbe verbraucht werden und nicht nur verrechnet, aber mit 6 Kübel gestrichen wird und einer sonst wo landet. Danach muss die Farbe trocknen und bevor der zweite Anstrich gespritzt werden kann wird kontrolliert. Ergebnis knapp genügend. Für den Betreuer von der Werft ist alles kein Problem und es sei ja Garantie auf der Arbeit, nur nützt die nichts auf hoher See wenn das Schiff dafür extra nach China muss. Da die Farbe nur verarbeitet werden kann wenn die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist muss ich alle halbe Stunde die Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrollieren. Dazu hat Mr. Hempel. (Ein Kundenbetreuer der Firma Hempel welche die Farbe herstellt) ein Gerät welches die Trockentemperatur und die Feuchttemperatur misst und anhand einer Tabelle kann dann die Luftfeuchtigkeit abgelesen werden. Da die Böden noch nicht trocken waren bei der Prüfung werden zuerst alle anderen Flächen gemalt, nun für mich ist die Farbe danach immer noch sehr feucht und nachdem ich zwei Mal rückgefragt habe wird mir angeboten man könne auch noch etwas warten. Ich beschliesse 30 Minuten Pause einzulegen. Die Chinesen finden es recht anstrengend mit Hr. Preisig und ich versuche ihnen zu erklären dass Swiss Quality halt schon ein höherer Standard sei und der Chef es nicht böse meine. Mit der Meinung es sei halt der Mentalitätsunterschied geben sich alle zufrieden. Danach ist es zwar immer noch nicht gut aber schon einiges besser. Herr Preisig ist auch mehr oder weniger zufrieden. Auf dem Rückweg zum Schiff erzählt er mir sein Werdegang und ich erfahre viele interessante Sachen auch über die Entwertung der Schiffe. Dann gibt es nochmals einen Neuzugang, Sandor der 2. Ingenieur geht zurück nach Ungarn und neu ist Vladimir ein Russe an Bord.

 

 

14. November 2008

Zuerst wische ich mal das Treppenhaus, es steht vor Dreck. Danach erhalte ich wieder einen Job von Herrn Preisig, ich muss Ventile welche nicht mehr rund laufen entrosten und Namensschildchen von der Farbe frei kratzen. Eines der Ventile ist schon so verrostet dass das Gegengewicht abbricht. Wieder einmal merkt man den Unterschied zwischen den Mentalitäten, der eine Matrose meint warum ich es denn Herrn Preisig erzählt hätte, ein Chinese hätte es mir sicherlich geschweisst... Und der Chief wollte wissen ob ich es gesagt hätte und wie die Reaktion gewesen sei. Irgendwie noch lustig wie alle vor dem Superintendant zittern, Ich gebe mir wohl auch etwas mehr Mühe dass alles OK ist, aber meine Arbeit finde ich gut und wenn nicht dann wird das mir schon gesagt und ich kann es verbessern. Natürlich war es auch kein Problem. Am Nachmittag haben auf einmal alle einen Spezialjob und so ziehe ich den schwarzen Peter und muss Wache stehen. Der zweite Offizier spürt offenbar nachträglich den Vollmond, ich werde von Arbeitern angegangen sie bräuchten dies und das und hole es ihnen da ja niemand sonst da ist. Dann stehe ich natürlich nicht an der Gangway und kriege so vorwurfsvoll die Frage warum ich nicht an der Gangway stehe... Am Abend werden wir wieder verschoben bevor wir morgen dann wirklich ins Trockendock kommen.

 

 

15. November 2008

Heute war ein sehr abwechslungsreicher Tag, Etwas Wache schieben, dann für die Rettungsringe neue Auslösestifte besorgen, die Beschriftung der Ringe ausbessern wieder etwas Wache schieben, ein paar Schrauben fetten usw. Am Nachmittag musste ich für die Betriebssoftware wo alle Daten erfasst werden ein Update machen und das Inventar aufnehmen. Die Reederei hat unterdessen über 70 PC's auf den Schiffen und will diese besser verwalten können. Das ist sicherlich ein interessanter Job die Informatik auf den Schiffen zu betreuen. Danach kann ich im Büro von Herrn Preisig aufs Internet kurz den Tagi lesen. In der Schweiz herrschen ja spannende Zeiten punkto Politik... Und Hillary soll Aussenministerin werden... bin gespannt wer bei ihr unter dem Pult ist!

Am Abend werden wir dann ins Trockendock geschoben. Zuerst wurden wir nur neben das Dock gestellt, dann wurde es angepasst danach wurden das Dock abgesenkt und wir reingeschoben; Nun wieder das Wasser aus dem Dock pumpen und nun sind wir in der Luft. Leider war es zu dunkel um Fotos zu knipsen.

 

 

16. November 2008

Nachdem ich heute den Müll entsorgt habe gehe ich in halboffiziellem Auftrag in die Stadt. Der Koch braucht noch Alufolie für die Küche und hat noch zwei Briefe, der Kapitän gibt mir Geld mit für eine kleine Stereoanlage, und Herr Preisig braucht noch neue Batterien. Zuerst versuche ich mein Glück im Lotus Shoppingcenter, danach fahre ich mit einem Motorradtaxi in einen anderen Stadtteil auf der gegenüberliegenden Flussseite. Offenbar ist es nicht üblich das Westler mit dem Motorradtaxi unterwegs sind, einige Lastwagenfahrer hupen und winken mir zu und wenn ich zurückwinke haben sie eine Riesenfreude. Mir macht das Töfffahren auch sehr viel Spass, auch wenn ich nur hinten sitzen kann.

Auf einmal stoppt er und schickt mich mit dem Bus weiter. Mit Zeichen gibt er mir zu verstehen dass er sonst eine Busse bekomme. Für die Fahrt will er 50 Yuan, ich habe keine Ahnung was angemessen ist und verzichte zu handeln. Mit Hilfe von Passanten komme ich dann ans Ziel. Dieser Stadtteil ist schon viel mehr touristisch Mac Donalds und Starbucks sind vertreten, Es hat mehrere grosse Shoppingcenter, mehr Westler sind zu sehen und auch mehr Chinesen sprechen englisch.

Für meine Kamera suche ich ein Weitwinkelobjektiv. Es ist ein Riesending und ich verzichte darauf, lasse mir aber eine Schutzscheibe für die Linse andrehen. 150 Yuan. Da wir in einem Einkaufscenter sind getraue ich mich nicht zu handeln. Für weitere 100 Yuan will er mir noch ein Ersatzakku andrehen. Ich verzichte darauf. In einem anderen Geschäft wird mir dann der Akku für 160 Yuan angeboten. Auf den Hinweis dass ich den schon für 100 bekommen würde kriege ich ein Angebot für 90 Yuan und schlage zu.

Sonst ist es nicht viel anders wie in anderen Tourismusmetropolen. Auf der Post kriege ich die richtigen Marken und mit dem Taxi fahre ich dann wieder zum Lotus. Die Fahrt kostet mich 31 Yuan... nun ein Motorradfahrer freut sich über den guten Deal und ich habe auch gelernt.

Ich gehe wieder ins Internetcafe und leiste mir für die Heimfahrt nochmals eine Motorradfahrt. Diesmal frage ich vorher nach dem Preis. Er verlangt 15 Yuan und ich zeige ihm dass ich nur bereit bin 10 zu bezahlen Unter grossem Gelächter der Umgebung akzeptiert er und bringt mich zur Werft. Natürlich wie beim ersten Mal mit viel Gehupe, Rotlichter sind nur bedingt rot und ein Helm gibt es auch nur für den Fahrer. Vor der Werft gönne ich mir dann noch zwei Grillspiessli und wie auf chinesisch Poulet sagen? Ich gackere los und schlage mit den Flügeln worauf die Verkäuferin mich verdutzt anschaut und zurückfragt „Chicken?“... tja sie kann englisch...

 

 

17. November 2008

Wieder einmal war ich heute den ganzen Tag auf StandBy und so habe ich mich halt selber beschäftigt und für die Neuen Crewmitglieder die „Crew Identification Card“ gemacht. Am Nachmittag geh ich nochmals in die Stadt. Ich will mir noch ein DVD Laufwerk für mein Notebook kaufen und der Kapitän beauftragt mich eine Stereoanlage für die Messe zu kaufen. Nun dass ist gar nicht so einfach, ich finde keinen Laden der wirklich eine grosse Auswahl hat, vielfach fehlt der Radio... Bin mir nicht sicher ob die Chinesen viel Radio hören... Mit dem Natel kann ich zwar schon ein paar Stationen empfangen. Nun in einem Supermarkt werde ich fündig. Probegehört wurde mit einer Chinesichen Version von Moder Talking, tönt lustig, bekannte Melodie und dann den chinesischen Singsang dazu. Leider ist die Bedienungsanleitung nur in Chinesisch.... Da der Kapitän mir gesagt hat er wolle das Geld unter keinen Umständen umtauschen beschliesse ich die Anlage trotzdem zu kaufen. Der Verkäufer zeigt mir dann alle Funktionen der Fernbedienung und ich schreibe die englischen Begriffe in die Gebrauchsanleitung. Die halbe Abteilung schaute zu und versuchte mitzuhelfen. Nach über einer Stunde sind wir fertig... Natürlich konnte niemand englisch und so wurde mit Handzeichen und Gesten gearbeitet... Bei der Bushaltestelle wartet schon der 978er welche mich zurück zur Werft bringt und so spurte ich los mit der grossen Schachtel in den Armen über eine sechsspurige Strasse. Dank wenig Verkehr und dem wartenden Busfahrer kann ich auch noch mitfahren. Dieser nimmt es ganz genau dass bezahlt wird und „nötigt“ wirklich jeden seine Fahrt zu bezahlen, sein was mir als fleissiger ÖV-Benutzer natürlich besonders sympathisch ist.

 

 

18. November 2008

Wieder einmal bin ich heute für meine Lieblingsbeschäftigung abdetachiert: Putzen. am Morgen die Treppen und Decks ausserhalb des Schiffes, am Nachmittag die Umrandungen der offenen Ladeluken. Da ja alles sandgestrahlt wurde kommt schon einiges zusammen. Bei den Ladeluken fällt mir auf wie viel Rost am Schiff ist und der Begriff schwimmender Rosthaufen ist nicht ganz falsch... trotz all den Renovationsarbeiten. Dann noch den Müll in den Container bringen und der Tag ist schon gelaufen.

 

 

19. November 2008

Wir sind wieder im Wasser, das Schiff ist unterdessen frisch gestrichen und wieder schön rot und grau. Nur sieht man schon wieder wo dass rostiges Wasser über die Farbe gelaufen ist und wahrscheinlich sieht es schnell wieder alt aus. Zum ersten Mal konnte ich heute Rost klopfen, es war zwar mehr ein Schaben. Vom Loyd der Versicherungsgesellschaft wurden zwei Leitungen bemängelt. ich musste die schadhafte Stellen den Rost abkratzen und dann wurde wieder Farbe darüber gepinselt. Am 21. ist unsere Abfahrt vorgesehen, wohin ist noch nicht bekannt. Hier hat auch langsam der Winter Einzug gehalten, Heute ging ein saukalter Wind und es wurde nur knapp 10 Grad warm.

 

 

20. November 2008

Wieder einmal das normale Programm, Aufstehen Essen Abfall Eimer leeren, Treppenhaus wischen und dann StandBy bis es einen Job zu tun gibt. Gegen Mittag hiess es Abfahrt morgen zwischen 4 und 5Uhr früh... Es kam dann eine Hektik auf und es herrschte ein emsiges Treiben, Am Abend hiess es dann der Termin sei abgesagt. Ich konnte mit dem Techniker vom Kran den Ausleger justieren. Dazu zeichneten wir auf den grünen Pontons verschiedene Messpunkte ein, dann wurde der Hacken exakt dort positioniert und der Techniker setzte die Begrenzungsstifte im Schaltkasten des Kranes. Mein Job war ihm zu zeigen wenn der Hacken an der richtigen Position war. Danach braucht der Kapitän noch etwas Unterstützung mit seinem Natel, Er hat sich eine Chinese Kopie von Nokia 62 gekauft für ca. 250 $ Nun in dieser Version ist noch ein Entertainmentprogramm eingebaut, Gewisse Zeichen sind nicht dort wo sie angeschrieben sind... ist fast wie Memory... Ich überlegte mir ob ich auch ein billiges Natel kaufen soll, aber für so was ist mir dann auch noch 50$ zuviel. Kurz vor 22 Uhr kommt erreicht dann noch der neue 2, Offizier das Schiff. Sein Flug war verspätet und er wurde schon sehnlichst erwartet. Er kommt aus der Ukraine und scheint etwa gleich alt wie ich zu sein.

 

 

21. November 2008

Wieder einmal das normale Programm. Um 9 Uhr wurde dann Miklos der alte 2. Offizier aus Ungarn abgeholt, sein Vertrag ist zu Ende und er geht nun nach Hause. Dann hörte ich noch von der ersten Amtshandlung von Obama, er will das weisse Haus schwarz anstreichen... Am Nachmittag kann ich nochmals im Büro von Herrn Preisig aufs Internet bevor es dann morgen definitiv losgeht. Wir werden wohl wieder zum Ankerplatz fahren und dort auf neue Anweisungen warten welche am Montag erwartet werden. Am Abend geh ich noch meine letzten Yuan verputzen. Der Chief gibt mir seine auch noch mit. Ganz Klische gemäss soll ich ihm, Russe, dafür Wodka bringen und ich kaufe für mich Schweizer, Schokolade. Ich bin erstaunt wie günstig es ist und kaufe gleich 10 Riegel. Es stellt sich dann heraus dass die Chinesen ein Kakaobutterersatz benutzen und die Schokolade daher so günstig ist. Vom Geschmack her ist es nicht dass wahre... Es schmeckt schon nach Schokolade, aber das Aroma flach und nicht so voll wie bei echter Schokolade. Nun ich werd die Riegel verschenken kann sie ja als Souvenir nach Hause bringen für die Leute welche ich nicht so mag...

 

 

22. November 2008

Nachdem die letzten Reparaturarbeiten am Kran vollbracht sind geht es nun endlich los. Ich kann zum ersten Mal alleine die Winde bedienen, bin schon etwas stolz auf mich! Wir haben unterdessen sogar den neuen Auftrag bekommen, es geht via Südchina, Thailand nach Spanien. Als Fracht sollen wir wieder Stahl laden. Ich freue mich dass es los geht, langsam hatte ich genug von China, dennoch kommt auch ein wenig Wehmut auf, habe ich mich doch schon eingelebt. Nach dem Ablegen muss ich Pontons, die Abdeckungen der Laderäume befestigen. Es geht ein saukalter Wind. Als ich fertig bin suche ich mir schnell eine Arbeit im Innern, bevor der Chief auf eine andere Idee komm und so reinige ich das Treppenhaus. Aus dem Internet habe ich mir die letzten 5 Aufzeichnungen der Sendung Echo der Zeit herunter geladen, ich freue mich richtig diese zu hören und geniesse es wieder mal ausführlich News zu bekommen, zudem vermittelt es mir ein Gefühl von Heimat. Bin erst jetzt auf die Idee gekommen, muss beim nächsten Landgang früher daran denken... DRS soll schon mal ne dicke Leitung bereitstellen und die Server auf Highspeed stellen!!!

 

 

23. November 2008

Sonntag ist meistens Ruhetag und das ist auch wieder so. Wir sind auf dem offenen Meer aber nur im Ecospeed unterwegs, offenbar eilt es nicht so. Ich verbringe den Tag mit Kabine aufräumen, Kleider waschen und Putzen. Um mehr Platz zu haben schiebe ich das Bett zusammen, ist nun nur noch 80cm breit, dafür hat es mehr Raum. Am Abend versuche ich noch das Soundsystem am TV anzuschliessen, das klappt leider nicht so ganz, es kommt kein Bild und nun rächt sich dass die Bedienungsanleitung nur auf chinesisch ist. Ich finde zwar den Ausdruck PAL und NTSC, und ein chinesisches Zeichen in der Nähe ist auch auf der Fernbedienung, aber ich komme nicht zum Ziel. Werde mir im nächsten Hafen einen Chinesen schnappen der mir da helfen soll. In letzter Zeit studiere ich ab und zu daran herum was nach der Celine kommen soll. Soll ich den Sommer hindurch arbeiten, ich könnte dann Töff fahren gehen und dann im Herbst wieder aufs Schiff gehen, aber lässt dass die Wirtschaftslage zu... nächsten November ist es 20 Jahre her seitdem die Mauer gefallen ist, dann in Berlin zu sein währe sicherlich auch sehr spannend. Ich merke dass ich nun schon am Reisen bin und momentan sind meine Reisepläne etwas in den Hintergrund geraten. Nun ich habe ja noch Zeit zum studieren und so hoffe ich dass sich die richtige Lösung automatisch herauskristallisieren wird.

 

 

24. November 2008

Heute ist einen Monat vor Weihnachten. Ich freue mich darauf, bin gespannt wie es wird, verdrückt sich dann jeder in seine Kabine? Wird die Messe dekoriert, gibt es ein Festessen, lässt die Reederei was springen? Oder ist jeder froh wenn er die Festtage heil übersteht und es vorbei ist? Ich möchte mir einen Adventskalender zulegen und falls ich im nächsten Hafen was finde dekoriere ich meine Kabine.

Ansonsten war heute Putztag und oh wunder es wurde Swissstyle geputzt. Sogar die Wände und das Treppengeländer wurden geschruppt und alle gaben sich sehr Mühe. Das mühevoll verlegte Papier in Schiffsbüro und im Büro vom Kapitän wurde herausgerissen und ich musste wieder mal den Teppich nass schruppen. Der Kapitän meinte machte ein paar staunende Ahhs und Ohhs wie sauber es geworden währe und gab mir zum Dank ein paar Früchte, ich bin aber nicht sicher ob man überhaupt einen Unterschied sah. Offenbar hatte er fast ein schlechtes Gewissen dass er mich seine Privatgemächer putzen liess... Am Abend sehe ich mir noch den Film „Das Parfüm“ an. Eine tolle Geschichte und der Film ist auch sehr gut gemacht. Ganz zufrieden gehe ich schlafen.

 

 

25. November 2008

Leider habe ich nicht gut geschlafen und stemme mich mühevoll aus dem Bett. Wir müssen heute wieder mal die Laderäume putzen. Von der Werft her sind sie noch voller Staub. Aus den Bilgen kratzen wir noch ölig stinkenden Dreck und wieder einmal muss ich mir in Erinnerung rufen dass ich freiwillig hier bin und nicht so eine Memme sein soll. Am Nachmittag kommt von irgendwoher Wasser in den Laderaum, vermutlich wurde im Maschinenraum eine Pumpe auf blasen statt auf saugen gestellt. Nun wir können nochmals von vorne anfangen halleluja! Ich bin heilfroh ist es Feierabend. Der Chief beauftragt mich dann noch die Eignerkabine bereit zu stellen, im nächsten Hafen werde der Kapitän ausgetauscht. Dieser hat dann noch ein PC Problem das gar keines ist. Im Excel werden Felder mit Formeln nun erst mal ausgefüllt wenn es was zu rechnen gibt. Ich würde gerne wieder mal mit paar Leuten eine Party feiern. Angeblich soll der Hafen in Thailand nah bei Pattaya sein jedoch müssen wir zuerst noch ne Runde China einlegen. Vom Süden soll es nochmals in den Norden gehen, noch weiter hoch wie Shanghai und dann erst nach Thailand.

 

 

26. November 2008

Sch... hab ich schlecht geschlafen letzte Nacht! Weiss nicht ob Voll- Leermond oder auch nur die etwas grössere Wasserader daran schuld war, jedenfalls komme ich kaum aus dem Bett und es reicht gerade noch eine Ovo zu trinken, dann muss ich auch schon zur Arbeit. Wieder dieses stinkende Wasser rausschöpfen, den grössten Teil können wir schon rauspumpen, den Rest schöpfen wir mit Eimer Mopp und Schwamm raus. Nach dem Film das Parfüm stelle ich mir den feinen Duft der Provence vor und wie ich die Gegend mit dem Motorrad erkundige, werde durch den Motorenlärm und das Schwanken schnell wieder in die stinkige Realität zurückgeholt. So bin ich froh als ich am Nachmittag wieder mal die Werkstatt aufräumen kann. Und schliesslich bin ich ja freiwillig hier und habe bei allen mit dem Schiff geblufft also Schluss mit Memme raushängen und weiter arbeiten, jawohl!

 

 

27. November 2008

Heute wird das Schiff auf Vordermann gebracht, es wird gewaschen, geputzt und gestrichen. Ich muss noch die Eignerkabine richten, der Chief fragt mich schon ganz nervös wie es vorwärts gehe. Dann gibt’s noch Geld vom Kapitän, der Baranteil vom November wird ausbezahlt, ich erhalte zuerst 90 Euros und als ich mich erkundige wann Euros ausbezahlt werden und wann Dollars meint er dass Offiziere Euros erhalten und der Rest. Nun ich wurde irrtümlich „befördert“ und die Euros werden gegen Dollars getauscht. Am Abend schau ich noch zwei lustige Filme. Mine, yours and ours ist eine Familienkommödie über zwei allein erziehende welche zusammen 18 Kinder haben und zusammenziehen, der Andere über die Präsidententochter welche mit 18 frei sein möchte und nicht immer vom Sicherheitsdienst überwacht werden. Sie findet in Prag dann einen Kumpel und zieht mit dem via Venedig Österreich nach Berlin. Dieser löst bei mir starkes Reisefieber aus. Ich würde am liebsten sofort losziehen und mit dem Töff Europa erkundigen. Von Gibraltar bis St. Petersburg, von Sizilien bis ans Nordkap und von Schottland bis Griechenland. Dies habe ich in jungen Jahren verpasst, ich war nie richtig in Europa unterwegs und das vermisse ich jetzt. Ich bin mir am überlegen ob ich im Sommer durch Europa ziehen soll. Nach China habe ich genug vom Exotischen.

 

 

28. November 2008

Einmal mehr habe ich schlecht geschlafen und so bin ich froh dass heute ein ruhiger Tag ist. Brücke reinigen, Excelprobleme lösen, schlafen und Fotos bearbeiten ist angesagt. Für den Koch brenn ich noch ein paar CDs. Er freut sich sehr, ich will aber nichts dafür und bin auch froh wenn er mir wieder mal ein Sonderwunsch erfüllt. Wir müssen vor Fengschang an Anker gehen. Vietnam muss auch gleich um die Ecke sein, ich kann ein vietnamesisches Mobilfunknetz empfangen. Noch immer zieht mich das Fernweh. Nach Thailand gehen wir zuerst nach Frankreich und dann nach Nordspanien. Ich bin mir am überlegen ob ich mich in Frankreich abseilen soll. Im Moment habe ich den Koller und das Gefühl ich verpasse etwas. Fühle mich auf dem Schiff gefangen, Der Gedanke an den Winter in Europa stellt diese Idee dann aber wieder in den Hintergrund. Interessanterweise wenn ich innerlich ein Gnusch habe dann fange ich an die Kabine aufzuräumen..

 

 

29. November 2008

Um halb acht werde ich vom Chief gerufen. Wir können schon heute in den Hafen hineinfahren und ich muss helfen bei den Vorbereitungsarbeiten. Strickleiter anbringen, Verriegelung der Ladeluken öffnen usw. Noch vor 12 Uhr sind wir dann im Hafen. Ich muss zuerst Wache schieben, kann danach dann in die Stadt. Vom Hafen kann ich zu Fuss gehen. Zuerst durch das Hafengelände alles ist sehr staubig, die rumstehenden Güter sind alle mit olivgrünen Blachen abgedeckt, es sieht etwas gespenstisch aus. Gleich nach dem Hafengelände komme ich an einem Shop vorbei, ein Chinese will mir was verkaufen, ich frage nach Internet und er bringt mich in ein Hinterzimmer wo ein PC steht. Zuerst will er einen Dollar pro Stunde, ich mach ihm dann schnell klar dass ich in Shanghai, 10 Yuan für 3h bezahlt habe und nicht bereit bin mehr zu bezahlen. Er akzeptiert und so geniesse ich es 3h lang Mails zu schreiben, News zu lesen und lade die Echo der Zeit der letzten Woche herunter. Plötzlich steht Vladimir der zweite Ingenieur neben mir. Sie haben ihn auch abgefangen „your friend“ würde schon hier sein. Er schaut dann auch noch in seine Mailbox. Danach gehen wir auf seinen Vorschlag eine Massage geniessen. Der Chinese bringt uns dahin. In einem Coiffuresalon geht es in den oberen Stock dort sind zwei Liegen. Dann werden wir gut 45 Minuten lang von Kopf bis Fuss massiert. Es tut sehr gut, ich kann aber nicht richtig entspannen und bin dadurch an den Beinen kitzelig was die Masseuren verwundert. Natürlich versteht sie kein Englisch und ich immer noch kein Chinesisch. Nach der Massage gehen wollen wir noch etwas essen gehen und der Guide bringt uns in ein Restaurant. In verschiedenen Aquarien hat es allerlei Fische und in einer Kühlvitrine div. Fleischstücke. Kurz danach ist es schon zubereitet zusammen mit Gemüse und schmeckt sehr gut. Dann kommt noch die Puffmutter und preist uns ihre Girls an. Schon krass für 35 Dollar ist ein Fick zu haben. Ich stelle mir vor wie „freiwillig“ die Girls das wohl machen und lehne dankend ab. Der Chinese schwört uns darauf ein wir sollen uns ja niemandem anschliessen, es sei zu gefährlich wegen der Mafia usw... ich vermute aber mehr er will sich das Geschäft nicht entgehen lassen. Als ich ihn dann darauf anhaue dass er ja wohl auch Provision kassieren will wird er dann fast wütend er hätte nur den Laden und würde sich nicht bereichern. Nun ich bin mir da nicht so sicher. Danach gehen wir zurück und trinken auf dem Schiff noch ein Tee.

 

 

30. November 2008

Ich geniesse es wieder mal auszuschlafen. Danach höre ich mir einen ersten Teil der Echos an. Nach dem Mittag mache ich einen Stadtbummel. Die Stadt ist erst ca. 40 Jahre alt. Im Vietnamkrieg sei das Gebiet stark umkämpft gewesen danach wurde der Hafen eröffnet und die Stadt aus dem Boden gestampft. Teilweise sind die Gebäude recht prunkvoll, andere sind grässlich graue Klötze. An den Bäumen sind rote Lampions aufgehängt, insgesamt kommt es mir typischer chinesisch vor wie Shanghai. Auffallen viele Handyshops gibt es, die Handys sind aber meistens chinesische Kopien. Ich bin verwundert dass die alle überleben können. Danach komme ich zur Markthalle. Diese ist sicherlich über 100m lang und es wird alles verkauft. Kleider Nahrungsmittel Haushaltssachen usw. Staunend schlendere ich durch die Halle und immer wieder wird mit einem „Hello“ versucht meine Aufmerksamkeit zu erwecken. Ich Grüße mit einem „Nihau“ zurück und gehe weiter. Beim Shop mit Internet erstehe ich mir einen neuen Koffer und einen Rucksack. Beides würde zuerst 45USD kosten, ich kann es dann noch auf 40 Dollar und gratis Internet runterhandeln. Vermutlich bezahle ich ja immer noch viel zu viel. Dieses Mal hat es im Hinterzimmer einen Haufen Leute und auf dem Tisch liegen Geldscheine. Die Lady welche den Shop führt diskutiert meistens sehr laut und muss sich offenbar wehren. Für mich macht es den Eindruck dass hier die Mafia gerade die Tantiemen einzieht und bin froh als die Truppe abzieht. Plötzlich zieht Dorel vorbei und drehe mit ihm noch eine Runde, dann geht’s zurück zum Schiff.

 

1. Dezember 2008

Heute hat es mich erwischt, eiskalt und mit voller Wucht. Es kotzt mich grässlich an. Ich habe das Tief ja erwartet bin nun aber doch überrascht wie heftig es ist. Offenbar merkt sogar der Käpten dass etwas mit mir nicht stimmt und will wissen wie es mir geht. Tja ich erzähle ihm von meinem Heimweh und er erzählt mir dass es ihn auch jedes Mal bedrücke wenn er in den Häusern das Licht sieht und sich vorstellt wie die Paare jetzt zusammen auf dem Sofa sitzen und TV schauen. Arbeitsmässig gibt es heute wieder mal nicht viel zu tun und so verdrücke ich mich in die Kabine und schlafe mal ne Runde. Am Nachmittag ist nicht viel mehr los und ich will in die Stadt jedoch wird gerade Proviant angeliefert und da ist es Ehrensache mitzuhelfen die Sachen zu verstauen. Danach gehe ich mit Vladimir in die City. Wir machen zuerst einen Stadtbummel, er schaut sich Schuhe an. Danach gehen wir durch den Foodmarkt. Ist gewaltig was es da alles zu sehen gibt und wie...
die Hühner werden lebend verkauft, getrocknete und frische Fische Jeglicher Art. allerlei Gemüse usw. Natürlich will uns jeder was verkaufen wenn ich stehen bleibe und ein Foto knipse möchte. Einmal vergesse ich zu fragen, auf einer Wage sind etwa 5 Hühner zusammengebunden. Der Standbesitzer wird er wütend, fängt an herumzukeifen und bespritzt mich mit Wasser so dass ich schnell den Rückzug antrete. Wieder auf der Strasse folgt uns plötzlich ein Chinese wie ein Schatten. Vladimir will in einer Apotheke Aspirin kaufen das Personal kann jedoch kein Englisch und so übersetzt der Chinese mehr oder weniger gut. Von nun an ist er immer an unserer Seite und als wir dann in ein Seafood Restaurant gehen ist es selbstverständlich dass er sich auch zu uns hinsetzt. Er bittet dann um eine Schale gebratenen Reis für seine Dienste. Vladimir lässt ihn dann zuerst etwas zappeln, aus meiner Sicht hat er ihm ja wirklich geholfen. Der Chinese hat einen kleinen Laden und verdient gerade so seinen Unterhalt. Mit den Zusatzdiensten bessert er sich seinen Unterhalt auf. Nach dem Essen drehen wir nochmals eine Runde durch die Stadt. Dann geht er nochmals eine Massage geniessen und ich gehe ins Internet.

 

 

2. Dezember 2008

Heute ist noch weniger los wie gestern. Ich bin noch müde und stehe erst gar nicht auf. Gegen halb zehn kriech ich dann doch aus dem Bett und prompt klingelt gleich das Telefon ich solle doch herunterkommen und an die Gangway stehen. Ich muss nicht Wache schieben sondern mit Dorel die Pontons im Laderaum anketten da die sonst bei hohem Seegang sich verschieben könnten. Den Rest des Tages bin ich auf StandBy und so kann ich die Zeit für mich nutzen. Am Abend müssen wir das Schiff drehen, Was in Shanghai ruckzuck ging ist hier eine äusserst langwierige Sache. Wir haben über zwei Stunden für das Manöver. Ich habe den leisen Verdacht dass wir für das Schleppboot im Minutentakt bezahlen...



3. Dezember 2008

Einmal mehr bin ich auf StandBy gesetzt. So sammle ich den Abfall ein und putze die Waschküche und da die Toilette sehr schmutzig ist wird diese auch gleich noch geputzt. Der neue Kapitän will wissen warum ich putze... na ja weil es schmutzig ist. Es scheint als begreife er die Welt nicht mehr, sagt aber nichts mehr. Am Nachmittag nachdem ich wirklich nichts zu tun hatte beantrage ich nochmals Landgang, setzte mich aber in die Nesseln weil ich ehrlich bin und als Begründung keine Arbeit angebe. Der Käpten bestellt dann auch noch ein paar Sachen. Wir haben nun zwei Fahrräder und können so fahre ich mit dem Velo in die Stadt. Offenbar ein ungewohntes Bild für die Chinesli. In einer Drogerie brauch ich Deo und einen Kamm. Natürlich alles mit Handzeichen, es gibt viel Gelächter. Danach geh ich noch durch den Markt. Langsam habe ich es im Griff mit dem Handeln, vermutlich bezahle ich ja immer noch zuviel aber nicht mehr diese Fantasiepreise. Bevor es am Abend dann weiter geht stell ich noch den neusten Bericht online. Vermutlich morgen fahren wir los nach Nordchina.

