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Wie alles begann:
Im Dezember 2007 habe ich mich entschlossen
gross auf Reisen zu gehen. Zuerst plante ich mit dem Rucksack durch Südostasien
zu trampen. Indien als spannender Subkontinent liegt auf dem Weg und wurde
somit auch noch in die Planung miteinbezogen.
Irgendwann kam die Idee mit dem Schiff nach
Indien zu reisen. Als zahlender Passagiert würde das ca 2500.- bis 3000.-
Franken kosten was mir zu teuer war. (zum Vergleich: das Flugticket um die Welt
kostet 4500.-Fr.) So suchte ich zuerst nach einem Schiff wo ich gegen Arbeit
mitfahren konnte. Mehrere Stellen bestätigen mir dass dies nicht möglich sei.
Die Vorstellung mit dem Schiff zu verreisen
wollte ich nicht verwerfen und so habe ich mich entschlossen als Hilfskraft auf
ein Schiff arbeiten zu gehen. Ich klapperte verschiedene Reedereien ab. Bei
Enzian Shipping wurde ich dann fündig und an einen Agenten weiter verwiesen. Am
30.April hatte ich ein längeres Gespräch mit Kapitän Sip von der Elvetina AG.
In diesem Gespräch zeigte er mir auf was die Herausforderung und Ansprüche für
die Seefahrt sind, aber auch was für Türen einem danach offen stehen. Ich beschloss
auf das Abenteuer einzugehen und mich für ein halbes Jahr als Apprentice
(Stift) zu verpflichten.
19. Mai. 2008
Überraschen habe ich ein Mail vom Agenten bekommen der meinen Einsatz
organisiert. Die Reederei will keine weiblichen Crewmitglieder mehr und so
komme ich schon früher zum Zug. Safmarin Angela heisst das Schifft Am 30. August
schon soll es in Antwerpen los gehen. Sofort habe ich im Internet nach Bildern
und Informationen gesucht. Ist ein topmodernes Schiff welches erst ein halbes
Jahr im Dienst ist.
22. Mai 2005
Als Seemann muss man flexibel sein, und das auch wenn man erst in den
Vorbereitungen steckt. Von der modernen Safmarine Angela wurde ich mangels,
freiem Bett, auf die Céline verschoben. Im Internet sind einige
Bilder vorhanden, denen nach werde ich auf der Céline mehr Zeit mit Rost
klopfen und Malerarbeiten verbringen.
27.Mai 2008
Heute konnte ich einen Termin mit der US-Botschaft vereinbaren. Das Visum
brauche ich um auch in amerikanische Häfen an Land gehen zu können. Und da die
Amis ja etwas paranoid sind und es für das Visum sehr viel Zeit braucht, wird
dieses im Voraus besorgt.
15. Juni 2008
Langsam aber sicher nimmt die Sache Formen an. Bis am 22. August arbeite ich
bei der Ärztekasse. Ab dem 25 August bin ich in Deutschland auf dem Schulschiff
der GGT-Emsstrom.
In einem 10 tägigen Kurs lerne ich die Tücken der Seefahrt kennen und wie in
Notfällen handeln, dazu gehört auch die Feuerbekämpfung oder die Handhabung von
Rettungsgeräten.
Ende September geht es dann richtig auf
See. Wo genau kann ich noch nicht sagen da die Celine „on Tramp“ d.h. nicht
nach Fahrplan sonder nach Auftrag fährt. Im Internet habe ich diese Seite gefunden wo man die Fahrt des
Schiffes mitverfolgen kann (leider nur nach erfolgter Registrierung) Das Schiff
ist unterdessen von Le Havre um die Iberische Halbinsel gefahren und liegt im
Moment vor Algerien.
21. Juni 2008
Für die Reise habe ich mir ein Asus Eeepc zugelegt. Das ist ein Mininotebook,
kaum grösser als ein A5 Block aber mit allem was es braucht ausgestattet. Das
Teil sieht richtig schnüselig aus. Die Tastatur ist jedoch schon etwas gar
klein, ich muss noch einiges üben um flüssig mein Logbuch tippen zu können.
Vom Militär habe ich auch die Bestätigung bekommen dass ich den ganzen Grümpel
abgeben kann.
Von der Celine habe ich leider keine Angaben mehr wo sie sich befinden, habe
aber auch noch keine Meldung bekommen dass sie gesunken sei.
Langsam aber sicher kommt das Ende bei der Ärztekasse immer näher. Von den
ersten Kunden habe ich mich schon verabschiedet und einige Aufträge werden noch
durchgeführt solange ich noch bei der Ärztekasse arbeite. In der WG bin ich
auch die Sachen wie Konten, Telefonanschluss Billag usw. am ab- und übergeben.
Heute hatte ich das erste Mal das Gefühl dass ich noch sehr viel erledigen muss
bevor ich abreisen kann. Die Vorfreude wird dafür umso grösser.
19. Juli 2008
Einiges hat sich wieder getan. So war ich beim Hausarzt für die Seetauglichkeitsuntersuchung,
hier kam nichts raus dass ein Hinderungsgrund währe an Bord zu gehen. Von
Kollegen wurde ich immer wieder aufgezogen dass an Bord ein raues Klima
herrschen würde und was alles mit mir angestellt werden würde usw. So ging ich wieder
mal zu Kapitän Sip der mich ausführlich über alles informierte.
Anstellung: Angestellt werde ich von der „MV Celine AG“ Dies ist die
Firma welcher das Schiff gehört. Meine Anstellung wird beginnen wenn ich in
Kloten ins Flugzeug steige um in den Hafen zu fahren und auch wieder in Kloten
enden wenn ich aus dem Flieger steige. Dies darum weil die Firma aus
rechtlichen Gründen keine Angestellten in der Schweiz haben will. Interessant
auch, Seeleute welche als das deklariert reisen geniessen bevorzugte Behandlung
beim erhalten von Flugsitzen und haben 40kg FreigepäckAb dem Zeitpunkt wo ich
abreise ist die Reederei für mich verantwortlich. Fluganschluss nicht geklappt?
Kein Problem, Meldung an die Reederei und für mich wird etwas anderes
organisiert. Natürlich wenn das Verschulden auf meiner Seite liegt wird sie
nicht wirklich „amused“ sein.
Alltagsfragen: Das Schiff hat eine Wäscherei an Bord, somit wird wohl
jeder 11 Tag für mich Waschtag sein. Bei der Kleidung werden die Arbeitskleider
von der Reederei gestellt und für den Alltag tun’s alte Kleider die man nachher
wegwerfen kann. (Kapitän Sip: „Die Céline ist jetzt 10 Jahre alt, da wird sich
in einer Ecke einiges an alten Kleidern angesammelt haben, da wird sich schon
was für Sie finden lassen) Einzig für den Landgang brauchts eine Garnitur
„anständige“ Kleider. Also für alle welche mich schon in Matrosenuniform vor
dem geistigen Auge gesehen haben… nöö nix mit Romantik, der Inhalt vom
Texaidsack wird wieder ausgepackt.
Die Stromversorgung an Bord ist 220V deutsches Schuko System. Dank eines
Adapters den ich mir schon besorgt habe sollte das kein Problem sein. Mit was
für einem Stromsystem ein Schiff ausgerüstet wird bestimmt entweder der
Auftraggeber oder die Werft installiert das was ihr sinnvoll erscheint.
Besatzung:
Mit mir werden 11 Leute an Bord sein
1 Kapitän „Gott“ an Bord,
Verantwortlich für das Schiff
1 1. Offizier
Verantwortlich für Deck, Ladung, Sicherheit an Bord.
1 2. Offizier Nautischer
Offizier, verantwortlich für Fahrt
1 leitender Ingenieur
Maschine
1 Ingenieur
1 Elektriker
3 Matrosen
1 Motormann
1 Koch
1 Stift --> Ich
Die Céline ist unterdessen via Agäis,
Bosporus ins Schwarze Meer bis Odessa und wieder zurück. Am 16.7 war sie im
Hafen von Gibraltar. Jetzt kann ihre Position nicht bestimmt werden, ich nehme
an sie fährt um die Iberische Halbinsel wieder Richtung Nordeuropa.
Am Donnerstag 17.7.konnte ich mein Militärgrümpel abgeben Kurz und schmerzlos
alles im Zeughaus Hinwil auf einen Tisch gelegt, Waffe und Dienstbüchlein
abgegeben, thats it, Nun warte ich noch auf die Rücksendung des Dienstbüchleins
und dann ist meine militärische Ära definitiv abgeschlossen.
Als nächstes Ereignis steht der Besuch des amerikanischen Konsulates an am
29.7.
30. Juli 2008
Gestern war ich nun also auf der US Botschaft in Bern. Als ich da hinkam und
nun schaute wo genau die Adresse war wurde ich sofort von Sicherheitspersonal
gefragt was ich da suche und mir gezeigt wo ich hingehen muss. Vorgängig musste
ich ja einen Termin vereinbaren über eine 0900er Nummer welche 2.00Fr pro
Minute kostet. Nun gut. Wenn man dafür nicht warten muss…. Na denkste ich war
um 8.20 vor der Botschaft und mit mir hatten ca. 25 andere Leute einen Termin
um 8.30Uhr. Um 8.40Uhr ging es dann los. Im Minutentakt wurde man einzeln
hereingelassen, Natels, Taschen Rucksäcke Mappen usw war alles nicht erlaubt
was vor allem die Damen in Bedrängnis brachten welche Sich nicht richtig
informiert haben. Vor der Botschaft konnte man die Taschen nicht lassen der
Sicherheitsdienst warf sie weg. So wurden die Taschen in den Gärten der
Umgebung deponiert. Für mich hatte es den Vorteil dass die Schlange schneller
kürzer wurde.
Um 9.20 wurde ich dann reingelassen. Nun zuerst ging es durch die
Sicherheitskontrolle. Am Flughafen ist sie weniger streng. Ich hatte die Hände
in der Hosentasche und musste nochmals durchlaufen mit den Händen draussen. Und
da der Typ bei der Kontrolle alles aus der Tasche haben wollte musste er halt
auch die Bonbonpapierchen oder verschnuderte Taschentücher anschauen. Muss ja
spannend sein meine Nasenpoppel zu begutachten.
Danach musste ich zu einer Lady welche überprüfte ob alle Unterlagen da sind,
ein Rücksendecouvert vorhanden und die Bezahlung erfolgt ist. Dieser musste ich
dann auch erklären warum ich kein Einreisedatum nennen kann und noch mehr
erstaunte sie als sie ein Bild der Celine sah. Dann gings aus dem Vorgebäude
raus und unten im Keller wieder rein. Dort hatte es wie in einer Bank Schalter
hinter dickem Panzerglas. Da musste ich meine Unterlagen abgeben und die
Fingerabdrücke würden eingescannt. Dann hiess es wieder warten.
Eine Tafel an der Wand zeigte mir wieder
wie paranoid die Amis sein müssen. Darauf wurden zwei verschiedne Sirenentöne
beschrieben. Bei einen musste man so schnell wie möglich das Gebäude verlassen,
beim andern sich ducken und von den Fenstern weggehen. Wenn man dann dazu im
Vergleich z.b. die Littauische Botschaft in der Altstadt sieht die ganz
ungeschützt ist frag ich mich schon wie weit die Amis gesunken sind dass man
solche Ängste haben muss.
Gut eine halbe Stunde später wurde ich dann wieder aufgerufen und ein Herr
schaute sich das Bild der Celine an und meinte ich solle nur einfach immer weit
weg von den Amerikanischen Flugzeugträgern sein, diese könnten nicht einfach
bremsen. Der Typ war 20Jahre lang auf See unterwegs als Offizier auf der JFK
Dann wurden nochmals die Abdrücke der beiden Mittelfinger eingescannt, danach
bestätigte er mir noch dass das Visum ok sei und ich es in den nächsten Tagen
per Post erhalten sollte. Nach knapp zwei Stunden war ich dann wieder draussen
und konnte den Tag in Bern noch geniessen.
Von der Celine habe ich dieses Bild gezeigt, da sieht sie doch etwas
edler aus. :-)
31. Juli 2008
Die Celine ist wieder aufgetaucht! Nachdem ich sie 14 Tage lang nicht mehr
orten konnte ist sie nun im Mississippi Richtung New Orleans unterwegs. Somit
steigen die Chancen dass ich das Visum doch gebrauchen werde und sich der
Besuch bei den Amis doch gelohnt hat.
22. August 2008
Jetzt ist es aus und vorbei. Ich habe heute meine Tätigkeit bei der Ärztekasse
beendet. Meine nun ehemaligen Arbeitskolleginnen und Kollegen haben mir einen
sehr schönen Abschied bereitet und mich mit äusserst grosszügig beschenkt.
Folgende Verse wurden für mich gereimt:
Verlassen steht der PC Kasten
Verstummt sind alle Zaubertasten
Bits und Bytes durch den Speicher rollen
ROM und RAM verärgert grollen
der Bildschirm seufzt: „Ich seh ihn dort -
den Rölli - dort - jetzt ist er fort“
Der Trimmer schwitzt schon unter Deck
Auch Christoph schwitzt und fegt den Dreck
Der Smutje kocht in der Kombüse
Rölli schnetzelt das Gemüse
So erzählen Wellen leise
Und wir hier wünschen gute Reise.
Nochmals an alle vielen lieben Dank es war
grossartig und sehr schön!
Überhaupt waren die letzten Tage sehr schön. Ich verabschiedete mich von der
Kundschaft und durfte sehr viel Lob über meine geleistete Arbeit entgegen
nehmen. Einerseits sehr schön und aufbauend, andererseits macht es den Abschied
nicht leichter.
Am 24.8 reise ich an die ostfriesische
Küste nach Leer, dort ist das Schulschiff. Dann gibt es zwei Wochen
Sicherheitsausbildung. Ich freue mich darauf, es wird sicher sehr spannend.
Die Celine ist unterdessen von New Orleans nach Huston gefahren, dann durch den
Panamakanal und liegt jetzt vor Costa Rica mit Richtung San Francisco oder
Vancouver. Crewwechsel wird wohl in Europa sein, aber sie hat ja noch ein paar
Wochen Zeit bis ich an Bord gehe. Hoffentlich bleibt die Route auch so spannend
und führt mich in viele Ecken dieser Erde. Von meiner Seite her fehlt nur noch
das Sicherheitszertifikat und danach kann es los gehen.
24. August 2008
Heute bin ich nach Leer gefahren, die Bahnreise war sehr angenehm und verlief
ohne Zwischenfälle. Witzigerweise fragt der Schaffner jedes mal nach einer
Haltestelle „ist hier wer zugestiegen?“ und das bei jedem zweiten Abteil. Bei
der SBB heist es „Billete ab sowieso“ und dann geht’s automatisch. Nach einem
unfreiwilligen Stadtrundgang bin ich bei der Emsstrom angekommen. Leer ist ein
typisches ostfriesisches Städtchen mit einer schön renovierten Altstadt. Die
Häuser sind typische Klinkerbauten und die Strassen alle mit Kopfsteinpflaster,
viele enge verwinkelte Gässchen und Hinterhöfe, alles sehr romantisch. Auf dem
Schiff verpasste ich dann das Abendessen um wenige Minuten. (nein den
chinesischen Koch habe ich nicht getroffen) So ging ich halt nochmals in die
Stadt und verpflegte mich typisch deutsch mit einem Döner. Inkl Getränk kostete
mich das nur 4.-€ was doch recht günstig ist. Bin übrigens nicht der einzige
Schweizer auf dem Schiff. Ein junger Basler hat sich auch noch für den Kurs
angemeldet. von den anderen Verkehrsteilnehmern habe ich noch nichts gesehen.