 

 

4. Dezember 2008

Heute soll es los gehen und so muss ich zuerst die Fenster der Brücke reinigen, innen und aussen. Danach noch den abgetauten Kühlschrank reinigen und die Umgebung drum herum. Um 12 Uhr soll das Schiff fertig beladen sein und um 15 Uhr in See gestochen werden. Nun sollte..... der Käpten ist nicht zufrieden wie die Ladung befestigt ist und so müssen die Chinesen nochmals antraben und er zeigt ihnen wie es sein muss. Wir haben Stahlplatten geladen welche wir bis nach Bilbao / Nordspanien bringen werden. Vor China ist ein heftiger Monsunregen angekündigt und ich beginne meine Kabine seetauglich aufzuräumen. Alles wird eingepackt und eingeschlossen. Um 18 Uhr bekommen wir die Information dass wir nicht vor 21 Uhr losfahren werden wann genau sei dann aber immer noch unbekannt. Die Arbeiter sind nun aber fertig und so können wir die Ladeluken fertig verschliessen. Der neue Termin ist dann um 21.30 Uhr. Der Lotse kommt an Bord und wir können losfahren. Ich bin wie immer hinten am Heck und helfe die Leinen einzuholen. Der zweite Offizier ist noch nicht so erfahren und schwirrt wie eine wilde Wespe umher, Sveto als erfahrener Matrose nimmt die Sache aber viel cooler und ich kenne mich nun langsam auch aus und nehme es lockerer. Über Funk lernen wir das Temperament des neuen Käpten kennen. Am Bug ist eine Leine verklemmt und er rattert seine Befehle wie ein Maschinengewehr runter. Er kommt aus Rumänen ist ca. 60 Jahre alt und sieht aus wie der Kapitän aus der Igluwerbung, Bart und Haar sind schneeweiss. Nun irgendwann ist die Leine befreit und wir können losfahren. Als hinten alles zusammengeräumt ist geh ich vorne beim Bug helfen. Über Funk hören wir immer noch die Salven des Kapitäns und ich muss helfen die Leier für den Lotsen anzubringen. Olek der zweite Offizier ist sich etwas grössere Schiffe gewöhnt und schwirrt nervös umher. Offenbar deckt sich das Lehrbuch nicht ganz mit der Realität, sobald er auch etwas eingespielt ist wird sich dass dann auch wieder legen. Die Leiter ist dann ausgebracht der Lotse von Bord gegangen und wir können zusammenräumen. Inzwischen ist es schon nach Mitternacht, der Kapitän verordnet uns Ruhezeit bis 13 Uhr am nächsten Tag was von der Mannschaft sehr geschätzt wird. So geht’s ab unter die Dusche und dann müde ins Bett.

 

 

5. Dezember 2008

Ich geniesse es sehr auszuschlafen und stehe erst kurz vor Mittag auf. Nach dem Mittagessen muss ich mit Dorel zusammen auf die Brücke. Ich meinte immer so ein Schiff sei fix eingerichtet, na denkste. Kühlschrank wird gezügelt, ein Büchergestell hier abgeschraubt und dort wieder befestigt, Dazwischen der Kapitän welcher zeigt wie er es haben will. Alle Kästchen werden ausgemistet und rausgeputzt. Ich bringe es dann noch fertig das Fensterputzmittel auszuleeren worauf er mich von der Brücke schickt... Zum Glück habe ich vom Vortag die Haushaltspapierrolle vergessen und so kann ich mein Missgeschick schnell beseitigen. Danach verzieh ich mich auf das Aussendeck und warte brav bis ich Dorel wieder helfen kann. Dazwischen kommt noch der zweite Offizier und schmeisst alte Verzeichnisse ins Meer. Ich beteilige mich dabei, schmeisse es aber nicht am Stück sondern bündelweise ins Meer, Minutenlang trägt der Wind das Papier übers Wasser ist spannend zuzusehen und macht sehr viel Spass, tja das Kind im Manne.... Prompt steht dann auch schon bald der Käpten neben mir und findet ich solle gefälligst alles ins Wasser werfen, die einzelnen Seiten würden sonst wieder aufs Schiff fliegen. Er übernimmt dann auch gleich das Werfen. Ich bin froh als wir fertig sind und ich mich von der Brücke verdrücken kann. Ein neuer Kapitän ist wie ein neues Leben, alle müssen sich umstellen und sich an den neuen Chef gewöhnen. Ich habe noch etwas Mühe und sehen mir den alten Kapitän Lantos zurück.

Nach dem Abendessen gibt es dann noch eine Premiere. Ich füttere zum ersten Mal die Fische. Ich finde es hat nicht mal so hohe Wellen, danach geht es mir aber besser. Mit Chips und Snackgebäck mit Pizzageschmack ersetze ich das Abendessen.

 

 

6. Dezember 2008

Nikolaustag. von dem ist aber auf dem Schiff nichts zu merken. Ich stehe erst knapp vor acht Uhr auf und nehme mir noch ein Brötchen bevor wir beginnen das Schiff zu putzen, das übliche Samstagsprogramm. Ich muss an den Türen die Flecken wo die Leute mit dreckigen Fingern hingelangt haben wegputzen.

Mein Magen meldet sich wieder, ich schaffe es gerade noch nach draussen zu rennen, die richtige Seite zu finden bevor das Brötchen den Weg zu den Fischen findet... Elendlich fühlend leg ich mich ins Bett wo ich mehr oder weniger den Tag verbringe. Am Abend geht es mir dann wieder etwas besser und ich gehe zum Znacht. Es gibt eine Art Kebab, schmeckt gut und gefällt auch meinem Magen. Später am Abend will ich noch ausprobieren wie die neue Stereoanlage in der Messe mit einer Memorycard funktioniert. Ticho und Bubu feiern fröhlich angeheitert Party und ich feiere mit. Wir hören Musik, tanzen rum und geniessen den Abend.

 

 

7. Dezember 2008

Ich stehe wieder zum Mittagessen auf, geniesse aber nur zwei Teller Suppe. Bubu ist auch dort, er leidet an den Nachwirkungen des Bierkonsums vom Vorabend und erzählt mir von seinen ersten Monaten auf See und was sie als Cadet alles angestellt hätten. Ist wohl besser bin ich der einzige Cadet auf dem Schiff... meine Phantasie könnte sich sonst noch negativ auswirken... Noch immer haben wir recht starken Seegang und so verbringe ich den restlichen Tag mit liegen, Musik hören, gamen und Tagebuch schreiben.

 

 

8. Dezember 2008

Wie immer klingelt der Wecker um sieben Uhr. Ich schlafe jedoch wieder ein und erwache Punkt acht Uhr. Wie der Blitz stürze ich mich ins Kombi und ab ins Cargooffice... Komme gerade rechtzeitig. Mein Job heute ist es wieder mal die Eignerkabine zu richten, offenbar sollen im nächsten Hafen wieder Gäste an Bord kommen. Immer noch spüre ich den Seegang und das abrupte Aufwachen gibt mir den Rest so dass ich nicht so leistungsfähig bin und froh dass die Zeit rum geht. Am Nachmittag müssen wir noch die Ladung sicheren und ein paar andere Jobs erledigen. Ich finde hinter dem TV ein Satkabel und im Schrank einen Satempfänger. Signal kann ich aber keines empfangen. Ich gehe dem Kabel nach und muss leider feststellen dass es zuerst nach oben geht, danach nach draussen, dann aber leider gekappt ist. So verfliegen die aufkeimenden Hoffnung nach CNN oder einem anderen Newssender doch wieder recht schnell.

 

 

9. Dezember 2008

Heute habe ich einen coolen Job gefasst. Wir müssen in den Laderäumen „not weld“ (nicht schweissen) hinschreiben. Ich muss dazu die Schablonen für die Buchstaben herstellen. Zuerst will ich alte Seekarten dafür verwenden, der zweite Offizier welcher mir sagen könnte ob ich diese wirklich brauchen kann ist aber am schlafen und ich will ihn nicht wecken. Der Chief meint dann ich solle die Buchstabenumrisse mit Klebband machen sei eh schneller, irgendwie werde ich mit dieser Methode nicht warm. So entschliesse ich mich von alten Katalogen welche ich in meiner Kabine finde die Umschlagsseiten welche innen nicht bedruckt sind zu nehmen. Offenbar bin ich nicht der einzige welcher auf diese Idee kam, fehlen doch schon einige Seiten. Diese bedrucke ich dann mit dem Laserdrucker, dabei gerät etwas Klebstoff auf die Tonerrolle und jedes Papier hat nun einen schwarzen Streifen... super! Mit einem Taschentuch kann ich den Klebstoff abkratzen so dass der Drucker wieder einwandfrei druckt, Glück gehabt. Danach kann ich die Buchstaben ausschneiden zusammenkleben und dann ist auch schon Mittag. Ich geniesse es richtig etwas „ruhige“ Arbeit zu machen. Nach dem Essen wird gepinselt zusammen mit Ticho. Wir nehmen einen Stück Schaumstoff, binden eine Ecke zusammen und haben so eine Art Pinsel. Funktioniert tip top und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Am Abend helfe ich zuerst Ticho ein Pcproblem lösen danach hat Sveto noch ein Problem mit einem Game. Das Problem liegt dann aber nicht am PC sondern im Game muss ein PC zum laufen gebracht werden... nach wenigen Minuten ist das geschafft, wir scheitern jedoch an einem Passwort dass nun gesucht wird. Ich lasse Sveto alleine suchen und will schlafen gehen, kann aber nicht einschlafen und beginne zu Lesen. Es ist ein Krimi der in der Region Ulm spielt und eine Bogen spannt von Görlitz bis nach Tel Avif und von der Gegenwart zurück geht in die Kriegsjahre. Dieser ist so spannend dass ich ihn bis 3 Uhr morgens durchlese danach aber nicht wirklich müde bin dafür hungrig. In der Küche finde ich noch einen Teller Lasagne, dieser schmeckt zu der Zeit umso besser.

 

 

10. Dezember 2008

Pünktlich um acht Uhr bin ich im Cargooffice, jedoch büsse ich für die kurze Nacht. Zuerst muss ich bei der Laderaumabdeckung die weissen Stellen wo der Kran einhaken muss neu streichen. Ich geniesse es an der Sonne zu arbeiten und vom Anschiss voriger Woche ist längst nichts mehr vorhanden. Am Nachmittag kann ich nochmals eine Schablone herstellen und dann pinseln. Am Abend versuche ich für Bubu einen Joystick zum laufen zu bringen leider klappt es aber nicht und auch den Versuch sein Notebook mit meinem zu verbinden geht nicht via WLAN.

 

 

12. Dezember 2008

Einmal mehr müssen wir das Schiff fetten. Wir sind nun schon auf der Höhe der Koreanischen Halbinsel und so hält auch bei uns der Winter Einzug. Wohl scheint die Sonne doch es bläst ein arschkalter Wind der einen wie ein Schlag trifft. Schnell gehe ich Jacke und Kappe holen bevor ich dann wirklich arbeiten kann. Bin froh als die Kaffeepause endlich da ist. Langsam entwickle ich mich zum Teetrinker, seit etwa einer Woche geniesse ich in den Pausen eine Tasse Tee zu schlürfen. Nach der Nachmittagspause muss ich dann noch die Fenster der Brücke runter waschen. Wir haben nur 6 Grad und so frier ich mir nach dem Arsch am morgen nun noch die Finger ab. Schnell verzieh ich mich in die Kabine. Am Abend können wir dann nach Xingang hineinfahren. Es ist ein sehr grosser Hafen mit unzähligen Kränen. Da es schon dunkel ist sehen wir nicht sehr viel. Bis alles vertaut und verstaut ist wird es Mitternacht bis ich ins Bett komme.

 

 

13. Dezember 2008

Um halb acht Uhr muss ich zuerst an die Gangway stehen, danach kann ich mithelfen die Zwischenböden im Laderaum zu installieren. Nun muss ich noch die Umrandung des Laderaumes räumen bevor wir den Deckel dann schliessen. Dazwischen sind die Hafenarbeiter damit beschäftigt riesige Stahlteile im Laderaum zu verstauen welche wir nach Frankreich bringen sollen. Neu wird nun auch Fracht auf den geschlossenen Ladeluken verstaut, huckepack sozusagen. Ich habe dem Chief noch mein Leid geklagt dass ich noch viel Chinesisches Geld hätte und so kann ich nach dem Mittag in die Stadt gehen. Als die Leute erfahren dass ich in die Stadt gehe bringt noch jeder seine Yuan und gibt mir eine Bestellung auf, die Russen wollen Vodka, die Bulgaren einfach sonst was, und der Kapitän will zu Weihnachten der Besatzung Schokolade schenken und beauftragt mich diese zu kaufen. Daneben will er noch Mangos und diverse Spirituosen. Ich schreibe alles auf und als ich zur Gangway komme steht da ein etwas älterer Chinese schaut mich an und meint ich müsse der Schweizer sein. Er sagt er sei von der Firma welche einen Teil des Schiffes gechartert hat und hat von irgendwem erfahren dass ein Schweizer auf dem Schiff sei und er solle doch schauen dass er dem hallo sagen kann. Tja ich bin sehr überrascht und freue mich darüber. Er gibt mir dann auch noch seine Natelnummer, ich solle ihn nur anrufen falls ich ein Problem hätte und rät mir mit dem Velo bis zum Gate zu fahren und dort ein Taxi zu nehmen. Am Gate hat es aber kein Taxi und so fahr ich mal auf mit dem Velo los. nach gut einem Kilometer und nachdem ich von zwei Taxis überholt wurde mag ich nicht mehr trampeln. Ich schliesse das Velo an einen Laternenpfahl an und warte am Strassenrand auf ein Taxi was nicht lange dauert. Beim Einsteigen fragt mich der Fahrer wie viel ich geben würde, ich biete ihm 20 Yuan an. Er schaut mich etwas komisch an und ich erkläre ihm dann dass ich nicht wisse wie lange es dauern würde... er schaltet den Taxizähler ein und fährt los. Die Fahrt dauert dann schon gut fünfzehn Minuten und wäre mit dem Velo wirklich nicht zu machen gewesen. Ich steige bei einem grossen Schoppincenter aus. Die Uhr war bei 18.70Yuan stehen geblieben. Offenbar hat er gehofft ich würde ihm mehr bieten und er war enttäuscht dass ich zufälligerweise gleich den richtigen Betrag angeboten habe.

 

Zuerst schlendere ich durch das Einkaufszentrum und erstehe einige Souvenirs. Interessanterweise müssen einige Sachen direkt in der Abteilung bezahlt werden, man sucht sich die Ware aus, Die Verkäuferin schreibt einen Zettel was man zu bezahlen hat. Damit muss man an der Kasse bezahlen und danach kann man wieder zur Verkäuferin und diese rückt nun die Ware raus. Dann suche ich die Sachen für den Käpten zusammen. Ich möchte alle Tafeln Schokolade von der gleichen Sorte und versuche einer Verkäuferin das zu erklären. Sie will jedoch nicht mehr rausrücken und so nehme ich dann halt verschiedene Sorten. Ich will dann noch weiter die Sachen zusammensuchen, sie fordert mich aber auf zu bezahlen. Nun ich gehe halt mit ihr an eine Kasse. Nach dem Bezahlen suche ich die bestellten Spirituosen zusammen und noch weitere Schokolade. Dort werd ich dann aber wieder von einer Verkäuferin aufgegabelt und an die Kasse geschleppt. Als ich ihr zu erklären versuche dass ich noch weiter Sachen zusammensuchen und danach bezahlen möchte wird sie giftig und so gehe ich halt wieder bezahlen. Zur allgemeinen „Freude“ gehen mir die Yuan aus, Kreditkarte nicht dabei, von Dollars will sie nichts wissen und so muss ich halt zuerst zur Bank gehen und die Dollars wechseln und Geld wechseln ist halt auch so eine Sache...

Man braucht dazu den Pass den ich glücklicherweise mitgenommen habe. Dann wird man registriert, muss drei mal unterschreiben und bekommt dann das Geld. Zusätzliche Verwirrung stiftete noch das ö im Namen. Irgendwann habe ich dann doch noch das Geld bekommen und bin dann wieder ins Einkaufszentrum gegangen meine Sachen abzuholen.

Nun nur noch nach draussen. Bei McDonalds etwas trinken, hier können sie wenigstens englisch. In Fangscheng konnten mehr Leute englisch als hier, Xingang scheint aber viel grösser zu sein. Bei McDonalds erfahre ich dann auch dass gegenüber ein Internetcafe sei. Also über 6 Spuren über die Strasse im Abendverkehr und rein ins Internetcafe. Ich kann sogar mein kleines Notebook anschliessen und verbringe gut zwei Stunden mit Mails lesen und schreiben und News herunter zu laden. Für die in Shanghai mühevoll erstandene Stereoanlage habe ich vom Hersteller eine englische Anleitung bekommen, ich bin froh darüber, können wir die Anlage nun doch vollständig nutzen.

Danach muss ich nochmals ins Einkaufszentrum. Die restlichen Yuan kann ich in Vodka anlegen für den Chief, für den Rest kaufe ich für mich unter Anderem noch eine Ananas. Diese wird jedoch nicht nach Stück sondern nach Gewicht verkauft. Tja so staue ich an der Kasse halt wieder die Leute und renne zurück in die Gemüseabteilung um die Ananas wiegen zu lassen und den Strichcode zu bekommen. Draussen nimmt mich ein Taxifahrer in Beschlag und ich steige ein, mache ihm aber vorher noch klar dass ich nicht mehr als 20 Yuan bezahlen werde. Er hört nicht so richtig zu und fährt los. In rasanter Fahrt geht es zurück zum Laternepfahl wo das Velo angebunden ist. Der Fahrer will zuerst 50 Yuan. Ich zeige ihm dann die Quittung vom Nachmittag und so kapituliert er und gibt sich mit 20 zufrieden. Nun muss ich noch mit dem Velo gut zwei Kilometer fahren bevor ich dann um halb zehn Uhr zurück auf dem Schiff bin. Der Kapitän hat sich offenbar schon Sorgen gemacht und ist erfreut als ich mich bei ihm zurückmelde. Nun noch die Sachen zusammenstellen wer was bekommt. Ticho erhält einen Memorystick und Pistazien, Sveto Bier, der Käpten Spirituosen und Schokolade und die Russen Vodka. Danach kann ich es mir nicht verkneifen und höre noch ein Echo obwohl es schon sehr spät ist.

 

 

14. Dezember 2008

Obwohl es Sonntag ist wird heute gearbeitet, schliesslich wollen wir um 11 Uhr losfahren. Wir müssen aber noch einen Kran in Parkposition bringen, Holz aufladen und andere Vorbereitungsarbeiten. Der Chinese welcher mich gestern begrüsste kommt nochmals zu Besuch. Er bringt uns Jasskarten und überreicht mir ein spezielles Geschenk. Ein Reisebesteckset mit zusammenschraubbaren Stäbchen einer Gabel und einem Löffel. Ich bedanke mich höflich für alles und wünsche frohe Weihnachten. Bin immer noch verwundert wieso ich als „Schweizer“ so was besonderes sein sollte. Auf der beigelegten Visitenkarte entnehme ich dass der Herr die Position des Port Captain hat. Offenbar muss auch mit der Ladung was besonderes sein, er fotografiert auch das Schiff mit der Ladung. Um halb zwölf legen wir dann los. In mystischer Stimmung mit Sonne und Nebel fahren wir aus dem Hafen und nachdem dann auch der Lotse von Bord gegangen ist heisst es nun definitiv Good By China!

Am Nachmittag müssen wir noch herumliegendes Laschingmaterial zusammen sammeln bevor wir dann auch den restlichen Sonntag geniessen können.

 

 

15. Dezember 2008

Da wir gestern Sonntag den ganzen Tag gearbeitet haben bekommen wir den heutigen Nachmittag frei. So putzen wir am Morgen das Schiff, den Rest des Tages verbringe ich mit schlafen und „Haushalten“, also Kabine aufräumen, Wäsche waschen usw. Mir geht es gut. ich genoss es auszuspannen und freue mich auf Thailand und dann auch auf Europa, besonders auf Frankreich, hoffe durch einen französischen Markt schlendern zu können und all die feinen Käsesorten zu probieren.

 

 

16. Dezember 2008

Ein ruhiger Tag ist heute, ausser dem Kontrollieren der Ladung ob noch alles richtig verstaut ist müssen wir nicht viel machen. Die Fracht auf dem Deck müssen wir in Thailand herunterladen um die Ladeluke öffnen zu können. Damit beim Aufladen wieder alles an den rechten Ort kommt muss ich einige Markierungen anbringen. Das Meer ist wirklich spiegelglatt vorne beim Bug spiegelt sich der Name im Wasser. Ich geniesse es dass es wieder wärmer wird

 

 

17. Dezember 2008

Nach über zwei Monaten auf dem Schiff war es heute soweit. Rost klopfen im grossen Stiel war angesagt. Dazu haben wir spezielle Hämmer welche kein flaches Ende haben sonder nur zwei spitzige, eines ist waagrecht, das andere ist senkrecht. Den grössten Teil konnten wir aber maschinell machen. Das Gerät sieht aus wie ein Haarföhn, vorne kommen aber ca. 20 Metallstifte raus. Mit Druckluft werden diese zum vibrieren gebracht und damit lässt sich sehr gut die Farbe und den Rost entfernen. Sie erinnert mich auch ans Töff fahren, nach einigen Stunden arbeiten damit vibriert es in den Fingern noch weiter auch wenn man die Maschine nicht mehr in der Hand hat, dieses Gefühl habe ich auch nach einer langen holperigen Fahrt mit dem Töff. Wir arbeiteten vorne beim Bug, dort wurde lange nichts mehr gemacht und so kam doch einiges zusammen. Wieder einmal kommt es mir vor dass das Schiff vorwiegend aus Rost besteht... Zum Schluss streichen wir die bearbeiteten Flächen ein erstes mal an.

 

 

18. Dezember 2008

As same as yesterday... Rost klopfen und streichen. Das schöne an dieser Arbeit ist, man sieht was man gemacht hat und das Streichen bei Sonnenschein finde ich sehr gemütlich. In der Drogerie wenn viel gelaufen ist hat man nur noch mehr Arbeit mit Gestell auffüllen. Hier hat man ein Ergebnis vor Augen. Weiter kann man so richtig schön den Trieb des grübelns ausleben. Was wurde ich früher doch gescholten wenn ich irgendwo Farbe weggrübelte... hier ist es erwünscht und macht Spass. Meine Kollegen sehen das etwas anders... pünktlich zur Pausezeit oder zum Feierabend wird alles hingeschmissen und verräumt, ja nicht zuviel machen... mich nervt das ein wenig aber was will man, als Cadet muss ich mich fügen. Der Kapitän hat den Übernamen Gogo erhalten. Er spricht immer sehr schnell und hat so eine nervöse Art. Wenn man etwas für ihn erledigen muss und nicht gleich geht dann wird man mit einem go go go hinaus befördert. Dorel der wie der Kapitän aus Rumänien kommt muss besonders darunter leiden, der Kapitän ruft immer ihn.

 

 

 

19. Dezember 2008

Wieder einmal erwarten wir Gäste im nächsten Hafen und so muss ich wieder mal die Eignerkabine vorbereiten. Dann noch die Brücke wischen, Abfall entsorgen und den Rest der Zeit bis zum Essen kann ich für mich geniessen. Am Nachmittag zeigt mir Gogo wie er die Seile und Ketten markiert haben will. Er ist ein typischer Vertreter der Gattung Mensch welche alles unter Kontrolle haben möchten und genau so wie er sich es in den Kopf gesetzt hat. Jedes kleine Detail wird korrigiert... Nun ich kann mich damit abfinden und muss nur schmunzeln wenn er sich in seinem kurligen Englisch ereifert. Dafür sehen mich die anderen Matrosen wieder mal als Tourist, weiss nicht wieso, nun mir hat das Schiff streichen gefallen, ob das der Grund ist? Nun wir werden sehen. Ich freue mich auf jeden Fall aufs Wochenende. Dann geht da noch das Gerücht um dass wir um Afrika herum fahren, um den Piraten zu entgehen.

 

 

20. Dezember 2008

Samstag wie üblich, Bücken und Treppenhaus putzen danach ist Wochenende. Wäsche waschen, Kabine aufräumen, schlafen, spielen und lesen. Um elf Uhr abends gehe ich noch in die Messe, Ticho und Bubu feiern Party, ich geselle mich dazu. Zuerst hören wir bulgarische Popmusik. Diese ist schon sehr östlich angehaucht und man hört den orientalischen Einfluss, die Musikvideos sind immer gleich, eine schlanke Frau mit wenig bis fast nichts am Körper singt und tänzelt um einen Mann herum. Danach lassen wir Discosound laufen und tanzen wild umher. Es macht riesig Spass und ist eine super Abwechslung. Zum Glück sieht uns niemand, man würde uns für verrückt erklären. Irgendwann gehen die anderen ins Bett, der üppige Colakonsum macht sich bei mir bemerkbar und so statte ich noch Olek dem zweiten Offizier einen Besuch auf der Brücke ab. Er erklärt mir ein paar Sachen am Radar. Spannend ist auch der Atlas mit allen Seehäfen verzeichnet. Um drei Uhr gehe ich dann auch ins Bett, lese allerdings noch ein Buch fertig. Nach fünf Uhr schlafe ich dann ein.

 

 

21. Dezember 2008

Etwas nach neun Uhr erwache ich schon, fühle mich etwas müde aber recht fit. So trödle ich noch gemütlich bis zu Mittagessen rum. Nach dem Essen gehe ich wieder auf die Brücke. Mehr und mehr gefällt mir es dort oben besser. All die Karten und Geräte finde ich sehr spannend. Weiter erfahre ich dass wir nun definitiv um Afrika herum fahren. Ihr braucht also kein Lösegeld mehr zu sammeln. Konkret heisst das 11500 Seemeilen (SM) statt 5500SM. Wir werden in Cape Town wohl einen Zwischenstopp einlegen um Proviant und Schweröl zu bunkern. Mir macht die Vorstellung 40 Tage auf See zu sein etwas Angst, habe ich doch nach 4 Tagen schon genug und sehne mich nach Landgang. Zudem wo zwei Ozeane aufeinander treffen hat es immer hohe Wellen, die Fische werden also nicht zu kurz kommen. So werde ich mich in Thailand mit Unterhaltung und Schokolade eindecken um die Tage zu überstehen... 40 Tage... fast wie die Fastenzeit vor Ostern... ob ich dann geläutert in Europa ankomme???

 

 

 

22. Dezember 2008

Heute waren wir den ganzen Tag mit Schiff streichen beschäftigt. Die entrosteten Stellen bekommen zuerst einen grauen Grundanstrich, dann einen roten und zum Schluss kommt noch eine rote Deckschicht darüber. Wir sind nun zurück in den Tropen. es ist knapp dreissig Grad warm und die Sonne brennt heiss herunter, ich finde es aber sehr angenehm. Am Abend lasse ich mir noch die Haare schneiden... schnipp schnapp alles ab!

 

 

23. Dezember 2008

Zuerst musste ich heute die Brücke reinigen, damit der Lotse freie Sicht hat. Danach waren wir auf StandBy. So konnte ich wieder ins Bett kriechen und eine Runde schlafen. Gegen Mittag können wir in den Hafen fahren. Sofort beginnt das übliche Prozedere, Schiff vertauen, Gangway herunterlassen. Laderaum öffnen. dazwischen für den Kapitän rum rennen usw. Die Ladeluken können wir nicht mit dem normalen Kran dafür öffnen, wir müssen die Deckel mit dem grossen Kran an Land ablegen. Grosse und schwere Lasten sind schwierig zu platzieren und so ist es jedes Mal ein Drama für sich... Um halb neun Uhr Abends kann ich dann endlich den Feierabend geniessen. Nach einer Dusche nehme ich das Fahrrad und fahre noch gut 5km in ein Shoppingcenter. ist etwas kriminell im Dunkeln ohne Licht. Links und rechts brausen Töfffahrer und Lastwagen vorbei. Mit einer Taschenlampe versuche ich auf mich aufmerksam zu machen. Vor allem werden die frei herumstreunenden Hunde auf mich aufmerksam... mehr als einmal muss ich kräftig in die Pedale treten um nicht gebissen zu werden. Da ist allerdings nicht mehr viel los und so gehe ich wieder zurück. Bin froh als ich wieder auf dem Schiff bin.

 

Ausblick

Wir werden nach Fos sur Mer in Frankreich fahren aber wie geschrieben um nicht in Gefahr von Piraten zu kommen werden wir um Afrika herum fahren.

Wir rechnen mit etwa 40 Tagen Reisezeit. geplant sind Zwischenstopps um Treibstoff und Proviant zu bunkern in Singapur und in Cape Town SA. Ob es jedoch auch für einen Besuch im Internet reicht ist eher unwahrscheinlich.

 Daher verabschiede ich mich bis Mitte Februar und wünsche allen einen guten Start ins neue Jahr! Viele Grüsse Christoph Rölli

 

 

24. Dezember 2008

Heute nach dem Morgenessen muss ich zuerst an die Gangway stehen. Der Agent hat uns die Post gebracht. Unter anderem erhalten wir eine Weihnachtskarte des Charterers „we wish you warm wintermoments...“ na warm haben wir hier in Thailand! Im Gegensatz zu den Anderen geniesse ich es. Auf dem Schiff wurde unterdessen eine Küche eingerichtet und zwei Frauen kochen für die Hafenarbeiter. Diese schlafen auch auf dem Schiff und so hat es überall Hängematten. Nach dem Mittag gehen Bubu, der Elektriker und ich auf einen Landausflug, ein Fahrer bringt uns nach Pattaya. Wir wollen in zu einem Shoppingcenter gehen. Beim ersten Shoppingcenter werden wir von elegant gekleideten Frauen empfangen und alles ist sehr edel, wir sind in einem Souvenircenter für Touristen gelandet. Es hat vor allem viel Schmuck und Kunstsachen und ist vor allem sehr teuer. Wir machen eine Runde durch das Haus, mir gefallen am besten die grossen Aquarien welche als Raumteiler aufgestellt sind danach gehen wir aber zügig wieder. Beim nächsten Versuch klappt es schon besser. Wir sind in einem „normalen“ Ort und machen zuerst eine Runde durch das Center. In der Mall hat es einen riesigen, vor Kitsch nur so strotzenden Weihnachtsbaum. Darunter findet irgendein Wettbewerb statt wo zwei Leute im Paket auspacken gegeneinander antreten. Ich melde mich zuerst telefonisch zu Hause und erfahre was da so alles passiert, unter anderem auch die Sache mit den Piraten. Danach ab ins Internet, schliesslich muss ich mich eindecken mit Unterhaltung wenn wir da 40 Tage auf See sein sollen.

Danach noch in den Supermarkt Chips Schokolade und Guetsli einkaufen als Notration für heftigen Wellengang. Im Supermarkt finde ich Lindt und Sprüngli Schokolade. Endlich nach 3 Monaten wieder mal anständige Schokolade. Ich stehe vor dem Gestell und offenbar staune ich die Schokolade an wie ein kleines Kind den Christbaum. Eine Kundin schaut mich jedenfalls sehr komisch an. Dann hüpft mein Herz nochmals höher als ich Ricolazältli finde. Davon wandert auch eine Dose in den Einkaufskorb. Nun ist es auch schon Zeit zum Treffpunkt zurück zugehen. Tja und dann sind wir wieder auf dem Schiff, es ist Weihnachtsabend und.... es ist ein Abend wie jeder andere. Der Koch hat den Plastiktannebaum hervorgeholt und geschmückt. Auf dem Tisch hat es für jeden ein Säckchen mit der Schokolade welche ich in China gekauft habe, es fehlen aber die Napolitaine, wo die wohl geblieben sind? Ich sehne mich nach Gesellschaft und gehe an die Gangway, dort ist immer jemand. Roman der Chefingenieur erzählt mir wie es früher war. Irgendwann bin ich dann müde genug und gehe schlafen.

 

 

 

 

25. Dezember 2008

Ich gehe von schlafen gleich in StandBy rüber und bleibe mal liegen. Um 9 Uhr werde ich dann gerufen um die Umrandung der Ladeluken zu wischen. Nach dem Mittag fahren Vladimir und ich mit dem Fahrrad zum Einkaufscenter in der Nähe. Auf der Strasse hat es viele Lastwagen, die fahren nicht so schnell und so können wir uns wie zu alten Zeiten ziehen lassen. Natürlich etwas gefährlich dafür macht es umso mehr Spass. Mein Lastwagen blinkt brav dass er links weg will so dass ich los lassen kann und auch Vladimir kommt heil an. Er will zuerst im Starbucks Kaffee trinken. Ich gönne ihm die Erholung, konnte ich doch die letzte Steigung mit Motor bewältigen, er musste trampen.

Danach das übliche Prozedere Telefonkarten für Ihn, Internet für mich, Supermarkt für beide. Ich decke mich mit Original Redbull ein. Dieses ist hier noch süsser und wird in Glasflaschen ohne Kohlensäure verkauft. Danach investieren wir unsere letzten Bath in Food und gehen in die Foodmall essen. Angeschrieben ist es nur auf Thailändisch, zum Glück hat es aber Bilder dass man sich etwas orientieren kann. Ich entscheide mich für eine Nudelsuppe. Die Verkäuferin will aber kein Geld annehmen und ich gehe an den Getränkestand. Diese will auch kein Geld kommt mit mir aber dann an die Kasse. Offenbar muss man zuerst Geld auf eine Wertkarte laden, danach wird das Essen von der Karte abgebucht und wenn man die Karte nicht mehr braucht kann man den Restbetrag wieder zurück haben. Nach dem Essen gehen wir nach hause, müssen aber zuerst unsere Ware auf dem Fahrrad verstauen. Es ist schon dunkel und so fahren wir gemütlich zum Schiff zurück. Dabei fahre ich über einen Absatz und mein Sattel schaut 45 Grad retour. Offenbar macht sich nun die chinesische Qualität der Velos bemerkbar...

Auf dem Schiff ist dann die Weihnachtsparty schon voll im Gange. Ich geselle mich dazu schon reichlich Alkohol ist geflossen und den Rest..... der gehört nicht hierhin. Irgendwann kommt Dorel da er Hilfe braucht um den Laderaum zu schliessen. Da ich der einzige bin der noch nüchtern ist gehe ich ihm helfen. Danach zurück an die Party wo es schon einiges ruhiger ist. Kurz vor zwei Uhr bin dann auch ich im Bett.

 

 

26. Dezember 2008

Den ganzen Tag sind wir mit Vorbereitungen beschäftigt zum losfahren. Die Laderäume sind nun proppe voll und auch das Deck ist richtig zugestellt. Die Markierungen was wohin gehört waren für die Katze, steht doch nun das meiste doch an einem anderen Ort. Am Abend findet ein Schauspiel der besonderen Art statt. Es beginnt dass ich gerufen wurde um mitzuhelfen den Kranhacken auf dem Deck zu deponieren, offenbar gab es wieder mal ein Problem mit dem Kran. Ticho ist im Führerstand, zu dritt stehen wir auf dem Deck und Gogo schreit seine Kommandos mehr unverständlich und teilweise in rumänisch herunter. Ich verstehe nur Bahnhof, werde von der Brücke angeschrieen ich solle helfen, dann stehe ich aber doch am falschen Ort und werde wieder angeschrieen. Nun kommt nur noch rumänisches Gebell und Dorel, der einzige der davon was versteht bellt zurück. Dazwischen brüllt noch Ticho vom Kran herunter und an Land stehen die thailändischen Hafenarbeiter und ergötzen sich an dem Schauspiel.

Um 8 Uhr kommt dann der Lotse und wir fahren los. Vor der Küste gehen wir aber schon wieder vor Anker weil noch Servicearbeiten im Laderaum gemacht werden müssen.

 

27. Dezember 2008

Heute haben wir den ganzen Tag frei und so verbringe ich den Tag mit Essen schlafen spielen, Nachrichten hören usw.

 

 

28. Dezember 2008

Es ist Sonntag und so haben wir nochmals den ganzen Tag frei... würde man meinen. Der Chief klingelt mich jedoch nach acht Uhr aus dem Bett und meint heute sei ein Arbeitstag. Ich kann dann aber doch noch frühstücken, danach muss ich das Inventar vom Vorratsschrank bei ihm neben der Kabine aufnehmen. Da hat es Malerroller, Pinsel, Schekel, Badevorhänge, Bettwäsche, Silikonspritzen usw... Er hat zum Glück schon eine Liste, ich muss nur noch die Änderungen eintragen, trotzdem braucht es Zeit und ich bin bis am Mittag damit beschäftigt. Den Nachmittag kann ich dann für mich geniessen.

 

 

29. Dezember 2008

Heute Morgen kann ich ausschlafen, da ich ja gestern gearbeitet habe. Wir kommen in Singapur an, gehen jedoch vor der Stadt an Anker. Nun kommen diverse Schiffe und wir erhalten Treibstoff, Medikamente, Schmiermittel und auch der Elektriker bekommt eine Lieferung Ersatzmaterial. Ich flicke noch das Velo mit dem krummen Sattel. Kann das Rohr zurück biegen und dann stelle ich den Sattel tiefer. Nun stützt die Sattelstütze und das Rohr kann nicht mehr einknicken. Schaffe es sogar auf dem Schiff eine Proberunde ohne abstehen zu drehen. Dann heisst es Good by sagen, der alte Chief wird abgeholt, er fliegt zurück nach Russland. Der neue Chief ist schon am Morgen gekommen. Er ist wie der Koch aus Ungarn. Dieser strahlt übers ganze Gesicht, hat er doch wieder jemanden mit dem er ungarisch reden kann und auch wurde er mit neuen Zeitungen versorgt. Überrascht bin ich vom Alter vom neuen Chief. Mit über sechzig Jahren hebt er den Altersdurchschnitt doch recht an. Ich hoffe die anstrengenden Tage während den Zeiten im Hafen sind nicht zuviel für ihn. Oder er macht das viel cleverer als der alte Chief hat so weniger Stress. Am Abend fahren wir dann wieder los. Richtung Norden durch die Strasse von Malakka. Nach den neusten Informationen fahren wir bis Nordindonesien und dann wird entschieden ob wir durch den Suezkanal oder um Afrika herum fahren.

 

 

30. Dezember 2008

Den ganzen Tag sind wir in der Strasse von Malakka, bis vor kurzem ein gefährliches Gewässer mit viel Piraterie jetzt jedoch viel ruhiger und im Schatten von Somalia. Das Wasser hat eine eigenartige Farbe, etwas wie schwarz grün. Mit uns ist ein ganzer Haufen Schiffe unterwegs, es herrscht ein rechter Verkehr. Wir sind den ganzen Tag mit kleineren Arbeiten beschäftigt. Ich füge bei dem grossen Hammer einen neuen Stiel ein. Am Abend müssen wir dann doch Feuerwehrschläuche richten, um bei einem allfälligen Piratenangriff eingreifen zu können. Laut Olek haben diese es oftmals auf das Farbenlager abgesehen da diese sehr teuer sei. Nun in meiner blühenden Phantasie träume ich doch dann tatsächlich davon und schrecke mitten in der Nacht auf.

 

 

31. Dezember 2008

Nachdem ich die halbe Nacht wach verbracht habe bin ich am morgen auch entsprechend gerädert. Nun ist er also da der letzte Tag des Jahres. Wir räumen die Werkstatt auf, Shandor der Koch bekommt noch das Küchenfenster gestrichen. Danach ist Schluss für dieses Jahr. Um sieben Uhr beginnt dann die Silvesterfeier. Wir sind alle in der Offiziersmesse. Zuerst wird getrunken, danach gegessen. Als Tischdekoration tauchen dann auch die an Weihnachten vermissten Napolitaine wieder auf. Eine Diskussion entsteht über Russland, die Ukraine und die Nato. Vladimir als Russe als Freund vom alten System und Anhänger Putins muss einiges einstecken. Irgendwann wechselt die Diskussion dann auf die Frage ob Madonna oder Shakira besser sei. Um Mitternacht stossen wir dann an und feiern das neue Jahr. Der Kapitän verkündet dass wir bis am 5. Januar weiter Richtung Suezkanal fahren und dann entschieden wird welchen Weg wir nehmen. Bin froh dass meine Mutter das nicht weiss, sie würde kein Auge mehr zudrücken...

Um den noch immer anhaltenden Diskussionen zu entgehen flüchte ich auf die Brücke und leiste Olek Gesellschaft. Wir diskutieren über Gott und die Welt soweit dass auf Englisch halt auch möglich ist. Ausser ein paar Neujahrsgrüssen die über Funk übermittelt werden ist es ruhig. Um zwei Uhr morgens stellen wir dann noch die Uhren zurück, wir kommen in eine neue Zeitzone. Um vier Uhr ist es dann auch für mich Zeit ins Kissen zu horchen.

 

 

1. Januar 2009

Halbzeit! Ich bin nun schon seit drei Monaten auf dem Schiff. Im grossen und ganzen gefällt es mir und von der Krise von Anfangs Dezember ist nichts mehr zu spüren. Um über einen Karrierestart in der Seefahrt nachzudenken ist es aber noch zu früh. Nach dem Mittagessen gehe ich wieder auf die Brücke. Olek gibt mir die Fleetletters zu lesen, eine Sammlung von Weisungen und Informationen. Für mich als Neuling ist es sehr spannend und interessant. So erfahre ich z. b. über die Problematik vom Zusammenspiel Charterer, Reederei, Wetterkonditionen und Spritverbrauch. Oder dass Offiziere ihre Frauen und auch Kinder ab 12 Jahren bis zu drei Monate an Bord nehmen können. Kann mir zwar nicht so recht vorstellen wie das vom Platz her gehen soll...

Wir sind nun mitten auf dem Indischen Ozean zwischen der Nordspitze Indonesiens und dem Südzipfel Sri Lankas. Nun das Meer ist riesig, trotzdem herrscht ein rechter Verkehr und wir müssen entgegenkommende Schiffe anfunken um die Vorfahrt zu regeln. So entsteht die Situation dass wir einmal zwischen zwei uns entgegenkommenden Schiffen hindurch fahren, schön eines links und eines rechts von uns.

 

 

2. Januar 2009

Wieder einmal müssen wir heute Rost klopfen. Zuerst mit der Needlegun, danach mit der Rundbürste, und wieder muss ich aufs Maul hocken, Meiner Ansicht nach wird die Arbeit zu wenig gründlich gemacht, Tja aber wenn ich als Cadet motze dann motzt es nur zurück und alle sind hässig weil sie länger arbeiten müssen. Tja und so heisst es halt Augen zu und durch. Vom Kapitän erhalte ich dann noch den Baranteil vom Dezemberlohn. Nun habe ich umgerechnet ca. 310Fr. in Cash. Früher war das fast normal heute fühle ich mich richtig reich. Finde es spannend wie sich das Verhältnis zum Geld ändert. Am Abend gehe ich wieder einmal den Sonnenuntergang bewundern. Es ist das erste Mal dass die Sonne als glühende Kugel im Wasser versinkt. In Thailand habe ich mir ein Springseil zugelegt, dieses probiere ich heute aus, länger als 10 Minuten halte ich aber nicht durch, offiziell ist es immer noch zu heiss, inoffiziell ist meine Kondition einfach nicht vorhanden. In der Nacht erwache ich und stelle das Natel ein, prompt findet ich vier Netze, Sri Lanka ist also um die Ecke. Ich empfange die Neujahrsgrüsse und freue mich sehr darüber.

 

 

3. Januar 2009

Samstag, putzen wie üblich, Dann haben wir Drill. Generalalarm wird ausgelöst und sogar der Koch erscheint brav mit Helm und wegen dem Bauch viel zu langem Übergwändli auf dem Sammelplatz. Sogar die Schwimmwesten müssen wir anziehen. Danach erklärt uns der Kapitän die Situation um Somalia, so sei es um Weihnachten sehr ruhig gewesen unterdessen hätten die Attacken aber wieder zugenommen. Wir planen jedoch trotzdem den Weg via Suezkanal, werden uns aber in speziellen Übungen auf die Situation vorbereiten. Am Montag wird dann definitiv entschieden. Dann wird uns noch der Notfallgenerator, die Notfalllöschwasserpumpe und die CO2-Anlage erklärt, danach gibt es Mittagessen. Am Nachmittag gehe ich wieder auf die Brücke. Olek gibt mir die Berichte des IMO Offices for Piracy zu lesen... ist nicht gerade aufbauend. Wohl gibt es nun einen Korridor der von verschiedenen Nationen bewacht wird, die Piraten attackieren aber auch Schiffe innerhalb des Korridors. Mir ist etwas zwiespältig zu Mute. Einerseits würde es mir stinken um Afrika herum zu fahren und ich würde lieber durch den Suezkanal gehen, andererseits ist da halt schon die Gefahr der Piraten und die Celine ist ein hübsches Angriffsobjekt, Sie liegt nicht zu tief im Wasser und mit maximal 16 bis 17 Knoten ist sie auch nicht schnell. Angst habe ich nicht, aber mulmig ist es mir schon. Die Fahrt durch den Golf von Aden wird ca. 36 Stunden dauern, eineinhalb Tage der Anspannung. Ich werde meinen elektronischen Sachen verstecken und beim Notebook werde ich den RAM Riegel ausbauen, Sorry ist kaputt...

 

 

4. Januar 2009

Trotz Sonntag erwache ich heute früh und kann mich sogar motivieren Sport zu treiben. Mit dem Springseil Wasserflasche und Natel als Musikplayer bewaffnet gehe ich zum Bug und fange an zu hüpfen. Schnell mal wird mir das zu anstrengend und auch langweilig immer am gleichen Ort zu hüpfen und so wechsle ich auf joggen und drehe drei Runden ums Schiff. Einmal mehr vermisse ich die Kondition... trotzdem bin ich stolz dass ich mich dazu überwinden konnte. Den Nachmittag verbringe ich dann wieder auf der Brücke. Ich helfe Bücher sortieren. Danach zeigt mir Olek den Funkempfänger und ich kann BBC hören. Wir hören nichts von den Piraten, dafür was sonst so in der Welt läuft. So wie es scheint verpasse ich nichts.

 

 

5. Januar 2009

Ich erwache um drei Uhr und bin hell wach. Ein Grund war wohl die Zeitverschiebung, eine Stunde zurück, senile Bettflucht ein anderer. Ich gehe in die Messe was essen, spiele ein Monopoly im Cargooffice, lese ein paar Zeitschriften und gehe dann wieder ins Bett, schlafe aber nicht mehr ein.

Zuerst haben wir heute Infoveranstaltung über das Prozedere wenn Piraten angreifen. Detailliert werden wir über den eingerichteten Sicherheitskorridor informiert und dass dieser auch nicht 100 Prozent sicher ist. Nun wir harren der Dinge die da kommen. Ausser mir ist niemand von der Idee begeistert Molotow Cocktails zu bauen und die Piraten mit Leuchtraketen zu begrüssen. Mir kommt es etwas vor wie das Karnickel welches auf die Schlange wartet. Der Koch hat für mich aus Resten ein Extramenu zusammengestellt mit Gemüse, Sauce Bolognaise und Kartoffeln. Schmeckt sehr lecker und ich trage ihm gerne wieder mal den Müll raus. Frei nach dem Motto eine Hand wäscht die andere profitieren wir beide davon. Am Nachmittag ist wieder Streichen angesagt dieses Mal die Löschwasserleitung in Leuchtendem Rot. Dann muss ich noch auf die Brücke, wir wollen noch ein Funkgerät checken. Auf einmal geht dann gar nichts mehr und alle probieren etwas... Ich halte mich raus und versuche mein Glück als die andern aufgegeben haben. Mir kommt es so vor wie früher bei den Kunden wenn der PC nicht mehr wollte und Try and Error angesagt war. Schlussendlich nach ein paar Stossgebeten komme ich dann doch noch ans Ziel, der Kapitän erschrickt als ich einen Freudenschrei ausstosse. Für denn Chief schau ich dann noch ein PC Problem mit einer Software für den Cargoplan an. Hier bin ich dann leider nicht so erfolgreich. Eigentlich hätte heute noch die definitive Entscheidung eintreffen sollen welche Route wir nun nehmen. Bis um 4 Uhr MEZ haben wir aber noch nichts erhalten. So warten alle gespannt. Olek hat noch Funkkontakt mit einem russischen Schiff und diese Berichte waren nicht gerade erbauend, Piratenattacken innerhalb des Korridors und die Celine ist weil nicht schnell und eine tiefe Bordwand ein sehr leichtes Beutestück... Na ja es kommt wie es kommen muss und falls es Zeit ist. tja dann geht mein Kerzlein halt schon etwas früher aus.

 

 

6. Januar 2009

Jetzt ist es definitiv, wir fahren durch den Golf of Aden. Der Chief informiert uns was zu tun ist wenn wirklich „Besuch“ kommt. Wir werden Wache schieben, die restlichen Arbeiten ruhen. Danach ist wieder Rost klopfen und streichen angesagt. Mit Roman dem Chiefingenieur sollte ich die Betriebssoftware synchronisieren. Eigentlich eine kurze Sache jedoch startet das Programm danach nicht mehr und gibt nur noch eine Fehlermeldung zurück. Natürlich habe ich vorher keine Kopie gemacht und nach einer Stunde rumprobieren gebe ich dann definitiv auf und bereite ein Mail vor um Hilfe anzufordern. In der Nachmittagspause zeige ich dieses Roman und mit seinem Einverständnis gehe ich zum Kapitän damit er es senden kann. Dieser ist nicht gerade glücklich über die Nachricht, ich zeige ihm mein vorbereitetes Mail er sendet dieses dann auch gleich weiter. Mir stehen jedoch die Haare zu Berge als ich sehe wie er den Text ausdruckt und neu ins Mailsystem eintippt. Auf meine Intervention hat er kein Gehör und ich gebe auf. Er ist der Kapitän und ich kann Ihn nicht zu seinem Glück zwingen.

 

 

7. Januar 2009

Einmal mehr beschäftigen wir uns heute mit den Piraten. Zuerst was wir zu tun haben und was nicht wenn wir gekidnappt werden. Danach überlegen wir was wir zusätzlich tun könnten um die Sicherheit zu verstärken. Vladimir möchte am liebsten die Fenster zuschweissen und die Treppen entfernen, am Schiff hat es aber auch noch Leitern und die Brücke ist von zu vielen Seiten zugänglich als dies möglich währe. Wir beschliessen dann aber doch noch das Fenster zur Messe zuzuschweissen, diese liegt im „Erdgeschoss“, ist unser Besammlungsraum im Notfall und bei einer Schiesserei könnte es gefährlich werden. Vom Koch erhalte ich einen Schleifstein und beginne meine Sackmesser zu schärfen. Eigentlich nutzlos, was will ich mit diesen anstellen, und doch gibt es ein Gefühl von Sicherheit und ist beruhigend. Heute Abend beginnen wir auch mit Wache schieben, ich bin für das Heck zuständig immer von 12 bis 6 Uhr. Danach gehen wir wieder Rost klopfen und Streichen. Ich fühle mich im Zwiespalt, einerseits ist mir klar dass es (zu) gefährlich ist gegen die Piraten zu kämpfen andererseits die Vorstellung das Schiff einfach so zu übergeben macht mir auch Mühe und so stelle ich mir vor wie weit ich wohl gehen würde und was so alles passieren könnte, doch wahrscheinlich bin ich dann der Erste welcher den Gagi in den Hosen hat und sich im hintersten Ecken des Schiffes verkriecht.... Am Abend verstecke ich noch meine elektronischen Sachen, Memory Sticks zwischen die Socken, Speicherkarten ins Kaugummidöschen usw. Hoffentlich finde ich dann auch alles wieder...

 

 

8. Januar 2008

Vor Anspannung konnte ich nicht wirklich schlafen und so stehe ich vor Mitternacht auf um pünktlich meine erste Schicht anzutreten. Mit Redbull verleihe ich mir einen rechten Koffeinschub um wach zu bleiben, danach löse ich Doru den Elektriker ab. Nun stehe ich also hinten am Schiff und starre in die Nacht auf der Suche nach einem kleinen Schiff. Wir sind auf dem Weg zu einem Sammelpunkt von wo wir am Morgen in einem Konvoi in den Korridor starten sollten. Der Mond scheint sehr hell und es ist schon fast eine romantische Stimmung wenn da nicht diese Anspannung währe. Sveto kommt sich einen Kaffee holen und sieht mich wie ich die Sterne anschaue und fragt mich was ich da sehe. ich erschrecke und drehe mich um und beginne mit der Faust auf ihn einzuhämmern, zum Glück nur mit der Linken und so aus dem Affekt heraus dass es ihm nicht wirklich weh tut. Danach tut es mir leid und ich entschuldige mich hundert Mal... Nicht auszudenken was geschehen wäre wenn ich mein Messer in der Hand gehalten hätte.... Als Highlight gönne ich mir um 3 Uhr einen Sack Chips, und als um 4 Uhr der Mond unter geht kann ich noch mehr Sterne sehen und erblicke auch das Kreuz des Südens wieder. Bald bricht dann auch schon der Tag an, es ist immer wieder beeindruckend wie die Dunkelheit verschwindet und das Licht langsam hervor kommt, Pünktlich um 6 Uhr werde ich abgelöst. Beim Zmorgen habe ich noch eine Diskussion mit Olek über die Frage sich wehren ja oder nein.... Er hat dann auch noch die doch sehr aufbauenden News dass wir zwar am Sammelpunkt waren, es noch drei andere Schiffe hatte, von der Navy keine Spur und wir nun alleine losfahren würden. Und so stieg die Anspannung dann noch etwas höher, Noch immer aufgeputscht vom Koffein konnte ich nicht wirklich schlafen und erwachte im Stundenrhytmus, jederzeit in Erwartung dass der Alarm losgehen würde. um 12 Uhr war dann auch schon wieder ich an der Reihe. Der Wachposten wurde auf die Brücke verlegt, von hier hatten wir eine bessere Sicht. Es war ein wunderschöner Tag, das Meer ruhig, von den Piraten keine Spur und so wich auch die Anspannung. Wie nah Gefahr und idyllische Ruhe doch sein können. Als wir dann am späteren Nachmittag noch ein Kriegsschiff erblickten war die Freude gross, gab es uns doch ein Gefühl von Sicherheit. Der Sonnenuntergang war dann phantastisch, ich versuchte die Stimmung mit der Kamera einzufangen was jedoch hoffnungslos war. um 6 Uhr wurde ich wieder abgelöst und nach dem Essen war ich dann auch schon bald im Bett.

 

 

9. Januar 2009

Wieder beginnt der Tag mit Wache schieben. Heute Nacht ist Vollmond von Piraten nichts zu sehen und es bleibt ruhig. Auch über Funk ist nichts zu hören. Wir sind nun nur noch zwei Schiffe, eines fuhr davon, ein anderes konnte die Geschwindigkeit nicht halten und so fuhren wir mit der Pazific Turmalin zusammen Richtung Suez. Am Morgen war ich dann hundemüde so dass ich gleich ins Bett sank um nach ca. drei Stunden vom Hunger geweckt zu werden. Danach noch etwas ausruhen bevor es dann um 12 Uhr wieder auf die Wache ging. Vor uns war ein Kriegsschiff und so gut bewacht konnte ich in Ruhe die Sonne geniessen. Später erhielten wir dann auch noch Besuch von einem Helikopter der über uns kreiste und schaute ob alles ok ist. So war es einfach herrlich die Sonne zu geniessen, das Meer ruhig und eine total friedliche Stimmung und der Sonnenuntergang wieder unbeschreiblich schön. Am Abend als die Wache aufgehoben wurde und die Spannung definitiv weg war fühlte ich mich richtig leer und so merkte ich wie stark mich diese Sache beschäftigt hat.

 

 

 

 

10. Januar 2008

Nun sind wir im Roten Meer, von der Röte ist aber nichts zu sehen. Wir meistens am Samstag putzen wir die Unterkunft. Am Nachmittag planen wir eine After GOA Party. Ich übernehme die Organisation. Als ich den Kapitän dazu einlade ist er nicht gerade erfreut, er hat schlechte Erfahrungen gemacht und ich bin froh dass er es nicht verbietet. Dann bin ich auf der Suche nach einem geeigneten Platz. Hinten auf dem Schiff ist es zu windig, zu lärmig, oder vom Platz her nicht so toll. Am Bug werde ich fündig und so schleppe ich Tisch, Getränke Snack und Musik nach vorne. Als Hocker dienen uns Kübel mit einem Putzlappen als Schutz gegen den Dreck. Roman erzählt mir von seiner Karriere und wie er zur Enzian gekommen ist. Wieder ein herrlicher Sonnenuntergang gleichzeitig leuchtet auch schon der Mond am Himmel und auf einmal spielen Delphine mit der Bugwelle. Dank vollem Mond können wir ihnen über 15 Minuten lang zusehen bevor sie dann verschwinden. Die Konstellation, Party, Schiff, Vollmond, Wärme, ruhige See, Delphine ist genial und auch von den erfahrenen Leuten an Bord hat dies noch niemand erlebt. Es entschädigt für manche widerliche Arbeit und lässt einem die schlechten Momente vergessen.

 

 

11. Januar 2009

Sonntag, das heisst Ausschlafen, Essen, ein Besuch auf der Brücke und den Tag geniessen. Olek hat mir gezeigt wie wir mit dem Funkgerät Radio hören können und so höre ich die Nachrichte von BBC. Einerseits fühle ich mich mit der Welt verbunden, andererseits die News sind nicht wirklich News. Es hat sich nichts verändert... Erfreulichere News kommen über den Telex. Enzian gratuliert uns zum bestandenen Abenteuer und spendet uns einen Bonus. So bekomme ich 250$ extra! Alle sind hocherfreut und an dieser Stelle ein Dankeschön nach Schlieren!

Zum Znacht gibt es Pizza, diese geniesse ich vorne beim Bug zusammen mit der Abendstimmung. Leider bläst heute ein kalter Wind, so dass ich gleich nach dem Sonnenuntergang wieder zurückgehe.


12. Januar 2008

Der Alltag kehrt ein, wir sind wieder am Rost klopfen. Gogo kommt und sieht mich auf den Rehling stehend ohne Sicherheitsgurt. Ei gibt das ein Donnerwetter... Ticho der ebenfalls ungesichert arbeitet kriegt auch was ab. Mir ist es sofort verboten in der Höhe zu arbeiten. Von den andern Matrosen hat vor langer Zeit Sveto mal etwas gesagt, nun wollen jedoch alle mich gewarnt haben usw... und da ich Cadet sei hätte ich in der Höhe nichts zu suchen bla bla bla. die würden mir gescheiter zeigen wie man den Sicherheitsgurt richtig nutzt. So bin ich dann froh als es Feierabend gibt.

 

 

13. Januar 2008

Als ich aufwache kann ich schon die Sinaihalbinsel sehen. Schön zur Abwechslung mal etwas Rotes zu sehen. Im Wasser hat es viele alte Bohrtürme und Förderanlagen. Den ganzen Tag sind wir Richtung Suez unterwegs und mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Das Cargooffice wird ausgeräumt, offenbar wird auch hier viel geklaut. Wir verstauen sogar Tastatur und Maus an einem sicheren Ort. Für die Fahrt durch den Kanal wird vorne am Bug eine spezielle Lampe montiert und so wird der Elektriker der eigens dafür kommt in der Eignerkabine einquartiert.

Leider müssen wir nun auch Abschied nehmen vom Sommer. Wohl ist es noch 23 Grad warm aber ein sehr kalter Nordwind treibt einem die Kälte in die Knochen, nix mehr mit kurzen Hosen und T-Shirt.

Am späteren Nachmittag gehen wir dann vor Suez an Anker. Mit dem Elektriker kommen auch sofort die fliegenden Händler und bieten wieder alles feil, Souvenirs, Telefonkarten, Erdnüsse usw.

 

 

14. Januar 2009

Mitten in der Nacht fahren wir los aber nur ein kurzes Stück um dann wieder vor Anker zu gehen. Am Morgen kommt dann der Lotse an Bord und mit ihm neue Händler. Wir müssen auch ihre Motorboote an Bord nehmen und so haben wir Huckepack noch zwei Boote im Gepäck. Dann fahren wir los und es geht in den Kanal hinein. In Suez hat es eine grosse Moschee am Wasser und so bekomme ich einen Hauch der arabischen Welt zu sehen. Wir werden von einem Delphin begleitet und ich kann sogar Fotos knipsen. Ist spannend zu sehen wie leicht das Tier fast bewegungslos dem Schiff voraus schwimmt und ab und zu in die Luft springt. Dorel erklärt mir dass dies ein Ersatz sei weil er sich nicht kratzen kann. Leider muss ich dann dem Chief und Ticho helfen ein Frachtstück neu zu positionieren. Mit einem Wagenheber wird das Stück hochgehoben und dann das Holz darunter ausgewechselt, dieses war ganz zusammengedrückt und Gogo befürchtete das die Laderaumabdeckung Schaden nehmen würde. Nun das neue Stück Holz wird auch gleich zusammengedrückt und eigentlich ist die Übung nutzlos. Dies finden auch alle ausser der Kapitän und da er befiehlt wird es so gemacht. Danach verbringe ich den ganzen Tag mehr oder weniger auf und um die Brücke herum. Es ist eindrücklich diese Wasserstrasse mitten durch die Wüste zu sehen. Auf der Westseite hat es hinter dem Sandwall viele grüne Flächen und man sieht wie es richtig lebt. Die Ostseite ist hingehen meistens kahl und leer, manchmal hat es ein paar Büsche. Im Abstand von etwa 2km hat es farbige Wachhäuschen und meistens stehen auch ein paar Soldaten herum. Zwischendurch hat es auch mobile Posten welche den Kanal bewachen. Dieser hat am Anfang auch noch einige Kurven und führt durch einen See hindurch, nach einer Ausweichstelle ist er aber dann nur noch ganz gerade und eher langweilig. In der Ausweichstelle gibt es lustige Bildmotive, die entgegenkommenden Schiffe scheinen mitten in der Wüste zu stehen.

Im Schiffsbazar lasse ich mich dann noch von den Ägyptern übers Ohr hauen. Sie bieten Keramiktassen feil, das Stück für 7$ Der Preis für zwei Stück ist dann 15$. Ich biete ihm dann für 4 Stück 20$. Als er gleich einschlägt wird klar dass ich zuviel bezahlt habe. Beim Sonnenuntergang nahmen alle gläubigen Moslems ihren Gebetsteppich hervor und legten ihn Richtung Mekka, sogar der Lotse auf der Brücke holte ein Tuch hervor dass er auf dem Boden ausbreitete und verrichtete sein Gebet.

In Port Said geht dann der Lotse von Bord und mit ihm die Händler. Beim Herunterladen der Boote streikt der Kran. Gogo läuft wieder in Hochform auf und fordert mich via Chief auf ich solle auf den Kran steigen und dem Elektriker sagen er solle schnell machen... Mir kommt es jedoch nicht in den Sinn da noch Druck zu machen, der Elektriker weiss auch dass es eilt. Um den Schein zu waren gehe ich in den Kran und da sehe ich dass zügig gearbeitet wird und so ziehe ich mich ruhig wieder zurück und gehe essen. Danach müssen wir noch die Gangway einholen und dies bei voller Fahrt. Mir gefällt dies, aussen im Fahrtwind die Seilhalter abzumontieren. Zum Glück sieht mich Gogo nicht es gäbe wieder ein Zettermordio....

 

15. Januar 2008

Wir sind nun wieder im Mittelmeer und irgendwie habe ich ein Gefühl wie nach Hause zu kommen. Heute ist wieder Rost klopfen und Streichen angesagt. Am Nachmittag muss ich noch die Eignerkabine richten. Nun ich kann um 4 Uhr gehen und um 4.15Uhr ist die Waschmaschine gestartet, mehr kann ich nicht machen und so helfe ich Olek noch das Trinkwasser im Freifallboot auszutauschen. Wir leeren die Kanister und füllen sie neu. 16 mal 3 Liter Wasser macht doch 50 Liter oder 10 Kanister a 5lt. Er fragt mich ab und will wissen wie denn dass Boot ausgelöst wird. Dank Herrn Haak und dem Sicherheitskurs kann ich ihm bestens Auskunft geben. Nach dem Abendessen müssen wir dann sofort noch zählen wie viele Ketten für die Ladung für Frankreich gebraucht wurden. Offenbar sollen wir die Ladung löschen und nicht die Hafenarbeiter. Warum das so ist kann niemand sagen, es scheint jedoch dass wir günstiger arbeiten... wir sollen dafür separat bezahlt werden... Ich kann es nicht so recht einordnen und jeder erzählt etwas anderes... irgendwie ist es mir etwas unwohl und ein Gefühl von ausgenutzt werden macht sich breit, mal sehen wie sich die Sache entwickelt...

 

 

16. Januar 2008

Auch heute sollen wir Rost klopfen. Es windet recht stark und ist kalt so dass ich mir ein Gnägi anziehe. Als wir dann jedoch noch von Wellen bespritzt werden wollen wir das Programm ändern und das Schiff fetten. Gogo hat dafür jedoch kein Gehör und will dass wir die Laderaumabdeckung auf der Leeseite erneuern. Diese Arbeit ist jedoch in der Höhe und da es mir ausdrücklich untersagt ist da zu arbeiten gibt Ticho mir einen anderen Job. Ich muss die Krankabinen reinigen und im Umkleideraum die Garderobenschränke neu beschriften. So habe ich Glück und bin am „Schärme“, mir tun jedoch die anderen leid.