Einquartiert bin ich in der Kabine des 1. Elektrikers. der Raum ist ca 3x4m gross
und hat einen schiefen Boden. Der Platz ist sehr gut ausgenutzt, es reicht für
ein Bett, Lavabo, Ecksofa, Pult, Schrank und Bett. Ein öliger Geruch liegt
immer in der Luft, aber man gewöhnt sich schnell an den. Müde schlafe ich
schnell ein.
30. August 2008
Eine Woche Sicherheitskurs habe ich nun hinter mir. Es war sehr spannend. Unser
Kursleiter ist ein waschechter Ostfriese, ein richtiger erfahrener Seebär mit
einem trockenen Humor, harte Schale aber doch weichem Kern. Er führt uns in die
Geheimnisse der Sicherheit auf See ein und macht uns mit den Gefahren auf einem
Schiff vertraut. Eindrücklich ist zum Beispiel das in den geschlossenen Räumen
wie Ladelucken und Ballasttanks immer mit Sauerstoffmangel gerechnet werden
muss. So kann eine Ladung Alteisen gefährlich werden weil durch das Rosten der
Sauerstoff aufgebraucht wird. Weiter lernen wir wie das ganze
Unfallversicherungswesen geregelt ist mit Berufsgenossenschaften usw. Was in
der Schweiz schon kompliziert ist, ist in Deutschland Bürokratie pur.
Weiter mussten wir einen Plan des Schiffes
erstellen wo alle Feuerlöscheinrichtungen eingezeichnet sind. So durchkämmten
wir jeden Winkel des Kahns und er wurde immer grösser und grösser. Am Anfang
haben wir uns richtig drin verlaufen, doch beim zweiten Mal durchschreiten
gings schon viel besser. So ein Schiff ist ausgerüstet mit Werkstätten,
Vorratsräumen und vielem mehr. Für Kinder ein wundervoller Spielplatz wo es
vieles zu entdecken gibt und auch in mir kam das Kind im Manne zum vorschein,
ich fühlte mich so richtig auf Entdeckungsreise. Meistens hatten wir um 15 Uhr
schon Feierabend. Die restliche Zeit verbrachten wir mit Kaffee trinken in der
Stadt oder auch mit lernen. Haben wir doch nächsten Freitag eine
Abschlussprüfung an der man auch durchfallen könne man sich dazu aber sehr
anstrengen müsse. Nun ich bin nicht sicher ob ich auf einen schweizer Bonus
zählen kann und bin somit fleissig am lernen.
Am Freitag hatten wir eine praktische Übung im Atemschutz. Bei der Feuerwehr in
Leer mussten wir mit dem Atemschutzgerät durch eine Versuchsstrecke kriechen,
das ganze bei Dunkelheit und Wärme. Es war so schon recht anstrengend und es
verschaffte mir grossen Respekt vor den Leuten welche damit in den Einsatz
gehen. Überhaupt ist Feuer eine der grössten Gefahren an Bord, einmal etwas
grösser bleibt fast nur noch die Flucht mit den Rettungsbooten, daher wird viel
in die Prävention investiert. Ob ich vielleicht doch besser Alphirt werden
sollte?!?
Dieses Wochenende ist Gallimarkt in Leer,
ein mittelalterlicher Jahrmarkt mit Handwerkern, Essensständen und viel
Klamauk.
Nachtrag: Der Markt am Wochenende war nicht der Gallimarkt selbst sondern erst
ein Vormarkt. Es war aber trotzdem sehr spannend und man fühlte sich ins
Mittelalter zurückgesetzt. Gaukler sorgten für die Unterhaltung und auch die
Pest hielt Einzug.
6. September 2008
Diese Woche wurde es richtig lustig, Nach einem Tag Theorie wo wir Begriffe
lernten wie Bootstaljen, Feststander, Bootsläufer oder auch Leckschraube, Ducht
und Heissplatte, übten wir am Dienstag das Aussetzen des Rettungsbootes. Mit
einer Winde wird das Boot mal so herunter gelassen dass die Passagiere gut
einsteigen können. Dies geschieht mit einer Fliehkraftwinde welche einen
rechten Lärm macht so dass man erschrickt und gleich mal den Hebel wieder
zurückfallen lässt was ein kräftiges Schaukeln des Bootes bewirkt. Dann werden
die Bootstaljen befestigt, eine Art Flaschenzüge um das Boot langsam vom Schiff
zu lassen. Dann noch die Leckschraube reindrehen und ab geht’s ins Wasser.
Unten angekommen kraxeln wir die Bootstreppe, eine Strickleiter mit festen
Sprossen hoch, hieven das Boot wieder in die Ausgangsposition und es geht von
neuem los. Und da jeder mal das Kommando übernimmt spielen wir das 10 mal
durch.
Am Mittwoch machten wir eine Hafenrundfahrt durch den Leeraner Hafen und übten
dabei das Anlegen mit dem Boot und Mann über Bord. Dabei wude ein Rettungsring
über Bord geworfen und der wurde wieder eingesammelt. Nun besteht die Kunst
darin dass man nicht sofort das Ruder herumreisst, sondern noch ein paar Meter
weiter fährt weil man sonst nicht direkt auf den Ring zufuhr sondern mehr drum
herum. Nachdem alle alles mal gemacht haben gings ins Freifallboot. Dieses
steht auf einer Rollbahn und kann vom Bootsinneren mittels einem Hydrauliksystem
ausgelöst werden. Die Sitze sind in der Position mehr wie Liegen und man hat
das Gefühl als sei man auf einer Achterbahn. Einsteigen, anschnallen und
pumpen. dann rummpelt es zuerst, einen kurzen Moment fallen, der aber reicht um
einigen Leuten das Herz in die Hosen rutschen zu lassen, und schon kommt der
Aufprall aufs Wasser. Leider konnten wir nur einmal damit runterfallen. Unser
Ausbilder Herr Haak ermahnte uns auch immer fleissig auf die Abschlussprüfung
zu lernen und fragte uns auch immer wieder ab und deckte so schnell unsere
Defizite auf... Also verbrachten ich wieder einige Stunden mit lernen....
Donnerstags konnten wir mit dem Bereitschaftsboot, einem kleinen Boot mit
Aussenbordmotor üben. Dank viel Wind und Wellen wurde es ganz lustig damit auf
dem Wasser herum zu kurven. Nach dem Mittagessen mussten wir uns in
Überlebensanzüge zwängen. dies sind aus dickem Neopren, halten einem trocken
und schützen bis zu 6 Stunden lang vor Unterkühlung.
Aussehen tut man darin wie Teletubbys. Beim Springen machte ich den Fehler und
sah hinunter so stand ich auf der Treppe und musste dann nochmals einen Anlauf
nehmen. Einmal im Wasser mussten wir ca 70m zur Rettungsinsel schwimmen. Dies
war mit Rettungsweste und dem Anzug noch recht anstrengend und ich kam ins
schwitzen. Tja das fleissige Nichtbeachten des Fitnesscenters rächte sich nun
und ich war froh konnte ich mich danach ausruhen.
Freitag=Prüfungstag! Zuerst wieder Rettungsboot fieren (herunterlassen), dann
Fahrt zu einem Schrottplatz. Dort konnten wir die Wirkung verschiedener
Feuerlöscher ausprobieren und es war sehr eindrücklich zu sehe wie kraftvoll so
ein Feuer ein kann. Danach gings zurück auf die Emsstrom zum schrftlichen Test.
Um es kurz zu machen: Wir haben alle bestanden, bei mir hat sich das fleissige
lernen gelohnt, machte ich doch 97.5 von 102 möglichen Punkten. So gingen wir
danach zusammen essen und feierten unseren Erfolg. Dann noch etwas shoppen
packen und einen letzten Spaziergang durch die Stadt. Für die Rückfahrt konnte
ich mir ein Spezialticket der DB ergattern und fuhr für 49.-€ von Leer nach
Zürich und das First Class! So geniesse ich die komfortablen Sessel, viel Platz
und eine angenehme Ruhe.
Die zwei Wochen in Leer waren für mich sehr
schön. unser Kursleiter Herr Haak vermittelte uns den Unterrichtsstoff gekonnt
und mit vielen spannenden Anekdoten, die phillipinische Küchenmannschaft
verwöhnte uns mit feinem Essen und war immer für einen Schwatz oder einen
Scherz zu haben und so bin ich doch nun bestens gerüstet für den Start in ca
drei bis vier Wochen.
15. September 2008
Sortieren, einordnen, ausmisten, einpacken, wegwerfen sind momentan meine
Tätigkeiten, kurz ich bin am packen und immer wieder erstaunt was sich alles
angehäuft hat und was alles Platz in meinem Zimmer hat. Wann genau ich abreise
weis ich immer noch nicht, Käpten Sip hat für mich in Erfahrung gebracht dass
es sicher nicht vor dem 30. September sein wird. Ich bin froh nun einen
Fixpunkt zu haben bis wann ich sicher Zeit habe und die Vorfreude noch geniessen kann. Die Celine entwickelt sich zum
Überraschungsschiff, nix mit zurück nach Europa, sie ist im Moment auf dem
Pazifik und steuert Singapur an. So scheint es dass ich Richtung Asien reisen
werde
23. September 2008
Letztes Wochenende habe ich mich von meinen Freunden und meiner Familie
verabschiedet. Viel zu schreiben gibt es da nicht, vielen Dank an alle für die
guten Wünsche, ich freute mich sehr, so viele von euch nochmals zu sehen!!!
Offiziell weiss ich noch nicht mehr wann ich genau abreisen werde. Auf der
Website der Firma, (www.u-shipms.com) welche das Schiff gechartert hat, ist
aber zu entnehmen, dass die Céline in der zweiten Hälfte Oktober08 in Fremantle
Westaustralien erwartet wird. Nach meiner Logik werde ich wohl nun nach
Singapur fliegen und dort einschiffen, nun bin ich aber noch nicht wirklich
sattelfest in der Seefahrtslogik und lasse mich mal überraschen. Morgen bekomme
ich die letzte Abreibung von Käpten Sip und
hoffe mal dann endgültige Informationen zu erhalten. Als Wartender ist
diese Ungewissheit etwas nervig, dafür werde ich mit einer abwechslungsreichen
Fahrt auf der Cèline belohnt. Die Zeit dazu kann ich noch genügend nutzen mit
einpacken, das Aussortieren braucht viel mehr Zeit als ich dachte, und für alle
welche ans Fernwärmenetz der Kehrichtverbrennungsanlage angeschlossen sind… in
den nächsten Wochen wird die Wärme sicher nicht ausgehen.
29. September 2008
Die Schifffahrt erstaunt
mich immer wieder von neuem, heute eine Lektion aus dem Kapitel Flexibilität!
Nachdem ich mich schön auf
dem 1. Oktober als Abreisedatum eingestellt habe ist heute das E-Mail gekommen
dass es schon morgen Dienstag los geht. Um 9.35 Uhr geht der Flieger über
München nach Singapur.
Am Anfang kam ich schon ins
Schleudern und musste 2 3 mal tief durchatmen, dann aber halt den Turbo
eingeschaltet und Guzzi gegeben, nun es hat alles geklappt, vielen lieben Dank
an alle welche ich für meine "Probleme" einspannen durfte.
Dann fahr ich noch mit dem
Töff zu meinen Eltern und mach ihn winterfest. Danach wieder zurück Richtung
Zürich wo ich bei einer Kollegin übernachte. Im Zug telefoniere ich noch meinen
Freunden und verabschiede mich von Ihnen. Beim Umsteigen in Winterthur kommt
eine andere Kollegin extra noch auf das Perron zum Adjeu sagen.
Am Abend mag ich nicht mal
die Desperate Housewifes anschauen. Schreibe noch die letzten Briefe und
erledige die letzten Sachen.
Einerseits freue ich mich
dass es nun (endlich) los geht, auf der anderen Seite hat mich angesichts der
nahenden Abreise etwas der Mut verlassen und ich war nicht mehr so motiviert.
Nun gut ein Zurück gibt es nicht mehr und angesichts dieser Tatsache kommt auch
die Freude wieder, frei nach dem Motto Augen zu und durch!
Somit verabschiede ich mich
mal aus der Schweiz und ein Sorry an alle welche ich nicht mehr persönlich
verabschieden konnte. Alles Gute und bis bald von der Céline!
30. September 2008
Nun ist es also definitiv
so weit. Auf zum Flughafen, die letzten Briefe einwerfen, ein letzter
Orangensaft trinken und dann zieht es mich durch die Passkontrolle ab ins Gate.
Abschied nehmen gehört nicht zu meinen Stärken und so wollte ich dann nur noch
weg. Der Flug nach München verlief problemlos. Ich freute mich nochmals den
Bodensee zu sehen, der restliche Thurgau lag leider unter einer Wolkendecke. In
München musste ich dann gut zwei Stunden auf den Anschlussflug warten.
Flughäfen sehen auf der ganzen Welt gleich aus. Duty-free Shops, überteuerte
Restaurants, irgendwelche Souvenirhops mit Sachen Made in China, dazwischen
immer wieder ein Aufruf welche Mrs. oder Mister nun gleich welchen Flug
verpasst.... Nun ich war froh als es dann endlich weiter ging.
Der Airbus nach Singapur
war sehr gut gefüllt. Glücklicherweise sass ich neben zwei grossen Schweden
welche dann einen anderen Platz bekamen wo sie die Beine besser strecken
konnten. so hatte ich dann zwei Sitze für mich und konnte mich etwas breiter
einrichten was ganz nett war. Ansonsten halt auch ein Flug wie
Langstreckenflüge halt so sind....
1. Oktober 2008
Pünktlich um 7.20 Uhr
landeten wir in Singapur. Die Seeleute wurden gleich nach dem Gate
eingesammelt, doch mein Name stand nicht auf dem Plakat und ich wurde zum Zoll
geschickt. Nachdem ich durch die Immigration war und aufs Gepäck wartete wurde
ich angesprochen ob ich ein Seemann sei und so kam ich dann doch noch ans
richtige Plätzchen. Da ich aber schon eingereist war musste nun im Pass noch
ein Stempel geändert werden. Statt abgerundete hat er nun spitze Ecken.... Nun
traf ich auf die anderen drei Seeleute welche mit mir neu aufs Schiff kommen,
Der Koch, der Elektriker und der zweite Chefmatrose. Unterdessen war es halb 9
Uhr. Uns wurde ausgerichtet dass die Celine erst am Abend erwartet werde und
wir hätten die Zeit bis 18Uhr zur freien Verfügung. Nun ist es ja schon schön
wenn man nicht nur die Infrastruktur eines Landes sieht, nach einem
überstandenen Langstreckenflug steht das jedoch nicht an erster Stelle der
Wunschliste...
nun der Koch und ich
machten uns dennoch auf in die Stadt. Wir nahmen den Bus. Das Bussystem ist auf
regelmässige Kunden ausgerichtet, am Eingang hat es Detektoren wie am Skilift
und die Leute halten ihre Taschen, Geldbörsen usw. hin und beim Aussteigen auch
wieder, der Betrag wird von einer Wertkarte abgezogen. Bei Barzahlung muss der
genaue Betrag gegeben werden, Wechselgeld gibt es nicht.
Nun fuhren gut 20 Minuten
und nachdem wir x mal uns auf next busstop geeinigt haben stiegen wir dann an
einer uns genehmen Haltestelle aus.
Die Stadt war noch ganz auf
das Formel 1 Rennen von vergangenem Wochenende eingerichtet. Überall standen
Absperrgitter und Elemente rum. Wir gingen in ein Kaufhaus und tranken erst mal
etwas, Viele Läden öffnen erst um 11 Uhr und es war noch sehr ruhig. Wir liefen
dann zu Fuss ein paar Strassen entlang und so fanden wir eine kleine Strasse
mit vielen hübschen alten aber teilweise schön renovierten Häuschen. Allzu
günstig schien die Gegend allerdings nicht zu sein, so war ein Haus zum verkauf
angeschrieben für 6Mio Singapurdollars mit 45000 Quadratfuss Fläche. Alleine
mit dieser Angabe konnte ich noch nicht viel anfangen, da aber einige Porsches,
Lexuse und andere teure Autos rum standen scheint es doch nicht das
Armenviertel von Singapur gewesen zu sein.
Zudem erstand ich noch ein
original Red Bull in einer gelben Dose. Noch süsser und noch aufputschender,..
Nun machte sich der Jetlag
schon recht bemerkbar und wir fuhren um 13 Uhr wieder an den Flughafen zurück.
Erst zu Mac Doof etwas essen, danach setzte ich mich auf einen eher unbequemen
Flughafensessel und versuchte etwas zu schlafen, was aber eher unmöglich
war.... so wurde halt wieder etwas Zeitung gelesen, das Klo besucht, nochmals ein
Nickerchen versucht und sich gefragt warum man schon am Dienstag morgen
geflogen sei, die 23 Uhr Maschine vom Dienstag Abend hätte doch noch
lääääääängstens gereicht...
Um 19 Uhr wurden wir dann
abgeholt und gut 45 Minuten, und zwei Sicherheits-Kontrollen später waren wir
am Hafen. gleichzeitig lief die Celine ein. Da war nun das Schiff auf dem ich
nun die nächsten sechs Monate verbringen werde. Es gab ein grosses Hallo und
ich lernte Martin meinen Vorgänger kennen. er zeigte mir seine Kabine und erzählte
von seinen Erfahrungen. Er genoss es sichtlich sich wieder mal in
schweizerdeutsch unterhalten zu können. Da die Abgänger auch noch auf dem
Schiff waren musste ich mit dem Koch die Offiziersmesse teilen. Da ich richtig
„uf de Schnurre“ war schlief ich bald ein.
2. Oktober 2008
Um 6Uhr musste ich
aufstehen, ich war zum Wache schieben eingeteilt, Nachdem ich mit einem neuen
Kombi und Sicherheitsschuhen eingekleidet war stand ich nun an der Gangway. Ein
teil der Hilfsarbeiter schlief auf dem Schiff in den Kleidern, auf einem Sack
als Unterlage. Um 8 Uhr wurden sie geweckt und sie mussten wieder zur Arbeit.
Unterdessen wurde das Schiff ausgeladen, Food wurde geliefert, Ersatzteile für
die Maschine gebracht, ein Kranmechaniker kam an Bord usw.. Es war recht spannend
dem zuzusehen und das mit zu erleben. Die Hafenarbeiter wurden hingebracht und
immer mit Essen versorgt. Am Nachmittag hatte ich frei, da meine Kabine ja noch
besetzt war legte ich mich in einen Stapel Karton und versuchte zu dösen. Dies
löste offenbar bei der Besatzung ein Unmut aus und der 2. AB welcher sich in
der Besenkammer eingerichtet hatte machte mir eine Liege zurecht. Bevor ich um
8 Uhr wieder antreten musste konnte ich noch meine Kabine beziehen und genoss
die lang ersehnte Dusche. Am Abend reisen Martin und drei weitere Leute ab und
ich schob nochmals Wache bis Mitternacht.
3. Oktober 2008
erneut beginnt mein Tag mit
Wache schieben. Das Schiff ist unterdessen ausgeladen und wir haben noch ein
paar Holzstapel zum mitnehmen nach Jakarta. Ich muss die Gurte um die
Holzstapel legen und dann aufs Schiff gehen, und die Stapel wieder
entgegennehmen und helfen platzieren. dies ist nicht so einfach da der Stapel
hin und her bambelt und doch auch noch ein rechtes Gewicht hat. Danach werden
de Ladeluken geschlossen, ich muss mit einem Schlaghammer die
Arretierungsstifte rein schlagen. Die tropische Hitze lässt den Schweiss nur so
herunter rinnen.
Um 13.30 Uhr legen wir dann endlich ab, ein
Schlepper zieht und von der Hafenmauer weg und ein Lotse führt uns durch den
Hafen.
Ich schaue der
vorbeiziehenden Landschaft zu und freue mich, das erste Mal mit dem
Frachtschiff unterwegs, den Fahrtwind spürend... ein Glücksgefühl durchströmt
mich... immer noch lässt mich der Jetlag nicht in Ruhe und ich lege mich
nochmals etwa hin. Als ich um 18 Uhr aufwache sind die Maschinen gestoppt und
ein Schiff in der Grösse eines Rheinfrachters hat neben uns angelegt. Wir
bunkern Schweröl als Antriebsmittel. Nach dem Abendessen braucht der AB
nochmals meinen Dienst, wir gehen ganz nach Vorne im Schiff, Dort müssen wir
noch angelieferte Sachen verstauen Unter anderem die Farbe welche ich
verstreichen muss. gut 30 Kübel a über 15 kg..... und trotzdem dass es schon
fast sieben Uhr ist läuft der Schweiss nur so runter. Nun weiss ich was mich
erwartet....
4. Oktober 2008
Pünktlich um halb sieben
klingelt der Wecker vom Natel, Nun habe ich gemütlich eine halbe Stunde Zeit
bis zum Morgenessen und um acht Uhr ist dann Arbeitsbeginn. um viertel nach
sieben klopft es an der Zimmertür, Draussen der Chefmatrose wo ich denn sei es
sei schon 08.15 Uhr. ich verstehe die Welt nicht mehr, mach mich aber
schleunigst bereit zur Arbeit.
Die Lösung: Als letztes hat
sich mein Natel in ein indonesisches Mobilenetz eingebucht und automatisch die
Uhrzeit um eine Stunde zurück gestellt da Indonesien sich in einer anderen
Zeitzone befindet.
Heute müssen wir die
Laderäume putzen. Das heisst Ketten schleppen, Holbalken und Bretter
zusammenräumen, Spannsets einsammeln und den Boden wischen. Für alle die welche
die Celine als kleines Schiffchen sehen, das Teil ist zum putzen verdammt
gross!!! einmal mehr lief der Schweiss nur so runter ich war fix und fertig.
Den ganzen Tag sind wir auf
dem offenen Meer unterwegs, trotz der strengen Arbeit durchströmt mich ein
Glücksgefühl wenn ich so über das Deck gehe und mir der Wind ins Gesicht bläst,
hoffe es hält auch in ein paar Tagen noch an...
... übrigens, der
ungarische Koch hat sein Metier bestens im Griff und verwöhnt uns immer wieder
mit deftigen aber trotzdem feinen Gerichten!
5. Oktober 2008
Heute war Putztag für mich.
Der Chiefmate zeigte mir was alles getan werden muss, Kübel leeren, Toiletten
putzen, Gänge wischen, Kojen richten. In Jakarta sind zwei Gäste des Charterers
angekündigt und nun müssen noch die Kojen gereinigt werden. In der Schweiz
hätte mich das wohl gröber angegurkt, hier auf dem Schiff habe ich mich damit
abgefunden dass ich als Cadet solche Arbeiten machen muss und ich denke nicht
viel darüber nach, im Gegenteil der Ehrgeiz hat mich gepackt und ich putze nach
Schweizer Standard was teilweise einiges Kopfschütteln auslöst „you must not
cleaning like in a hotel“ meint Michail ein Matrose aus Rumänien. Irgendwann
kommt der Käpten und meint ich solle doch auch mal eine Pause machen. Ich
erkläre ihm dass ich lieber meine Arbeit fertig mache und dann pausiere. Mit
einem „up to you“ zottelt er wieder davon. Nachdem ich dann noch das ganze
Treppenhaus aufgewischt habe lasse ich noch die Waschmaschine laufen. Am Abend
als ich noch das Schiffsbüro sauge kommt der Käpten dazu und meint ich solle
nun aber wirklich aufhören mit putzen. Nun ich bin zufrieden dass ich alles
erledigen konnte. Das schönste Kompliment habe ich jedoch vom Koch erhalten, er
wollte im Stehen pinkeln, als er jedoch sah wie das WC so sauber geputzt war
hat er sich nicht getraut und ist brav abgesessen.
Nach dem Abendessen gehe
ich noch aufs Deck und geniesse den Sternenhimmel. Es ist einfach ein
wunderbares Gefühl in einer tropischen Nacht auf dem Deck zu stehen, den Wind zu
spüren, das Tempo zu fühlen, langsam aber stetig unterwegs zu sein. Ich gehe
ganz nach vorne an den Bug wo es keine störenden Lichter hat und geniesse es
einfach. Besonders freu ich mich als ich wieder das Kreuz des Südens erblicke!
Nach über acht Jahren steht es direkt über mir. Was bin ich doch für ein
glücklicher Mensch das erleben zu dürfen!
6. Oktober 2008
Wieder einmal ist putzen
angesagt. Heute sind es die Fenster der Brücke. Von dort oben hat man eine gute
Übersicht und in der Ferne ist dann auch schon Land in Sicht. Der Käpten ist
fleissig mit den Indonesiern am funken und scheucht mich raus sobald ich fertig
bin. Von zwei Schleppern werden wir in den Hafen bugsiert und machen fest. Von
Jakarta ist weit und breit nichts zu sehen, dafür hat es ein Stahlwerk in der
Nähe und in den nächsten Tagen laden wir das ganze Schiff voll mit grossen
Stahlplatten. Ticho und ich öffnen die Laderäume und bevor wir fertig sind,
kommen die Hafenarbeiter an Bord. Mit den Arbeitern kommen auch Händler welche
Parfüm, Bilder, indonesische Kunstgegenstände oder auch nur Telefonkarten
verkaufen wollen. Nach unzähligen Versuchen hat dann auch der letzte begriffen
dass ich nichts kaufen will. Am Nachmittag können sie nichts mit mir anfangen,
es heisst immer „go rest“ aber eigentlich hätte ich lieber was zu tun als die
ganze Zeit in meiner Koje rumzuhängen... einmal mehr tobe ich mich beim putzen
aus, dieses mal beim eigenen Bad. Am Abend werden noch Lebensmittel angeliefert
und ich muss noch Wache schieben zuerst nur für ein paar Minuten, aus den
Minuten wurden dann Stunden... kurz vor Mitternacht werde ich abgelöst und gehe
schnell schlafen.
7. Oktober 2008
Heute habe ich einen freien
Tag und zusammen mit dem Ticho und dem zweiten Offizier gehe ich in die Stadt.
In die Stadt heisst zuerst mal eine halsbrecherische Autofahrt mit einem Fahrer
bis in den nächsten grösseren Ort. Überholt wird wann immer es geht, auch
Gegenverkehr lässt einem nicht davon abhalten, Sicherheitslinien... was ist
das? Geht es rechts nicht vorwärts dann halt links usw. Eine knappe halbe
Stunde später sind wir im Ort und gehen als erstes zur Wechselstube. Dort sitzt
ein Mann, nimmt das Geld entgegen, rechnet aus wie viel man bekommt, schiebt
das Geld durch ein Loch in der Seite. Dort ist ein zweiter Mann welcher das
Geld entgegen nimmt und die Rupien abzählt und durch das Loch nach vorne gibt.
Ich erhalte für 20€ 240000 indonesische Rupien. Dann geht es zum Shopping
Centre
Dort hat es einerseits
Supermärkte wie man es bei uns kennt. Daneben hat es viele kleine Läden wo es
Kleider, Schuhe, Mobiltelefone Sonnenbrillen usw. zu erstehen gibt. Viele Läden
werden von Frauen geführt welche da muslimisch, brav in Kopftücher gehüllt
sind. Wir verbringen gut drei Stunden mit schauen, staunen und shoppen, danach
geht es zurück zum Schiff. Auf dem Heimweg gehen wir noch tanken und kurz nach
der Tankstelle will das Auto nicht mehr und ist kaputt. Wir steigen um in einen
Minibus, der Leute mitnimmt und wieder absetzt. Wir bezahlen 10USD pro Person
für die Fahrt und unser Fahrer bezahlt dem Minibusfahrer noch den Rest für die
Fahrt zurück. Vor dem Hafen muss dann noch der Wachposten geschmiert werden
damit wir ganz bis zum Schiff fahren können... für mich ist es das erste, wohl
aber nicht das letzte Mal, dass ich eine „Amtsperson“ schmiere. Am Schiff
selber will der Fahrer des Minibusses dann auch noch mal Geld von uns doch wir
lassen ihn links liegen und er gibt schnell auf und macht sich aus dem Staub.
Rückblickend bin ich nicht mehr so sicher ob die Autopanne wirklich eine Panne
war oder eher gewollt damit z. b. der Fahrer nicht mehr den Rückweg in die
Stadt machen muss oder den Wachposten schmieren muss. Die restliche Zeit
verbringe ich mit ausruhen, Film schauen und Tagebuch schreiben.
8. Oktober 2008
Heute erlebte ich dass die
Seefahrt nicht nur schöne Seiten hat sondern auch sehr gefährlich sein kann.
Ich hatte Ruhezeit bis 15 Uhr. Danach musste ich die Brücke wischen und den
Abfall entsorgen bevor ich die Wache an der Gangway ablöste. Die Hafenarbeiter
waren immer noch mit dem Beladen des Schiffes beschäftigt als die Traggurte
verrutschten und die Stahlplatten in den Laderaum hinunterknallten. Zwei
Hafenarbeiter wurden getroffen, einer tödlich, der andere verletzt. Nun begann
das ganze Rösslispiel. Zuerst kamen die Gaffer, dann zwei Fahrzeuge, einer der
Verletzten wurde abtransportiert, Dann kam eine Ambulanz, die jedoch
unverrichteter Dinge wieder wegfuhr. Dann die Polizei, irgendwelche Behörden
usw. Das Schiff ist mit einem Polizeiabsperrband beschlagnahmt und die
Ladearbeiten ruhen. Jede Behördenstelle machte Fotos von der Unglücksstelle
usw... Ich fühle mich betroffen dass ein Mensch starb und einer verletzt wurde,
andererseits bin ich froh dass nicht wir oder Enzian als Reederei Druck auf die
Arbeiter machten damit diese schneller arbeiten.
9. Oktober 2008
Die Untersuchungen waren
immer noch im Gang und so lief erst mal gar nichts, wir durften nicht mal die
Laderäume öffnen. Am Nachmittag wurde das Schiff dann frei gegeben. Wir mussten
gut 100m verschieben um Platz für ein Containerschiff freizugeben. Die Seefahrt
ist ein eher langsames Business und so brauchten wir für dieses Manöver knapp
zwei Stunden. Die Taue wurden gelöst und an den nächsten Poller gelegt. Dann
wurden die Taue auf Winden aufgerollt und zogen so das Schiff langsam in die
richtige Position. Ich war am Heck und konnte mithelfen.
Die Fracht welche noch
eingeladen werden musste wurde auch verschoben und abends um 5 Uhr wieder mit
Planen zugedeckt. Ich stellte mich schon darauf ein dass diese erst am nächsten
Tag eingeladen werden und war umso mehr überrascht als um 7 Uhr abends noch mit
dem Laden begonnen wurde. Der Unfall zeigte auch Auswirkungen auf die
Hafenarbeiter. So war nun strickte Helmtragpflicht angesagt und wer keinen
hatte half sich halt mit einem Motorradhelm aus. Dass sah dann lustig aus wenn
ein Gabelstaplerfahrer mit dem Töffhelm unterwegs war.