 

 

17. Januar 2009

Diese Nacht wurde die letzte Stunde zurückgestellt, wir haben nun wieder MEZ. Wir haben das übliche Samstagsprogramm. Putzen und Drill. Am letzten Samstag habe ich die Jobs verteilt und so wird es wieder von mir erwartet dass ich die Jobs zuteile. Wir ziehen Lose und so wischt Sveto, ich putze feucht und Dorel putzt die Fenster. Eigentlich weiss jeder was gemacht werden muss und so bin ich erstaunt wie die Leute erwarten dass ihnen jemand sagt was er tun soll... Am Nachmittag fahren wir an Sizilien vorbei und Sveto wartet ungeduldig darauf eine Natelverbindung zu bekommen. Zuerst bin ich verwundert dass er so dringend telefonieren muss, danach weil ich erfahre dass nicht nur Bubu der Motorman in Fos-sur-Mer ausgetauscht wird, sondern auch Ticho und Sveto nach Hause gehen werden. Bin ganz überrascht und bedaure dies, habe ich doch die meiste Zeit mit ihnen zusammengearbeitet. So feiern wir am Abend eine Say good by Party und feiern nochmals ausgiebig. Um ein Uhr gehe ich auf die Brücke und diskutiere bis spät in die Nacht mit Olek über Gott und die Welt.

 

 

18. Januar 2008

Ein ruhiger Sonntag, ich lese ein Buch über eine Mexikanerin welche dick im Kokaingeschäft mitmischt. Am Nachmittag mach ich den obligaten Besuch auf der Brücke, wir sind nun vor Sardinien. Auf einmal kommt uns ein kleines Boot mit Motor und vielen Leuten entgegen welche uns zuwinken und schreien. Wir holen sofort den Kapitän. Dieser findet dann dass wir nichts gesehen haben und so fahren wir weiter. Zuerst habe ich ein schlechtes Gewissen, die Leute befanden sich in Not und wir halfen nicht. Sardinien lag jedoch in Sichtweite und so haben sie es sicher bis dorthin geschafft. Ich freue mich auf Frankreich, am Abend beziehe ich noch das Bett in der Eignerkabine und Gogo will dass ich es besonders ordentlich mache es komme ein Vertreter von Enzian. Nun werden wieder alle bibbern und den Gagi in den Hosen haben. Irgendwie kommt es mir vor wie wenn das kommunistische System immer noch durchschlägt. Jeder ist besorgt dass er negativ dastehen könnte.

 

 

19. Januar 2009

Am Morgen beschäftigen wir und mit Vorbereitungsarbeiten. Wir werden definitiv das Losmachen der Fracht übernehmen und es soll auch ein Bonus geben. Wie viel ist noch unbekannt, ich habe jedoch beschlossen mir nicht mehr viel Gedanken darüber zu machen, da ich mich sonst nur in etwas hinein steigere und mir die Erfahrung fehlt um dagegen anzukämpfen. Am Nachmittag haben wir Ruhezeit da wir in der Nacht arbeiten müssen. Das erste was wir von Fos-sur-Mer sehen ist eine Raffinerie mit den Fackeln. Im Hafen legen wir dann ohne Hilfe von einem Schlepper an. Wie in Frematle holte ein kleines Boot die Leinen ab und brachte sie zum Poller. Nach dem Znacht war es dann soweit, wir machten uns ans Werk. Es gab einiges zu tun bis alle Vertäuungen gelöst waren. Meine Spezialität dabei war es auf die Frachtstücke zu klettern und die Ketten zu lösen, ei ei ei wenn das Gogo gesehen hätte...Als wir dann um elf Uhr fertig waren trafen wir auf die neue Besatzung. Als Matrosen ein Rumäne und ein Bulgare, ein weiterer Rumäne als Motorman. Hundemüde ging ich dann auch schon bald ins Bett.

 

 

20. Januar 2008

Noch vor sieben Uhr müssen wir wieder antraben und weiter das Vertauungsmaterial zusammen räumen. Die Schweisser sind schon an Bord und wollen auch schon Business machen. Sie fragen mich nach Zigaretten. Offenbar ist bekannt dass man die auf Schiffen zollfrei einkaufen kann. Ich verspreche mal nachzufragen. Passt ja gut zum Buch über die Schmugglerkönigin... Dann stehe ich den ganzen Tag mehr oder weniger an der Gangway. So kann ich mich im Französisch üben. Erstaunlicherweise ist doch noch einiges hängen geblieben und die Mühen von Herrn Gächter und Madame Soleil waren doch nicht vergebens. Nach dem Mittagessen bekommen wir Besuch von einem Mann der Seemannsmission. Er verkauft Telefonkarten und bietet uns eine Busfahrt an zum Clublokal wo es Internetverbindung, Telefonkabinen und was Seeleute sonst noch so brauchen und so freue ich mich auf den Abend. Die Sonne malt den kitschigsten Untergang den ich gesehen habe. Witzigerweise habe ich mich noch immer nicht daran gewöhnt in der gleichen Zeitzone wie in der Schweiz zu leben. Noch immer wenn ich auf die Uhr schaue will ich die MEZ Zeit ausrechnen. Um halb acht Uhr werden wir abgeholt und nach Port au Bauc gefahren. Ich geniesse es nach vier Wochen endlich wieder mal online gehen zu können. So lange ohne Internet war ich noch nie seit 1998 als ich mir ein Modem kaufte. Die Zeit vergeht wie im Fluge, vielen Dank an alle für die lieben Emails!!! Dann für den Chief noch 30 Euro in Schokolade umsetzten und schon werden wir wieder zurückgefahren.

Kaum auf dem Schiff ruft auch schon wieder die Arbeit. eine Lieferung von Ge- und Verbrauchsartikel ist gekommen und muss verräumt werden. Kurz vor Mitternacht könnte ich dann schlafen gehen, könnte, ich gehe jedoch noch auf die Brücke, habe am Vorabend entdeckt dass ich mich in ein WLAN einloggen kann, aber keine Verbindung bekomme. Nun habe ich mir zusätzliche Angaben besorgt (DNS IP von Bluewin) und damit klappt es. Jupii Internetverbindung auf dem Schiff. Leider nur auf der Brücke oder ausserhalb und die Verbindung ist langsam und störungsanfällig. Auf der Brücke sind noch Techniker damit beschäftigt ein neues Satellitensystem einzubauen. Nun soll dieses noch registriert werden was wir machen müssen. Der Superintendant von Enzian kennt sich damit noch gar nicht aus und fragt mich wer sich auf dem Schiff damit auskennt. Von der technischen Seite her kann ich ihm niemand anbieten, mich interessiert es aber und so darf ich einen Versuch wagen. Nun das ganze ist ganz einfach, Provider anrufen, alte und neue Seriennummer durchgeben, fertig, wenn man dann den Provider wüsste. In der Messe finde ich einen Zettel von einem Provider. So rufe ich dort an und der Herr erklärt mir dass ich zuerst das System bei einem anderen Provider löschen muss. Also rufe ich diesen Provider an, da meldet sich nur das Band. Uns so vereinbaren wir dass ich mich am Morgen darum kümmere. Bin noch hellwach und schreibe Emails und gehe erst nach 2 Uhr schlafen.

 

 

21. Januar 2009

Noch vor sieben Uhr werde ich wieder gerufen. Die Löscharbeiten sind schon in vollem Gange. Pünktlich um acht Uhr bin ich auf der Brücke und kann das die Registratur vornehmen. Vorher überlege ich mir noch ob wir uns bei Enzian erkundigen sollen welches der richtige Provider ist. Nun wir haben zwei Systeme und so ist es für mich nichts als logisch aus Gründen der Redundanz auch zwei unterschiedliche Provider zu haben. Nach nur einer Stunde klappt es dann auch mit Mitteilungen versenden nur bekommen wir keine Antwort, bis wir eine Meldung erhalten dass der Empfänger nicht bezahlen will. Kurz wir hätten besser angerufen, es währe einfacher gewesen.... Mich gurkt es zuerst mächtig an, jedoch nüchtern betrachtet muss ich mir (und wird mir auch nicht) vorwerfen.

 

Sonst bin ich den ganzen Tag beschäftigt mit Wache stehen, ab und Leute auf die Brücke bringen, Sachen verräumen, Holz zusammen lesen, Ladeluken schliessen usw. Wir bekommen noch Besuch von der Schweizer Seemannsmission aus Marseille. Ein ehemaliger Schweizer Seemann führt diese und so kann ich mich auf schweizerdeutsch mit ihm unterhalten. Er bringt für alle Nationalitäten an Bord Kalender und Lektüre welche von den Leuten dankbar entgegengenommen wir. Der Flughafen von Marseille liegt auch in der Nähe und zwei Mal fliegt ein Airbus A380 über das Schiff. Ist ein gewaltiger Vogel und eindrücklich wie er so in der Luft hängt. Um neun Uhr abends fahren wir dann los Richtung Huelva. Au revoir France!

 

 

22. Januar 2009

Nach dem gestrigen hektischen Tag und kurzen Nächten quäle ich mich aus dem Bett und bin gerade pünktlich im Cargooffice zu Arbeitsbeginn. Ich bin jedoch alleine und nach einer halben Stunde gehe ich wieder in die Kabine. Offenbar habe ich nicht mitbekommen dass heute der Arbeitsbeginn später ist, bin froh mich nochmals hinlegen zu können. Am späten Vormittag holt mich dann auch der Chief, ich muss Sachen verräumen. am Nachmittag die Brücke putzen sonst habe ich nicht viel mehr zu tun. Nach einer heissen Dusche lege ich mich ins Bett. Fühle mich nicht gut und bin hundemüde. Nach zwei Stunden weckt mich Dorel, der Kapitän braucht noch jemand der ihm Fotos auf den PC überspielt. Auf der Brücke streiten sich der Chief und er über Dieselöl und die Balasttanks. Mir kommt es vor die die zwei Alten aus der Muppetshow. Nach dem Abendessen mache ich noch meine Kabine sturmsicher. es ist hoher Wellengang angekündigt.

 

 

23. Januar 2009

Die Nacht verläuft relativ ruhig. Wir sind nun doch gar weit im Westen und so ist es um acht Uhr immer noch stockdunkel. Zuerst müssen wir die Leiter für den Lotsen ausbessern. Dorel und ich gehen Ketten spannen, danach fette ich die Winden. Der Sturm wird nun immer heftiger so dass wir die Arbeiten einstellen und nach drinnen flüchten. Ich gehe auf die Brücke um den Wellen zuzusehen. Der Wind bläst mit Stärke acht und wir sind auch nur noch mit gut acht Knoten unterwegs. Leider habe ich die Seekrankheit immer noch nicht richtig überwunden. Wenn ich liegen kann habe ich kein Problem, sobald ich aufstehe habe ich aber ein flaues Gefühl im Magen. Zudem fühle ich mich schnell müde. Die Fische haben dieses Mal aber nichts bekommen. Am Abend im Spanischen TV ist der Sturm dann das grosse Thema und aus Jeder grösseren Stadt wird berichtet.

Mit der neuen Crew geht es ganz gut. Dank meinen 3 Monaten Erfahrung gehöre ich jetzt auch zu den Grossen. Dorel muss sich noch etwas daran gewöhnen dass er der Chefmatrose ist. Er bespricht zuviel mit Ion in rumänisch, verpasst es dann aber uns zu informieren und so ist es für Nikolai aus Bulgarien und mich relativ schwierig zu folgen. Aus der Messe wurde eine richtige Raucherhöhle. Der Anteil der Raucher ist stark gestiegen. Teilweise werden bis zu zwei Pakete pro Tag vernichtet. Da die Stange Marlboro nur 11 USD kostet ist es nicht so teuer.

 

 

24. Januar 2009

Ein normaler Samstag, Der Sturm hat sich gelegt und wir putzen. Am Abend laufen wir in Gibraltar ein wo wir tanken. Leider legen wir nicht an, ich wäre gerne an Land gegangen. Ist schon speziell, dieser Britische Fels. Ich helfe Olek noch das Rettungsboot putzen. Die Schekel sind teilweise ganz verrostet und wir müssen sie mit der Trennscheibe aufschneiden.

 

 

25. Januar 2009

Ausschlafen, in der Nacht sind wir losgefahren, als ich erwache ist die Maschine abgestellt und wir liegen an Anker vor Marokko. Der Wind hat wieder stark zugenommen die Wellen sind aber noch angenehm. Heute ist es mir langweilig, habe nichts zu tun und weiss nicht recht wie mich beschäftigen. Vom Käpten erhalte ich noch zwei Magazine, eines für Auslandschweizer und die Flaschenpost eine Zeitschrift für Schweizer Seeleute. Für die neuen Crewmitglieder bringt der Chief noch die ID Karte, jedoch ohne Foto und nicht laminiert. So mach ich die nach neu, mit Foto und laminiert sehen sie schon viel besser aus. Am Abend fahren wir dann los nach Huelva wo wir morgen Montag um ca. acht Uhr eintreffen sollten.

 

 

26. Januar 2009

In der Nacht hatten wir starkes Rolling, das ist wenn das Schiff von einer Seite auf die andere schaukelt. Alles was nicht niet und nagelfest war versammelte sich am Boden und schaukelte ebenfalls hin und her. Zuerst versuchte ich das Geräusch zu überhören, doch je mehr ich mich anstrengte umso mehr höre ich es. Also bleibt mir nichts anderes übrig als aufzustehen und alles zu verstauen. An Schlafen ist danach nicht mehr zu denken und so döse ich vor mich hin. Punkt sieben Uhr werde ich gerufen, zuerst helfe ich vorne die Leinen richten, danach hinten, frühstücken und schon kommt der Lotse an Bord. Im Hafen von Huelva ist der Wasserpegel so tief dass wir unsere Gangway nicht ausfahren können und eine Ersatzgangway installieren müssen. Danach sind wir den ganzen Nachmittag mit Vertauung lösen beschäftigt. Am Abend mach ich noch ne Runde mit dem Velo, ich komme aber nur bis zum Gate. Ein freundlicher Beamte der Hafenpolizei erklärt mir dass es neun Kilometer bis in die Stadt sind und ich für das Velo Helm und Licht brauchen würde. Für ihn sei es kein Problem, aber seine Kollegen würden da nicht so nachgiebig sein. So fahre ich wieder zurück zum Schiff.

 

 

27. Januar 2009

Den in der letzten Nacht verpassten Schlaf konnte ich in der Nacht nachholen. Ist ganz ungewohnt wenn es muxmäuschen still ist weil keine Maschine dröhnt. Wir beginnen erst um halb neun mit arbeiten. Draussen ist es auch noch so lange dunkel. Ich stehe mehr oder weniger an der Gangway, hole mal hier etwas, rufe diese Person, bringe etwas wohin... Am Nachmittag müssen wir das Schiff verschieben. Ein mal mehr ist es ein Drama a la Gogo. Wenn es nicht genau so läuft wie er es sich vorstellt dann kommt er in Rage. Dieses Mal muss der zweite Offizier dran glauben. Nun dieser kommt dann auch in Stimmung und beginnt auch zu fauchen. Einmal als er mich ankeift weil ich die Leinen kontrolliere muss ich doch zurückfauchen. Danach ist er noch erstaunt dass ich verärgert bin. Wir haben dann ein kurzes klärendes Gespräch und die Sache ist erledigt. Er hat sein Mobiltelefon im Laderaum verloren. Als wir den Laderaum öffnen versuche ich mehrmals darauf anzurufen. Meistens kommt eine ukrainische Stimme die sagt dass der Abonnent nicht erreichbar sei. Zwei mal werde ich aber auch mit jemandem in der Schweiz verbunden. Habe keine Erklärung was das sein könnte, ich bin auch sicher dass ich die richtige Nummer hatte, wählte immer aus dem Speicher. Am Abend können wir dann eine Ladeluke schliessen. Wir haben aber immer noch Fracht in Laderaum zwei und so bleiben wir einen Nacht länger in Huelva, so freue ich mich auf eine weitere ruhige Nacht ohne Motorenlärm.

 

 

28. Januar 2009

Die Ausladearbeiten dauern noch immer an und so macht sich die Hoffnung das Wochenende in Bilbao zu verbringen zunichte. Ich stehe wieder mehr oder weniger den ganzen Tag an der Gangway. Am Abend fahren wir dann endlich los. Bis Bilbao haben wir zweieinhalb bis drei Tage. Somit werden wir am Samstag dort sein, am Wochenende wird im Hafen nicht gearbeitet und wir wohl vor Bilbao an Anker liegen. Im Moment muss ich mich daran gewöhnen dass ich wohl länger auf dem Schiff bin und schon vieles gelernt habe, aber halt immer noch der Stift bin. Langsam beginnt es mich zu stören immer nur der Bimbo zu sein. Habe auch das Gefühl der zweite Offizier beginnt es auszunutzen und ruft mich für jeden kleinen Dreck. Am meisten stört es mich als er findet wir sollen helfen kommen die Leiter für den Lotsen einzuholen, er es dann aber nicht mal fertig bringt den Rettungsring zu versorgen und sich gleich aus dem Staub macht. Ion der rumänische Matrose muss auch noch ein paar Anstandsregeln lernen. Danke, bitte oder auch nicht einfach hei schreien wenn er was von mir möchte. Nicolay der andere neue Matrose hat sich recht schnell daran gewöhnt und es ist angenehmer mit ihm zusammen zu arbeiten.

 

 

29. Januar 2009

Gogo lässt uns heute bis um halb elf Uhr ausschlafen. Danach gehen wir die Laderäume putzen. Den Nachmittag verbringe ich mit PC arbeiten. Für die Gasdetektoren muss ich ein Logbuch erstellen mit Fotos und Tabellen. Es macht mir grossen Spass und ist eine willkommene Abwechslung. Der Chief ist hocherfreut und gibt mir ganze zwölf rote Punkte. Jedes Mal wenn etwas gut ist bekomme ich rote Punkte und so machen wir gegenseitig Witze darüber. Er hat einen sehr trockenen, schwarz angefärbten Humor. Mit Gogo zusammen hat er es nicht einfach. früher selber mal Kapitän, gewöhnt Verantwortung zu tragen, und nun mit Gogo der nichts abgeben kann und immer noch selber reinschwatzen muss...

 

 

30. Januar 209

Der Atlantik vor Portugal und der Golf von Biskaya sind berüchtigt für Rolling im Winter und so rollt das Schiff über die Wellen von einer Seite auf die andere. Obwohl ich die Kabine möglichst sturmsicher aufgeräumt habe fallen die Kombis auf den Boden und auch die Trinkwasserschachtel welche ich zwischen den Tischbeinen eingeklemmt habe löst sich und rutscht hin und her. Am Schluss landet sie auf dem Bett, einem sicheren Platz und so schlafe ich zwischen Büchern, Notebook, Trinkwasserflaschen und Kleidern. Müde von der durchrollten Nacht stehe ich auf. Heute kann ich wieder ein paar Büroarbeiten machen. Ich muss die Proviantbestellung abtippen damit wir sie senden können. Sind schon beträchtliche Mengen die da verfressen werden... Am Nachmittag bin ich auf StandBy und geniesse es auszuruhen. Das Meer beruhigt sich auch wieder und so ist es wieder angenehmer.

 

 

31. Januar 2009

Zuerst will ich das Schiff putzen, doch welch hocherfreuliche Nachricht, wir laufen schon heute in Bilbao ein! Dann wird doch das Schiff geputzt dann angelegt und nachdem dann endlich das Zwischendeck abgebaut ist kann ich in die Stadt. Nach einem kurzen Bummel gehe ich in den Seemannsclub und erfreue mich genüsslich im Internet abzusaufen, zu chatten, zu surfen und natürlich meine Leser mit einem weiteren Bericht zu beglücken. Dieser findet sogar in Tansania Beachtung!!! Nach Bilbao geht die Reise dann weiter nach Hamburg wo wir ca. am 9 Februar eintreffen. Dort laden wir Fracht für den Kongo. Ich freue mich auf Afrika und bin gespannt auf die Eindrücke.

 

 

1. Februar 2009

Nach dem Ausschlafen geh ich früh zum Mittagessen so dass ich um 12 Uhr schon wieder auf die Leutsch gehen kann. Zusammen mit Vladimir fahren wir mit dem Velo bis zum Seemannsclub. Dort deponieren wir die Drahtesel und machen uns auf zum Tourismusbüro. Wir folgen den Wegweisern, ankommen tun wir aber nicht, es ist unauffindbar. So gehen wir zum Bahnhof und fragen dort wie wir ins Guggenheimmuseum kommen. Wusste gar nicht dass ich so gut spanisch kann, jedenfalls werde meine Brocken Italienisch und Englisch verstanden. Mit dem Zug geht es nach Bilbao City. Die Fahrt dauert gut 20 Minuten und führt die meiste Zeit am Fluss entlang. Die Gegend welche wir sehen sieht heruntergekommen aus, alte Industrieareale die lange nicht mehr gebraucht wurden. Es wird aber viel gebaut, vor allem Wohnungen scheinen zu entstehen. Die Landschaft ist sehr hügelig und grün, ohne das Meer sieht es aus wie in der Schweiz und so kommt doch etwas Heimweh auf.

In Bilbao müssen wir uns nach dem Weg erkundigen. Vom Personal will niemand englisch sprechen können und so bekomm ich Handzeichen wodurch es gehen soll. Der Weg führt zuerst durch die Fussgängerzone welche sehr schön und sauber aussieht. Dann kommen wir zu einem grossen Kreisel der in der Mitte schön bepflanzt ist. Wir gehen weiter gerade aus übersehen dabei den Abzweiger und machen so einen unfreiwillige Sightseeingtour durch Bilbao. Wir fragen dann wieder nach dem Weg und finden schlussendlich doch noch zum Museum. Das Gebäude ist sehr verspielt, mit seinen vielen Ecken, Kanten und Rundungen welche teilweise mit Titanschuppen bedeckt sind gefällt es mir besonders gut. Die Ausstellung selber ist dann aber enttäuschend. Es werden Bilder eines amerikanischen Künstlers ausgezeigt der im 20 Jahrhundert lebte doch ich kann mit den abstrakten Bildern nichts anfangen. Daneben hat es noch eine Installation mit Leuchtschriften welche von oben nach unten laufen auf der einen Seite rot, auf der anderen blau. Die blaue Seite spiegelt sich an der Wand und gibt so den Schein von fliessendem Wasser. Eine Ausstellung von Paul Sierra gefällt mir dann aber doch. Er hat riesige Stahlplatten zu Spiralen, Ellipsen und anderen Figuren geformt durch welche man durchgehen kann und besondere Stimmungen vom Raum, Weite, Nähe und manchmal auch eine Enge erzeugen können. Hauptsponsor der Ausstellung ist Acelor Mittal. für diese Firma haben wir die Stahlteile von China nach Frankreich gebracht.

Dass man die Kunstwerke nicht fotografieren kann ist begreiflich, das Personal greift jedoch auch ein als ich Fotos vom Gebäude machen möchte. Interessanterweise gibt es das Aufsichtspersonal Rot gekleidet und einen Sicherheitsdienst in grünen Uniformen. Den Grünen sind meistens nicht so motiviert und so kann ich dann doch noch zwei drei Fotos machen. Danach laufen wir noch am Kunstmuseum von Bilbao vorbei und werfen einen Blick dort hinein. Eine Ausstellung zeigt Bilder des spanischen Lebens um das Jahr 1916. Diese gefallen mir gut, sie sind sehr detailreich und interessant anzuschauen.

Auf dem Weg zurück zum Bahnhof werfen wir noch einen Blick in eine alte romanische Kirche. Ich glaube es wird gerade der Rosenkranz gebetet, ein Priester babbelt etwas auf spanisch, aber in solch einem horrenden Tempo, ich glaube auch ein Spanier konnte das nicht verstehen. Zurück beim Bahnhof, den Zug gerade um 5 Minuten verpasst und so erstehe ich in einer Konditorei feine Schoko und Vanilleschnitten, im Candyshop weiche Caramels und dann fährt auch schon der nächste Zug nach Santurci, dem Stadtteil wo sich der Hafen befindet. Via Zwischenstopp im Seemannsclub geht es dann zurück zum Schiff.

 

 

2. Februar 2008

Heute beginnen die Löscharbeiten, ich habe jedoch keine grosse Aufgabe und möchte nochmals nach Bilbao. Wir bekommen dann aber Besuch von der Hafenkontrollbehörde welche sich mit der Sicherheit auf den Schiffen beschäftigt und somit ist der Ausgang gestrichen. Um drei Uhr nachmittags könnte ich dann gehen, aber irgendwie ist es zu spät, es beginnt zu regnen und somit verschiebe ich es auf morgen. Ich lasse mich dann erweichen für die Crew mit dem Crewgeld eine Playstation kaufen zu gehen. Auf dem Weg in die Stadt rutsche ich auf einer in der Strasse eingelassenen Eisenbahnschiene aus und fliege mit dem Velo auf die Nase, kann mich jedoch auffangen dass ich nicht am Boden liege. Dann irre ich durch die Stadt weil ich meine einen Gameshop gesehen zu haben. jedoch entpuppt sich dies als falsch. Dafür finde ich einen Supermarkt und decke mich mit Schokolade, Orangensaft und anderen Leckereien ein. Im Seemannsclub kann man mir dann eine Adresse angeben. Also wieder durch halb Santurci durchlaufen. immer noch regnet es leicht, und tatsächlich werde ich fündig und erstehe für 212 Euro eine Playstation, drei Spiele, eine Memorycard und einen zusätzlichen Controller. Im Seemansclub will ich Spiele für mein Notebook herunterladen, mache aber einen Fehler und muss danach das ganze Notebook neu aufsetzten. Schei.......benkleister! Also wieder alles installieren, die Podecasts herunterladen, einrichten nochmals mit den Spielen versuchen und schon ist es zehn Uhr und wir werden hinausgeschmissen weil sie schliessen. Auf dem Schiff muss ich dann merken dass ich wohl die Spiele installiert habe, aber keines davon kann ich aufstarten. Dann will ich noch Fotos für Olek kopieren was aber auch nicht geht weil meine Speicherkarte nicht mehr erkannt wird. Langsam zweifle ich an meinem kleinen Notebook, müde und genervt gehe ich schlafen.

 

 

3. Februar 2009

Heute morgen muss ich zuerst ein paar kleinere Arbeiten machen, sonst ist nicht viel los. Über den Mittag holen wir mit dem Kran Vertauungsmaterial und Abfall aus dem Laderaum. Auf einmal zitiert Gogo alle zur Gangway um Ware zu verräumen. Dort angekommen herrscht aber nur grosse Ratlosigkeit. Für den Maschinenraum wurden ein paar Sachen angeliefert, es war aber überhaupt nicht nötig dass alle antrabten. Nachdem wir fertig waren versuchte ich nochmals nach Bilbao zu gehen. Dieses Mal wird dies durch den Kapitän verhindert. Wir bekommen am Nachmittag eine grosse Ladung Proviant wo ich da sein müsse. Ich kann dann aber doch für gut eine Stunde in die Stadt und so gehe ich zuerst auf eine Anhöhe von wo ich eine gute Sicht auf den Hafen habe und mache dort ein Foto vom Schiff. Danach vor dem Seemannsclub in ein offenes Funknetz die Emails abrufen und wieder zurück. Um fünf Uhr kommt dann der Lieferwagen mit dem Proviant. Interessanterweise kommen auch zwei Polizisten in Zivil und interessieren sich für die Ware, nachdem Sie alles durchgesehen haben können wir die Paletten mit dem Kranen aufs Schiff laden und verräumen. Danach schnellstens Umziehen und in die Stadt. Zusammen mit Olek gehe ich shoppen. Ich kaufe mir eine externe Festplatte. Diejenige welche ich in China gekauft habe war ein definitiver Reinfall. dann noch eine neue Speicherkarte, und in einem Chinesenshop (Ramsch Made in China, billig) eine Unterlage fürs Bad. Wieder mit Zwischenstopp fürs Internet geht’s zurück aufs Schiff.

 

 

4 Februar 2009

Ich mag nicht aufstehen und bleibe einfach mal liegen. Habe keinen Job und wenn jemand etwas von mir will dann kann er mich anrufen. Das Telefon klingelt dann auch um elf Uhr, am anderen Ende der Chief, ich solle kommen Manövering. Also stürze ich mich ins Übergwändli, rein in die Schuhe und im Laufschritt nach unten. Dort stehen wir dann aber nur ne halbe Stunde herum. dann sendet uns der Chief essen. Beim Essen erfahre ich vom Motorman dass zuerst die Hafenbehörde das Schiff freigeben müsse weil der Kreiselkompass bei der ersten Kontrolle nicht arbeitete. Super... Habe schwer Gogo in Verdacht dass hier wieder mal zu früh alarmiert wurde. Nach dem Essen spielt sich eine interessante Unterhaltung zwischen Olek und Nicolay ab. beide fühlen sich vom anderen angepisst und man sieht sehr schön wie jeder Schritt für Schritt auf die Palme steigt, aber keiner ist fähig die Eskalation zu verhindern. Am Schluss sind beide aufeinander verrückt, dabei währe es gar nicht nötig gewesen.

Um ein Uhr geht es dann wirklich los. Nachdem alle Taue eingezogen und verräumt sind muss ich die Spannsets zusammenräumen und schon ist auch wieder Feierabend. Ich merke dass ich fast zuviel Landgang hatte und mich an die grosse Vielfältigkeit, die Abwechslung und Kontakt zu anderen Leuten gewöhnt habe. Mir stinkt es wieder auf dem Wasser zu sein.

 

 

5. Februar 2009

Wieder einmal ist putzen der Laderäume angesagt. Die Grobreinigung fand gestern Nachmittag statt während dem ich die Spannsets verräumt habe, heute müssen wir das Finetuning machen. Dazu gehört auch die Bilgen auszuschöpfen. Die Bilgen sind die Sammellöcher im Boden. Die Arbeit ist nicht sehr angenehm, wieder ist das Wasser stinkig und ölig, ein Fall für Augen zu und durch. Ich bin froh kann ich am Nachmittag auf die Brücke. Wir haben ein neues Programm bekommen womit die Korrekturen der Seekarten automatisch via Satellit herunter geladen werden können. Dieses muss ich installieren, dann müssen wir die Antenne ausrichten und das Programm frei schalten. Gogo möchte am liebsten sofort alles schön fixieren und festmachen. Ich muss ihm zuerst dann klarmachen dass die Antenne nicht fix angebracht werden kann, sie muss zum Satelliten gedreht werden können und dass es auch keinen Sinn macht den Empfänger so gross wie zwei Zigarettenschachteln gleich fix zu installieren. Zuerst müssen wir schauen wie das System wirklich gebraucht wird, ob der Display und die Knöpfe gebraucht werden. Überraschenderweise kann er sich sogar damit abfinden und verzichtet seinen Kopf durchzusetzen. Dann müssen wir noch die Seriennummern der SatcomC Empfängern heraussuchen. Olek hat es nicht so im Griff und ist froh dass ich ihm die Arbeit abnehme. Ich merke langsam wie der Bürogummi sich in mir bemerkbar macht. Ich geniesse es wenn ich wieder mehr geistig arbeiten kann. Heute geht es auch schon besser und es stinkt mir nicht mehr. Vielleicht hat da auch die Schokolade dazu beigetragen. In Spanien ist die Tafel Lindt Milchschokolade 125g schwer und kostet nur 1,50Fr, drei Tafeln sollten reichen bis Hamburg.

 

 

6. Februar 2009

Eigentlich müsste ich im Laderaum helfen putzen, mit Spezialreiniger und Putzlappen den Boden fegen, jedoch werde ich nach einer Viertelstunde auf die Brücke gerufen. Für den Kapitän muss ich einige Büroarbeiten erledigen, dann versuchen ich mit dem Chief zusammen die neue Fracht und Stabilitätssoftware zu verstehen. Für mich ist es nicht so einfach weil es sehr viele Begriffe hat welche mir gar nichts sagen und gewisse Abläufe noch völlig unbekannt sind. Am Nachmittag kann ich Olek auf der Brücke helfen die neue Kartenverwaltungssoftware einzurichten. Bin froh muss ich nicht draussen arbeiten, es ist kalt. Wir fahren durch den Ärmelkanal und die Strasse von Dover. Gegenüber dem offenen Ozean herrscht ein grosser Verkehr und man fährt Richtungsgetrennt. auf der französischen Seite Richtung Ost, auf der englischen Richtung West und dazwischen noch die Fähren welche einem knapp vor der Nase vorbeiflitzen dass man meint jetzt kracht es dann gleich.

Eindrücklich wie man wirklich links die Kreidefelsen und rechts die Dünen sehen kann. Zusätzlich hat die Gegend ja einen grossen historischen Hintergrund, ich versuche mir vorzustellen wie man sich während dem zweiten Weltkrieg gegenseitig bespäht hat und wie das wohl ausgesehen hat während der Invasion.