10. Oktober 2008
Um halb fünf Uhr werde ich
geweckt ich solle runter kommen und mithelfen das Schiff klar zu machen zum
auslaufen. Nun müssen die Ladeluken geschlossen werden, und alle losen Sachen
festgebunden werden. Danach morgen essen und um 8 Uhr kommen dann die Schleppe
und wir können endlich los fahren. Nun muss ich das Schiff auf blinde Passagiere
absuchen und dafür auch in die Kabine der Kräne klettern, von dort oben hat man
eine herrliche Aussicht und für einmal habe ich sogar dran gedacht die Digicam
mitzunehmen. Ich geniesse es endlich wieder unterwegs zu sein. Am Nachmittag
habe ich Ruhezeit und liege auf dem Bett als das Schiff recht plötzlich zu
schwanken beginnt. Nun heisst es alles verräumen und die Schubladen und
Schränke zu verriegeln. Ich muss mich zuerst daran gewöhnen und merke schon wie
mir das Adrenalin wie auf der Chilbibahn ins Blut schiesst. Ich gehe auf die
Brücke und schau mir an wie die Wellen über den Bug spritzen. Der zweite
Offizier klärt mich auf dass dies nicht wirklich hoch sei und zeigt mir auch wo
wir gerade sind. Vom Gefühl her merke ich schon dass etwas nicht ganz in
Ordnung ist, aber erbrechen muss ich nicht. Interessant ist das Treppen steigen
bei dem Wellengang, So hat man das Gefühl dass man die Treppe hoch fliegt wenn
das Schiff gerade in ein Wellental fährt oder man wird so richtig auf den Boden
gedrückt wenn es auf eine Welle hoch geht. Am Abend, ich war schon im Bett,
bringt der erste Offizier noch die Visaformulare für Australien welche
unbedingt sofort ausgefüllt und wieder auf die Brücke gebracht werden müssen.
Der Käpten ist dann noch unzufrieden weil ich Single durchgestrichen habe und
not married hin schrieb... Er flucht über die Bürokratie und ich flüchte zurück
in meine Koje.
11. Oktober 2008
Der heutige Tag ist schnell
erzählt, putzen und ausruhen. Ich musste die Teppichböden reinigen indem ich
einen Kübel mit Wasser und Teppichreiniger nahm und mit einem Schrupper die
Teppichböden fegte danach trocknen lassen und mit dem Staubsauger nochmals
drüber fertig. Na ja dies entspricht ja nicht gerade meinen Ansprüchen wie ein
Teppich gereinigt werden soll und mein Drogistenherz musste leiden... Nun gut
der Kapitän hat sich bei mir später überschwänglich bedankt es sei excellent
und normalerweise würde er es ja selber machen. Nun da er zufrieden ist, mir
ist es recht, Nachdem ich mich durch 23 Folgen Desperate Housewives
durchgesehen habe komme ich mir langsam
wie Bree van de Kamp vor welche alles dran setzt einen perfekten
Haushalt zu haben.... nun gut so ausgeprägt ist es bei mir nicht und wer mein
Bürotisch kannte weiss dass da eine Portion Bree nicht schaden kann
Ich wurde angehalten zügig
zu putzen danach hätten wir noch Drill. Dieser bestand dann hauptsächlich darin
dass ich wissen musste welcher Platz im Freifallboot mir ist (Nr. 3 vorne
rechts) Danach war Ausruhen angesagt. Leider äussert sich der Wellengang bei
mir, die Fische haben zwar noch nichts bekommen, habe aber dennoch ein flaues
Gefühl in der Magengegend und am wohlsten ist mir wenn ich im Bett liegen kann
und immer wieder etwas kleines esse. So bin ich sehr froh über meinen Vorrat an
Ovoschokolade und schlürfe kalte Getränke. Dem Koch muss ich beibringen dass
ich nur wirklich ganz wenig essen mag und als er mir noch einen Dessert
hinstellen will habe ich offenbar so entsetzt No gesagt dass er ganz verdattert
diesen wieder in die Küche bringt.
12. Oktober 2008
Heute ist Ruhetag. Immer
noch hab ich das flaue Gefühl im Magen, die Fische haben aber noch nichts
bekommen. Ich schlafe lange aus und nach einer langen Dusche fühle ich mich wohl.
Das Mittagessen ändert dies aber wieder und ich bin wieder froh als ich mich
hinlegen kann. Hoffentlich gewöhne ich mich bald an die Unebenheiten des
Wassers...:-)
Irgendwie bin ich mir noch
nicht bewusst dass ich noch fast 6 Monate auf dem Schiff sein werde, Vom Gefühl
her fühle ich mich wie auf einem turbulenten, langem Flug und warte bis der zu
Ende geht. So freue ich mich mächtig auf Fremantle und hoffe auch viel an Land
gehen zu können.
13. Oktober 2008
Noch immer rebelliert mein
Magen und ich mag nichts essen, bin mir nicht sicher ob es mir schlecht ist vom
Wellengang oder vom nichts essen. Der erste Offizier findet ich hätte zu viele
Überstunden und gibt mir einen Ruhetag. Ich glaube er hat vergessen dass ich
einen Tag an Land war. Da ich sowieso nicht viel machen kann und es mir am
wohlsten im Bett ist verzichte ich darauf zu protestieren. Dank Ovoschokolade
überlebe ich den Tag, hab auch Toblerone probiert, aber die Ovoschoggi ist
weniger süss und ich fühle mich wohler. Trotzdem bin ich stolz darauf dass die
Fische noch nichts bekommen haben.
14. Oktober 2008
heute geht es mir schon
etwas besser, ich mag mehr essen und es schaukelt auch weniger. Bei den
Arbeiten ist immer noch putzen angesagt. Ich versuche das Blut aus der Tragbare
auszuwaschen was aber nach einer Woche auch mit allen Drogistenkniffen eher ein
Ding der Unmöglichkeit ist. Nun ja der Fleck ist immer noch ersichtlich, nun
ist es halt ein sauberer Fleck.
Für Australien müssen wir
noch die Deklarationsfomulare ausfüllen, die wollen es aber ganz genau wissen,
so weit bis hin zu den Seriennummern von elektronischen Geräten...Habe gemeint
es spinnen nur die Römer und die Amis... Na ja so gebe ich halt den ganzen
elektronischen Spielzeugpark an und da sie auch Messer als Waffen sehen meine
Swiss Army Knifes was mich dann schon fast wieder etwas stolz macht. Noch immer
freue ich mich auf Fremantle und hoffe auch an Land gehen zu können.
Irgendwie habe ich das
Gefühl dass etwas nicht stimmt. So ist der 1. AB im Moment sehr wortkarg zu mir
und ich werde immer von den anderen Matrosen losgelöst eingesetzt. Dummerweise
passiert mir noch ein Missgeschick als der zweite Offizier in die Messe
telefoniert und Sveto den zweiten AB verlangt, ich wohl nicht viel studiere und
den ersten AB zur Brücke bestelle. Ein anderer Grund könnte sein dass ich
erzählt habe wie ich auf die Idee kam auf ein Schiff arbeiten zu gehen. Der
dritte AB Dorel brachte mal einen Spruch von wegen mir und Tourist. Ich habe
das Gefühl ich muss ihnen klar machen dass es für mich zwar ein Abenteuer ist
aber ich dennoch nicht der Tourist bin und ich mitarbeiten will. Na ja ich
hoffe es bessert sich wieder, sonst muss ich halt ein klärendes Gespräch
suchen. Und für mich gilt dass ich besser zuhöre und nachfrage wenn etwas unklar
ist.
15. Oktober 2008
Auch heute ist wieder
Putzen angesagt, dieses Mal die Gästekabinen. Dazwischen finde ich Zeit in den
alten Gleitschirmmagazinen zu blättern und das Flugfieber beginnt zu kribbeln.
Mal sehen was in 6 Monaten ist, im Moment würde ich gerne wieder mal
Losfliegen. Ein klein wenig Wehmut nach der Schweiz hat das ganze schon
ausgelöst, nach zwei Wochen auf dem Schiff ist der Enthusiasmus verflogen und
im Moment macht sich Nüchternheit breit. Morgen treffen wir (endlich) in
Fremantle ein und nach einem hoffentlich ausgedehnten Landgang sieht die Welt
auch schon wieder anders aus.
16. Oktober 2008
Das Wetter hat sich
verschlechtert und die ganze Nacht hatten wir recht hohe Wellen. Nun rächt sich
dass ich nicht alles verschlossen habe, Kleider Schuhe, Schreibzeugs und co
liegt am Boden und rutscht schön von links nach rechts und umgekehrt. Zum glück
habe ich das Bett längs zur Fahrtrichtung, diejenigen welche es quer haben sind
noch schlechter dran, mal sind die Füsse zuoberst, dann wieder der Kopf und der
Magen fährt schön rauf und runter... Die Seekrankheit habe ich gut überwunden
und ich habe nicht gekotzt!!! Gegen Mittag sind wir vor Perth und müssen dann
noch bis am Abend warten bis wir in den Hafen von Fremantle einlaufen können.
Bereits empfangen können wir Australisches Fernsehen. Da ist alles noch beim
alten, ABC SBC als staatliche und werbefreie Sender, Channel seven, nine und
then welche als Merdoc Kanäle nur so strotzen vor Werbung. Dennoch tut es gut
wieder Nachrichten zu sehen und nicht mehr von der Welt abgeschnitten zu sein.
17. Oktober 2008
Heute musste ich nur kurz
Wache schieben, danach hätte ich an Land gehen können... können! Zuerst machte
ich noch die Crewmembercards für die neuen Crewmitglieder doch dafür mussten
zuerst noch Bilder gemacht werden, wobei der PC oder der Drucker etwas gegen
mich hatte und mein Ausweis immer ohne Foto druckte und partout mein Bild
verweigerte. Mit einem neuen Foto ging es dann. Weiter wurde ich als „best Boy“
eingesetzt d.h. Gango um Leute zu suchen, Unterschriften einzuholen, Sachen zu
bringen oder zu holen usw. Gut ein Dutzend mal rannte ich das Treppenhaus hoch
und runter doch es hat Spass gemacht. Kurz bevor ich dann nach dem Mittagessen
an Land gehen wollte kam der erste Offizier und teilte mir mit dass der Kapitän
Landgänge verboten hätte weil er noch eine Inspektion erwarten würde. Super!!!
So gab es halt einen langen Mittagsschlaf und um vier Uhr erlaubte dann der
Käpten an Land zu gehen. Der lokale Seemannsclub hat einen Fahrtenservice
eingerichtet der einem vom Schiff abholt und wieder zurückbringt. Dieser muss
aber auch benutzt werden. Um 5Uhr war ich dann endlich in der Stadt und
zusammen mit Bubu dem Motorman machten ich eine Stadtbesichtigung und versuchte
ein offenes WLAN-Netz zu finden. Leider war nichts zu machen, entweder langsam
oder passwortgeschützt. So gingen wir wieder zum Seemannsclub. Dort konnte ich
dann auch ins Netz und die Mails lesen. Es tat richtig gut all die lieben Grüße
und Geschichten zu lesen. Andrina mein Göttimeitli 3 Jahre alt erzählt allen
ihr Götti sei nun gaaaaanz lange und gaaaaanz weit weg, er sei jetzt Pirat!!!
Die Militärverwaltung hat
offenbar nicht gecheckt dass ich den Dienst fertig geleistet habe und so musste
ich das noch telefonisch klären. Da noch über tausend Minuten auf der
Telefonkarte übrig waren kamen Freunde und Familie in Genuss von Anrufen.
Zufrieden fuhr ich zurück aufs Schiff und hoffe noch ein paar Tage hier in
Freemantle verbringen zu können.
18. Oktober 2008
Wir warten auf die Hafenarbeiter,
stundenlang läuft nichts und dann abends um 5Uhr wenn es niemand mehr erwartet
kommen die Arbeiter und sind beginnen die Fracht auszuladen. Ich geniesse es
den ganzen Tag in Fremantle zu flanieren, Postkarten schreiben und ausgiebig im
Internet zu surfen. Dazu muss ich noch Augentropfen für den Käpten besorgen.
Diese sind rezeptpflichtig, die Apothekerin kann sie mir aber geben wenn ich
ein „offizielles“ Schreiben vom Kapitän bringe. Zurück auf dem Schiff erklär
ich dem Kapitän die Umstände und er ist hocherfreut als ich mich gleich an den
PC setzte und eine „offizielle“ Bestellung schreibe mit Logo von der Reederei.
Dann noch die Unterschrift vom Kapitän und der offizielle Stempel und am
nächsten Tag kann ich ohne Probleme die Tropfen abholen.
Interessanterweise dürfen
in Australien keine Kombinationspräparate verkauft werden. So ist Tobradex
aufgesplitet in Toprex und Mexatex.
Vom Hafen in die Stadt ist
ein Shuttleservice eingerichtet, Laufen im Hafengelände ist verboten. Eigentlich
würde ich gerne nach Perth in den Ausgang gehen, aber der letzte Bus fährt
schon um 22. Uhr vom Seamansclub und ich weiss nicht wie ich zurück zum Schiff
komme. Nun eigentlich ganz einfach, Zum Tor gehen, in der Gegensprechanlage
sagen was man will, den Crewmemberausweis in die Kamera halten und schon gehts.
Als ich das erfahre ist es leider ist es zu spät für ein Trip ins Nachtleben
von Perth.
19. Oktober 2008
Was gestern nicht klappte
wurde heute nachgeholt, Der Ausflug nach Perth. Bubu der Motorman, der
Chefingenieur und ich fahren mit dem Zug dorthin. die Ticketautomaten sind
modern mit Touchscreens ausgestattet und einfach zu bedienen. Ungewohnt für
mich ist der beschränkte Zugang zum Perron, Nur
wer ein gültiges Ticket hat kann durch. Die Züge sind moderne
klimatisierte Triebwagen im Stil von U-Bahnen. Nach einer halben Stunde sind
wir in Perth und machen einen ausgedehnten Spaziergang. Perth ist ne „kleine“
Grossstadt und die City ist recht überschaubar, ein paar Hochhäuser, Obwohl Sonntag
ist haben die meisten Geschäfte geöffnet und es hat recht viel Betrieb. Auf der
Rückreise werden wir mit dem Ticket wohl aufs Perron gelassen, aber ich glaube
die letzten 20 Minuten fahren wir schwarz. Danach besuchen wir noch das
Maritime Museum, es zeigt die Geschichte von Hafen und der Umgebung, Freemantle
war zuerst eine Walfangstation und im 2. Weltkrieg ein bedeutender Hafen für
die Alliierten. Auch ein Thema ist natürlich die Einwanderung. tausende von
Leuten kamen hier in Australien an. Besonders freue ich mich als ich ein Modell
des Schwesterschiffes der Pamir finde welche im Buch von William Stark
beschrieben ist. Danach geht’s zurück zum Schiff.
20. Oktober 2008
Ich erwarte ein E-Mail und
will unbedingt nochmals in die Stadt. Zuerst muss ich noch den Müll einsammeln
und die Toiletten putzen. Danach muss ich Wache schieben und am Abend noch den
Müll im Laderaum wegputzen. Offenbar gibt es ein Problem mit Weizenkörnern
welche von früheren Ladungen noch im Laderaum sind. Die Firma welche den Stahl
bekommt will die Ladung zurückweisen weil die Körner offenbar ein Problem mit
den strikten Quarantänevorschriften geben könnten. Im Laderaum sehe ich wie
massiv die Stahlplatten sind. 2.5m x 8m x 16cm. Dazu haben wir noch
aufgerolltes Stahlband welches gut 2cm dick ist. Um 22 Uhr ist dann endlich
Schluss mit arbeiten und todmüde geh ich schlafen.