 

 

7. Februar 2009

Ganz auf Putzen eingestellt begebe ich mich ins Cargooffice, doch wir haben einen anderen Job, genannt das Seildrama. Wir müssen ein Ersatzseil für den Kran in Forecastle bringen. Das Seil ist nun aussen und sollte nach drinnen, aber 1.2 Tonnen Stahl lassen sich nicht so schnell verschieben. Mein Vorschlag die Trommel mit dem Seil drauf an den Kran zu hängen und so in Forecastle zu platzieren wird abgelehnt, kein geeigneter Platz, es könnte nass werden. Zuerst liegt die Trommel auf der Seite und wir versuchen das Seil über die Seite abzuspulen, das gibt aber zu viele Verdrehungen. Ich werde zu Gogo geschickt er solle schauen kommen, dieser weist mich an den Chief weiter, von ihm bekomme ich ein paar Tipps welche sich aber als nicht möglich rausstellen. Dann bauen wir mit Kettenzügen und Ketten eine Vorrichtung wo wir die Trommel aufstellen können, etwas hochheben und dann abspulen können wie eine Fadenspule. Dies funktioniert ganz gut, aber wir können das Seil nicht in den vorgesehenen Platz legen, es ist zu klein. Dies sieht nun auch Gogo welcher nach vorne kam und am Schluss liegt dass Seil abgespult in grossen Schlaufen auf dem Boden. Super... meiner Ansicht nach die schlechteste der Lösungen aber was soll’s. Ich bin nicht der Kapitän und ich muss akzeptieren dass es nicht nur nach meinem Kopf gehen kann. Unterdessen sind wir vor Helgoland am Anker und warten bis wir in den Hafen fahren können. Am Abend habe ich dann ein äusserst aufschlussreiches Gespräch mit Dorel. er erzählt mir von seinen Sorgen und wie er die AB's führen will und worauf er achtet. Er ist mit meiner Arbeit sehr zufrieden, er will mir nächstens den Kran zeigen. Und dann könnte ich deutsches Fernsehen geniessen und endlich wieder mal die Nachrichten verstehen.... ... wenn ich dann in Spanien einen DBV-T Receiver gekauft hätte. Nerve mich da ich in Spanien noch dran gedacht habe...

 

8. Februar 2009

Nach acht Uhr weckt mich Gogo, ich solle helfen die Lotsenleiter auszubringen. Typisch für ihn, er organisiert wieder die ganze Crew für einen Job der von 2 Leuten gemacht werden kann. Danach kommt dann der Lotse, er wird mit einem Boot gebracht dass eine Mischung aus Katamaran und Tragflügelboot ist. Scheint eine Höllenmaschine zu sein so wie das Wasser am Heck aufgewirbelt wird. Nun fahren wir in die Elbemündug hinein, ich freue mich sehr auf Hamburg, endlich kann ich wieder alles verstehen in einer nicht ganz so fremden Sprache. Nach Cuxhaven wird dann der Lotse ausgewechselt, ich helfe Dorel die Laderaumabdeckung zu entriegeln. Dann sind wir im Hafen, legen an und schon kommt ein Mann der die selbstaufblasbaren Rettungsboote mitnehmen will um diese zu revidieren. Diese sind sehr schwer, wir können sie leider nicht per Kran runterladen sondern von Seilen mit viel Diskussionen und Reibereien, dann ist es aber doch geschafft. Tja und dann gibt es eine etwas geahnte aber doch riesige Überraschung. Der Agent bringt mir ein Paket aus der Schweiz mit Käse, Schokolade, Wienerli und Senf. Vielen lieben Dank an meine Eltern welche mir so eine riesige Freude bereiten. Am Abend kann ich in den Seemannsklub gehen um die neusten Mails und Nachrichten anzusehen.

 

 

9. Februar 2009

Schon um halb sieben Uhr werde ich geweckt, als Erstes muss ich mit Dorel zusammen die Laderäume öffnen und die Pontons fürs Zwischendeck installieren. Danach müssen wir die Bilgenschächte noch mit Jute abdecken damit der Dreck zurückgehalten wird. Die Hafenarbeiter sind schon daran die Pallets mit dem Zement einzuladen als Ion immer noch gemütlich und seelenruhig die Jute anbringt. Ich helfe ihm, schlage aber dann mein Tempo an was ihn doch etwas überfordert, doch wir haben wirklich keine Zeit zum träumen. Ich muss etwas schmunzeln, war ich doch in der Lehre auch noch so ein Lama. Im Laderaum 1 können wir es dann etwas gemütlicher nehmen und ich stresse nicht mehr. Vor dem Mittag kommt irgendjemand noch auf die Idee das Zwischendeck vielleicht doch in den Laderaum 1 zu verschieben. Dank der Hilfe des Krans vom Land aus geht das recht zügig. Zuerst müssen wir aber noch die Halteklappen ausklappen. zu diesem Zweck wird ein Ponton in den Laderaum „gehalten“ wir können aufsteigen und schweben so zur richtigen Stelle und können die Klappen loslösen. Sicher etwas gefährlich aber wie immer macht es Spass so durch die Luft zu schweben. Danach ist der Moment gekommen wo ich dann ausbüxen kann. Ab in die City, doch... zuerst muss ich mal den Ausgang finden, dann an einer Würstchenbude nach dem Weg fragen, ich muss knapp 700m laufen bis ich an eine Bushaltestelle komme und mit etwas rennen erwische ich gleich einen Bus Nr. 151. dann in Wilhemsdorf umsteigen und nach 40 Minuten bin ich schon in der Innenstadt. Ich habe nur Dollars und so fahr ich ungewollt halt schwarz, glücklicherweise kommt keine Kontrolle.

Zuerst decke ich mit einem DVB-T Empfänger ein, der Kapitän braucht noch einen Stromadapter, danach Geld wechseln, dann durch die Innenstadt spazieren. Wieder am Bahnhof decke ich mich mit Lesestoff ein. Ich finde sogar einen Sonntagszeitung und eine NZZ! Vladimir hat auch noch russischen Lesestoff bestellt. Auf dem Rückweg muss ich für den Bus noch einen Zuschlag lösen, kann mich aber nicht mehr an die richtige Haltestelle erinnern, weiss nur noch dass es in der Nähe des Zolls war. Als ich dann aussteigen will wird die Haltestelle nur in der einen Fahrtrichtung bedient und so fahr ich halt mit dem Bus bis an die Endhaltestelle und wieder zurück. Der Fahrer ist sehr freundlich und erzählt mir einiges über den Hafen. Wir sprechen über Gott und die Welt, er versorgt mich mit Touristeninfos über Hamburg und so fahr ich nochmals eine Runde mit ihm. Spät abends bin ich dann wieder auf dem Schiff.

 

 

10. Februar 2009

Heute habe ich herausgefunden warum ich in Spanien keinen DVB-T Receiver gekauft habe. Unsere TV-Antenne ist speziell eine für die See und funktioniert nicht mit DVB-T. Umtauschen geht für mich bedeutend einfacher auf Deutsch wie in Spanisch. In der Nacht hat es geschneit, eine dünne Schneedecke liegt auf dem Schiff. Nachdem ich am Morgen einige Arbeiten erledigen musste, Laderaumumrandung säubern, Gangway verschieben, Rettungsfloss zurückstellen, flüchtete ich wieder in die Stadt da ich ja noch den Receiver zurückgeben wollte. Danach ging ich ins Miniatur Wunderland. In einem ehemaligen Speichergebäude vom Hafen wurde da eine Modelleisenbahnanlage eingebaut welche die Grösste der Welt ist. Verschiedene Themengebiete wurden abgebildet, neben Deutschland und Österreich auch die Schweiz mit einem 6m hohen Matterhorn. Der Weg führt mitten durch die Anlage, es fahren nicht nur Züge auf der Anlage sondern auch Autos, diese blinken richtig, spuren ein, biegen ab und verursachen auch mal Unfälle. Dann kommt die Feuerwehr und räumt auf. Es ist äusserst faszinierend und ich könnte stundenlang zusehen. man wird vorher müde vom schauen als dass es langweilig wird.

Nach drei Stunden habe ich dann doch genug gesehen und gehe zurück zum Schiff. Die Buslinie 152 welche am Zoll halten würde hat eine Taktlücke von über zwei Stunden, so nehme ich halt wieder den 151er. Der Fahrer offeriert mir dann mich am Zoll aussteigen zu lassen und so bekomme ich einen Extrahalt. abends um 10 Uhr müssen wir dass Schiff um 200m verschieben. Dafür lohnt es sich nicht die Maschine anzuwerfen, wir „ziehen“ uns von Poller zu Poller. Wie immer sind solche Manöver höchst dramatisch und jeder ist nervös. Der Alex der Motormann hilft uns. zwischen ihm und Olek entwickelt sich eine Diskussion ob der andere jeweils nervös sei oder nicht. Der Kapitän ist dann nicht einverstanden dass Olek nicht genau seinen Vorgaben folgt und als sich Olek noch verteidigen will hüpft er wie im Trickfilm auf und ab und klopft dazu noch mit den Fäusten imaginär auf den Tisch. Ist wunderbar zuzusehen, Nicolay und ich amüsieren uns prächtig. Ich werde dann an Land beordert um Alex zu helfen die Leinen zu schleppen. Es ist kalt, gibt Schneeregen und ein bissiger kalter Wind bläst. Nach zwei Stunden ist es dann geschafft, das Schiff verstaut und ich flüchte in die Kabine, brauche eine heisse Dusche. Der Kapitän spendet (wohl eher unfreiwillig) eine Flasche Vodka und so werde ich auch noch zum Trinken eingeladen. Zum Glück ist die Flasche schon fast leer, ich bin überhaupt nicht unglücklich kriege ich nur noch zwei Schlücke.

 

 

11./12. Februar 2009

Nach dem gestrigen strengen Abend habe ich heute ausgeschlafen. Niemand verlangte nach mir, und so genoss ich einen ruhigen Morgen. Am Nachmittag will ich wieder in die Stadt abhauen, im Hafen kann man ein russisches U-Boot besichtigen, doch oha lätz der Kapitän legt sein Veto ein, nach dem Beladen des Schiffes müssen wir die Lucken versiegeln und da wird auch meine Hilfe gebraucht. Ich kann dann doch noch für 3 Stunden an Land gehen was gerade reicht um Briefmarken zu kaufen, für Vladimir ein Medikament besorgen und im Internet die Podecasts aktualisieren und Mails herunterladen. Auf die Minute genau um halb vier bin ich wieder auf dem Schiff. Die Ladearbeiten sind aber immer noch in vollem Gang. Ich verzieh mich in meine Kabine, lege mich schlafen, gehe zwischendurch essen und hoffe auf einen Abend im Seemansclub. Um halb zehn Uhr werde ich gerufen, ich muss helfen die Krane in Parkposition zu bringen, div Sachen zu verstauen und dann beginnen wir die Spalten in der Abdeckung der Ladeluken mit Bitumenband abzudichten. Dazu müssen wir zuerst mit einem Heissluftföhn und mit Butangasbrennern den Frost wegtauen. Danach das Bitumenband erhitzen, aber ja nicht zu stark und dieses dann möglichst gerade und faltenfrei aufkleben. Damit es nicht zu einfach wird hat es Befestigungsbolzen und Containerplatten dazwischen welche auch schön abgedeckt werden müssen. Kurz gesagt, es ist ein riesiger Scheiss, es ist trotz Winterkombi kalt, für Winterschuhe hatte der Kapitän kein Gehör, und ich frage mich wieder einmal wie ich nur auf die Idee kommen konnte aufs Schiff zu gehen. Pro Stunde schaffen wir gerade mal eine Breite also knapp 20m. Wir sind zu dritt, Olek Nikolay und ich. Um vier Uhr kommt Ion und der Chief, zwischen durch gibt es einen warmen Tee, und um acht Uhr kann ich mich dann endlich auch ins Bett legen. Doch um halb zehn Uhr muss ich schon wieder antraben, die Gangway muss eingeholt werden, um zehn Uhr fahren wir los. Ich geniesse die Sonne und die Fahrt aus dem Hafen raus. Der Chief gibt mir dann den restlichen Tag frei. Ich merke wieder wie ich mich wieder loslassen muss, habe mich schon zu fest ans Landleben gewöhnt und am Anfang etwas den Koller. Die schöne Fahrt und die Sonne entschädigt mich etwas und mit dem Kongo kommt ja eine ganz interessante Destination dazu. Nach dem Mittagessen eröffnet mir der Chief dass ich dann doch wieder um 4 Uhr antraben müsse, Gogo hätte das so befohlen. Ich begreife unseren Kapitän nicht wirklich, lege mich schlafen und bin um 4 Uhr wieder auf der Matte um dann noch eine Linie Bitumenband aufzukleben. Zum Glück kann ich mit Dorel zusammen arbeiten. Dieser macht kein Geschrei wenn es eine Falt hat sondern korrigiert mit einer kurzen Bemerkung und zeigt wie ich es besser machen kann. Um halb sechs ist dann endlich Feierabend.

 

 

13. Februar 2009

Müde krieche ich aus dem Bett, merke noch immer die durchgearbeitete Nacht. Heute regnet es und wir müssen den Bootraster reinigen, das ist der Raum vorne im Schiff wo ein etwa ein Meter dickes Rohr wagrecht durchs Schiff geht, in der Mitte hat es einen starken Propeller um das Schiff im Hafen besser lenken zu können. In der Kaffeepause nötigt mich Dorel dass ich bis am Mittag ausruhe. zuerst will ich nicht, doch danach bin ich doch sehr froh und die zwei Stunden Schlaf wirken wunder. Richtig fit kann ich am Nachmittag wieder mithelfen. Dann muss ich noch auf die Brücke, das Kartenaktualisierungsprogramm will nicht richtig funktionieren. Wir sind nun wieder im Ärmelkanal, dieses Mal näher an England und so leuchten die Kreidefelsen von Dover richtig in den Himmel hinein.

 

 

14. Februar 2008

Eigentlich steht wieder die Bitumenabdeckung anbringen auf dem Programm, doch vier Personen sind zuviel und so kann ich mich zum Putzen abdetachieren was mir gerade recht ist. Den Nachmittag geniesse ich mit den deutschen Zeitschriften welche ich in Hamburg erstanden habe. Ich freue mich auf Afrika. Wir machen einen Zwischenstopp in Las Palmas auf den Kanaren, hoffentlich kann ich dort wieder ins Internet. Zurzeit habe ich ein richtiges Fressflash, habe diese Woche ein Kilogramm Schokolade gefuttert und könnte noch mehr. Daneben kocht Shandor ja auch noch und dort esse ich nicht weniger... zum Glück haben wir keine Wage an Bord.

 

 

15. Februar 2009

Wieder einmal kann ich richtig ausschlafen. Um 11 Uhr ist Drill angesagt. Der Generalalarm ertönt und brav marschieren alle auf die Brücke zum Sammelpunkt. Dort erzählt uns Gogo einige Sachen zum Schiffsablauf, dass sich die neuen Crewmitglieder mit dem Schiff vertraut machen sollen, dass wir beim Laderaum öffnen und schliessen darauf achten müssen dass der Hacken immer Horizontal ist und dass die Reederei noch nicht geantwortet hätte wie sie den Bonus vom Golf von Aden bezahlen will. Nach der Ankündigung dass es einen Bonus geben würde ist nichts mehr gegangen und auf dem Schiff kam die Stimmung auf dass Gogo sich das Geld in die eigene Tasche gesteckt hätte. Auch vom Geld fürs Ketten lösen von der Fracht in Fos-sur-Mer und Huelva haben wir noch nichts gesehen. Ich für mich finde es auch komisch dass wir mehr als einen Monat nichts mehr davon hören. Ich merke wie mein Vertrauen in Gogo nicht gerade gross ist. denke dies hat damit zu tun dass er meiner Ansicht nach zuwenig für die Crew schaut, wenn es nach ihm ginge, wie würden auch am Wochenende arbeiten, das Essen würde gekürzt (Früchte wurden schon mal auf jeden zweiten Tag statt täglich reduziert, nun aber wieder täglich) und überall würde gespart werden. (keine Winterschuhe in Hamburg) einzig vor Bilbao hat er sich durchgesetzt dass wir das Wochenende im Hafen verbringen konnten und so an Land gehen konnten. Zum Znacht gönne ich mir echte Schweizer Wienerli und feinen Tilsiter den ich zusammen mit der Schokolade in Hamburg erhalten habe.

 

 

16. Februar 2008

Heute mussten wir, nein keine Bitumenbänder ankleben, sondern die Laderaumabdeckung neu streichen, von China nach Frankreich hatten wir ja Fracht huckepack auf dem Laderaum. diese war angeschweisst und nun werden die schadhaften Stellen geputzt, geschliffen und gestrichen, einmal mehr muss ich mich zurückhalten, ich würde alles viel genauer machen, Gogo will aber dass wir möglichst schnell vorwärts kommen und so wird die eine oder andere Stelle unbearbeitet überstrichen. Seit Hamburg muss ich mich wieder neu einleben auf dem Schiff, Ion der Matrose aus Rumänien sagt in jeder zweiten Äusserung „pu la mer“ was etwa soviel heisst wie leck mir am Arsch, und motzt weil wir keine neuen Farbroller haben, meines Erachtens tun es die alten aber noch längstens. Nikolay zeigt sich vor allem in dem er entweder ausruft oder mit Ion herumkeifft. Mir fehlen Ticho und Sveto. Sie waren tatkräftig und nicht so zwei Lahmärsche wie die Neuen. So geniesse ich es wenn ich ruhig und zügig mit Dorel zusammen arbeiten kann. In den Pausen verdrück ich mich in die Kabine und den Abend verbringe ich mit Tagebuch schreiben, Musik hören und Solitair spielen. Ärgere mich dass ich in Deutschland nicht noch ein Buch über Linux gekauft habe. Zum Abendessen gibt es Spaghetti die ich mit meinem rezenten Tilsiter würze. Ich strahle so stark dass Shandor findet man müsste ein Foto machen. Herrlich habe noch selten eine Teller Spaghetti sooo genossen wie heute. Vielen Dank noch einmal an meine Eltern für das wunderbare Päckli.

 

 

17. Februar 2009

Der Tag verläuft gleich wie gestern, ich erfreue mich ab dem warmen Wetter und dem Sonnenschein. Wir sind nun auf der Höhe von Madeira und steuern auf Las Palmas zu. Hoffentlich kann ich da nochmals an Land gehen bevor wir von dort in 10 Tagen Fahrt den Kongo erreichen. Im Kongo soll offenbar Bürgerkrieg herrschen. Vladimir hat den Kapitän darauf angesprochen und der hat ihn gefragt ob er nach Hause will. Wenn ein Schiff in ein offizielles Krisengebiet fährt dann müsste die Crew wählen können zwischen doppeltem Lohn oder früherer Vertragsauflösung. Ob Krieg herrscht und die Küste davon auch betroffen ist, wir haben keine Informationen, auch deshalb drängt es mich ins Internet.

 

 

18. Februar 2009

Same as yesterday, Rost klopfen, schleifen, streichen. Ion und Nicolay schaffen es heute mal nicht zu keifen, Sonst bin ich froh als der Tag rum ist und ich mich in die Kabine verdrücken kann. Gegen Mittag wurde die Maschine gestoppt und wir driften mit der Strömung Richtung Gran Canaria.

 

 

19. Februar 2009

Noch ist es dunkel draussen, wir müssen aber schon antraben um die Leinen vorzubereiten. In der Ferne glitzern die Lichter von Las Palmas. Nach dem Zmorge legen wir dann an. Ich komme wieder mal in den Klinsch mit Olek. Er will immer alles lehrbuchmässig machen, ich suche die meiner Meinung nach pragmatischste Lösung und habe dann keine Geduld zu warten. Der Kapitän schickt mich in die Stadt, Tee, Sirup und ein Schachspiel zu besorgen. Ich bin richtig froh dass ich abhauen kann. Nicolay will auch noch was, kann dann aber nicht sagen was und will mit mir tauschen was ich jedoch entschieden ablehne. Mit dem Flugzeug sind es nur 4h nach Zürich und würde mich 400Fr kosten... wieder einmal zieht es mich in die Schweiz. Zuerst suche ich in einem Supermarkt nach Früchtetee, die Spanier scheinen aber keine Teetrinker zu sein, ich finde nur ein minimales Sortiment und beim Sirup bin ich noch weniger erfolgreich trotz nachfragen auf Spanisch. Dann finde ich in einem Chinesenshop ein Schachspiel und begebe mich auf die Suche nach einem Internetcafe. Schnell werde ich fündig. Also Podecasts herunterladen, Mails schreiben und Nachrichten lesen. Fast etwas neidisch bin ich über den vielen Schnee, da ist wieder einmal richtig Winter in der Schweiz und ich rackere mich auf dem Schiff ab. Ich vergesse die Zeit und bin dann reichlich spät daran als ich zurück aufs Schiff gehe. Habe Gogo meine Natelnummmer gegeben, er hat aber noch nicht angerufen so kann es also noch nicht zu spät sein. So wie ich ihn kenne hat er eh eine Sicherheitsreserve eingebaut und in der Tat vergehen noch drei Stunden bis wir ablegen. Dorel hat in der Zwischenzeit offenbar Partei für mich ergriffen und so werde ich vom Heck an den Bug verfrachtet und so ist das Konfliktpotential auch reduziert. Ich geniesse den Abend mit den News aus der Schweiz. Auf der

 

 

20. Februar 2009

Wir sind auf der Höhe der Westsahara und es ist gut 25 Grad warm wir arbeiten weiter am Ausbessern der Laderaumabdeckung. ich bearbeite die Aussenseiten und zur Sicherheit ziehe ich den Sicherheitsgurt an und befestige ihn an einem Posten. Will ja schliesslich nicht wieder einen Rüffel von Gogo bekommen. Es vergeht jedoch kaum eine halbe Stunde dann ist dies der Fall. Es sei für mich verboten gefährliche Arbeiten zu machen und ich sei der Cadet und hätte am Rand nichts zu suchen wegen mangelnder Erfahrung. Super, als ich dann noch einwende wie ich denn Erfahrung sammeln soll wenn man mich nicht lässt wird Gogo noch aufgebrachter und meint ich könne nicht nur in wenigen Monaten Erfahrung sammeln und er lasse nicht mit sich diskutieren. Aus und fertig. Super!!! Ich verstehe die Welt nicht mehr und es nervt mich, fühle mich wie ein kleines Kind behandelt. Tja das ist das Schiffsleben und der Kapitän ist die oberste Instanz.

 

 

21. Februar 2009

Nach dem Putzen müssen wir noch die Laderaumabdeckung streichen. Es geht ein zügiger Wind, das Meer glitzert wie viele tausend kleine Spiegelchen. Wir sind nun auf der Höhe von Gambia. Am Nachmittag ist die Safmarine Andisa in der Nähe, Olek funkt mit der Crew hin und her. Offenbar ist da noch ein rechter Unterschied in der Schiffskultur genaueres will er aber nicht sagen.

Im Internet habe ich mir noch die Reisehinweise des EDA's herauskopiert, So steht unter der Demokratischen Republik Kongo Zitat: “Von Touristen- und anderen nicht dringenden Reisen in die Demokratische Republik Kongo wird abgeraten.“ ich weiss ja nicht wie dringend dass der Zement benötigt wir. Weiter stehen noch Sachen wie „im ganzen Land Gefahr von Landminen“ oder „Infolge der Kriegswirren und der desolaten Wirtschaftslage ist die Kriminalitätsrate hoch. Die Gewaltbereitschaft ist gross, insbesondere von jugendlichen Strassenbanden, die an stark belebten Orten operieren, oft in Zusammenarbeit mit der Polizei.“ Wir müssen den Fluss Kongo ca. 100km hinauf fahren bis zur Stadt Matadi. Bin ja echt gespannt wie das wird. heute haben wir die erste Lariamtablette zur Malariaprophylaxe bekommen.

 

 

22. Februar. 2009

Um halb elf werde ich vom Chief geweckt, ich solle in den Messraum kommen, Sicherheitsmeeting. Wir besprechen Unfälle und was man hätte besser machen können. Sicher eine sehr sinnvolle Sache auch wenn einige Fragen etwas fragwürdig sind wie „könnte das auch auf unserem Schiff passieren?“ Na klar weil sonst wir es ja nicht besprechen müssten... Dann muss ich noch Gogo rehabilitieren, zwar hat er uns immer noch nicht informiert was mit dem Bonus geschieht, via Chief habe ich jedoch erfahren dass das Geld direkt aufs Konto überwiesen wird. Also nix mit in die eigenen Taschen stecken, alles ist ok. Es war wieder einmal sehr spannend zu sehen wie so falsche Stimmungen aufkommen können, sich zu Gerüchten verdichten, und dann zu irgendwelchen Behauptungen werden welchen jegliche Grundlage fehlt. Ich versuche mich aus dem Geschwätz rauszuhalten, leider gelingt es nicht immer. Ab und zu ist es erstaunlich was für ein Tratschladen so ein Schiff sein kann, fragwürdig finde ich auch liebe Kollegen die motzen sie werden nicht informiert,, auf die Frage was sie denn gerne wissen würden aber keine konkrete Antwort geben können...

Den Nachmittag verbringe ich mit Tagebuch schreiben. War in letzter Zeit nicht so fleissig und muss einiges nachschreiben. Am Abend geniesse ich noch meine letzten Wienerli, sie sind schon 12 Tage über dem Datum, ich esse sie trotzdem und bis gut drei Stunden später habe ich noch keine Probleme.

 

 

23. Februar 2009

Einmal mehr beschäftigten wir uns heute mit dem Streichen der Laderaumabdeckung. Wir sind auf der Höhe von Liberia und die Sonne brennt schon mächtig. Wobei es viel Dunst am Himmel hat und am Morgen die Sonne verschleiert. Um die Mittagszeit ist sind die Stahlabdeckungen schon so warm dass ich nicht mehr darauf knien kann. So in der Hocke zu Arbeiten ist mit der Zeit doch sehr anstrengend. Dafür kann man beim Rost klopfen, schleifen und streichen so herrlich grübeln und nachdenken und so manches Rätsel wird gelöst. Einmal mehr muss ich Gogo rehabilitieren, habe ich doch gepfuttert als er mir verboten hat an den gefährlicheren Stellen zu arbeiten. Nun man kann es auch so sehen dass wenn er es mir verbietet, dann müssen unsere zwei besonders motivierten Herren dort anpacken. Ich kann dadurch die etwas leichteren Arbeiten machen. Na ja auch nicht schlecht aber halt ohne Herausforderung. Ich habe noch nicht so ein gutes Gespür für Gogo’s indirekte Kommunikation und bin froh übersetzt Dorel für mich.

 

 

24. Februar 2009

Im Süden nichts Neues. Laderaumabdeckung streichen. Heute werden wir wieder einmal von Delphinen begleitet. Spannend ist auch das Wetter, wir fahren auf Regengebiete zu die sich dann wieder auflösen und nur etwas die Sonne verdunkeln und kühlenden Wind bringen. Einmal fallen dann doch ein paar Tropfen, es Regen zu nennen währe übertrieben. Zum ersten Mal spüre ich den Rücken nach der Arbeit, die immer kauernde Haltung ist mühsam, nach der Arbeit ist es eine Wohltat an eine Leiter zu hängen und sich etwas baumeln lassen. Ich plane nun definitiv bis Anfangs Mai auf dem Schiff zu bleiben. Wenn der 1 Mai das Heimreisedatum ist dann sind es also noch 65 Tage. Für den Kongo müssen wir noch eine detaillierte Effektenliste machen, da die Behörden es sehr genau nehmen sollen. So notiere ich jede einzelne Speicherkarte, alle Kopfhörer, alle Kabel usw. Am Abend gibt es Wetterleuchten und ich betrachte fasziniert das Schauspiel.

 

 

25. Februar 2009

Heute morgen regnet es richtig, und ich bin richtig froh darüber, so müssen wir nicht Rost klopfen sondern können den Paintstore wo die Farbe gelagert ist aufräumen und inventarisieren. Unsere zwei Helden sind wieder mal etwas lahmarschig und so krieche ich aufs Gestell um die Eimer zu sortieren.

Mühe macht mir wie wir Farbreste einfach ins Meer schmeissen, Widerrede hat keinen Sinn. die Kübel fliege sowieso, wenn nicht von mir dann von Dorel selber...

Am Nachmittag kann ich die Liste der Farben abtippen. Dorel gibt mir danach frei, ich hätte am Morgen genug gearbeitet. Er streicht mit den andern zwei Matrosen die Laderaumabdeckung.

 

 

26. Februar 2008

Und wieder sind wir am Rost klopfen. Langsam wird es mir zu langweilig, ich konnte nun genug studieren, sinnieren und den Gedanken nachhängen, hätte nun gerne wieder etwas Abwechslung... Plötzlich hupt Gogo von der Brücke, aber nicht um irgendwelchen Senf dazuzugeben sondern wir fahren an hunderten von Delphinen vorbei. Ich renne in die Kabine um die Fotokamera zu holen. Wow es ist wirklich eindrücklich diese Menge Delphine zu sehen. Immer wieder springt einer aus dem Wasser und es sprudelt richtig. Fleissig mache ich Fotos.... um danach zu merken dass ich in der kleinsten Auflösung fotografiere. Super... nein ich nerve mich überhaupt nicht... Am Abend im letzten Tageslicht hat es am Horizont ganz tief liegende Wolken. Auf den ersten Blick sieht es auf die die Skyline einer Stadt und ich muss zwei mal schauen bis ich die Wolken erkenne. Wir sind nun weit und breit das einzige Schiff. 250 Seemeilen um uns herum hat es keine Menschenseele....

 

 

27. Februar 2009

Das Wetter scheint zu unsicher heute und so müssen wir das Schiff aussen putzen. Mit Spezialreinger Bürsten und Hochdruckreiniger bewaffnet beginnen wir bei der Brücke. Als wir jedoch den Hochdruckreiniger einstecken springt die Sicherung raus und auf der Brücke ist kein Strom mehr. So muss der Elektriker ran, wir putzen ohne Hochdruckreiniger. Nikolay hat heute seine pubertäre Phase indem er immer das Gegenteil von dem macht was er tun sollte. Er bringt es dann auch noch fertig den Eimer mit der Putzlösung umzukippen weil er am Schlauch rumrupft und nicht merkt dass sich dieser um den Kübel gelegt hat. Dorel stellt ihn dann zur Rede danach geht es etwas besser, ist aber immer noch Mühsam. ich flüchte einen Stock tiefer und schruppe die Wand. Zum Glück kann ich am Nachmittag mit Dorel zusammen die Laderaumabdeckung streichen. Ich geniesse es in Ruhe zu arbeiten und ich glaube Dorel geht es auch so. Am Abend muss ich dann noch Unterschriften sammeln für die Deklarationen für den Kongo. Weiss nicht warum Gogo dies nicht schon am Mittag gemacht hat als er den Lohn auszahlte...

 

 

28. Februar 2009

Wie üblich putzen, zusammen mit Nicolay. Leider mache ich den Fehler dass ich feucht wische und somit warten muss bis er mit dem Besen durch war. Normalerweise kann ich die Arbeit in 90 Minuten verrichten wenn ich alleine bin. Mit ihm zusammen habe ich länger. er kommt nicht vom Fleck, wischt auch mit dem Teppich mit dem Besen nur weil er zu faul ist zu fragen wo das der Staubsauger ist. Ich habe sogar dazwischen genügend Zeit meine Wäsche zu waschen... Nach der Kaffeepause werden wir informiert dass die Enzian ab sofort nur noch Sri Lankis anstellt. Für die europäischen Mitarbeiter wird Enzian Deutschland gegründet. Warum ist leider unbekannt. Die Leute sind nicht sehr glücklich darüber. Sri Lankis und Osteuropäer sind nicht gut aufeinander zu sprechen. Am Abend ist das übliche Abendprogramm, am einen Fernseher wird gegamet oder DVD geschaut, im Offiziersmessraum läuft meistens ein Film, je nach Programm schaue ich beim einen oder anderen und sonst verdrück ich mich in die Kabine.

 



1. März 2009

Fünf Monate bin ich nun auf dem Schiff und was in diesen fünf Monaten doch alles passiert ist. Als erstes fällt mir heute auf wie braun das Wasser ist. Wir haben noch keine Mobilfunkabdeckung, vom Land ist noch nichts zu sehen, das Meer hat aber eine braune Färbung vom Congo River. Als ich das Fenster öffne sticht mir auch der modrige Geruch des Urwaldes in die Nase. Am Morgen bin ich richtig fleissig, lege Wäsche zusammen, sortiere die Socken und reinige den Siphon des Lavabos. An der dicken Seifenschicht die sich da drin abgelagert hat ist es schon sehr lange her dass der gereinigt wurde. Am Mittag ist es dann soweit, wir gehen vor der Mündung des Congo Rivers an Anker. Links die Demokratische Republik Kongo, rechts Angola. im Meer hat es Ölförderplattformen und eine grosse Fackel wo sie das Erdgas abfackeln. Morgen sollen wir dann nach Matadi fahren, gut 100km den Fluss hinauf, zuerst muss dass uns aber noch vom Hafenverwalter bestätigt werden. Ohne die Bestätigung dürfen wir nicht fahren, wenn ich das etwas klischeehaft anschaue dann kann es gut sein dass wir noch ein paar Tage länger vor Anker liegen. Am Nachmittag ist mir richtig langweilig, weiss mich nicht richtig zu beschäftigen und so schlafe ich eine Runde. Beim Sonnenuntergang sehe ich dann tatsächlich die grüne Sonne, die letzten zwei drei Sekunden bevor die Sonne im Meer versinkt bekommt sie eine grünliche Färbung. Ich bestaune das Schauspiel durch das Fernglas, von Auge ist es nicht gut zu sehen. Dorel ist fleissig am fischen, nach 4 Stunden hat er neben ein paar „Bratpfannenfischen“ (flach und etwa die Grösse einer kleinen Bratpfanne) auch drei essbare Stücke gefangen. Als ich die Stücke begutachte springt mir einer entgegen, ich erschrecke so dass ich in die Luft springe...

 

 

2. März 2009

Eigentlich hätten wir um 5 Uhr los fahren wollen, die mündliche Bestätigung des Hafenchefs von Matadi war gestern noch eingetroffen jedoch folgte die schriftliche noch nicht. Ich verwache, habe das Gefühl es müsse noch mitten in der Nacht sein da die Maschine noch nicht läuft, ist dann aber schon nach sechs Uhr. Draussen schüttet es wie aus Kübeln, es sträzt so richtig wie man es nur in den Tropen erleben kann. Um acht Uhr giesst es immer noch, um neun ist es etwas besser und so können wir nach vorne gehen die Werkstatt aufräumen. Zum Znüni gibt es dann die Fische welche Dorel gestern gefangen hat. Am Anfang bin ich noch etwas skeptisch, versuche dann doch und wirklich sie schmecken sehr gut. Am Nachmittag müssen wir die Arbeit fast suchen und so setzte ich mich selber auf stand by und verschwinde in die Kabine, falls ich gebraucht werden sollte, dann wird man mich schon finden.

 

 

3. März 2009

Noch vor fünf Uhr werde ich vom Rumpeln der Maschine geweckt, wir haben offenbar die Bestätigung bekommen und fahren nach Matadi. Bald schon werde ich vom Chief gerufen ich muss helfen die Leiter für den Lotsen zu montieren. Nachdem dann noch die Leinen vorbereitet sind kann ich mich wieder etwas hinlegen. Nach acht Uhr verteilt Dorel die Arbeiten, die Verriegelung der Laderaumabdeckung öffnen und die Leinen vorne vorbereiten, Ankunft in Matadi zwischen fünf und sechs Uhr. Eigentlich nicht sehr viel, jedoch müssen wir auch die in Hamburg mühvoll angebrachten Bitumenbänder in noch mühvollerer und schweisstreibender Arbeit wieder weggekratzt werden. Kurz vorher muss Nicolay stand by beim Anker sein und so mache ich mich alleine daran. Nach der Mittagspause löse ich Ihn ab danach gehen wir vor Anker weil der Congo zu wenig Wasser führt. Wir sind nun bei der Stadt Boma. nicht zu verwechseln mit Goma im Osten des Landes. Noch immer ist links Kongo und rechts Angola. Bald schon kommen Einheimische auf einem Einbaum angerudert und preisen Bananen und Telefonkarten feil. Die Sonne brennt nun heiß herunter das Ablösen der Bänder geht nun besser, ist dafür wegen der Hitze umso schweisstreibender. Nachdem wir von der Ladeluke 1 alle Bänder weg haben kommt der Kapitän und verordnet uns Pause, ich bin gottenfroh.

Der Fluss ist am Anfang sehr weit, von Mangroven und dem Dschungel gesäumt, Zwischen drin hat es andere Flussarme, kleine Inseln, wir fahren viele Kurven, ab und zu ein paar einfache Hütten. In der Ferne tauchen Hügelzüge auf, die Landschaft formt ein Tal, nun ist es offenes Grasland mit Bäumen und Büschen. alles ist in hellem grün. intensive Farben.

Ich habe die Arme nicht mit Sonnencreme eingeschmiert und nun sind sie zündrot. Nivea Aftershave Balsam kühlt wunderbar (nein Baiersdorf sponsert mich nicht) und zwei Stunden Schlaf sind auch ganz gut. Am Abend verdunkelt sich der Himmel, die Sonne bescheint noch ein paar Hügel dann kommt das Gewitter. Das Farbenspiel und den Regen bewundere ich von der Brücke aus, ich bin überwältigt und beeindruckt. Gerade vor dem Regen kommt ein Boot und bringt uns Wachmänner für die Nacht, die Matrosen müssen dann aber doch auch noch Wache stehen. Wir trauen den Kongolesen nicht so ganz.

 

 

4. März 2009

In zwei Monaten habe ich Geburtstag und dann werde ich auch schon zu hause sein... Noch immer stehen wir vor Boma. die schweren Regenwolken haben sich verzogen und die Sonne scheint wieder. Zuerst muss ich Dorel an der Wache ablösen. einer der Wachmänner heisst auch Christoph. und so komme ich mit ihnen ins Gespräch. Ein zweiter meldet dann schon bald seinen Hunger an, ich lasse mich erweichen und schmuggle ein paar Brötchen aus der Küche. Bin etwas hin und her gerissen. einerseits ist mir klar dass wir nicht den ganzen Kongo füttern können, andererseits ist Verpflegung wirklich nicht üppig und es gehört für mich irgendwie auch zur Gastfreundschaft... Danach muss ich wieder diese verfluchten Teerbänder wegkratzen. Dank der Sonne die schon kräftig eingeheizt hat geht es relativ gut und Dorel hilft mir dabei. Bis zum Mittagessen schaffen wir die Hälfte vom grösseren Laderaum. Nach dem Essen geht es weiter und oh Wunder Nikolay hilft mit ohne Gemotze und erst noch zügig. Danach habe ich Ruhezeit, In der Nacht muss ich zusätzlich Wache stehen. Wir haben hier guten TV Empfang und afrikanisches Fernsehen ist sehr spannend. Die Werbespots sind viel länger und in Liedern werden die Produkte besungen. Dabei wird nicht nur für ein Produkt geworben sondern gleich für die ganze Palette der Firma. Ein Reinigungsmittelhersteller wirbt zuerst für Flüssigseife, wechselt dann über zu drei verschiedenen Handseifen und zum Ende wird noch Waschpulver angepriesen, alles im gleichen Spot der gut und gerne drei Minuten dauert. Und dann würde es mich aus den Socken hauen wenn ich welche getragen hätte. Kongo das assoziiere ich mit Krieg, Armut, Hunger usw.. und am TV wird ebenfalls minutenlang besungen für den Porsche Cayenne geworben!!! Wir empfangen zwei Kanäle, einer scheint privat zu sein, Digital Congo läuft am Morgen eine Dokumentation über den Bau der Titanic von Planet Thalassia, Glaube dieser gehört zu dem grossen Buchhandelskonzern Talia. Zwischendurch kommt auch ein anderes Programm, relativ handgestrickt, schein lokal zu sein. Auch sehr interessant sind die afrikanischen Musikclips. Meistens in sehr farbenfroher Kleidung in grünen Gärten wird da gesungen. Der Schnitt ist nicht so unruhig wie bei uns. Am Abend zerrt die Strömung besonders stark am Schiff, die Anker halten nicht richtig und wir rutschen in die Flussmitte. So wird die Maschine gestartet und wir positionieren uns wieder beim Ankerplatz.

 

 

5. März 2009

Mit dem neuen Tag beginnt meine Wachschicht. Aufgeputscht mit Redbull stehe ich vorne beim Bug und schaue dass die Leinen nicht geklaut werden. Es ist immer noch sehr warm, der Mond scheint und das Wasser plätschert um die Ankerketten. Das Licht zieht Horden von Insekten an und die wiederum die Fledermäuse welche sich am Festschmaus erfreuen. Die Nacht bleibt ruhig, zwischendurch unterhalte ich via Funk mit Olek oder drehe eine Runde zu Nikolay welcher am Heck Wache schiebt. Um vier Uhr wird er von Ion abgelöst, und ich kann dann um 6 Uhr in die Federn kriechen. Den Tag verbringe ich mehrheitlich im Bett, gehe mal auf die Brücke, dort kann ich mich in ein Funknetz einloggen, leider bekomme ich aber keine Verbindung ins Internet. Noch immer fasziniert mich die Landschaft. Nachdem es gestern nicht geregnet hat erwarte ich heute noch einen Gewitter, dunkle Wolken ziehen auf, am Abend geht ein zügiger Wind dieser legt sich dann später wieder, es bleibt trocken. Am Radio kommt die Kinderstunde, unter anderem wird eine Geschichte einer weissen Ente und Diamanten erzählt, mehr lassen meine rudimentären Französischkenntnisse nicht verstehen. hätte wohl doch besser aufpassen sollen bei Herrn Gächter im Französischunterricht.

 

 

6. März 2009

Wieder beginnt der Tag mit Wache schieben. Sechs Stunden sitze ich am Bug, verkürze mir die Zeit mit Lesen. Ab und zu kommt Nikolay, später Ion und schauen was wie es mir geht. Danach gehe ich schlafen. Nach dem Mittagessen fahren wir dann weiter Richtung Matadi. Die Landschaft ist sehr hügelig, alles Grasland ab und zu Dörfer aus einfachen Lehmhütten, immer noch links Kongo, rechts Angola. Nach gut drei Stunden sind wir dann in Matadi. Zuerst sehen wir nur ein paar verstreute Hüten am Hügel, dann macht der Fluss eine scharfe Biegung nach rechts, unter einer Brücke hindurch und vor uns eröffnet sich die Stadt. Wir quetschen uns in eine enge Lücke zwischen zwei Schiffe, an Land hat es eine Horde von Leuten, alle hoffen ein Business machen zu können. Unter anderem ist da einer der sich als Max vorstellt und sich fast aufdrängt. Er habe Elektrotechnik studiert, aber keinen Job gefunden und mit Business verdient er seinen Lebensunterhalt. Nach dem Essen ist es schon dunkel und so zu gefährlich um noch an Land gehen zu können. Hoffe dies morgen nachholen zu können.

 

 

7. März 2009

Gogo findet dass ich heute auch zu arbeiten habe und ich an einem Notausgang den Rost wegklopfen soll, ich bin nicht so begeistert, aber ok. Der Chief meint ich müsse bis 12 Uhr arbeiten, am Nachmittag könne ich in die Stadt. Der Kapitän findet dann aber nein ich müsse bis drei Uhr arbeiten. Von der Firma die den Transport beauftragt hat ist ein Supervisor hier. dieser gibt Dorel sein Fahrer und so kann auch ich dann doch schon nach dem Mittagessen zusammen mit Dorel, dem Chief. Vladimir und Alex. Max nimmt uns in Empfang und ist dann etwas angepisst als er merkt dass wir nicht auf ihn angewiesen sind. Zuerst geht es durch eine erste Kontrollstelle. wir müssen aussteigen und zu Fuss hindurch gehen. Danach können wir wieder einsteigen, und nach gut 500m kommt eine weitere Kontrollstelle, diesmal können wir sitzen bleiben. Max ist schon vor uns dort. Und dann eröffnet sich Afrika wie man es sich so vorstellt. Viele Leute auf der Strasse, an Rand viele Shops, oftmals nur ein Tisch der auf die Strasse gestellt ist. Alles ist sehr farbig, aber auch staubig. Wir fahren zu einem Supermarkt. Dort sieht man dann wie die Globalisierung fortgeschritten ist. Redbull ist auch hier erhältlich, in der Tiefkühltruhe hat es Poulet aus Brasilien, Toblerone ist auch im Gestell und der Kaugummi mit Bananenaroma kommt aus China. Orangensaft kostet ca. 2.30fr. der Liter, und ich denke es ist recht teuer für die Kongolesen. Danach gehen wir zu einem Restaurant von dem man schön auf den Hafen blicken kann. Wir entkommen Max, aber er findet uns auch da wieder. Im Restaurant sind dann die Preise auf die Seefahrer abgestimmt. Ein Bier drei USD, ab 10 Uhr abends dann 5 USD. Ich nehme ein lokales Süssgetränk, und als der Kellner mir aufzählt was er hat. Cola Fanta... ich spreche ihn dann darauf an dass sei ja nicht sehr lokal und bestelle ein Fanta. Später sehe ich dass es von einer lokalen Firma ebenfalls ein Limonadengetränk gibt. Immerhin wurde das Fanta in Kinshasa abgefüllt.

 Weiter gehen wir auf die Suche nach einem Internetcafe, das erste hat aber keinen Strom, das zweite keine Linie. Super. So gehen wir wieder zurück zum Hafen, ausser unseren zwei Rumänen, die ziehen noch weiter. Bei der Rückkehr in den Hafen will ein Wachmann mir ein Pack Kaugummi ausrupfen, als ich mich wehre meint er ich sei ein schlechter Mann was mich jedoch nicht wirklich stört...

Dorel fragt mich dann später ob ich seine Schicht übernehmen würde er hätte eine schöne Frau in der Stadt gesehen. Ich willige ein und so stehe ich dann Wache bis Mitternacht. Zusammen mit dem Survier und dem Chief was recht unterhaltsam ist. Zwischendurch muss er immer wieder die Kongolesen antreiben, Wenn er nicht dem Chauffeur ein Zeichen gibt dass er nun zur Laderampe fahren kann dann kommt kein Lastwagen und wenn kein Lastwagen kommt dann werden auch keine Säcke abgeladen...

 

 

8. März 2008

Müde stehe ich um acht Uhr wieder auf der Matte, Dorel kommt pünktlich um acht auch von seinem Ausflug in die City zurück und sieht sehr entspannt aus... Zuerst soll ich helfen Abdeckungen zu machen, danach soll ich Hydrauliköl dass vom Kran Nr. 1 tropft aufwischen und dann beginnt die Misere.

Vom Kran Nr. 1 tropft Öl und es sieht so aus dass ein Schlauch rinnt. So versuchen wir zuerst mit dem Kran den „Käfig“ in Position zu bringen und dann den Schlauch zu tauschen. Das eine Ende ist schnell fixiert, das andere dann doch nicht wirklich zu erreichen. Es wird diskutiert, versucht, das Öl tropft immer noch herunter weil der Kranarm es mit dem Eigengewicht aus dem Tank presst. Der Kapitän kommt dann auch noch dazu... wir versuchen es mit einem Kettenzug, dann ist das Anschlusskabel zu kurz, der Elektriker bringt dann mal Kabel und will es so verlängern, wir sehen dass der zweite Kettenzug ein längeres Anschlusskabel hat, schleppen den hervor, noch immer tropft das Öl herunter, Der Kapitän ist höchst besorgt dass Öl ins Wasser gelangt und ich werde zum Aufpasser bestimmt, ich dürfe den Platz nicht verlassen... er kommt dann gleich danach ich solle ihm helfen zu halten und zu tragen.... Nun können wir mit dem Kettenzug einen zweiten Käfig raufziehen, und Vladimir kann den Schlauch fixieren. Beim Putzen drängt sich uns ein Kongolese auf, ich will ihn nicht anstellen, da ich ihm ja keine Lohn zahlen kann, Dorel lässt ihn dann putzen. Das alte Öl ist bei den Kongolesen begehrt und sie leeren das halbe Fass. Danach endlich gibt es das Mittagessen und Mittagsruhe bis dann kurz nach ein Uhr das Telefon klingelt... Der Kran verliert immer noch Öl!

Also Sonnencreme einschmieren, Kombi anziehen, Schuhe anziehen schon klingelt das Telefon wieder, dieses Mal Gogo ich solle auch kommen, ich erkläre ihm dass ich schon auf dem Weg sei. Also wieder das ganze Rösslispiel, dieses mal schon schneller. Schlussendlich ist es eine Zuleitung welche bei der Verbindungsstelle tropfte. Als dann endlich endlich alles aufgewischt und versorgt ist kommt der Kongolese der beim Aufwischen geholfen hat und will Dorel m sprechen, dieser hat aber Pause und ist nach seiner langen Nacht sehr müde. Ich will ihn nicht holen, vereinbare dann mit ihm dass ich ihm als „Lohnvorbezug“ eine Seife gebe. Er willigt ein und zottelt dann ab um morgen wieder zu kommen. Eigentlich will ich nochmals in die Stadt gehen um zu schauen ob es klappt, aber alleine ist mir etwas unwohl dabei. Hätte besser die Reisehinweise des EDAs nicht gelesen.

Nach einigem hin und her gehe ich dann doch. Die Strassen ausserhalb des Hafens sind auffallend ruhig und leer, dann sehe ich aber einen Haufen Menschen um ein TV Gerät herum stehen und Fussball schauen. Im Afrikacup ist das Endspiel Ghana Kongo und die Kongolesen führen 1:0 ein paar Haufen weiter erkennen mich ein paar Hafenarbeiter und laden mich ein mitzuschauen. So bleibe ich stehen und schaue zu. Als dann Kongo ein Goal schiesst ist der Freudentaumel riesig und gespannt warten alle auf den Schlusspfiff nachdem dann nochmals alle jubeln. Danach lasse ich mich hinreissen eine Runde auszugeben, plötzlich hat es noch mehr Leute um mich und ich beauftrage einen die Getränke zu organisieren. Daraufhin bricht eine laute Diskussion an und ich stehe auf die Seite, mir ist es unheimlich zu Mute. Die Situation ist dann aber schnell wieder beruhigt und wir gehen in einer Beiz etwas trinken. Wir sind dann noch zu dritt und einer stellt sich als Jean-Paul vor, die anderen Namen weiss ich nicht mehr. Jean-Paul will dann schnell mal meine Telefonnummer und redet von Arbeiten in der Schweiz usw... mir kommt das etwas gar komisch vor und ich habe dann nur eine Emailadresse. zum Glück hat er auch eine. Beim Bezahlen wird dann höflich gefragt ob ich die Runde übernehmen würde und von meinem ersten Geld will keiner mehr was haben... na ja so bezahle ich 2500Franc RDC umgerechnet 3.5 USD und denke mir meine Sache...

Danach gehen wir dann zurück zum Richtung Hafen, ich verabschiede mich von meinen „Freunden“. Bei mir kommt die Schweizer Mentalität hervor. Mir ging das alles viel zu schnell und ich würde den Kontakt eher als flüchtige Bekannte bezeichnen. Auf dem Rückweg kommt dann einer der mir noch seine Wunde zeigt, und zwei drei weitere Leute wollen einfach etwas reden, wissen woher man kommt und warum man hier ist und im Gespräch wollen einige dann auch mal ein Cola oder sonst was erbetteln. Ein Wachmann, es muss ein Landei sein, hat ein rundliches Gesicht und kaut Erdnüsschen während er mit mir in sehr stark Akzent spricht. Später kommt er mir vor wie ein Äffchen und ich bin froh komme ich nicht auf den Gedanken als er mir gegenüber steht sonst hätte ich mich noch erklären müssen. Der Rückweg verläuft aber ruhig und so waren meine Befürchtungen mehr als unbegründet.

 

 

9. März 2009

Nachdem ich schon früh erwachte stand ich noch vor sieben Uhr auf. Musste noch den CO2 Raum aufräumen da ich am Samstag ja in die Stadt ging. Musste mir dann anhören wie ich nur auf die Idee kommen könnte so früh zu arbeiten, von der Wärme her war es auch angenehmer. Danach musste ich die Umrandung der Laderaumabdeckung wischen und dann bei der Unterkunft Rost klopfen. Am Sonntag habe ich Vladimir das Taschenmesser ausgeliehen und ich kann mich noch erinnern wie er es mir zurückgeben wollte, ich aber keine Hand frei hatte. Dass er es dann aber auf eine Abdeckung legt habe ich nicht mitbekommen und so freut sich nun ein Kongolese über einen Victorinox Cybertool extendend Edition. Am Anfang bin ich echt sauer und wütend, einerseits auf mich dass ich nicht rascher daran gedacht habe, andererseits auf Vladimir weil er es bei sich hätte aufbewahren können. Voller Wut hämmere ich auf einen rostigen Stahlpfosten ein, tat das gut. Kurz darauf kommt Gogo und stoppt mich, was mir auch einfalle Olek der zweite Offizier schlafe noch, er schickt mich dann den Laderaum wischen. Ich wische mal den Teil den ich kann. Der Chief offeriert mir einen freien Tag nach dem Essen ich lehne zuerst ab, nehme dann aber doch danken an. So will ich Briefe zur Post bringen und ins Internet gehen, bereite alles vor, will nur ein Memorystick mitnehmen. Ein Kontrollposten klönt dass es ihm nicht so gut gehe, es sei sehr heiß und mit einem Coca Cola würde es angenehmer sein und ich als Chief hätte genügend Geld. So erkläre ich einmal mehr dass ich Kadett bin und ich auch nicht reich sei und dass sie gestern doch ein sehr schönes Geschenk mit dem Sieg erhalten hätten worauf sich dann das Thema erledigt hat und man sich mit einem bonne journee verabschiedet. Der Sieg ist auch heute dass grosse Thema, die Leute rufen einem zu on a gagne und jubeln. Aufgrund des Sieges ist heute Feiertag und die Post somit geschlossen, und die Internetleitung auch nicht repariert. Am Strassenrand hat es Geldwechsler. Sie sitzen hinter einem kleinen Tisch, und haben die Geldscheine einmal gefaltet richtig in Blöcken. Es gibt keine Münzen nur 10, 200 und 500 RDC Francnoten. 100 USD sind 75000 FR was 150 Noten sind. Also wenn jemand etwas grösseres Kaufen will, muss er schon recht Geld mit sich schleppen...

Auf dem Weg treffe ich auf Raul den ich gestern beim Fussball getroffen habe. er zeigt mir wo die Post ist und hängt sich an meine Fersen. Ob aus Langeweile oder weil er sich erhofft dass ich für ihn etwas kaufen werde finde ich nicht heraus. Ich wimmle ihn dann vor dem Hafen ab. Und wieder will einer der Kontrollposten ein Bier von mir worauf ich ihm halt wieder erkläre dass ich keines für ihn habe. Danach will er noch wissen woher ich komme dann kann ich gehen. Beim zweiten Kontrollposten werde ich mit dem Metalldetektor abgesucht. Er pfeift wie wild, zuerst ist es das Taschenmesser (habe ein zweites) Er will wissen was das ist, ich zeige ihm dann aber nur den Büchsenöffner und den Zapfenzieher und hüte mich eine Klinge zu öffnen, nicht dass er es als Waffe deklariert. Dann pfeifen noch der Schlüssel und der Memorystick. Dass der Kugelschreiber auf der linken Seite auch noch gepfiffen hat erinnert er sich nicht mehr und so lässt er mich problemlos ziehen. Auf dem Schiff läuft nichts, zwar ist der Supervisor und ein paar andere Leute an Bord, aber Zement wird keiner abgeladen. Ich geniesse den freien Nachmittag mit Emails lesen. Auch wenn es nicht mehr lange geht drückt mich etwas das Heimweh und ich vermisse Freunde und Familie. Am Abend geht ein heftiges Gewitter nieder die Kongolesen drängen sich unter das Dach auf dem Hauptdeck. Einer spricht mich an er hätte mit mir sprechen wollen in der Stadt aber ich hätte nicht angehalten so entschuldige ich mich bei ihm, mein Problem ist dass ich zu viele neue Gesichter kennen gelernt habe und mir nicht alle merken kann. Ehrlich gesagt ist es mir manchmal fast unheimlich wie viele Leute meinen Namen kennen manchmal habe ich das Gefühl alle schauen mich so erwartungsvoll an. Mir ist es dann peinlich wenn ich sie nicht mehr zuordnen kann und so gebe ich mir Mühe und hoffe von solchen Momenten möglichst verschont zu bleiben.

 

Tja und dann heisst es wieder sich mit dem Thema Abschied nehmen befassen, raus aus dem sicheren Umfeld, rein in etwas Unbekanntes. Ich muss dem Kapitän sagen dass ich in Frankreich aussteigen will. Mehr und mehr habe ich das Gefühl nur ich arbeite, dies ist manchmal auch subjektiv, Dorel bestätigt mir aber immer wieder dass Ion und Nikolay nicht wirklich fleissig sind. Ich rege mich dann auf und werde giftig was dem Betriebsklima nicht wirklich dient. Ok eigentlich währe es ja eine gute Schulung um hinzustehen und in einem Gespräch eine Lösung zu suchen. Nur ich kann Nikolay und Ion nicht ändern, wenn der neue Matrose dann auch noch nicht so sattelfest ist na prost nägeli, dann kann ich am Ende alles alleine machen und so wird die zusätzliche Zeit nur noch zum nerven. Besser kann es nicht werden also gehe ich.

 

Nach dem Essen ging ich noch etwas raus zu den Kongolesen. Diese warteten auf das Essen welches Ihnen auf das Schiff gebracht wird. Ich wollte noch etwas wissen wie sie so leben, dabei stellte sie dann schnell mal raus dass sie vor allem unter der Korruption leiden und nach Europa wollen. Ich versuchte Ihnen dann aufzuzeigen dass dies sehr gefährlich und teuer ist, dass die Mentalität sehr unterschiedlich ist. dass niemand auf Sie wartet in Europa und sie zwei drei Jahre von der Familie getrennt sein können ohne weiteres. Irgendwie kam es mir etwas komisch vor, ich bin weiss, sie sind schwarz und nur dank dem dass ich Schweizer bin habe ich ein um Längen bessere Lebenssituation. ich erzähle ihnen wie es wirklich ist in Europa, dass die dunkle Hautfarbe das Leben dort nicht einfacher macht. Komme mir vor wie ein Wanderprediger der vom Paradies kommt und Ihnen erzählt dass es keinen Sinn macht dorthin zu gehen. Meiner Ansicht nach ist es aber die Realität. Es bringt auch nichts wenn ich ihnen 4m2 Plastikfolie gebe, diese ist in drei Monaten von der UV-Strahlung zersetzt und sie haben nichts mehr.

Nun kann ich auch meine Eltern verstehen welche ein paar Jahre in Afrika gelebt haben. Oftmals habe ich mich darüber aufgeregt weil sie alles behalten haben man könne es noch gebrauchen. Hier unten sehe ich dass man wirklich noch alles gebrauchen kann. Die Plastikabdeckung wird zum Sonnenschutz. Petflaschen sind heiß begehrt als Trinkflaschen, Sogar die verhassten Bitumenabdeckbänder werden geprüft. Die langen Stücke habe ich damals in Boma schön aufgerollt, einer der Kongolesen nimmt eine Stück mit, ich gebe ihm noch den Tipp dass er es in die pralle Sonne legen soll evtl. kann er es dann abwickeln.

Daneben nerve ich mich über die Kongolesen welche mir die ganze Zeit meine Dächlikappe abbetteln wollen, wir hätten ja soo viele davon. Nein ich habe nur die eine und die brauche ich nun mal selber. Am Abend verlangt einer Olek zu sprechen ok ich rufe ihn, später will der Kongolese von mir eine Seife. Als ich ihm dann ganz entschieden nein sage wird er auf einmal freundlich und will wissen warum ich kein russisch spreche. Der Typ hat nicht begriffen dass wir kein Wunschladen sind.

Diese Gegensätze beschäftigen mich sehr, ich sehe wie wir eine Konsumgesellschaft sind und ich muss teilweise das Thema wegschieben um nicht ins Grübeln abzusaufen.

 

 

10 März 2009

Hatte vergessen den Wecker zu stellen, als ich das erste Mal auf die Uhr schaue ist es schon fast acht Uhr. Ich stürze mich in meinen Kombi und gehe aufs Deck. Der Chief beauftragt mich den Laderaum zu wischen. Zusammen mit Dorel mache ich mich an die Arbeit. Ein Kongolese will mithelfen, ich kann nicht einfach Leute anstellen. auch wenn sie mit einem kleinen Geschenk zufrieden sind. Fürchte mich auch davor dass wenn ich einen „anstelle“ dann sofort andere kommen und ich denen dann erklären muss dass ich nicht alle anstellen kann. Ich bin so in Gedanken vertieft dass Dorel mich fragt was denn los sei... Später schaue ich in meiner Kabine was ich abgeben könnte. Ist es Luxus 3 Kugelschreiber zu haben? Und dann wieder der Kongolese welcher beim Öl aufwischen geholfen hat und findet er könne bei mir Seife und Toilettenpapier bestellen. Werde wütend wenn die das Gefühl haben sie könnten hier einfach mal bestellen und dann die Ware abholen. Am Nachmittag müssen Nikolay und ich das Zwischendeck fegen. Es ist sehr heiß und einer der Kongolesen fragt ob er helfen könne. Ich nehme die Hilfe gerne an und vereinbare mit dass ich ihm dafür eine Seife von mir gebe. Er hilft fleissig mit, wir werden aber trotzdem nicht fertig bis die Hafenarbeiter wieder mit der Arbeit beginnen. Ich gehe für ihn die Seife holen und prompt will sein Kollege wissen warum er keine bekomme. Ich versuche es ihm dann zu erklären, ob er es begreift ist nicht sicher, die Arbeit ruft vorher wieder. Bachnass vom Schweiss gehe ich zurück in die Kabine.

Auf einmal ist draussen ein riesiger Lärm. und hinter einem Stapel Container steigt eine pechschwarze Rauchsäule auf. Alle Arbeiter strömen zum Brandplatz, es werden Feuerwehrschläuche ausgerollt, es sieht aber nicht so eingespielt aus. Plötzlich explodiert irgendein Tank und die Menge an Gaffern flüchtet zurück. Irgendwann werden dann unsere Schläuche vom Schiff genommen und so kann dank Schweizer Hilfe das Containertransportfahrzeug gelöscht werden. Ich schaue dem Schauspiel zuerst von der Brücke zu und geselle mich dann auch zu den Gaffern.

 

 

11. März 2009

Heute musste ich zuerst einen Teil des Laderaumes wischen. Als ich den Besen versorge sehe ich wie die Ballastwassertanks überlaufen, gehe extra noch auf Steuerbordseite um zu sehen ob es auch dort voll ist. Dann teile ich im Maschinenraum mit dass sie abstellen können und gehe zum Chief um ihn zu orientieren dass es voll ist. Der Chiefingenieur findet dann dies könne nicht sein von der Zeit her ob sie wirklich voll waren und so muss ich wieder in den Maschinenraum runter Vladimir stören der gerade um die Maschine kriecht er solle das Wasser wieder anstellen. Er muss daraufhin wissen in welchen Tank gepumpt werden muss und so muss ich wieder rumrennen den Chief suchen. Finde den nicht aber den Eintrag im Ballastwassertankbuch dass es Tank Nummer 6 ist. Vladimir startet die Pumpe und siehe da... es läuft immer noch über. Der Chief sieht es dann mit eigenen Augen und es ist nun ok. Alex der Motormann fragt mich dann warum ich mich nerve, es sei nicht meine Verantwortung. Ich könne dann studieren wenn ich Offizier oder Kapitän bin. Nun ich bin da etwas andere Meinung, für mich gehört es dazu das ich soweit möglich eingreife wenn ich was sehe.

Danach müssen wir das Zwischendeck öffnen und die Halterungen zurück stellen. Diese sind sehr schwer und zu dritt mit Hilfe eines Kettenzuges versuchen wir sie zurückzustellen. Bei zwei Stück müssen wir zuerst kapitulieren, später helfen uns noch ein paar Kongolesen und als Dankeschön geben wir ihnen Seifen welche hier heiß begehrt sind. Falls es ein nächstes Mal gibt dann muss ich alles was ich nicht mehr will mitnehmen. Hier kann alles noch gebraucht werden. Ich kann die Ware dann gegen Arbeit oder Früchte eintauschen. Am Abend bleibe ich auf dem Schiff. nach dem gestrigen Ausflug bleibe ich lieber an einem sicheren Platz und wasche meine Wäsche. Heute habe ich auch bei Gogo gekündigt. Beauftragte ihn er solle ein Mail schreiben dass ich auch von Frankreich aus heimgehen kann.