21. Oktober 2008
Heute bin ich das erste Mal
Krankenwagen gefahren. Vorerst mir geht es gut, doch der Reihe nach... Um 7 Uhr
stehe ich immer noch hundemüde auf und nach dem Frühstück muss ich weiter die
Laderäume aufräumen und wischen. Um 9 Uhr werde ich gerufen, ich müsse mit dem
Chief in das Spital. Er hat sich den Fuss eingeklemmt und es scheint als wäre
sein Fuss gebrochen. Kurz duschen, umziehen, dann kommt der Krankenwagen.
Zuerst stellen die Sanitäter ein paar Fragen und einer notiert sich alles mit
Kugelschreiber auf dem Handschuh. Dann wird der Chief auf die Bare gesetzt und
verladen, ich kann vorne mitfahren. Im Spital muss ich dann beim Empfang warten.
Im Empfang hat es rote und
grüne Stühle, auf den roten sind die Patienten welche die Triageschwester noch
nicht gesehen hat. Die erste Triage erfolgt noch im Empfangsraum und jeder kann
da mithören und sehen was gerade so passiert. Der Pulsnehmer piepst so laut
dass man ihn nicht überhören kann. Ich bin erstaunt wie offen das hier zu und
her geht, in der Schweiz würde das wohl einen riesigen Aufstand geben von wegen
Datenschutz und Arztgeheimnis.... Ich habe mein Notebook eingepackt und kann
nun gemütlich Tagebuch schreiben. Nach gut 90 Minuten geht die Türe auf und mit
einem russischen „Kristof“ kündigt sich der Chief an. Er hat zum Glück nur den
Fuss gequetscht und nicht gebrochen. ich bin mir allerdings nicht sicher ob es
für ihn auch zum Glück ist oder ob er gerne nach Hause gegangen währe... Wir
bestellen ein Taxi und nach einem ungewollten Abstecher sind wir dann wieder
beim Schiff. Wir können mit dem Taxi sogar bis zum Schiff fahren, Am Nachmittag
muss ich noch an die Gangway stehen, Auf 20 Uhr ist der Lotse angekündigt wir
werden aufs Meer hinausfahren und vor der Küste die Anker herunter lassen und
auf weitere Anweisungen warten. Ich vermute wir werden um den 25.10 wieder in
den Hafen fahren und dann neue Fracht laden und weiterfahren.
22. Oktober 2008
Wir fahren langsam die
Australische Küste hoch. Der Charterer hat offenbar keinen neuen Auftrag für
uns und so fahren wir mal Richtung Singapur und da schnell fahren viel Sprit
braucht sind wir im Economic Modus unterwegs. Den ganzen Tag sind wir mit
Schiff putzen beschäftigt. Wir kippen den Müll ins Meer. Die anderen Matrosen
sind nicht wirklich motiviert in Sachen Umweltschutz, offiziell natürlich nur
was im Wasser verrottet, inoffiziell wird alles ins Meer geknallt, auch
Plastik. Auf der Steuerbordseite wirbelt es den Staub immer wieder hoch und ich
werde so dreckig dass ich über Mittag duschen gehe und vorher noch Beweisfotos
mache. Dann mach ich mich noch als Schlauchträger nützlich alles in allem ist
es aber eher ein langweiliger Tag.
In Fremantle fand ich einen
Laden der wie ein alter Tante Emma Laden eingerichtet ist voller Süssigkeiten,
dort erstand ich eine Tüte Nougat. Täglich abends nach dem Essen gibt es ein
Stück davon worauf ich mich richtig freue, sozusagen das Highlight des Tages.
23. Oktober 2008
Was gestern aussen war
heute innen dran, putzen der Laderäume war angesagt. Dazu wurden die
Feuerlöschpumpe aktiviert und die Laderäume ausgespritzt. Bis alles installiert
ist und bereit vergeht gut eine Stunde und ich bin damit beschäftigt x mal die
Leiter hoch und wieder runter zu klettern und irgendwelches Werkzeug zu holen
oder der Brücke zu telefonieren sie sollen mit Schräglage Steuerbordseite
fahren damit wir das Wasser wieder rauspumpen können. Heute habe ich das erste
Mal das Gefühl die anderen Matrosen sehen mich nicht nur als Tourist sondern
als Stift der halt noch viel „Pflege“ braucht, den man aber doch auch
einspannen kann. Zufrieden geh ich zum Znacht wo es Lasagne gibt. Den Abend
verbringe ich mit dem näheren kennen lernen meiner Digicam und mit Wäsche
waschen. Das neuste Gerücht sagt dass wir nach Schanghai fahren wo die Celine
ins Trockendock kommt. Ich lag also mit meinem Zurück nach Perth wieder mal
falsch, aber eigentlich ja klar, erwartete ich sie doch schon längst in Europa......
24. Oktober 2008
Zum ersten Mal habe ich
mich heute gefragt warum um aller Welt ich mir das antue. Am Morgen mussten wir
noch das Finetuning im Laderaum machen, d.h. Wasserpfützen in Vertiefungen mit
dem Mob oder einem Schwamm aufsaugen. Am Nachmittag mussten wir dann die Ketten
und Kettenstrecker in den Werkzeugraum im Bug des Schiffes rein beigen. Die
Dinger sind verdammt schwer und es war echt mühsam. Ich war froh machten wir
öfters mal Pause. Ich bin verwundert dass man da keine benutzerfreundlichere
Lösung gefunden hat. Heilfroh bin ich als wir um halb fünf Uhr schon Feierabend
machen können.
25. Oktober 2008
Normalerweise war der 25.
immer der Zahltag... heute ist es ein normaler Samstag. Pünktlich um acht Uhr bin
ich im Deckoffice und warte auf die anderen, jedoch niemand kommt. So vergnüge
ich mich mit Monopoly spielen am PC. Eine halbe Stunde später kommt der Chief
und teilt mir mit dass ich wieder mal zu putzen hätte. So wische ich das
Treppenhaus und bringe den Müll raus. Danach haben wir eine Besprechung über
die Gefahren an Bord. Den Nachmittag verbringe ich mit Solitair spielen,
schlafen und Digicam kennen lernen. Nach dem Abendessen gehe ich den
Sonnenuntergang bewundern, der Himmel hat ein schönes Pastellblau und die paar
Wolken werden von der untergehenden Sonne angeleuchtet. Später am Abend gehe
ich vorne zum Bug und bewundere den Sternenhimmel fast in völliger Dunkelheit
sieht man noch viel mehr Sterne. Dazu geniesse ich mein letztes Stück Nougat.
26. Oktober 2008
ich geniesse es lange
ausschlafen zu können und stehe erst zum Mittagessen auf. Der zweite Offizier
lädt mich zum lernen ein wie das Schiff zu steuern was ich gerne annehme. Wir
vereinbaren dass ich um ein Uhr auf die Brücke komme. Um halb eins ruft mich
der Käpten an und fragt ob ich ihm wegen dem PC helfen könnte. Als ich ihn
darauf aufmerksam mache dass ich um ein Uhr auf der Brücke sein muss meint er
nur sein Anliegen sei wichtiger die Brücke könne warten. Er hat von einem
Matrosen eine DVD erhalten mit vielen Tools und Programmen drauf. Wir
installieren und löschen einiges und da er schon viel mit seinem Notebook
rumgespielt hat ist die Kiste recht langsam und ich würde sie am liebsten neu
aufsetzen, aber ohne Internetverbindung ist mir das zu heikel. Nach über
dreieinhalb Stunden sind all seine Wünsche befriedigt, ich verschiebe den Kurs
in Schiff manövrieren und lege mich etwas hin.
Nach Feierabend und am
Wochenende verzieht sich jeder in seine Kabine ist mehr für sich. einerseits
verständlich kann man ja nicht 24 Stunden immer zusammen sein, andererseits ist
es auch langweilig und ich würde gerne etwas unter die Leute gehen. Am Anfang
war ich erstaunt als die Leute erzählten wie viele hundert Gigabytes an Musik
und Filmen sie dabei hätten, unterdessen kann ich es nachvollziehen. Noch immer
dümpeln wir im Ecospeed Richtung Singapur. Morgen Montag sollte dann endlich
rauskommen wohin es als nächstes geht.
27. Oktober 2008
Heute war wieder mal
Sklaventag, Ketten schleppen war angesagt, dieses mal aber beim Heck und das
war bedeutend angenehmer da man aufrecht stehen kann und die Ketten auch nicht
durch eine wasserdichte Tür ziehen muss. Und wenn ich nicht darüber nachdachte
war es auch nicht so schlimm. Wir fahren nun Richtung Indonesien und man merkt
gut dass wir wieder in den Tropen sind, es ist angenehm warm bis heiss. Am
Nachmittag wäre Schiff fetten angesagt gewesen, aber da der Chief noch nicht zu
lange auf seinem Fuss stehen kann wird ein Podest für einen Stuhl gebaut. Auf
der Brücke hat es zwar zwei Stühle, der Steuerknüppel ist aber genau
dazwischen. Ich beteilige mich als Handlanger, Dorel, der dritte Matrose hat
noch nicht gemerkt dass er auch Arbeiten abgeben kann und macht alles lieber
selber.
28. Oktober 2008
Schiff fetten, zusammen mit
Ticho fette ich alle beweglichen Teile beim Bug. Das sind die winden um die
Taue zu spannen und die Umlenkrollen in der Wand des Schiffes und auf dem Deck
selber. Nach 10 Uhr muss ich im Laderaum 2 „Number two“ genannt die noch
vorhandenen Wasserlachen aufwischen, sozusagen das Finetuning machen. Nach dem
Mittagessen geht es weiter mit Schiff fetten. Die Umlenkrollen auf dem Deck
sind alle verhockt und wir müssen sie auseinander nehmen. Dick mit
Schmiermittel bestrichen rollen sie fast alle wieder wie perfekt. Nach der
Kaffeepause ist das Heck dran. Einige Schmiernippel sind verhockt und am
Schluss bin ich überall mit Schmiermittel bekleckert. Also an Land macht das
Rumspielen mit dem Zeugs mehr Spass. Am Abend sind wir wieder in Gewässer mit
Mobilfunkabdeckung. Hoffnungsvoll schalte ich das Natel ein und freue mich über
ein SMS von einer lieben Freundin. Selber schreibe ich SMS nur in
Ausnahmefällen das mir die Kosten schlichtwegs zu teuer sind, habe aber schon
einige Mails im Postausgang und warte nur darauf wieder mal online gehen zu
können. Als weiteres Highlight des Tages wird mir ein Teil des Lohnes
ausbezahlt. So kriege ich 97US$ in Bar und nochmals 15$ für die Taxifahrt in
Fremantle.
29. Oktober 2008
Bei mir haben sich wieder
einige Überstunden angesammelt und so gibt mir der Chief heute einen Freitag.
Ich verbringe die Zeit mit lesen. das Buch heisst das Gleichgewicht der Welt
von Rohinton Mistry. Es wurde mir von einer Arztgehilfin als Vorbereitung für
Indien empfohlen. Ein Kritiker schrieb: „Dieser Roman ist ein grosses Fest. Er
schlägt den Bogen von einer heiteren Komödie bis zum bewegenden Portrait einer
Familie. Der Autor schafft es in einem Stadtviertel die Schattenseiten, den
Charme und die Tragödie eines ganzen Kontinents einzufangen." Ich kann dem
nur zustimmen, einerseits macht es mich glustig auf Indien, andererseits
schreckt es auch ein wenig ab. Der Zeitrahmen handelt von der Staatsgründung
bis 1984. doch werden die Gebräuche wie das Kastensystem wohl immer noch ihre
Gültigkeit haben. In den Buch kommt auch die Ermordung von Indira Ghandi vor an
den ich mich noch gut erinnern kann, die Feuerbestattung hat mir damals sehr
imponiert
Mehr oder weniger alle in
der Geschichte vorkommenden Personen erleben einen sozialen Abstieg. Dies
heisst aber nicht dass sie deswegen unglücklich sind. Eine der Hauptpersonen
bringt sich um, er ist zwar materiell reich, seelisch aber arm und leer. Er
verdiente sein Geld als Klimatechniker am Golf, vermisst aber sein Bergdorf und
ist seinen Eltern böse dass sie ihn damals ins College nach Bombay geschickt
haben. In mir löst das Gefühle der Angst der Einsamkeit und der Trauer aus. Ich
bin auch aus meiner Welt fort gegangen weit weg von zu Hause und merke wie ich
die Familie, meine Eltern und Geschwister, meine Freunde und Kollegen vermisse.
Die vielen lieben SMS und E-Mails welche ich erhalten habe sind mir ein Trost.
Am Nachmittag muss ich
nochmals zum Kapitän. Eine Software will nicht laufen, ich bringe sie jedoch
auch nicht funktionstüchtig und so installieren wir eine alte Version die dafür
funktioniert. Nebenbei erfahre ich noch interessante News: Wir fahren Nach
Shanghai ins Trockendock und das Podest wurde nicht für den Chief gebaut
sondern weil der Autopilot ausgefallen ist müssen wir das Schiff nun von Hand
steuern. Diese Aufgabe übernehmen auch wir Matrosen und damit wir dabei nicht
stehen müssen ist das Podest mit Stuhl darauf. Ich darf dann auch mal das Ruder
übernehmen. Ist zwar nur ein Joystick aber trotzdem noch recht schwierig da eine
Reaktionsverzögerung von ca. 20 Sekunden besteht. Nun ich komme etwas vom Kurs
ab und so fahren wir eine scharfe Linkskurve zur Kurskorrektur, Wenigstens hat
es keine Leitplanken wo ich hängen bleiben kann... Mit der Zeit geht es dann
auch schon besser und ich bleibe auf Kurs.
30. Oktober 2008
Heute war ich den ganzen
Tag alleine, immer noch bin ich mit dem Schmierwerkzeug unterwegs. Heute waren
die Flügelmuttern, Butterflys genannt, dran. Von vorne nach hinten und von
unten nach oben überall das Fett wegputzen und neues ranpinseln und dazu noch
die Scharniere ölen. Am Morgen geraten wir in einen tropischen Regenschauer.
Zuerst windet es stark und dann sträzt der Regen nur so runter. Ich ziehe die
Kaffeepause vor und warte bis das Wetter wieder besser ist. Beim Abendessen
sinniere ich zusammen mit Bubu darüber was mir auf de Schiff fehlt. Eigentlich
ist es nur eine Internetverbindung. Diese würde den Kontakt zu den Familie,
Freunden und Kollegen (FFK) ermöglichen. Ich merke dass mir sprachliche Austausch
fehlt und geniesse es wenn ich dem Kapitän eine Witz erzählen kann. Dies ist
umso schwieriger da ich den zuerst auf Englisch übersetzen muss und schauen
muss ob er auch funktioniert, Er hat zum Glück einen eben so schwarzen Humor so
dass mir doch einige Fettnäpfchen erspart bleiben.