 

 

12. März 2009

Noch immer wird ausgeladen. Nachdem ich einen weiteren Teil vom Laderaum 2 gewischt habe gibt es für mich nicht mehr viel zu tun. Die lieben Kongolesen waren nicht so lieb und haben unseren Frischwasserschlauch geklaut. Dorel erzählt mir wie die beiden Offiziere gestern ihn um Rat gefragt hätten wie es am Einfachsten ist die Halterungen zurückzustellen. Unter anderem hätte Olek geklönt wie heiß es draussen sei. Dorel meinte dann nur ob es den kühler sei wenn er nach draussen komme und liess die beiden alleine. Ich merke wie mir die Erfahrung fehlt und ich mich nicht durchsetzen kann. Wenn Dorel sagt das Genügt dann genügt es, wenn ich sage das genügt dann wird das bezweifelt. Tja so freue ich mich als ich am Nachmittag in die Stadt gehen kann. Zuerst auf die Post Briefmarken kaufen. Das Postgebäude ist von aussen her ein grauer Betonklotz. Innen hat es eine Einrichtung wie in den 40er Jahren. Das Mobiliar ist wohl von Belgien hierher entsorgt worden. Es hat vier Schalter einige geöffnet, andere geschlossen, über den Schaltern steht auf Tafeln handgeschrieben was wo erhältlich ist. Hinter den Schaltern ist aber niemand. Ich stehe etwas ratlos umher da kommt von draussen eine Dame in einem schön farbigen afrikanischen Kleid und sieht meine Briefe. Sie ruft in den Schalter hineine als keine Antwort kommt holt sie für mich draussen den Schalterbeamten. Ich werde dann hinter den Schalter in ein Büro geführt dass mit Drahtgitter abgegrenzt ist. In Fächern hat es Papierstapel die so aussehen als währen sie schon immer dort gewesen. Offenbar läuft nicht sehr viel. Ein paar Tage früher hat mir ein Wachmann erzählt dass es in Matadi keine Post mehr gäbe und auf die Frage wie sie sich den schreiben meint er nur lakonisch, ja telefonieren oder SMS schreiben. Tja die Afrikaner sind da wohl moderner als ich.

In dem Dort wird mir ein Sessel angeboten und ich erzähle was ich möchte. So bekomme ich für 13200 Franc Marken für meine zwei Briefe mit unvollständiger Adresse. Der Beamte klebt sie für mich auf. Er hat aber kein Wechselgeld und so gehen wir zusammen auf die Strasse und wechseln bei einem Sandwichstand. Dann gehe ich ins Internetcafe, dieses hat heute sogar Verbindung und so kann ich endlich meine Mails lesen und den neusten Bericht online stellen. Die Verbindung ist für afrikanische Verhältnisse recht schnell, ich denke ist ein DSL ca. 256kbps welche sich 5 PCs teilen. und pro Stunde kostet es 1200 Franc. Öfters mal erscheint ein Kunde in Schale und benutzt das Internet. Es scheint als hätten auch einige Geschäftsleute keine Festnetzleitung und gehen zwei drei mal am Tag die Mails hier lesen. Nach fast zwei Stunden habe ich genug und gehe wieder. Ich komme mit einem Geldwechsler ins Gespräch, er ist gelernter Elektriker aber um zu überleben arbeitet er auf der Strasse. Der Kurs ist nun bei 780Franc pro Dollar, und ich habe noch für 750 gewechselt... Danach gehe ich zurück zum Hafen. An der Kontrollstelle das übliche Prozedere. Taschen leeren weil es piepst, immer dem gleichen Beamten erklären warum ich ihm kein Bier spende. Dieses mal habe ich mir vorher noch ein Fruchtgetränk gekauft und so erkläre ich ihm dass auch Cola für mich zu teuer sei und überhaupt sei für Geschenke der Kapitän zuständig. Dann das Thema wechseln, fragen wie lange er noch arbeiten müsse und schon kann ich weiter gehen. Noch an der zweiten Kontrolle vorbei, dies ist meistens problemloser und ich bin wieder bei der Celine. Dort unterhalte ich mich mit den Lastwagenchauffeuren. Den Zement bringen sie nach Kinshasa. für die ca. 550km brauchen sie etwa 11 Stunden inkl. Pausen. Der Lastwagen, ein Mercedes aus Deutschland hat schön den Aufkleber in der Tür „Standheizung beim Tanken ausschalten“ Ich übersetzte den Kongolesen den Hinweis und wir erheitern uns daran

Das Ausladen verläuft meiner Meinung nach immer noch sehr langsam, werden wohl sicher bis am Samstag hier sein.

Abends um acht Uhr gibt es Bienenalarm um den Führerstand von Kran Nr. 2. Dorel will zuerst etwas Öl in einem Kübel anzünden und den Kran ausräuchern, Gogo findet aber wir sollen den Kongolesen einen Feuerwehrschlauch zur Verfügung stellen sie sollen dann selber schauen. Diese spritzen nun in der Gegend umher und versuchen so die Viecher zu vertreiben was ihnen nach gut fünfzehn Minuten auch gelingt. Ich verziehe mich in den Messraum und habe da noch mit Roman dem Chiefingenieur eine interessante Unterhaltung.

 

 

13. März 2009

Noch immer sind die Arbeiter mit dem Ausladen beschäftigt. Die Arbeiten kommen und kommen nicht vom Fleck. Auch heute wird wieder alles zusammengebettelt. Wir schichten die Holzplanken welche für die Ladung gebraucht wurden auf das Deck und mehr als einmal muss ich sie verteidigen. Der Charterer gab die Order dass wir das Holz nicht abgeben dürfen. Leider sind die Kongolesen nicht so gut und schichten das Holz gleich auf die Slings damit wir es mit dem Kran gleich heraushieven können, nein es wird in eine Ecke geknallt und fertig. Vom Mitleid der ersten Tage ist nicht mehr viel übrig. Irgendwie kein Wunder dass sie nicht vorwärts kommen wenn ich sehe wie die hier arbeiten. Mindestens eine Person ist immer im Laderaum irgendwo am Schlafen und wenn der Kranhaken unten ist dann stehen sie auf und gehen hin die Last daran befestigen... Am Nachmittag müssen wir Platz für ein anderes Schiff machen. wir fahren ca. 30m vor, das Schiff hinter uns etwas zurück und dann hat es Platz für ein nächstes Schiff. Einer bietet mir Ananas an zwei Stück für ein Kombi oder Schuhe, ich brauche die aber wirklich selber und so will er fünf Dollar, mir ist es zuerst zuviel, aber ich kann mir nicht zuerst Gedanken um Afrika machen und dann den Preis drücken. Er geht dann die Ananas holen, bis ich den Bericht schreibe bevor ich schlafe bin ich noch ohne Ananas, wahrscheinlich geht er sie zuerst im Supermarkt kaufen für zwei Dollar. Am Abend beginnt es dann wieder mal zu regnen und so sind die Arbeiten wieder eingestellt.

 

 

 

14. März 2009

Heute hatte ich Mühe mit aufstehen, habe in der Nacht davor an meiner Zukunft rumstudiert und dann einige Zeit mit aufschreiben verbracht. Eigentlich fand Gogo ich müsse den Laderaum wischen, doch macht dies noch keinen Sinn denn nach einer halben Stunde ist er wieder gleich dreckig. Zum Glück sieht dass der Chief und so muss ich im Laderaum 1 für Ordnung sorgen. Bewaffnet mit Seife gehe ich zu den Kongolesen und zeige was ich will und wie ich es haben möchte. Als Antrieb gebe ich jedem eine Seife, diese ist sehr willkommen und einer arbeitet auch wirklich ganz gut, sieht die Arbeit, packt an hilft mit. Ein anderer ist da dann eher faul und macht da gerade das Nötigste, ist aber der welcher am lautesten nach Handschuhen schreit. Ich habe heute ein Paar Neue bekommen, denke aber nicht im Traum daran die alten ihm zu geben, im Gegenteil, gebe sie am Nachmittag seinem Kollegen der wirklich gut arbeitet. Nikolay hilft auch am Nachmittag, natürlich in seinem Stiel, die leichten Arbeiten wie wischen werden gemacht, den Dreck aber zusammenlesen ist dann zu anstrengend und so verschwindet man dann mal so schnell. Im Laderaum hat die Schicht gewechselt ich bewaffne mich wieder mit Seife und die Kongolesen machen auch heute Nachmittag mit, allerdings nicht so fleissig wie am Morgen. Am Abend gehe ich mit Vladimir in die City. Zuerst Geld wechseln, Bumba ist heute nicht hier, so wechsle ich bei einem Kollegen. Dann in den Supermarkt Sirup für den Kapitän kaufen, danach gehen wir durch eine Marktstrasse, diese ist mehr Schlaglöcher wie Strasse und auch recht schmutzig, mit einfachen Verkaufsständen. Mir ist es nicht so wohl und so ist es mir Recht als wir wieder in der Stadt sind. Nun ins Internetcafe und nach anderthalb Stunden wieder raus und zurück zum Schiff was problemlos verläuft.

 

 

15. März 2009

In der Nacht löschten die Kongolesen tatsächlich alle Fracht aus Laderaum 1 und so konnte ich am Morgen mit Reinigen beginnen. Zuerst mit dem Kran den Abfall rausholen, dann den Schlauch vorbereiten und mit dem Druck der Löschwasserpumpe geht das Waschen ganz gut. Nach dem Mittagessen leg ich mich für 20 Minuten hin, aus den 20 Minuten werden dann aber 50, schlafe so tief dass ich den Wecker nicht höre. Offenbar werde ich jedoch nicht dringend benötigt, man hätte mich sonst gerufen. Dorel beauftragt mich einen zweiten Schlauch zu holen und die Böden fürs Zwischendeck zu waschen. Kaum habe ich den Schlauch gerichtet kommt schon Olek wir müssen Laderaum zwei schliessen, ein Gewitter ist in Anzug. Natürlich steht der Kran bei Laderaum 1 und der Schlauch ist im Weg. Also Schlauch wegräumen, Laderaum zwei schliessen, Laderaum eins öffnen dies geht ganz gut, um das Deck waschen zu können. Das Gewitter kommt dann nicht, also wird der Laderaum wieder geöffnet um ihn dann nach gut einer halben Stunde wieder zu schliessen weil es nun doch regnet. In der tropischen Wärme ist es ganz angenehm mit dem Wasser zu spielen und es macht mir nichts aus bin ich schon nach kürzester Zeit bachnass. Dann müssen wir noch die Halterungen einklappen. Dieses Mal geht es ganz gut. Mit einem Zwischenboden am Hacken schweben wir unter die Halterung, dann werden wir hinaufgezogen, die Halterung vom Zwischenboden eingeklappt und wir müssen nur noch schauen dass die Arretierung einklickt. diese klemmt bei einer Klappe und wir binden mit Draht die Halterung an die Arretierung. Dann geht Dorel um in der Maschine die Bilgepumpe starten zu lassen. Dies geschieht dann auch, im Laderaum wird jedoch das Wasser nicht weniger. Nach knapp zwei Stunden ist dann auch klar warum, der Filter ist verstopft. Unterdessen hat sich aber so viel Wasser im Laderaum angesammelt dass der Dreck wieder verteilt ist. Dorel muss in den sauren Apfel beissen und den Boden nochmals abspritzen. Ich verbringe den Abend mit dem zurückspielen meiner Fotos. Habe es ja geschafft dass meine Speicherkarten nicht mehr gelesen werden konnten. Mittels Software, vielen Dank an Eggi, kann ich nun die Bilder wieder hervorholen. Shandor unser Koch gesellt sich zu mir, er erzählt mir wie Gogo täglich in die Küche kommt und auch bei ihm immer wieder drein schwatzt. Er hätte dass in seiner über dreissig Jahre langen Karriere noch nie erlebt.

Ich musste ja die Bestellung von Bilbao abtippen und Gogo hat da einiges zusammengestrichen. Weiss nicht was seine Beweggründe sind, aber wir laufen im Moment auf dem absoluten Minimum und wenn es in Ghana eine Verzögerung gibt dann besteht die Gefahr dass uns die Lebensmittel ausgehen. Beim Wasser ist es schon so weit, wir haben die Rationen bis Rouen an Bord, da ich im Moment aber täglich mehr trinke als eine Flasche wollte ich dazukaufen, was aber nicht möglich ist. und so mussten wir nun umstellen auf das aufbereitete Wasser das Shandor nochmals abkocht, dieses schmeckt aber leicht nach Seife, kommt wohl daher dass es eigentlich destilliertes Wasser ist, ein erdiger Geschmack, the taste of Kongo ist auch darin. Super, musste mich heute morgen richtig zwingen zu trinken. Cola und Bier ist auch nicht mehr erhältlich, kommt wohl daher dass wir für Ghana auch ein paar „Geschenke“ brauchen. Den Sirup der hier über 7 Fr pro Liter kostet wollte Shandor in Spanien ordern. dort gab es aber ein Niet von Gogo. Ehrlich gesagt bin ich im Moment nicht gut auf den Kapitän zu sprechen und auch deshalb freue ich mich bis ich in spätestens 23 Tagen von Bord gehen kann.

 

 

16. März 2009

Mitten in der Nacht verwache ich und spüre wie immer noch der Kranhaken ab und zu an die Schiffswand kracht. Die Löscharbeiten sind also immer noch in Gange. Hungrig gehe ich in die Messe etwas essen, danach ist der Gwunder zu gross und ich gehe zum Laderaum schauen wie weit sie sind. Noch gut 70 Pallets stapeln sich dort. Olek der Wache hat gesellt sich zu mir und quasselt mich voll, solle doch wieder schlafen gehen er müsse mich wecken wenn sie fast fertig sind. Ich lege mich wieder hin, kann aber nicht mehr schlafen und nach knapp zwei Stunden klingelt dann auch schon das Telefon. So stehe ich um halb fünf auf der Matte. Die Arbeiter sind nun damit beschäftigt das Holz heraus zuhieven, Danach sollten sie uns noch helfen den Zement zusammen zu räumen, die Kongolesen denken jedoch nicht daran und machen sich schleunigst aus dem Staub. Als dann die Gabelstapler herausgefugt werden möchte ich dass der Kranführer noch einen Sack mit dem Kran verschiebt, aber denkste der Vorarbeiter hat kein Gehör. So wischen wir alleine weiter. Nikolay ist natürlich hoch motiviert... ok kann ihn auch verstehen schliesslich ist er schon seit Mitternacht an der Arbeit. Ich fühle mich krank, habe den Husten, der Zementstaub ist auch nicht das Wahre für meine Lunge. Und die Vorstellung dass ich danach mit Nikolay den Laderaum zu waschen habe stinkt mir gewaltig.

Einer der Wachmänner hilft uns beim Vorbereiten, er bettelt mir dann noch einen grossen Plastikbidon ab, auch die Petflaschen sind hier heiß begehrt zum Aufbewahren von Trinkwasser. Sogar den Container für den Plastikabfall wurde geplündert... Um 9 Uhr ist der Lotse angekündigt. Wir werden gerade fertig mit dem Vorbereiten des Schiffes, weit und breit kein Lotse. Nun suchen wir das Schiff ein erstes Mal nach Blinden Passagieren ab. Als der Lotse dann endlich kommt und wir abgelegt haben suchen wir ein zweites Mal nach Blinden Passagieren, dies ist auch nötig, habe mehr als einen Kongolesen gesehen der sich nach Versteckmöglichkeiten auf dem Schiff umgesehen hat, wir finden zum Glück niemanden.

Kurz nachdem wir abgelegt haben hat das Schiff starke Schlagseite, wir gehen vor Matadi an Anker, alle sind verwundert, keiner weiss warum, später erfahre ich dass im Maschinenraum etwas gebrochen ist und geflickt werden musste. Dies geschieht recht schnell, als wir wieder losfahren könnten spuckt jedoch die Winde um den Anker hochzuheben. Ich gehe mal Mittagessen, kann nicht helfen. Danach teilt mir der Chief mit dass wir heute nicht mehr waschen sondern Ruhezeit hätte. Ich bin gottenfroh, trinke einen heissen Tee, gehe heiß duschen, nehme ein Aspirin und lege mich ins Bett. Nach zwei voll geschwitzten Tshirts und drei Stunden Schlaf fühle ich mich wieder besser. Wir sind nun wieder in Boma und gehen dort vor Anker weil wir auf den nächsten Lotsen warten müssen. kurz danach fahren wir aber schon weiter Richtung Meer. Einmal mehr wundere ich mich ab unserer skurrilen Welt, mitten auf dem Fluss, links und rechts Urwald, aber sogar hier funktioniert das Natel. Und dann war heute noch Wassertag, wir haben die Ration Trinkwasser für die nächsten 14 Tage bekommen. Bin echt froh hat das Wasser nicht mehr diesen Geschmack nach Erde.

 

 

17. März 2009

Bachnass verwache ich in der Nacht, nein habe nicht ins Bett gepinkelt, offenbar war die Besserung nur von kurzer Dauer dank dem Aspirin. Olek bringt mir den Fiebermesser, 37.4. Dies ist auch am Morgen so, fühle mich zu wenig krank um mich abzumelden wirklich fit bin ich auch nicht. Zum Glück muss ich nicht den Laderaum waschen, dies machen Ion und Nikolay, zusammen mit Dorel mach ich das Finetuning im ersten Laderaum. Jetzt wo wir wieder auf dem Meer sind ist auf dem Schiff der gewohnte Ablauf eingetreten, die sonst im Hafen vorhandene Spannung ist weg und es herrscht eine angenehme Ruhe.

Ich freue mich sehr bis wir wieder in Frankreich sind, habe langsam genug vom Matrosenleben. freue mich auf einen unbeschränkten Zugang zu Nachrichten, Zeitungen, TV, Radio, Internet, Freunden Familie Kollegen, wieder Schweizerdeutsch sprechen zu können, und auf Schweizer Spezialitäten. Nur noch max. 21mal schlafen!

 

 

18. März 2009

Wir haben einen blinden Passagier, heute um 7.40 Uhr tauchte er an Deck auf, wer in zuerst gesehen hat weiss ich nicht, als ich zur Arbeit erschien musste ich zuerst ein Foto von ihm machen. Der Kerl ist in Matadi im letzten Moment aufs Schiff gesprungen und hat sich dann im Kran versteckt. Während dem Ablegen sind alle so beschäftigt dass dies niemand bemerkt hat und bei der angehenden Suche nach blinden Passagieren hat er sich so gut versteckt dass wir ihn nicht gefunden haben. Bin froh hab nicht ich die Kräne abgesucht. Der Kapitän muss nun einiges an Papierkram erledigen. Ich gehe danach fürs Finetuning in den Laderaum. auf einer Abdeckung hat es Zement der ist nun abgebunden und steinhart, diesen muss ich rausspitzen. Nach dem Mittagessen kommt unser neuer Kadett wie wir ihm sagen in die Reservekabine. Der Kapitän hat beschlossen dass er dort arrestiert wird, zu den Mahlzeiten darf er raus. Ich bin froh muss nicht ich die „Gefangenenbetreuung“ übernehmen. Ich habe kein Mitleid mit ihm, er hat sich das alles selber eingebrockt und mit seinem Handeln bereitet er uns nur Mehrarbeit und wohl hohe Kosten, auf dem Schiff wird eine Zahl von 20'000.-Fr Kosten für Enzian herum geboten. Am Abend heisst es zuerst dass wir evtl. den Kerl zurück in den Kongo bringen müssen. Nun dann will ich aber die Person sein welche den Typ mit einem Tritt in den Allerwertesten an Land befördert. Der Kerl ist 18 Jahre alt und wollte nach Europa. Er hat keine Papiere, eigentlich gar nichts dabei ausser den Kleidern die er an hatte und ein Notizbuch, wohl sein Adressbuch. Später erfahre ich von Gogo dass es ein Versicherungsfall ist und die sich darum kümmert dass der Typ möglichst schnell wieder in den Kongo kommt.

Für uns geht es zurück in den Laderaum. Als alle Bilgen gereinigt sind, steht auf einmal der ganze Laderaum wieder unter Wasser. Wir sind natürlich alle hell begeistert... habe keine Ahnung wer was falsch gemacht hat nur wir fangen wieder von vorne an. Zum Glück ist nicht viel Dreck mitgekommen und wir sind so etwas schneller fertig.

Ein letztes Mal haben wir heute wieder den Äquator überquert. nun sind wir wieder auf der Nördlichen Halbkugel. Mir geht es wieder etwas besser, bin heute Drogenfrei, dafür ist jetzt noch der Schnupfen dazu gekommen... aber Unkraut vergeht nicht, besonders wenn es nur noch max. 20 Tage dauert bis es wieder in der Heimat ist.

 

 

19. März 2009

Nichts Neues aus dem Atlantik. Wir sind noch immer mit dem Finetuning in Laderaum 2 beschäftigt. Am Boden hat es abgebundener Zement, den sollten wir herauskratzen. Wir kommen jedoch nicht vom Fleck und so beschliesst der Chief dass wir den Beton mit Farbe überpinseln. Sogar Gogo ist damit einverstanden. Draussen ist wieder diese komische Stimmung, die Sonne scheint, aber es hat sehr viel Dunst in der Luft so dass es richtig milchig aussieht.

 Am Nachmittag putze ich die Unterkunft, ist auch bitter nötig so dreckig wie das Treppenhaus ist. Bin froh kann ich es etwas ruhiger nehmen, der Schnupfen plagt mich, ich habe einen sturmen Kopf. Punkt fünf Uhr ankern wir vor Takoradi. Dort bunkern wir neuen Treibstoff und abends um neun Uhr fahren wir dann weiter Richtung Takoradi. Typisch Gogo hetzt er mich vom Essen raus ich solle helfen gehen, draussen haben aber Nikolay und Olek die Situation bestens im Griff. Unterdessen bin ich so clever dass ich zuerst mal schauen gehe ob überhaupt Hilfe nötig ist bevor ich mich ins Kombi stürze.

 Im TV können wir über sechs Programme in bester Qualität empfangen. ein Sender ist ein Ableger von Viacom, d.h. Amerikan TV vom schlimmsten. Kein Wunder wollen so viele Leute nach Europa abhauen wenn sie die unwirkliche Welt sehen welche ihnen da gezeigt wird. So ist ein Bericht vom Genfer Autosalon zu sehen. das Rinspeedauto wird vorgestellt und ein neues BMW Cabriolet. Eigentlich völlig paradox, denke die wenigsten Leute haben hier überhaupt die Möglichkeit sich so etwas überhaupt leisten zu können. oder habe ich ein falsches Bild im Kopf???

Der Kapitän versucht mich dann noch zu überreden nochmals eine Reise mitzumachen. Ich glaube ihm graut davor wenn er die Fotos selber handhaben muss, jetzt hat er es einfach, gibt es ein Foto zu machen, ruft er mich und ich liefere ihm das fertige Bild in mailgerechter Grösse. Ich habe aber überhaupt kein Gehör... höchstens wenn ein weiterer Schweizer an Bord kommen würde der auch schweizerdeutsch spricht, dann müsste ich schon nochmals meine Entscheidung überdenken... Dafür ist aber nur noch 19 Tage Zeit...

 

20. März 2009

Schon um fünf Uhr werde klingelt das Telefon. Wir müssen die Ankunft in Takoradi Ghana vorbereiten. Lotsenleiter ausbringen, Licht, montieren, Rettungsring bereitstellen. Dann die Leinen vorbereiten. Gleich nach der Ankunft sind wieder ein Haufen Leute auf dem Schiff. Neben den üblichen Amtspersonen wie Zoll, Immigration, Veterinär, auch etwa 10 Leute von der Firma welche den Cacao versenden will. Diese überprüfen die Laderäume, haben zwei drei kleine Reklamationen welche wir bis zum Mittag beheben können. Die „Amtspersonen“ werden mit den üblichen „Geschenken“ bedacht. Jede schleppt einen Sack mit Softdrinks, Zigaretten evtl. auch Whiskey mit sich. Wer nun Korruption schreien will, in diesen Ländern gehört das dazu und ist ganz normal. Wer sich weigern würde da sind dann plötzlich riesige Probleme hier welche so umgangen werden können. Bin sehr froh dass wir in der Schweiz den Alltag nicht so bewältigen müssen. Ohne grosses Tamtam wird auch unser blinder Passagier von vier Polizisten und einem Vertreter der Versicherung abgeholt und wohl in den Kongo zurück verfrachtet.

Nach ein Uhr kann ich dann endlich auch essen gehen und dann habe ich Ruhezeit. Olek holt mich dann aber schon bald wieder aus dem Schlaf ich solle an die Gangway stehen, er müsse die Laderäume öffnen und es müsse immer jemand an der Gangway stehen. Offiziell hat er ja schon recht, nur praktiziert wird dies eher selten und wenn dann halt mal 10 Minuten niemand an der Gangway steht ist es dann plötzlich nicht mehr so schlimm. Mich pisst es an, werde ich mitten aus dem Tiefschlaf gerissen. Als ich dann unten bin bringt einer Orangen Bananen und Mangos, Wir haben alte Containerböden welche wir fortwerfen können, diese sind hier begehrt und so tauschen wir sie gegen Früchte ein. Gogo steckt hinter dem Deal, irgendwie typisch rumänisch, überall noch ein Geschäftchen drehen... Mit Ion bin ich auch am dealen, Er will Bier dass ich habe, er hat Wasser dass ich zu wenig habe. Warum ich Bier habe? Es ist Usus dass wenn ein Crewmitglied geht, es Bier spendet. Ich habe die Büchsen brav gesammelt und so kann ich sie nun gegen Wasser eintauschen. Dann habe ich mir noch ein paar Kakaobohnen geholt. die Dinger sind etwas grösser als Mandeln und werden an der Sonne getrocknet bevor sie verschifft werden. Hier sind sie in einer langen Lagerhalle in Haufen gelagert bevor sie verfrachtet werden. Die Kakaobohnen schmecken bitter, zusammen mit einem Löffel Zucker lässt sich aber ein erster Geschmack von Schokolade erahnen.

Als ich später noch Fotos ausdrucke für die Shorepässe beichtet mir Gogo dass er es jetzt schon bedaure wenn ich nach Hause gehe, er würde meine Arbeitsweise sehr schätzen welche besser sei als die von andere Matrosen... Cool, freue mich sehr, ist ein grosser Aufsteller für mich.

Weniger erfreulich ist dass Gogo Enzian erzählt hat dass ich in Matadi die ganze Nacht lang Wache gestanden hätte. Super Enzian liest auch mein Tagebuch und die werden wohl schnallen dass was Gogo ihnen erzählt und was ich schreibe nicht stimmen kann. Ich mag aber auch nicht Geschichten erfinden... weiss noch nicht was ich machen will um Gogo nicht in die Pfanne zu hauen.....

Ach ja, noch 18 Tage bis Buffalo!!!

 

 

 

21. März 2009

Um das ganze Schiff herum weht der Duft nach Kakao. Ein Trax mit einer riesigen Schaufel welche schätzungsweise 2m3 fasst holt die Bohnen aus der Lagerhalle und kippt sie in einen Trichter von dort mittels einer ganzen Strasse von Förderbändern werden die Kakaobohnen aufs Schiff geladen und so ergiesst sich ein stetiger Strom von Kakao in den Schiffsbauch. Daneben wirbelt es noch viel Staub und Fasern umher und überzieht das ganze Schiff. Die zertretenen Bohnen bleiben an den Schuhen kleben, ich muss aufpassen dass ich nicht umfalle. Dann werden noch die Containerböden abgeholt. Wir wollen sie mit Ketten an den Kran hängen. Leider kommt dann Gogo dazwischen und findet die Ketten seien zu schwach ich solle die starken Ketten holen. Dazu muss ich zuerst den Schlüssel für Forecastle holen. finde den nicht, steige zu Dorel auf den Kran, der Kapitän ist schneller und schreit von unten rauf, am Ende alles umsonst und wir laden die Böden problemlos auf den Lastwagen. Super... wieder einmal Gogo life wie er leibt und lebt. Nach dem Mittagessen fahren Dorel und ich in die Stadt. Weisse auf Velos scheint es hier nicht viele zu geben, die Leute winken uns zu und wir winken zurück. In der Stadt gehen wir zum Basar und parken die Velos bei einer sehr gut gebauten Mama welche Stoffe verkauft. Dann fragen wir uns durch nach einem Schuhstand, ein Geldwechsler hofft auf ein gutes Geschäft und hilft uns dabei. Dorel will gute Schuhe kaufen. Wir gehen durch Trampelpfade an einfachen Hütten und Ständen vorbei. Dorel findet aber nichts das passt, Grösse 39 für ihn ist auch gar klein. Wir gehen von Schuhstand zu Schuhstand, entweder ist die Grösse nicht gut oder Dorel mit der Art und der Qualität nicht zufrieden. Nach unzähligen Ständen findet er dann ein Paar das passt und er kauft es für 15 USD. Danach will er noch Turnschuhe von Adidas oder Puma. Der Geldwechsler hat sein Geschäft gemacht und ist wohl froh als er fliehen kann, er will nichts mehr von uns wissen. So gehen wir zu Mamma wo unsere Velos stehen und die gibt uns ihre Schwester mit als Guide. Und so klappern wir in einer anderen Reihenfolge wieder alle Schuhstände ab. Die Ghanesen denken wohl die spinnen die Weissen. Ich merke relativ schnell dass hier die Überproduktion aus Europa verkauft wird, oder die Schuhe aus der Altkleidersammlung kommen. Ich glaube die können sich hier gar keine Schuhe leisten welche Direkt von der Fabrik in China kommen wo der Chinese wohl noch mehr verdient wie hier. Dorel scheint es nicht zu schnallen und sucht weiter... irgendwann findet er dann doch noch etwas das Ihm passt, unsere Guidin meint nur zu mir „der ist ja echt anstrengend“

Danach müssen wir für Gogo noch 5kg Zitronen erstehen. Wieder gehen wir durch enge Gassen und kommen an eine Ort wo wirklich schönes Gemüse verkauft wird. Die Zitronen sehen aber nicht gut aus, alle schrumpelig und knorpelig und so nehme ich Limonen. Für mich erstehe ich dann auch noch ein paar Ananas.

Zum Schluss laden wir die Lady noch auf einen Drink ein. Dorel will mit ihr auch etwas anbändeln, doch die Dame lässt ihn abblitzen. Ziemlich schnell muss sie dann auch gehen und wir beobachten noch etwas das Treiben auf der Strasse.

 

Nun will ich noch kurz ins Internet die Mails auf mein Notebook laden. Auf unseren Streifzügen habe ich ein Schild gesehen von einem Internetcafe. Wir finden es sogar auch wieder und via einen Hintereingang eine Treppe hoch hat es ein modern eingerichtetes Cybercafe. Die Stunde kostet nur 60 Picous was etwa 50 Rappen entspricht. Zuerst haben sie kein Gehör als ich mein Notebook anschliessen will. Als ich mich dann etwas suchend umsehe, fragt mich einer ob er mir helfen kann. es ist der Besitzer des Ladens der in den USA lebt und dies hier als zweites Standbein betreibt. Ich erkläre ihm dann was wie wo, er hat dann bedenken wegen der Sicherheit, als ich ihm erkläre dass es ein Linuxsystem ist, verfliegen diese sofort und es ist kein Problem mehr. Leider ist die Leitung sehr langsam und beim Warten habe ich ein interessantes Gespräch mit dem Besitzer., der ISP hat diese völlig überbucht und zur Rushhour am Abend sei es auch nochmals langsamer, für eine 1Mbitleitung bezahlt er 300 USD pro Monat. In den USA hat er Glasfaser bis ins Haus und diese kostet Ihn nur 15USD für die gleiche Leitung. Wow....

Nach fast zwei Stunden habe ich dann endlich meine Mails auf dem Notebook und gehe wieder.

 

Dorel hat sich unterdessen bei einem Schneideratelier nieder gelassen und mit den Schneiderinnen geplaudert. Eine Horde Kinder umgibt ihn als ich komme. Nun da ich ihn so lange habe warten lassen findet er ich könne den Kindern ein Glace sponsern. Dies ist auch kein Problem, ein Eis kostet nur ca. 30 Cents... Er hat unterdessen einiges an Bier intus und hängt sich an die Frauen ran... diese sind davon nicht so begeistert, bleiben aber erstaunlich ruhig. Nach gut einer Stunde können wir dann endlich gehen. Er sollte um acht Uhr seine Wache auf dem Schiff antreten... Wir fahren ein Stück mit den Velos, verfahren uns und da er noch Cedis hat will er noch ein Bier trinken gehen. Also fragen wir uns wieder nach einer Bar durch und landen am Schluss wieder bei dem Lokal vom Nachmittag. Dort findet er am Nebentisch eine Dame die ihm gefällt und labert sie voll, diese will aber nichts von ihm wissen nur er schnallt das nicht und labert weiter, ich greife ein wenn ich finde jetzt wird es kritisch, bin jedoch froh als die Dame sich einen anderen Tisch sucht. Dorel erzählt mir nun seine Lebensweisheiten, ich bin froh als er endlich ausgetrunken hat und wir Richtung Hafen fahre können. Er kann sogar noch fahren, kurvt aber schon etwas umher. Einmal steigt er auch noch unfreiwillig vom Velo ab und findet er hätte einen Unfall gehabt nun müssen wir die Polizei rufen... Er sieht dann aber schnell davon ab und wir fahren ohne Zwischenfall zum Schiff. Dort wartet Ion schon sehnsüchtig darauf endlich abgelöst zu werden. Er verzichtet jedoch auf ein riesen Geschrei und hilft auch noch das Velo die Gangway raufzutragen.