31. Oktober 2008
Zum ersten Mal war heute
Schiff streichen angesagt. Ich musste auf einem Teil der Laderaumabdeckung
zuerst die ausgebesserten Stellen mit weissem Untergrund abdecken und dann am Abend
wurde diese noch mit grüner Farbe gestrichen. Ich bin mir nicht sicher obs an
der grünen Farbe oder an der schönen Stimmung lag ich fand es sehr beruhigend
und habe es genossen. Das Meer war heute sehr ruhig, die Wellen nur klein und
dann in der Abendsonne zu streichen war sehr schön. Am Nachmittag habe ich zum
ersten Mal Delfine gesehen. Plötzlich war eine grosse Gruppe von
schätzungsweise 20 Tieren welche neben und vor dem Schiff rum schwammen und
auch aus dem Wasser gesprungen sind. Fliegende Fische haben wir heute auch
gesehen. Spannend wie plötzlich ein silbriger Punkt aus dem Wasser auftaucht,
teilweise wie ein Stein über das Wasser hüpft und dann plötzlich wieder weg
ist. Teilweise waren es ganze Schwärme von 5 bis 6 Tieren. Am Abend hat es wieder
einen wunderbaren Sonnenuntergang, ich spüre eine grosse Zufriedenheit,
vermisse jedoch immer noch meine FFK.
1. November 2008
Nun bin ich schon ein
ganzer Monat auf dem Schiff. Ich habe mich gut eingelebt und fühle mich hier
auch zu hause, auch wenn ich einige Sachen vermisse. Samstag ist Putztag und so
wische ich das Schiff von der Brücke bis zur Waschküche. Am Nachmittag beim
aufräumen der Kabine kommen mir noch deutsche Zeitungen in die Finger vom
Hinflug. Hätte nie gedacht das ich mich so darüber freue und dazu hat es noch
zwei Sudokus darin! Ich geniesse es Zeitung zu lesen und lege die Sudokus
behutsam auf die Seite. Der Käpten schafft es dann noch mich in die
Ärztekassezeit zurück zu erinnern. Er ruft mich wegen jeder Kleinigkeit am
Notebook. Heute weil sein Notebook komische Geräusche machte und er möchte
wissen was es gewesen ist. Nun nachträgliche Diagnosen konnte ich schon bei der
ÄK nicht stellen und das hat sich unterdessen nicht geändert. Als ich spät
abends noch in de Messe schleiche um etwas zu essen sind da die Bulgaren welche
einen feucht fröhlichen Abend feiern. Ich setzte mich zu ihnen und wir
diskutieren über die Unterschiede wischen der Schweiz und Bulgarien. Laut Ticho
verlief der Umbruch damals zu langsam und so haben nur wenige davon profitiert.
Ein weiteres Problem sei die grosse Korruption. Ich geniesse es dass sich nicht
jeder einfach nur in der Kabine verkriecht und komme erst um halb eins ins
Bett.
2. November 2008
Genüsslich schlafe ich ganz
lange, Danach löse ich ein Sudoku, aber nur eins, das andere hebe ich mir für
später auf. Wir sind nun seit drei Tagen wieder auf dem offenen Meer irgendwo
zwischen Vietnam und den Phillipinen. Der Koch hat heute zu Mittag einen
Grillspiess mit Pommes Frittes gekocht. Es war wunderbar. Den restlichen Tag
verbringe ich mit Schlafen und Freecell spielen, kann mich dann aber doch noch
motivieren meine Kabine feucht aufzuwischen. Dann gehe ich noch den
Sonnenuntergang bewundern. Ich bin fasziniert von einzelnen tief hängenden
Wolken wie die so schön angeleuchtet werden und dadurch richtig griffig
aussehen. Hinter uns liegt eine Gewitterfront aus der es immer wieder blitzt,
dies leuchtet die Wolken genial schön an und ist spannend zuzusehen. Ich freue
mich auf Shanghai und hoffe dort eine dicke Internetleitung zu finden um zu
chatten, Zeitungen zu lesen, Mails zu versenden und nicht abgeschnitten von der
Aussenwelt zu sein. Am 6. November sollten wir dort ankommen, also noch 4x
schlafen.
3. November 2008
Heute wechselten wir das
Drahtseil der Gangway aus. Dabei war eine Schraube verklemmt mir viel auf dass
wenn etwas nicht geht dann wird einfach mal mit Gewalt probiert, das kenne ich
aus der Schweiz weniger, da wird zuerst mal probiert, dann noch den
Rostlöserspray hervorgeholt und erst wenn gar nichts mehr geht dann wird Gewalt
angewendet. vielleicht sehe ich es auch zu rosig... Dann lerne ich auch noch
dass Wire sowohl das Drahtseil wie auch der einfache Draht sein kann. Ich
sollte the Wire geben und suchte nach einem grossen Stück... dabei war der
normale Draht gemeint. Ab und zu brauchen sie schon noch etwas Geduld mit mir,
das Touristenenglisch ist mir schon geläufig aber dann die Namen der Werkzeuge
lerne ich jetzt nach und nach.
Sonst war heute nicht viel
los, zwischendurch noch etwas putzen, Farbkübel schleppen ein paar kleinere
Sachen und das war’s auch schon, nicht mal der Käpten hatte ein PC-Problem
4. November 2008
Offenbar ist die
Seekrankheit erst überwunden wenn man richtig gekotzt hat. Heute hatte es
wieder recht hohe Wellen und wenn das Schiff so richtig schön in eine rein
kracht dann wackelt es schon recht. Bei mir meldet sich wieder der Magen. Ich
habe dann ein Gefühl wie wenn es mir die Speiseröhre zuschnüren würde und wie
wenn sich Luft ansammeln würde und muss auch vermehrt „görbsen“ (gibt’s dafür
eigentlich einen hochdeutschen Begriff?) Weiter bin ich dann empfindlicher auf
Gerüche, eine Freundin meinte dass sei wie wenn Frau schwanger sei... Ich bin
froh kann nicht viel gemacht werden bei dem Wellengang und gönne mir ausgedehntere
Pausen. Gegen Abend beruhigt sich dann das Meer und somit auch mein Magen.
5. November 2008
Man merkt dass es Richtung
China geht. Vermehrt sind andere Schiffe anzutreffen, darunter viele
Containerfrachter. Ich freue mich auf Shanghai und stehe richtig beschwingt
auf. Wir bereiten das Schiff für das Trockendock vor, ich muss zwei Kabinen auf
Vordermann bringen, zwei zusätzliche Leute werden dann auf der Celine wohnen
und die Arbeiten überwachen. Dann wurde noch das Lager aufgeräumt und alle wertvollen
Sachen werden ins Farbenlager eingeschlossen. Offenbar wird da geklaut was nur
geht, ob das am Trockendock liegt oder an China weiss ich nicht.
Das Meer ist heute ganz
ruhig und es ist neblig. Immer wieder tauchen chinesische Fischerboote auf, es
ist eine ganz mystische Stimmung. Am Abend verwöhnt uns der Koch mit Lasagne,
zwar nicht ganz so gut wie die eigene aber immer noch ein Festschmaus.
P.S. Nur noch einmal
schlafen!
6. November 2008
Auch heute verbrachten wir
den ganzen Tag mit Vorbereiten fürs Trockendock. Die Büros wurden mit Papier
ausgelegt um die Böden zu schonen. Die Tische sind fix mit dem Boden
verschraubt und wir musste einiges anpassen und zuschneiden. Mir hat die Arbeit
aber Spass gemacht. Ich muss jedoch merken dass nicht alle so motiviert sind.
Ich glaube die Schweizer Mentalität hat es so an sich dass auch wenn eine
Arbeit nicht gern gemacht wird dann wird sie trotzdem richtig erledigt und
nicht nur halb. Der eine Matrose meint immer wieder dies sei kein Hotel und
müsse nicht so perfekt sein. Der Chiefmate ist jedoch zufrieden und findet es
perfekt was wiederum mich freut. Am Abend setzen wir dann den Anker vor
Shanghai. Wir empfangen chinesisches Fernsehen, Irgendwie kommt mir vieles
bekannt vor, es werden die gleichen Produkte beworben und TV Soaps gibt es
auch. Alles ist aber asiatisch angehaucht und mit dem chinesischen Singsang
tönt es ganz fremd. Nun wo wir wieder auf der Nordhalbkugel sind wird es schon
um 17 Uhr dunkel, am Morgen ist es jedoch schon vor 7 Uhr hell.
7. November 2008
Brav erscheine ich um 8 Uhr
zur Arbeit. Ausser den Abfalleimern zu leeren muss ich nichts machen und ich
lege mich wieder schlafen. Wir sind nicht alleine um uns herum hat es noch
einige andere Schiffe und im Nebel sieht es gespenstisch aus. Als sich am
Nachmittag der Nebel etwas lichtet zähle ich um uns herum über 30 Schiffe
welche am Anker liegen. Ich versuche Fotos zu machen, für eine gescheite
Aufnahme bräuchte ich fast ein Weitwinkelobjektiv. Ich entdecke dass ich im MMS
1000 Zeichen schreiben kann und es mich günstiger kommt als SMS schreiben und
so breche ich meinen Vorsatz und beglücke einige Leute mit einem MMS Langsam
habe ich Mühe mich zu beschäftigen und aus Frust esse ich die letzte Tafel
Schokolade, muss mir an Land dann neue besorgen... Weiss nicht ob der Koch
keine Vorräte mehr hat oder die Mens, das Mittagessen heute war jedoch nicht
wirklich gut. Es gab eine wässrige Suppe und Würstchen mit irgendeinem mehligen
Getreide. Das ganze schmeckte sehr fade. Dazu gab es Crépe als Dessert gefüllt
mir kandierten Früchten und einer sehr süssen Sauce... unweigerlich schwenken
meine Gedanken an die mütterliche Schoggimousse und wer die kennt wird mich
sicherlich verstehen.
8. November 2008
Noch immer liegen wir vor
Anker und ich habe nichts zu tun. Heute ist es nur noch bewölkt und so sehe ich
was wirklich um uns herum ist. Über 450 Schiffe sind um uns herum und alle
wollen nach Shanghai. Der Käpten zeigt mir noch den Radarschirm wo es nur so
von gelben Punkten leuchtet. Vom zweiten Offizier erfahre ich dass 100
Seemeilen um uns herum über 600 Schiffe sind, nicht alle am Anker aber dennoch
eine riesige Zahl. In der Nacht soll es dann losgehen Richtung Shanghai.
9. November 2008
Wir sind tatsächlich in der
Nacht losgefahren. Um halb 8 werde ich vom Chief geweckt ich solle auf die
Brücke kommen. Dort treffe ich auf den Kapitän in Uniform und will schon einen
dummen Spruch reissen als ich sehe dass auch zwei chinesische Lotsen an Bord
sind. Gut dass ich in Englisch mehr Zeit zum denken brauche und so ein
Fettnäpfchen auslassen kann. Wir fahren schon den Fluss rauf und je näher wir
zum Hafen kommen desto mehr Schiffe hat es. Manchmal sieht man gar nicht mehr
wo es durch geht und immer wieder wird das Horn getätigt um andere zur Seite zu
scheuchen. Einmal lässt sich ein Frachter so weit in unsere Fahrrinne
reintreiben dass der Lotse wohl ganz nervös wird und permanent auf das Horn
drückt. Alles verläuft jedoch glimpflich. Wir fahren mitten durchs Stadtzentrum
durch, an Hochhäusern vorbei und überall auf dem Fluss hat es Schiffe Schiffe
und nochmals Schiffe, teilweise in fünfer oder Sechserblöcken geparkt meine
Digicam muss hart arbeiten... Dann kommen wir zur Werft. Wir kommen nicht ins
Trockendock sondern nur an die Hafenmauer. Sofort nach dem Anlegen kommen
chinesische Arbeiter an Bord und beginnen mit den Vorarbeiten, Stromanschluss
wird gelegt, Telefon installiert, leider keine Internetleitung. Die Gangway
geht direkt in den 2. Stock wir müssen unsere Abfalltonnen wegräumen, eine ist
so gut verschraubt dass wir länger brauchen auf einmal ist es dem chinesischen
Vorarbeiter zu langsam und die Tonne kann stehen bleiben, der Platz dazu reicht
allemal aus. Kurz danach kommt noch ein weiteres Schiff und wird gleich an
unseres vertaut. Der Zugang zum anderen Schiff verläuft über die Celine und so
ist ein kommen und gehen... Mir hat es fast zu viele Menschen... Dann kommt
noch eine Foodlieferung. Wir können die Sachen mit dem Kran direkt aufs Deck
hieven und müssen sie nicht die lange Gangway rauftragen. Alle helfen mit und
so fliegen die Kartons nur so vom einem zum nächsten. In der Schweiz habe ich
immer chinesische Lebensmittel boykotiert, einerseits weil ich den langen
Lieferweg sinnlos finde, andererseits weil die Produktionsmethoden mir nicht zusagen
(Antibiotika im Pouletfleisch usw.) Nach dem neusten Skandal mit dem Melatonin
in der Milch bin ich etwas misstrauisch... nun gut ich werde es überleben. Dann
muss ich noch Wache schieben, es geht ein zügiger kalter Wind und ich muss mich
warm anziehen, nichts mehr mit der angenehmen Wärme in tropischen Nächten...
10. November 2008
Nach dem Morgenessen hat
Ticho keinen Job für mich und meint ich könne an Land gehen. Solle doch noch den
Chief fragen. Nun bekanntlich verliert wer fragt und so geht es auch mir. Der
Chief setzt mich auf Stand by. Ich verbringe die Zeit wieder mal mit Kabine
aufräumen und Tagebuch schreiben. Viel zu tun gibt es aber nicht. Von den
anderen Matrosen erhalte ich den Übername Mr. StandBy. Der Chiefingenieur hat
heute seinen letzten und geht nach Hause. Der neue heisst Roman und kommt aus
Polen.
Am Nachmittag ist wieder
“shifting” angesagt, unser Schiff wird verschoben. Auf Mitternacht ist dann
nochmals ein “shifting” angekündigt. So gehe ich frühzeitig ins Bett, kann aber
nicht schlafen. Also wieder aufstehen, in die Messe was essen gehen und im
Cargo Office am PC Monopoly spielen. Um 12 Uhr ist natürlich weit und breit
noch nichts zu sehen und ich werde ins Bett geschickt um dann eine halbe Stunde
später wieder geweckt zu werden. Also wieder Linsen montieren und runter aufs
Deck, Bis es dann wirklich los geht vergeht nochmals gut eine Stunde. Dann
kommen die Hafenarbeiter, einer ist kaum mehr als 1.40 Meter gross aber
meistens zuvorderst wenn es ums Anpacken geht sobald eine kleine Pause ist
werden die Spielkarten ausgepackt. Wir werden gut 500m weiter verschoben und
sind nun an der Aussenseite eines Schiffes angemacht. Nun muss noch das
Monopoly fertig gespielt werden, dann geht’s ins Bett.
11. November 2008
Müde stehe ich kurz vor
acht Uhr auf und gehe frühstücken. Dort treffe ich auf Ticho und wir verabreden
uns um 10 Uhr in die Stadt zu gehen. Wir müssen zuerst von unserem Schiff auf
ein anderes Schiff steigen, dort zwischen den Ladeluken durch und über eine
lange Treppe wieder nach unten gehen. Natürlich bei vollem Betrieb. Die
Arbeiter sind fleissig am werken und wir müssen aufpassen dass uns der Kran
nicht überrollt. Bis wir zum Werftgelände raus sind geht’s gut 700m. Beim
Ausgang werden wir sofort von Taxifahrern angehauen wir wollen jedoch mit dem
Bus fahren. Dazu wechseln wir zuerst etwas Geld. Die Bushaltestelle ist kaum zu
sehen, ein kleines Schild weist darauf hin. Die Gegend ist recht arm, die Strasse
eine Betonstrasse ohne richtiges Trottoir aber auf der Strasse ist viel los.
Fussgänger Autos Velos Busse Mofas und Lastwagen suchen sich ihren Weg. Es wird
viel gehupt was derjenige welcher das Hupen betraf aber überhaupt nicht
beeindruckt. Seelenruhig wird weitergefahren und wenn zur Seite gegangen wird
dann mit einem missbilligenden Blick. Mit dem Bus fahren wir ca. 20 Minuten bis
zum Lotus Shoppingcenter, sind aber immer noch in einem Aussenquartier. Dennoch
kann man auf der Fahrt den Wechsel von der ärmeren Gegend zur etwas
wohlhaberenden gut beobachten. Im Shoppingcenter hat es einen riesigen
Supermarkt. Sofort steuern wir die Elektronikabteilung an. Auf den grossen
Flachbildschirmtv's sind Aufnahmen aus der Schweiz zu sehen. Da musste ich
schon einmal tief durchatmen und dann sofort ein Foto davon machen.
Interessanterweise sind die Memorysticks zwar günstig, 8GB für gut 20FR jedoch
sind keine grösseren Sticks verfügbar. Vermutlich weil die Leute kein Geld
haben es zu kaufen. Ich streife durch den Laden auf der Suche nach Schokolade.
Die Auswahl ist aber sehr beschränkt. Einzig Snikers und Doveschokolade kann
ich finden. Dafür finde ich die chinesische Version der Ovomaltine welche
natürlich sofort eingepackt wird. Ticho ist unauffindbar und so suche ich ein
Internetcafe. Dazu frage ich in einem Elektronikladen nach. Dieser bietet mir
an dass ich mein Notebook an seine Leitung anschliessen kann. Leider
funktioniert es nicht, ich bekomme keine Verbindung. Wir versuchen zwei drei
Sachen, aber es will nicht gehen. Dafür erstehe ich für ca. 90 Fr eine externe
HD. Auch hier sind es nicht wirklich die neusten Sachen. Ich hätte noch etwas
mehr handeln sollen, aber der Typ hat sich ja auch Zeit genommen für mich und
so ist es ok. Nun muss ich halt wieder auf die Suche nach einem Internetcafe
gehen. Ich frage mich auf chinesisch durch und das geht folgendermassen: Man
gehe in einen Laden und suche sich Leute die evtl. etwas Englisch können.
Apotheken sind dafür recht gut geeignet, da der Apotheker studiert ist. Dann
zeigt man auf sich selber, danach mit den Händen imaginäres tippen, Nun spricht
man die Wörter Email und Internet und schaut dann suchend umher und zeigt mit
dem Finger in alle Himmelsrichtungen. Zuerst wurde ich einfach mal grob in eine
Richtung geschickt, danach konnte man mir genauer Auskunft geben. In einem
Fotoladen kann ich den Kundenpc benutzen und meine E-Mails abrufen. Ich freue
mich über die erhaltene Post, ich will den PC aber nicht zu lange blockieren
und schreibe so nur ganz kurz zurück und stelle meinen letzten Bericht online.
Ich möchte bezahlen es wird aber mehrmals abgelehnt und da ich nicht um Geld
streite gibt es ein tiefes Kopfnicken zum Dankeschön sagen. Ich gehe noch etwas
der Strasse entlang und finde tatsächlich das Internetcafe. Es hat sicher an
die 100 PCs davon ist etwa 1/3 besetzt. Am Eingang löse ich für 10 Yuan eine
Karte welche 3h Guthaben darauf hat. Die Rechner sind alle mit einem
chinesischen Windows ausgestattet Dank den Symbolen und meinem Wissen was wo
sein könnte finde ich mich aber gut zurecht. Die Leitung ist recht zügig
dennoch kommt es mir etwas holprig vor. Nun erfahre ich dass Obama gewonnen
hat, Sämi Schmied einen Gallenstein (kein Wunder bei der Belastung... ist
eigentlich Blocher immer noch am täubelen und was macht Hansruedi Merz???) und
dass es einen Wintereinbruch gegeben hat. Wochenlang von der Umwelt
abgeschnitten zu sein, keine Zeitung lesen zu können, keine TV kein Radio macht
mir etwas Mühe und ich vermisse es sehr.
Auf dem Weg zurück zur
Busstation komme ich an einem Coiffureladen vorbei und beschliesse mir einen
chinesischen Haarschnitt zuzulegen. Ich trete in den Laden ein und werde schon
mal erstaunt angeschaut. Danach mit Zeigfinger und Mittelfinger etwas Haar
imaginär zerschneiden, fragend schauen und dazu den Daumen nach oben halten.
Diese Frage löst zuerst etwas Kichern aus, ich werde dann aber doch auf den
Stuhl gebeten. Dann bekomme ich einen Umhang und ein Becher mit Wasser. Dieses
ist erstaunlicherweise warm tut aber gut. Nun zeige ich wie ich es gerne
geschnitten haben möchte. Zaghaft beginnt der Coiffure ein jüngerer Mann mir
die Haare zu schneiden, ich fordere ihn mehrmals auf er solle es kürzer machen.
nun geht er etwas mutiger zur Sache, hat aber offenbar noch etwas Mühe mit
meiner Kopfform. Ich versuche immer zu lächeln, ab und zu zeige ich mit dem
Daumen nach oben um Ihm so zu zeigen dass alles ok ist. Alles ist aber tip top
und zum Abschluss mache ich noch ein Foto, die Dame an der Kasse zeigt mir auf
Ihrem Natel die von ihr gemachten Fotos... Offenbar kommen nicht viele Westler
in diese Gegend, mir ist den ganzen Tag kein anderer begegnet und viele Leute
haben den Kopf gedreht... Auf dem Weg zur Busstation bekomme ich ein Anruf aufs
Natel... na ja ich rechne mit ca. 10 Fr welche das mich kosten wird. Na
denkste... 36FR!!!! für dass das ich angerufen werde. Nicht dass ich der Person
jetzt ein schlechtes Gewissen machen möchte nein bitte nicht! Ich erschrecke
schon recht. werde mir wohl eine lokale SIM Karte zulegen oder sonst was. Nimmt
mich ja wunder wo das Geld bleibt, zockt da die Swisscom ab oder sind es die
Chinesen????
Unterdessen ist es schon
dunkel und die Rushhour hat begonnen. Auf der Strasse viel Verkehr, Gehupe und
ein Tohuwabohu. Erstaunlich dass es nicht mehr Unfälle gibt. An der Busstation
hat es viele Motorrad und Rollerfahrer welche die Leute nach Hause fahren
wollen. Mir ist es aber zu kalt und ich warte auf den Bus. Dieser ist schon
voll ich kann mich noch reinzwängen umfallen kann ich nicht mehr. Bin besorgt
dass ich ja die richtige Haltestelle erwischen werde. Zur Not habe ich noch die
Adresse auf chinesisch und auch ein Foto vom Schild der Haltestelle. Auf einer
Kreuzung müssen wir links abbiegen, die Strasse ist völlig verstopft und nichts
geht mehr. Im Gewühl hat es Verkehrsleiter welche versuchen das Chaos zu
organisieren. Wir nehmen eine andere Route durch eine Strasse und die Sorge die
am rechten Ort auszusteigen wird noch grösser. ist schlussendlich aber
unbegründet, die Haltestelle wird sogar auf Englisch angesagt dann noch das
Stück bis zur Werft, am Eingang den Ausweis zeigen und ab zum Schiff. dieses
steht immer noch am gleichen Ort und so kehre ich zurück, glücklich und
zufrieden aber todmüde nach diesem erlebnisreichen Tag. Ich bin froh in meiner
bekannten Umgebung zu sein, es war spannend, erlebnisreich und lustig aber auch
anstrengend.
12. November 2008
Heute muss ich büssen für
den gestrigen Tag... Ich habe mich nicht abgemeldet und so bekomme ich einen
Rüffel vom Kapitän. Nun ich kann ihn ja verstehen, bin nicht gut wenn die Leute
einfach weg sind. Es kommt mir vor wie wenn man zu schnell fährt, man weiss
dass es gefährlich ist, macht es aber trotzdem und schlimm ist ja noch... Es
macht halt schon sehr viel Spass! Nun ich gebe mir heute besonders viel Mühe.
Der Betreuer für die Celine von der Reederei ist auch an Bord, Herr Preisig
auch Superintendant genannt. Er überwacht die Arbeiten am Schiff. Heute kann
ich ihn eine Zeit lang begleiten, ist einerseits sehr spannend da er mir viel
zur Schiffsbauweise erklären kann, andererseits tut es richtig gut wieder mal
schweizerdeutsch zu sprechen. Am Abend gebe ich mir selber Hausarrest und tippe
den Reisebericht.
13. November 2008
Unsere Pontons, das sind Metallklötze,
ca. 10m lang, 4m breit 0.5m hoch und 20 Tonnen schwer werden sind sandgestrahlt
worden und nun bereit für den Anstrich. Tja und da wir in China sind und es
genug günstig arbeitende Chinesen hat muss nicht ich daran glauben mit Schiff
streichen, und da die Chinesen es mit der Genauigkeit nicht so genau nehmen
werde ich ernannt zum Stellvertreter von Herrn Preisig. Zuerst werden sie rot
lackiert die Farbe wird gespritzt mit altertümlich wirkenden laut zischenden
Maschinen. Ich muss vor allem überwachen dass auch die 7 Kübel mit Farbe
verbraucht werden und nicht nur verrechnet, aber mit 6 Kübel gestrichen wird
und einer sonst wo landet. Danach muss die Farbe trocknen und bevor der zweite
Anstrich gespritzt werden kann wird kontrolliert. Ergebnis knapp genügend. Für
den Betreuer von der Werft ist alles kein Problem und es sei ja Garantie auf
der Arbeit, nur nützt die nichts auf hoher See wenn das Schiff dafür extra nach
China muss. Da die Farbe nur verarbeitet werden kann wenn die Luftfeuchtigkeit
nicht zu hoch ist muss ich alle halbe Stunde die Temperatur und
Luftfeuchtigkeit kontrollieren. Dazu hat Mr. Hempel. (Ein Kundenbetreuer der
Firma Hempel welche die Farbe herstellt) ein Gerät welches die
Trockentemperatur und die Feuchttemperatur misst und anhand einer Tabelle kann
dann die Luftfeuchtigkeit abgelesen werden. Da die Böden noch nicht trocken
waren bei der Prüfung werden zuerst alle anderen Flächen gemalt, nun für mich
ist die Farbe danach immer noch sehr feucht und nachdem ich zwei Mal rückgefragt
habe wird mir angeboten man könne auch noch etwas warten. Ich beschliesse 30
Minuten Pause einzulegen. Die Chinesen finden es recht anstrengend mit Hr.
Preisig und ich versuche ihnen zu erklären dass Swiss Quality halt schon ein
höherer Standard sei und der Chef es nicht böse meine. Mit der Meinung es sei
halt der Mentalitätsunterschied geben sich alle zufrieden. Danach ist es zwar
immer noch nicht gut aber schon einiges besser. Herr Preisig ist auch mehr oder
weniger zufrieden. Auf dem Rückweg zum Schiff erzählt er mir sein Werdegang und
ich erfahre viele interessante Sachen auch über die Entwertung der Schiffe.
Dann gibt es nochmals einen Neuzugang, Sandor der 2. Ingenieur geht zurück nach
Ungarn und neu ist Vladimir ein Russe an Bord.
14. November 2008
Zuerst wische ich mal das
Treppenhaus, es steht vor Dreck. Danach erhalte ich wieder einen Job von Herrn
Preisig, ich muss Ventile welche nicht mehr rund laufen entrosten und
Namensschildchen von der Farbe frei kratzen. Eines der Ventile ist schon so verrostet
dass das Gegengewicht abbricht. Wieder einmal merkt man den Unterschied
zwischen den Mentalitäten, der eine Matrose meint warum ich es denn Herrn
Preisig erzählt hätte, ein Chinese hätte es mir sicherlich geschweisst... Und
der Chief wollte wissen ob ich es gesagt hätte und wie die Reaktion gewesen
sei. Irgendwie noch lustig wie alle vor dem Superintendant zittern, Ich gebe
mir wohl auch etwas mehr Mühe dass alles OK ist, aber meine Arbeit finde ich
gut und wenn nicht dann wird das mir schon gesagt und ich kann es verbessern.
Natürlich war es auch kein Problem. Am Nachmittag haben auf einmal alle einen
Spezialjob und so ziehe ich den schwarzen Peter und muss Wache stehen. Der
zweite Offizier spürt offenbar nachträglich den Vollmond, ich werde von Arbeitern
angegangen sie bräuchten dies und das und hole es ihnen da ja niemand sonst da
ist. Dann stehe ich natürlich nicht an der Gangway und kriege so vorwurfsvoll
die Frage warum ich nicht an der Gangway stehe... Am Abend werden wir wieder
verschoben bevor wir morgen dann wirklich ins Trockendock kommen.
15. November 2008
Heute war ein sehr
abwechslungsreicher Tag, Etwas Wache schieben, dann für die Rettungsringe neue
Auslösestifte besorgen, die Beschriftung der Ringe ausbessern wieder etwas
Wache schieben, ein paar Schrauben fetten usw. Am Nachmittag musste ich für die
Betriebssoftware wo alle Daten erfasst werden ein Update machen und das
Inventar aufnehmen. Die Reederei hat unterdessen über 70 PC's auf den Schiffen
und will diese besser verwalten können. Das ist sicherlich ein interessanter
Job die Informatik auf den Schiffen zu betreuen. Danach kann ich im Büro von
Herrn Preisig aufs Internet kurz den Tagi lesen. In der Schweiz herrschen ja
spannende Zeiten punkto Politik... Und Hillary soll Aussenministerin werden...
bin gespannt wer bei ihr unter dem Pult ist!
Am Abend werden wir dann
ins Trockendock geschoben. Zuerst wurden wir nur neben das Dock gestellt, dann
wurde es angepasst danach wurden das Dock abgesenkt und wir reingeschoben; Nun
wieder das Wasser aus dem Dock pumpen und nun sind wir in der Luft. Leider war
es zu dunkel um Fotos zu knipsen.
16. November 2008
Nachdem ich heute den Müll
entsorgt habe gehe ich in halboffiziellem Auftrag in die Stadt. Der Koch
braucht noch Alufolie für die Küche und hat noch zwei Briefe, der Kapitän gibt
mir Geld mit für eine kleine Stereoanlage, und Herr Preisig braucht noch neue
Batterien. Zuerst versuche ich mein Glück im Lotus Shoppingcenter, danach fahre
ich mit einem Motorradtaxi in einen anderen Stadtteil auf der
gegenüberliegenden Flussseite. Offenbar ist es nicht üblich das Westler mit dem
Motorradtaxi unterwegs sind, einige Lastwagenfahrer hupen und winken mir zu und
wenn ich zurückwinke haben sie eine Riesenfreude. Mir macht das Töfffahren auch
sehr viel Spass, auch wenn ich nur hinten sitzen kann.
Auf einmal stoppt er und
schickt mich mit dem Bus weiter. Mit Zeichen gibt er mir zu verstehen dass er
sonst eine Busse bekomme. Für die Fahrt will er 50 Yuan, ich habe keine Ahnung
was angemessen ist und verzichte zu handeln. Mit Hilfe von Passanten komme ich
dann ans Ziel. Dieser Stadtteil ist schon viel mehr touristisch Mac Donalds und
Starbucks sind vertreten, Es hat mehrere grosse Shoppingcenter, mehr Westler
sind zu sehen und auch mehr Chinesen sprechen englisch.
Für meine Kamera suche ich
ein Weitwinkelobjektiv. Es ist ein Riesending und ich verzichte darauf, lasse
mir aber eine Schutzscheibe für die Linse andrehen. 150 Yuan. Da wir in einem
Einkaufscenter sind getraue ich mich nicht zu handeln. Für weitere 100 Yuan
will er mir noch ein Ersatzakku andrehen. Ich verzichte darauf. In einem
anderen Geschäft wird mir dann der Akku für 160 Yuan angeboten. Auf den Hinweis
dass ich den schon für 100 bekommen würde kriege ich ein Angebot für 90 Yuan
und schlage zu.