Der Chief meint dann nur ich solle in einer Stunde auf der Matte stehen, Dorel muss zwei Lüftungsöffnungen verschliessen und es sei wohl besser wenn ich dann ihm dabei helfe. Und so sitzen wir dann eine Stunde später im Kakao und verschliessen die Öffnungen. Mitten in ca. 3000 Tonnen Kakao zu sitzen ist ein spezielles Gefühl und ich hätte am liebsten darin noch etwas herumgesult... Müde falle ich danach ins Bett.

 

 

22. März 2009

Vor sieben Uhr muss ich wieder antraben. wir müssen das Schiff segelbereit machen. die Laderäume verschliessen, alles verräumen und um 10 Uhr ist der Lotse angekündigt. Ich will noch meine restlichen Cedis im Duty Free Shop loswerden, dieser hat jedoch am Sonntag geschlossen... Das Ablegen geht problemlos, heute suchen wir das Schiff besonders gründlich nach blinden Passagieren ab. Ich durchsuche einen Kran und zünde dabei mit der Taschenlampe in jede Öffnung mag sie auch noch so klein sein. Hoffentlich übersehe ich nichts... währe dass peinlich wenn es ein zweites Mal passieren würde.... Erst viel später wird mir bewusst dass dies das letzte Mal ablegen war, nun gibt es nur noch das Ankommen in Rouen. Ich freue mich sehr darauf, die Ungewissheit wie es weiter geht macht mir aber auch etwas Sorgen. Den Nachmittag habe ich frei. Die anderen müssen das Deck wischen. Olek ruft mich auf die Brücke, Walalarm, doch bis ich mit dem Fotoapparat oben bin will der Wal sich nicht mehr zeigen. Alex der Motorman hat morgen Geburtstag, wir feiern schon heute. So gibt es einen lustigen Abend in der Messe, Dorel erzählt mir wie Gogo zuerst nicht wollte dass der Laderaum gestrichen wird, wir aber nur so problemlos durch die Kontrolle kamen weil er gestrichen war. Wir diskutieren über das Schiff und seine Besatzung. Ich bin noch am Wäsche waschen und als die Maschine endlich fertig ist kann auch ich ins Bett gehen.

 

 

23. März 2009

Heute habe ich wieder einmal.... ja richtig geraten, geputzt. Im Treppenhaus hatte es besonders viel Dreck von den Kakaobohnen und so widmete ich mich dem ausgiebig. Auch wenn ich mir besonders viel Mühe gebe und auch alle Toiletten putze bin ich schon vor dem Mittagessen fertig. Am Nachmittag beschäftige ich mich dem Finetuning, putze die Handläufe und Flecken an den Türen. Kann es aber gemütlich nehmen und verbringe so einen ruhigen Tag. Wir werden nochmals in las Palmas Halt machen um schwefelarmen Treibstoff zu bunkern. Vor drei Monaten war Weihnachten, wir in Thailand am Laden und ich dachte noch nicht ans nach Hause gehen. Gogo hat sich einen Schnauz geschnitten und sieht nun wie ein Walross aus. Als Bettmümpfeli schneide ich eine Ananas auf, sie ist genau richtig, süss, fast keine Säure, einfach himmlisch...

 

Ich merke wie ich mich wieder sehr mit meiner Zukunft beschäftige. Soll ich auf die Reise gehen, wie lange kann ich in der Schweiz überleben ohne Arbeit, was will ich denn überhaupt machen, irgendwie gefällt mir die Seefahrt schon, wenn ich zum Sip gehe wird er mir wieder alles vorschwärmen. Die gute Sache ist, Ich merke dass mein Arbeitsstiel gefällt und ich so wie ich anpacke und mitmache genügend fleissig bin. Dies sind doch schon mal gute Voraussetzungen. Nur womit ich meine Brötchen verdienen will... Ich hätte gerne ein kleines Häuschen, einen Weiher, ein paar alte Bäume, ein kleines Auto, einen coolen Töff und eine Arbeit wo man am Morgen sich richtig freut aufzustehen und welche auch genügend Geld einbringt. Nur was dass dies ist... keine Ahnung.

 

 

24. März 2009

Rost klopfen, einmal mehr, wir können uns immer noch mit der Laderaumabdeckung beschäftigen. Zum Glück haben wir nur noch drei Teilstücke so müssen wir nicht mehr wochenlang uns damit abmühen. Heute sind wir zuerst genau Westwärts gefahren und dann zur Mittagszeit rechts abgebogen Richtung Europa, sonst wären wir nach Brasilien gekommen... Wir werden am 29. März in Las Palmas bunkern, leider erst am späten Nachmittag und in der Nacht, Hoffentlich kann ich trotzdem in die Stadt gehen. Am 3 April spät abends sollen wir in Rouen ankommen, Das heisst ich werde wohl am 4. April wieder in der Schweiz sein. Nun geht es sehr schnell und es kommt sogar ein wenig Wehmut auf. Am Abend gibt mir Nikolay noch ein paar interessante Filme. Eigentlich ist er ja gar nicht so ein unleid nur zum zusammen arbeiten ist er leider etwas mühsam...

 

25. März 2009

Noch immer sind wir am Rost klopfen, Heute bläst ein kühler Wind, von der Laderaumlüftung strömt der leicht bittere Duft vom Kakao über das Deck. Wir sind nun auf der Höhe von Sierra Leone. In den letzten Tagen in Afrika habe ich keine Sonnencreme mehr eingeschmiert was kein Problem war, gestern aber so einen tag in der prallen Sonne war dann doch zuviel, ich hab mir deftig den Nacken verbrannt. So gibt es heute halt wieder eine dicke Schicht Sonnencreme und dazu einen Sonnenhut. Langsam habe ich es gesehen mit dem Rost klopfen. Die Aussicht dass wir bald fertig sind und in 10 Tagen ich zu Hause machen dass ganze aber erträglich. Hoffentlich kann ich etwas von der Wärme mitnehmen....

 

 

26. März 2009

Mein Fenster der Kabine ist auf der Steuerbordseite und da wir ja nordwärts fahren konnte ich heute wieder einmal einen eindrücklich schönen Sonnenaufgang bewundern. Durch Wolken getrübt in einem intensiven gelb orange stieg die Kugel in den Himmel hinauf. Zwischendurch war sie hinter Wolken verborgen, es sah aus als währe sie hinter Gitter.

Tja und dann sind wir wieder einmal am Rost klopfen. Heute haben wir das letzte Teilstück in Angriff genommen und ich konnte mich nochmals richtig mit der Nadelpistole austoben. Mich erinnert es ans Ausdrücken von Pickeln in der teenager Jahren. Der Blick gleitet über die Oberfläche und dort wo man eine Erhebung entdeckt wird die Pistole hingehalten. Die Stifte trommeln so auf den Rost ein dass er pulverisiert wird und eine glänzende Oberfläche zum Vorschein kommt. Das schnelle Erfolgserlebnis gibt eine gewisse Befriedigung während der Blick schon nach der nächsten Rostblater Ausschau hält..

Die stundenlange kauernde Haltung macht sich am Abend bemerkbar, ich kann kaum noch den Kopf drehen, der Nacken ist völlig verspannt, eine warme Dusche und etwas massieren lindert es ein wenig, ich fülle eine Petflasche mit heissem Wasser und liege darauf. Die Wärme hilft recht gut. Wir sind nun auf der Höhe von Dakar, dem wohl westlichsten Punkt meiner Reise. Auch heute blies ein kühler zügiger Wind, abends in den kurzen Hosen auf das Deck ist nicht mehr angenehm. Muss nun wohl definitiv vom Sommer Abschied nehmen.

 

 

27. März 2009

Noch immer sind wir am Rost klopfen, am Nachmittag kreuzte ein Rudel Wale unseren Weg, man sah es daran dass ab und zu eine Finne aus dem Wasser tauchte und aus dem Atemloch Wasser spritzte. Einmal mehr war heute ein wunderschöner Tag und da es nicht mehr so heiß ist auch sehr angenehm zum arbeiten. Noch bin ich eine Woche auf dem Schiff, und auch wenn ich mich auf viele Sachen zu Hause freue, die Weite des Meeres wird mir fehlen...am liebsten würde ich Freunde, Familie und Kollegen das nächste Mal mitnehmen... überlege mir ob ich zu Gogo gehen soll, ich bleibe noch eine Weile aber als Passagier. Früher habe ich gemeint Kreuzfahrten seien nur für Leute ab fünfzig, unterdessen kann ich den Reiz nachvollziehen.

 

 

28. März 2009

und wieder einmal beginnt der Tag mit putzen, heute wohl zum letzten Mal das Treppenhaus zusammen mit Nikolay. Schnell schnappe ich mir den Besen so kann er nachher mit dem Mopp trödeln wie er will ich kann mein Tempo vorwärts machen. Monsieur ist heute aber auch erstaunlich schnell und ich muss mich schon etwas ins Zeug legen dass er mich nicht einholt. Nach der Kaffeepause diskutieren wir wieder Sicherheitsfragen, heute zum Thema Müdigkeit an Bord. Das Fallbeispiel ist ein Frachter der auf Grund läuft weil der wachhabende Offizier eingeschlafen ist. Die Problematik ist halt schon dass es immer weniger Besatzung hat und somit die Belastung für den jeden einzelnen steigt. Am Nachmittag gehe ich die Sonne geniessen vorne am Bug. Noch immer bläst der Wind und es ist kühl. Auch heute kreuzt ein Rudel Wale unsern Weg leider posieren die Viecher nicht schön, es gibt keine brauchbaren Bilder. Nass gespritzt von einer grossen Welle flüchte ich wieder in die Kabine.

Seitdem Ticho und Bubu nicht mehr an Bord sind verlaufen die Samstagabende ruhiger, nix mehr mit Party und tanzen bis in den frühen morgen hinein. Heute war Movietime, wir schauten einen Film über die Tempelritter, wir bekamen aber nur die Hälfte mit, er war teilweise in schwedischer Sprache... In der Nacht beginnt auch für uns die Sommerzeit.

 

 

29. März 2009

Volle Fahrt Richtung Gran Canaria. Dort treffen wir am Vormittag ein, vor uns war aber ein Schiff schneller und so müssen wir warten bis dieses fertig gebunkert hat. Für mich heisst das Ausschlafen und den Tag geniessen. Ich wasche die Wäsche und kann mich sogar dazu motivieren die Kabine zu putzen. staube alles ab, räume die Kleider neu ein und wasche die Wände herunter. Draussen geht immer noch der kühle Wind, wir haben nur 20 Grad, ich empfinde es als unangenehm kühl und morgen soll es noch kälter werden...

Das Schiff soll von Rouen mit Raps nach Tarragona bei Barcelona gehen. Alex meint in Rouen würde keine Zeit für ein Crewwechsel sein und wir müssten nochmals 14 Tage länger an Bord sein... ich hoffe mal das ist nicht so, habe mich auf Abreise eingestellt und keine Lust mehr zum Rost klopfen.

 

 

30. März 2009

Schon um sieben Uhr bin ich zur Arbeit bereit, wir sollten ja heute morgen in den Hafen einlaufen, bin aber weit und breit der einzige, auf der Brücke meint dann der Chief ich könne bis acht Uhr pausieren, wir würden erst um ca. neun Uhr in den Hafen einlaufen. Tja so lege ich mich nochmals etwas hin, habe danach dafür Mühe wach zu werden. Las Palmas kennen wir ja nun schon und so verläuft das Anlegen auch Problemlos. Nikolay hat seine pubertäre Phase und ruft aus weil Karton bei den Winden liegt, den hat der Wind dorthin geblasen... als ich zurück ausrufe wird er schnell ruhig, offenbar gehört er zu der Sorte Mensch denen man mal tüchtig ans Schienbein hauen muss damit sie zu Anstand kommen. Danach will ich in die Stadt, es heisst aber dass Polizeikontrollen stattfinden würden und so will der Kapitän mich nicht gehen lassen. Nach einer halben Stunde kann ich dann endlich gehen, habe eine riesige Liste was ich für wen besorgen muss. Olek braucht Telefonkarten und der Kapitän und der Chief Medizin. Ich finde zum Glück schnell die benötigten Sachen und kann diese schnell auf dem Schiff abliefern. Nicoshur der Elektriker will dann auch noch mitkommen, bis er dann endlich bereit ist kommt eine Lieferung Proviant wo wir helfen diese zu verstauen. So vergeht gut nochmals eine Stunde bis wir dann endlich endlich losziehen können.

Via Elektronikladen und Supermarkt geht’s ins Internetcafe. Dank dem Besuch Mitte Februar kenne ich mich aus und bin so recht schnell. So geniesse ich fast einen ganzen Nachmittag im Internet, Emails schreiben und lesen, Podecasts herunterladen, Nachrichten lesen, Infos suchen usw. Daneben melde ich mich wieder bei der Krankenkasse an was entgegen der Abmeldung unproblematisch verläuft.

Als ich um halb sieben wieder auf dem Schiff bin hat das Bunkering gerade mal erst begonnen. Ich bin total aufgedreht, freue mich auf die Heimreise und leiste Vladimir und Alex Gesellschaft welche das Bunkering überwachen müssen. Dazu machen sie Sounding. Dazu lassen sie ein Messband das am Ende ein Gewicht hat in den Tank hinunter, ziehen es wieder herauf und dort wo das Band schwarz ist, so hoch ist der Tank gefüllt. Um elf Uhr abends sind wir dann endlich fertig, um ein Uhr morgens können wir dann los fahren und um zwei Uhr kann ich dann horchen was das Kopfkissen zu erzählen weiss.

 

 

31. März 2009

Wir sind wieder, wie könnte es auch anders sein, am Rost klopfen. Zu viert machen wir uns an die Arbeit, Gogo lässt uns wegen der kurzen Nacht erst um neun Uhr antraben. Nach der Kaffeepause werden wir im Shipsecurityplan unterrichtet. In Rouen haben wir ein Audit über die Security auf dem Schiff und so wird Theorie gebüffelt. Mir kommt die ganze Sache etwas amerikanisch vor, Viel Papier und Abläufe und bla bla. ich finde es logisch dass man sich zuerst erkundigt wie die Situation in einem Land ist bevor man hinfährt. Hab ich ja für mich selber auch gemacht bevor wir in den Kongo gefahren sind, Mich hat der Bericht vom EDA damals zwar eher abgeschreckt und ich war im Kongo wohl mit zuviel Respekt unterwegs.

Am Nachmittag geht’s weiter mit Rost klopfen, als dann ein paar Regentropfen herunterfallen rennen meine zwei wunderbaren Kollegen gleich an den Schärmen, ich warte noch etwas zu, die Wolke war aber nicht sehr gross und auch nicht sehr grau... und siehe da, es wird nicht mal richtig nass und die ganze Aufregung war umsonst... Gogo bezahlt noch den Märzlohn zusammen mit dem Laschinggeld so erhalte ich 275 USD und fühle mich richtig reich. Mit Tagebuch schreiben, für Dorel Fotos auf DVD brennen und Echos hören geniesse ich einen ruhigen Abend. Wir sind noch bis samstags unterwegs, also wohl nur noch 4 mal schlafen!!!

 

 

1. April 2009

Auch der siebte Monat beginnt mit Rost klopfen, wir haben regnerisches Wetter und als wir mit arbeiten beginnen ist gerade ein Regenbogen am entstehen. Zuerst nur ein kleines Stück am Horizont welches aber äusserst intensiv leuchtet. Mehr und mehr beginnt der Bogen zu wachsen bis er in ganzer Pracht sichtbar ist inkl. des zweiten Bogens. Die Distanz zum Regenbogen ist recht klein und so taucht er ins Wasser ein, beziehungsweise steht ein Stück sogar vor dem Wasser. Als wir mit malen beginnen wollen beginnt es zu regnen. So gehe ich die Ersatzkabine aufräumen. Am Nachmittag hilft mir Nikolay dabei. Zumindest versucht er es, er kann aber nicht ganz meinen Ansprüchen genügen und so putze ich lieber selber. Für Farbflecken schicke ich ihn Verdünner holen. er will es zuerst mit Badreiniger versuchen, merkt dann aber schnell dass er halt doch zum Farblager im Bug gehen muss. Danach will er mir den Verdünner als Australisches Mineralwasser verkaufen... Ach Nikolay...

Nicoshur der Elektriker hat noch eine Anleitung welche ich für ihn abtippe, für mich eine angenehme Arbeit und in weniger als zwanzig Minuten erledigt. Er ist froh und ich habe es gern gemacht.

Am Abend will Gogo das Laschinggeld wieder zurück. Es soll uns mit dem Märzlohn auf das Bankkonto gezahlt werden. So gebe ich ihm halt die 175 USD wieder zurück und bin nicht mehr so reich. Wir werden am Sonntag in Rouen ankommen, die Rückreise wird wohl am Montag sein. also noch 5 mal schlafen.



2. April 2009

Heute können wir die Laderaumabdeckung streichen. Es ist zwar kalt aber trocken. trotzdem ziehe ich die langen Unterhosen an, hatte zwar gehofft diese nicht mehr zu brauchen. Wir sind nun auf der Höhe von Finsterterre in Portugal.

Gespannt warte ich auf die Rückreisedetails, heute kamen sie nicht, so müssen sie morgen kommen. Danach ist Wochenende am Montag ist es zu spät. Am Abend beschäftige ich mich wieder mit DVD's brennen. Was nach einer kleinen Angelegenheit tönt entwickelt sich als hartes Stück Arbeit. Fotos aussortieren, umbenennen, Booklet designen und drucken.... tja und der Perfektionist in mir ist auch nicht gerade hilfreich um schnell fertig zu sein...

 

 

3. April 2009

Wir sind im Golf von Biskaya. Dieser ist gefürchtet für schlechtes Wetter. Bei uns zeigt er sich von der besten Seite, das Wasser ist ganz ruhig, keine Wellen brechen und vorne beim Bug spielen die Delphine. War noch nie so schnell vom Bug zur Kabine gerannt, die Fotokamera geschnappt und wieder an den Bug gerannt. Der Delphin ist noch hier ich mache ein Foto und dummerweise stelle ich den Blitz nicht aus. So verschwindet das Tier sofort. Wir müssen heute eine Deckschicht auf die Laderaumabdeckung auftragen. Die Farbe wird mit viel Verdünner vermischt und so geht das Auftragen sehr schnell. Gogo will am Anfang nicht dass wir die Abdeckung von Hole Nr. 1 auch streichen. als er dann sieht wie schnell wir sind können wir doch beginnen. Leider reicht uns die Zeit dann nicht dafür um fertig zu werden. Dazwischen sehen wir immer wieder Delphine und auch Wale. Vor dem Mittag kommen dann endlich die Flugdetails. So wird es Dienstag 7 April 14.35 Uhr bis ich wieder in der Schweiz bin. Nun also definitiv noch 4mal schlafen!

 

 

4. April 2009

Heute würden wir gerne noch die restliche Laderaumabdeckung streichen. Die Gischt spritzt aber zu hoch und wir müssen uns anderweitig beschäftigen. Dorel und Ion räumen um die Unterkunft herum auf. Nikolay und ich putzen die Unterkunft. Ich richte dann noch die Eignerkabine, wir bekommen in Rouen Besuch von Enzian der evtl. an Bord schlafen will. Wir sind nun bei der Bretagne rechts abgebogen Richtung Ärmelkanal. Hier hat es wieder viel mehr Schiffe unterwegs, es kommt mir vor wie auf einer Autobahn. Wir können wieder britisches TV empfangen. Hier hat sich die Welt noch nicht verändert, die Reklame ist noch die gleiche, Kochshows sind immer noch in. Und Gameshows hat es auch immer noch. Interessant finde ich ein TV Spot der für eine gesunde Ernährung und gegen Übergewicht wirbt. die Engländer sind ja nicht gerade ein schlankes Völklein.

Am Abend bewundere ich noch ein letztes Mal den Sonnenuntergang, gehe nochmals über die Laderaumabdeckung, sauge die Weite des Meeres in mir auf. Wir fahren an den Kanalinseln vorbei und am späteren Abend sehen wir schon die französische Küste. Auch wenn ich mich sehr auf die Schweiz freue so ist damit auch ein Abschied nehmen verbunden. Noch habe ich drei Nächte auf der Celine.

 

 

5. April 2009

Ich werde nicht geweckt in der Nacht, sie kamen ohne mich aus und ich konnte ausschlafen. Um acht Uhr muss ich dann doch antraben. Im Deckoffice treffe ich auf Nikolay der schon seit drei Uhr auf ist und vom Kapitän und dem Chief teils unnötigerweise herum gehetzt wird. Als ich ihn dann mit einem Welcome to the Show begrüsse platzt ihm der Kragen und ein Donnerwetter entlädt sich. Ich höre ihm etwas zu, zusammen ziehen wir dann die Fahne auf, versorgen die Lotsenleiter, richten die Leinen und lassen uns überraschen was aus dem Nebel hervor taucht. Wir sind nun auf der Seine, es hat stockdicken Nebel, nur ab und zu sieht man schemenhaft das Ufer. Zwischendurch lichtet sich der Nebel etwas, wir gewinnen erste Eindrücke von der Normandie. die Gegend ist sehr typisch für Frankreich, viele alte Gebäude mit hohen Fenstern, die Häuser sind schmal aber hoch. Von Rouen sehen wir nichts, dafür ist es ein sehr grosses Industriegebiet dass ich am Ufer des Flusses über mehrere Gemeinden erstreckt. Beim Anlegen entdeckt der Kapitän noch eine zusätzliche Leine auf dem Deck und so müssen wir diese auch noch ausbringen, er befürchtet dass durch die schnell vorbei fahrenden Schiffe die Celine zu stark vom Ufer weggesogen wird. Ich bin froh haben wir nicht noch mehr Leinen, wir müssten sie sonst auch noch ausbringen. Vom sonst üblichen Zirkus von Beamten, Zöllnern usw. sehen wir nichts. In Frankreich haben wohl alle genug Getränke zu Hause. Vladimir und ich schnappen uns die Velos und fahren ins Dorf genannt Grand Couronne. Auch hier hat es viele alte, teils sehr schön renovierte Häuser und Häuschen. Da Sonntag ist hat fast alles geschlossen. In einer offenen Bäckerei erstehe ich ein echtes Baguette, Vladimir deckt sich mit Süssigkeiten ein. Danach drehen wir noch eine Runde im Dorf und fahren wieder zurück zum Schiff. Danach trifft noch Herr Wilk ein, der Sicherheitsverantwortliche von Enzian. Er wird uns mithelfen das Schiff für das Audit vorzubereiten.

Am Abend gehen wir in den Seemansclub, In Frankreich hat jeder Hafen solch eine Organisation welche die Leute vom Schiff abholt und in ein Clublokal bringt. Dort hat es meistens TV, eine Bar, Telefonkabinen, einen kleinen Shop für das Nötigste, ein paar Souvenirs und wohl am wichtigsten die Internetverbindung. Hier haben sie aber nur vier Feststationen und kein Wireless, So warten alle ungeduldig. Bei Nikolay funktioniert es nicht, er klickt wie wild in den Netzwerkoptionen herum, als ich ihm helfen will, will er nicht hören , verabschiedet sich auf bulgarisch fluchend und überlässt mir die Leitung. Bei mir funktioniert es tip top. Etwas später lässt er sich dann doch helfen und siehe da, Monsieur hat sich eine fixe IP Nummer gegeben was natürlich nicht funktioniert und siehe da es läuft auch bei ihm tip top.

Zurück auf dem Schiff kündigt der Chief an dass er mich nach Mitternacht evtl. brauchen würde. Zum Schlafen reicht die Zeit nicht mehr, so gehe ich in die Kabine und packe meine Sachen zusammen. Der Chief braucht mich dann aber doch nicht mehr, müde gehe ich schlafen.

 

 

6 April 2009

Mein letzter Arbeitstag, der Chief gibt mir einen letzten Job, ich habe jedoch noch ein paar Sachen mehr im Kopf welche ich erledigen will. Zuerst muss ich auf ein Manhole „Restricted Area“ hinschreiben, Dorel hilft mir die Schablonen zubereiten, ich gehe pinseln muss dann aber schon bald noch zwei Schilder am Eingang erneuern. Text am PC schreiben, ausdrucken laminieren hinkleben. Dorel berichtet Herr Wilk dann auch über meine gute Arbeitsweise, mir ist es etwas peinlich da es für mich selbstverständlich ist. Danach gehe ich für Nicoshur noch eine Anleitung ausdrucken, eigentlich sind es über 90 Seiten, ich drucke jedoch vier Seiten pro Blatt. Gogo kommt dazu und es gibt eine herrliche Situation:

Gogo: wie viele Seiten druckst du, er macht auf Panik

ich: 23

Gogo: oh oh so viel Papier, wer braucht das überhaupt

ich: es ist für den Elektriker das Manual ist in Englisch, wir haben nur Deutsch an Bord. Zusätzlich erkläre ich ihm dass ich sehr ökonomisch ausdrucke.

Gogo: Ah sehr gut, sehr gute Arbeit und es ist überhaupt kein Problem mehr.

 

Danach helfe ich noch dem Elektriker Lampen zu überprüfen und entwerfe ein Formular auf dem PC für ihn. Tja dies war dann wirklich der letzte Job auf der Celine.

Zum Mittagessen trifft dann die neue Crew ein. So sehe ich wieder Sandor den zweiten Ingenieur welcher von Oktober bis November auf der Celine war. Der Matrose, der zweite Offizier und der neue Kadett sind vom Sri Lanka. Ich nehme mich dem Kadett an, zeige ihm die Unterkunft, beantworte all seine Fragen dann lasse ich ihn alleine und gehe meine Kabine putzen. Vladimir und Olek müssen noch nach Rouen um ein Transitvisa zu erhalten damit sie von Paris wegfliegen können. Ich könnte mit, bin aber noch nicht fertig mit putzen und es geht mir zu schnell. So bleibe ich auf dem Schiff, putze die Kabine fertig und als ich danach aufs Deck gehe erfahre ich dass wir um sechs Uhr das Schiff um zwanzig Meter verschieben müssen. Dieses Kabarett muss ich nicht mehr haben und so schnappe ich mir ein Velo, ich will Fotos von Celine knipsen aber von der anderen Seite der Seine. ca. zwei Kilometer weiter vorne hat es eine Fähre. Darauf haben nur gut 10 Autos platz, sie fährt mehr oder weniger ununterbrochen und ist gratis. Auf der Gegenseite geht es dann wieder zurück. Nun habe ich Gegenwind, es ist recht anstrengend. Ich geniesse den Ausblick auf das Schiff, fahre auf dem Rückweg durch das Dörfchen und bestaune die Häuser. Danach mache ich einen Abstecher über Petit Couronne, es erscheint mir aber grösser als Grand Couronne. Zurück auf dem Schiff ist das Umparkieren noch im Gange. Die neue Crew übt sich im bedienen der Winde, Olek der nicht geschlafen hat ist am rum kommandieren und kommentieren, ich bin heilfroh traf ich die richtige Entscheidung und verschwand. Drücke mich sonst nicht vor der Arbeit, und da die neue Crew da war hatte es genügen Leute, ab morgen muss es sowieso ohne mich gehen. Später gehe ich mit Dorel noch ins Dorf, wir wollen was trinken gehen. es ist aber alles geschlossen, als ich einen Local frage wo wir was trinken gehen könnten schaut er mich verwundert an und meint es sei Montag und darum alles zu. So drehen wir noch eine Runde, fahren dann zurück aufs Schiff. Dort brenne ich ihm noch die restlichen Fotos auf die DVD und überreiche sie ihm. er ist sehr erfreut und bedankt sich xmals. bis zwölf Uhr muss ich noch auf bleiben damit ich mich von Nikolay verabschieden kann. Tja noch einmal schlafen...

 

 

7. April 2009

Obwohl es nach ein Uhr war bis ich im Bett war bin ich schon vor sechs Uhr wieder Wach. beschwingt nehme ich eine letzte Dusche, gehe essen. um acht Uhr kommt das Taxi. Abschied nehmen gehört immer noch nicht zu meinen Stärken, ich froh als wir endlich los fahren. Zuerst über Land und durch Dörfer danach auf der Autobahn geht es auf den Flughafen. Unterwegs gibt es eine Kaffeepause. der Fahrer lädt uns ein, als wir wieder einsteigen sehe ich warum er so grosszügig war, er liess die Uhr weiter laufen und so bezahlt Enzian unseren Kaffee.

Am Flughafen muss jeder in ein anderes Terminal. So bleibt gar keine Zeit zum richtig Adieu sagen. beim Check in habe ich 52kg Gepäck... So muss ich umdisponieren, nehme die Bücher heraus, trenne mich von einem Teil der Kakaobohnen und beim dritten Anlauf lässt die Dame mich dann mit 43kg schlüpfen, Hoffentlich komme ich gut durch die Sicherheitskontrolle. Mit Tagebuch schreiben vertreibe ich mir die restliche Zeit. Gut 20 Minuten vor der Bordingtime stelle ich mich bei der Sicherheitskontrolle an. Hier hat es eine sehr lange Schlange, langsam wird die Zeit knapp. Auf einmal ruft eine Sicherheitsbeamtin „Zürich“ und wir werden vorgezogen meine zwei Rucksäcke sind dann auch kein Problem. Und was lernen wir daraus??? Stell dich nicht zu früh an wenn keine Zeit da ist geht alles viel problemloser.

Dann ist auch schon das Boarding und wir starten mit etwas Verspätung, fliegen dafür etwas schneller und sind sogar zu früh in Zürich.

Was für eine Überraschung, meine Familie ist hier, meine Göttikinder, Kollegen, so empfangen zu werden ist wunderbar, Ich werde mit Schoggimousse und Mohrenköpfen überrascht, wir setzten uns in die Foodmall und ich erzähle von meinen Erlebnissen.

 

 

 

7. Mai 2009

Nachtrag oder der Start in der Schweiz

Nun bin ich schon einen Monat wieder in der Schweiz. Ich besuchte viele Freunde, ging in der Reederei vorbei, genoss das schöne Wetter, holte bei meinem Bruder ein paar Sachen, füllte die Steuererklärung aus und erledigte administrative Arbeiten.

 

Ab und zu gibt es ein paar „Nachwirkungen“ von der Zeit auf der Celine, zum Beispiel als wir in China waren…

Auf dem Bankauszug sehe ich dass in China zwei Versuche von Bankomatbezügen belastet worden sind, zwei Tage später aber wieder gut geschrieben werden. Ich bekam damals nur Fehlermeldungen aber kein Geld. Die Umrechnungsgebühren werden mir aber frech belastet. Kein Geld bekommen kostet mich 9.30 Franken. Super, einmal mehr zocken mich die Chinesen ab....

 

An Gründonnerstag kamen dann auch die Briefe welche ich in Matadi versendet habe in der Schweiz an… Sie haben also länger als ich gebraucht, habe sie am 12. März im Kongo aufgegeben, am 9. April wurden sie zugestellt. Ganze 4 Wochen… da ist der englische Begriff von Snailmail (Schneckenpost) sehr treffend. Aus Reaktionen weiss ich dass die Briefe zuerst sehr viel Verwunderung ausgelöst haben und auch etwas unheimlich waren. Die Überraschung danach dafür umso grösser.

 

Wie es weiter geht? Nun bis Ende Juni bin ich sicher in der Schweiz. Nach der anfänglichen Freude wieder zu hause zu sein kommt nun langsam die Sehnsucht nach dem Meer zurück… Bin mir am überlegen ob ich es noch auf einem Kreuzfahrtschiff versuchen soll…

Die Reise in die Südsee ist auch noch immer geplant. Ob es als Rucksacktourist von Indien bis Tuvalu geht ist nicht sicher, nach dem Kongo habe ich etwas genug von Abenteuerreisen. Könnte mir aber vorstellen Neuseeland und die Südsee zu bereisen. Mein kleines Notebook welches mir treue Dienste geleistet hat ist nun in der Reparatur, die Maustasten wollten nicht mehr.

 

Tja und dann erhielt ich am 7. Mai nun endlich meine Töffnummer wieder. Sofort drehte ich eine erste Runde, es war genial endlich wieder auf zwei Rädern mit Motor unterwegs zu sein!!!

 

Beruflich suche ich mir nun einen Zwischenjob bevor ich Ende Jahr dann wieder losziehe. Im Moment ist die Situation halt etwas schwieriger, bin aber dennoch zuversichtlich dass sich eine Lösung ergeben wird.

 

Liebe Leser dies ist vorerst der letzte Eintrag in meinem Tagebuch. Sobald ich wieder unterwegs bin, ob mit oder ohne Schiff werde ich wieder schreiben. Gerne informiere ich Sie per Mail wenn es wieder etwas zu Lesen gibt. Wer dies wünscht soll mir via Mailformular eine Nachricht schreiben, bitte eigene Mailadresse nicht vergessen.

 

Ich bedanke mich für die erhaltenen Feedbacks und wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.

 

Christoph Rölli

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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