Sonst ist es nicht viel
anders wie in anderen Tourismusmetropolen. Auf der Post kriege ich die
richtigen Marken und mit dem Taxi fahre ich dann wieder zum Lotus. Die Fahrt
kostet mich 31 Yuan... nun ein Motorradfahrer freut sich über den guten Deal
und ich habe auch gelernt.
Ich gehe wieder ins
Internetcafe und leiste mir für die Heimfahrt nochmals eine Motorradfahrt.
Diesmal frage ich vorher nach dem Preis. Er verlangt 15 Yuan und ich zeige ihm
dass ich nur bereit bin 10 zu bezahlen Unter grossem Gelächter der Umgebung
akzeptiert er und bringt mich zur Werft. Natürlich wie beim ersten Mal mit viel
Gehupe, Rotlichter sind nur bedingt rot und ein Helm gibt es auch nur für den
Fahrer. Vor der Werft gönne ich mir dann noch zwei Grillspiessli und wie auf
chinesisch Poulet sagen? Ich gackere los und schlage mit den Flügeln worauf die
Verkäuferin mich verdutzt anschaut und zurückfragt „Chicken?“... tja sie kann
englisch...
17. November 2008
Wieder einmal war ich heute
den ganzen Tag auf StandBy und so habe ich mich halt selber beschäftigt und für
die Neuen Crewmitglieder die „Crew Identification Card“ gemacht. Am Nachmittag
geh ich nochmals in die Stadt. Ich will mir noch ein DVD Laufwerk für mein
Notebook kaufen und der Kapitän beauftragt mich eine Stereoanlage für die Messe
zu kaufen. Nun dass ist gar nicht so einfach, ich finde keinen Laden der
wirklich eine grosse Auswahl hat, vielfach fehlt der Radio... Bin mir nicht
sicher ob die Chinesen viel Radio hören... Mit dem Natel kann ich zwar schon
ein paar Stationen empfangen. Nun in einem Supermarkt werde ich fündig.
Probegehört wurde mit einer Chinesichen Version von Moder Talking, tönt lustig,
bekannte Melodie und dann den chinesischen Singsang dazu. Leider ist die
Bedienungsanleitung nur in Chinesisch.... Da der Kapitän mir gesagt hat er
wolle das Geld unter keinen Umständen umtauschen beschliesse ich die Anlage
trotzdem zu kaufen. Der Verkäufer zeigt mir dann alle Funktionen der
Fernbedienung und ich schreibe die englischen Begriffe in die Gebrauchsanleitung.
Die halbe Abteilung schaute zu und versuchte mitzuhelfen. Nach über einer
Stunde sind wir fertig... Natürlich konnte niemand englisch und so wurde mit
Handzeichen und Gesten gearbeitet... Bei der Bushaltestelle wartet schon der
978er welche mich zurück zur Werft bringt und so spurte ich los mit der grossen
Schachtel in den Armen über eine sechsspurige Strasse. Dank wenig Verkehr und
dem wartenden Busfahrer kann ich auch noch mitfahren. Dieser nimmt es ganz
genau dass bezahlt wird und „nötigt“ wirklich jeden seine Fahrt zu bezahlen,
sein was mir als fleissiger ÖV-Benutzer natürlich besonders sympathisch ist.
18. November 2008
Wieder einmal bin ich heute
für meine Lieblingsbeschäftigung abdetachiert: Putzen. am Morgen die Treppen
und Decks ausserhalb des Schiffes, am Nachmittag die Umrandungen der offenen
Ladeluken. Da ja alles sandgestrahlt wurde kommt schon einiges zusammen. Bei
den Ladeluken fällt mir auf wie viel Rost am Schiff ist und der Begriff
schwimmender Rosthaufen ist nicht ganz falsch... trotz all den
Renovationsarbeiten. Dann noch den Müll in den Container bringen und der Tag
ist schon gelaufen.
19. November 2008
Wir sind wieder im Wasser,
das Schiff ist unterdessen frisch gestrichen und wieder schön rot und grau. Nur
sieht man schon wieder wo dass rostiges Wasser über die Farbe gelaufen ist und
wahrscheinlich sieht es schnell wieder alt aus. Zum ersten Mal konnte ich heute
Rost klopfen, es war zwar mehr ein Schaben. Vom Loyd der
Versicherungsgesellschaft wurden zwei Leitungen bemängelt. ich musste die
schadhafte Stellen den Rost abkratzen und dann wurde wieder Farbe darüber
gepinselt. Am 21. ist unsere Abfahrt vorgesehen, wohin ist noch nicht bekannt.
Hier hat auch langsam der Winter Einzug gehalten, Heute ging ein saukalter Wind
und es wurde nur knapp 10 Grad warm.
20. November 2008
Wieder einmal das normale
Programm, Aufstehen Essen Abfall Eimer leeren, Treppenhaus wischen und dann
StandBy bis es einen Job zu tun gibt. Gegen Mittag hiess es Abfahrt morgen
zwischen 4 und 5Uhr früh... Es kam dann eine Hektik auf und es herrschte ein
emsiges Treiben, Am Abend hiess es dann der Termin sei abgesagt. Ich konnte mit
dem Techniker vom Kran den Ausleger justieren. Dazu zeichneten wir auf den
grünen Pontons verschiedene Messpunkte ein, dann wurde der Hacken exakt dort
positioniert und der Techniker setzte die Begrenzungsstifte im Schaltkasten des
Kranes. Mein Job war ihm zu zeigen wenn der Hacken an der richtigen Position
war. Danach braucht der Kapitän noch etwas Unterstützung mit seinem Natel, Er
hat sich eine Chinese Kopie von Nokia 62 gekauft für ca. 250 $ Nun in dieser
Version ist noch ein Entertainmentprogramm eingebaut, Gewisse Zeichen sind
nicht dort wo sie angeschrieben sind... ist fast wie Memory... Ich überlegte
mir ob ich auch ein billiges Natel kaufen soll, aber für so was ist mir dann
auch noch 50$ zuviel. Kurz vor 22 Uhr kommt erreicht dann noch der neue 2,
Offizier das Schiff. Sein Flug war verspätet und er wurde schon sehnlichst
erwartet. Er kommt aus der Ukraine und scheint etwa gleich alt wie ich zu sein.
21. November 2008
Wieder einmal das normale
Programm. Um 9 Uhr wurde dann Miklos der alte 2. Offizier aus Ungarn abgeholt,
sein Vertrag ist zu Ende und er geht nun nach Hause. Dann hörte ich noch von
der ersten Amtshandlung von Obama, er will das weisse Haus schwarz
anstreichen... Am Nachmittag kann ich nochmals im Büro von Herrn Preisig aufs
Internet bevor es dann morgen definitiv losgeht. Wir werden wohl wieder zum
Ankerplatz fahren und dort auf neue Anweisungen warten welche am Montag
erwartet werden. Am Abend geh ich noch meine letzten Yuan verputzen. Der Chief
gibt mir seine auch noch mit. Ganz Klische gemäss soll ich ihm, Russe, dafür
Wodka bringen und ich kaufe für mich Schweizer, Schokolade. Ich bin erstaunt
wie günstig es ist und kaufe gleich 10 Riegel. Es stellt sich dann heraus dass
die Chinesen ein Kakaobutterersatz benutzen und die Schokolade daher so günstig
ist. Vom Geschmack her ist es nicht dass wahre... Es schmeckt schon nach
Schokolade, aber das Aroma flach und nicht so voll wie bei echter Schokolade.
Nun ich werd die Riegel verschenken kann sie ja als Souvenir nach Hause bringen
für die Leute welche ich nicht so mag...
22. November 2008
Nachdem die letzten
Reparaturarbeiten am Kran vollbracht sind geht es nun endlich los. Ich kann zum
ersten Mal alleine die Winde bedienen, bin schon etwas stolz auf mich! Wir
haben unterdessen sogar den neuen Auftrag bekommen, es geht via Südchina,
Thailand nach Spanien. Als Fracht sollen wir wieder Stahl laden. Ich freue mich
dass es los geht, langsam hatte ich genug von China, dennoch kommt auch ein
wenig Wehmut auf, habe ich mich doch schon eingelebt. Nach dem Ablegen muss ich
Pontons, die Abdeckungen der Laderäume befestigen. Es geht ein saukalter Wind.
Als ich fertig bin suche ich mir schnell eine Arbeit im Innern, bevor der Chief
auf eine andere Idee komm und so reinige ich das Treppenhaus. Aus dem Internet
habe ich mir die letzten 5 Aufzeichnungen der Sendung Echo der Zeit herunter
geladen, ich freue mich richtig diese zu hören und geniesse es wieder mal
ausführlich News zu bekommen, zudem vermittelt es mir ein Gefühl von Heimat.
Bin erst jetzt auf die Idee gekommen, muss beim nächsten Landgang früher daran
denken... DRS soll schon mal ne dicke Leitung bereitstellen und die Server auf
Highspeed stellen!!!
23. November 2008
Sonntag ist meistens
Ruhetag und das ist auch wieder so. Wir sind auf dem offenen Meer aber nur im
Ecospeed unterwegs, offenbar eilt es nicht so. Ich verbringe den Tag mit Kabine
aufräumen, Kleider waschen und Putzen. Um mehr Platz zu haben schiebe ich das
Bett zusammen, ist nun nur noch 80cm breit, dafür hat es mehr Raum. Am Abend
versuche ich noch das Soundsystem am TV anzuschliessen, das klappt leider nicht
so ganz, es kommt kein Bild und nun rächt sich dass die Bedienungsanleitung nur
auf chinesisch ist. Ich finde zwar den Ausdruck PAL und NTSC, und ein
chinesisches Zeichen in der Nähe ist auch auf der Fernbedienung, aber ich komme
nicht zum Ziel. Werde mir im nächsten Hafen einen Chinesen schnappen der mir da
helfen soll. In letzter Zeit studiere ich ab und zu daran herum was nach der
Celine kommen soll. Soll ich den Sommer hindurch arbeiten, ich könnte dann Töff
fahren gehen und dann im Herbst wieder aufs Schiff gehen, aber lässt dass die
Wirtschaftslage zu... nächsten November ist es 20 Jahre her seitdem die Mauer
gefallen ist, dann in Berlin zu sein währe sicherlich auch sehr spannend. Ich
merke dass ich nun schon am Reisen bin und momentan sind meine Reisepläne etwas
in den Hintergrund geraten. Nun ich habe ja noch Zeit zum studieren und so
hoffe ich dass sich die richtige Lösung automatisch herauskristallisieren wird.
24. November 2008
Heute ist einen Monat vor
Weihnachten. Ich freue mich darauf, bin gespannt wie es wird, verdrückt sich
dann jeder in seine Kabine? Wird die Messe dekoriert, gibt es ein Festessen,
lässt die Reederei was springen? Oder ist jeder froh wenn er die Festtage heil
übersteht und es vorbei ist? Ich möchte mir einen Adventskalender zulegen und
falls ich im nächsten Hafen was finde dekoriere ich meine Kabine.
Ansonsten war heute Putztag
und oh wunder es wurde Swissstyle geputzt. Sogar die Wände und das
Treppengeländer wurden geschruppt und alle gaben sich sehr Mühe. Das mühevoll
verlegte Papier in Schiffsbüro und im Büro vom Kapitän wurde herausgerissen und
ich musste wieder mal den Teppich nass schruppen. Der Kapitän meinte machte ein
paar staunende Ahhs und Ohhs wie sauber es geworden währe und gab mir zum Dank
ein paar Früchte, ich bin aber nicht sicher ob man überhaupt einen Unterschied
sah. Offenbar hatte er fast ein schlechtes Gewissen dass er mich seine
Privatgemächer putzen liess... Am Abend sehe ich mir noch den Film „Das Parfüm“
an. Eine tolle Geschichte und der Film ist auch sehr gut gemacht. Ganz zufrieden
gehe ich schlafen.
25. November 2008
Leider habe ich nicht gut
geschlafen und stemme mich mühevoll aus dem Bett. Wir müssen heute wieder mal
die Laderäume putzen. Von der Werft her sind sie noch voller Staub. Aus den
Bilgen kratzen wir noch ölig stinkenden Dreck und wieder einmal muss ich mir in
Erinnerung rufen dass ich freiwillig hier bin und nicht so eine Memme sein
soll. Am Nachmittag kommt von irgendwoher Wasser in den Laderaum, vermutlich
wurde im Maschinenraum eine Pumpe auf blasen statt auf saugen gestellt. Nun wir
können nochmals von vorne anfangen halleluja! Ich bin heilfroh ist es
Feierabend. Der Chief beauftragt mich dann noch die Eignerkabine bereit zu
stellen, im nächsten Hafen werde der Kapitän ausgetauscht. Dieser hat dann noch
ein PC Problem das gar keines ist. Im Excel werden Felder mit Formeln nun erst
mal ausgefüllt wenn es was zu rechnen gibt. Ich würde gerne wieder mal mit paar
Leuten eine Party feiern. Angeblich soll der Hafen in Thailand nah bei Pattaya
sein jedoch müssen wir zuerst noch ne Runde China einlegen. Vom Süden soll es
nochmals in den Norden gehen, noch weiter hoch wie Shanghai und dann erst nach
Thailand.
26. November 2008
Sch... hab ich schlecht geschlafen
letzte Nacht! Weiss nicht ob Voll- Leermond oder auch nur die etwas grössere
Wasserader daran schuld war, jedenfalls komme ich kaum aus dem Bett und es
reicht gerade noch eine Ovo zu trinken, dann muss ich auch schon zur Arbeit.
Wieder dieses stinkende Wasser rausschöpfen, den grössten Teil können wir schon
rauspumpen, den Rest schöpfen wir mit Eimer Mopp und Schwamm raus. Nach dem
Film das Parfüm stelle ich mir den feinen Duft der Provence vor und wie ich die
Gegend mit dem Motorrad erkundige, werde durch den Motorenlärm und das
Schwanken schnell wieder in die stinkige Realität zurückgeholt. So bin ich froh
als ich am Nachmittag wieder mal die Werkstatt aufräumen kann. Und schliesslich
bin ich ja freiwillig hier und habe bei allen mit dem Schiff geblufft also
Schluss mit Memme raushängen und weiter arbeiten, jawohl!
27. November 2008
Heute wird das Schiff auf
Vordermann gebracht, es wird gewaschen, geputzt und gestrichen. Ich muss noch
die Eignerkabine richten, der Chief fragt mich schon ganz nervös wie es
vorwärts gehe. Dann gibt’s noch Geld vom Kapitän, der Baranteil vom November
wird ausbezahlt, ich erhalte zuerst 90 Euros und als ich mich erkundige wann
Euros ausbezahlt werden und wann Dollars meint er dass Offiziere Euros erhalten
und der Rest. Nun ich wurde irrtümlich „befördert“ und die Euros werden gegen
Dollars getauscht. Am Abend schau ich noch zwei lustige Filme. Mine, yours and
ours ist eine Familienkommödie über zwei allein erziehende welche zusammen 18
Kinder haben und zusammenziehen, der Andere über die Präsidententochter welche
mit 18 frei sein möchte und nicht immer vom Sicherheitsdienst überwacht werden.
Sie findet in Prag dann einen Kumpel und zieht mit dem via Venedig Österreich
nach Berlin. Dieser löst bei mir starkes Reisefieber aus. Ich würde am liebsten
sofort losziehen und mit dem Töff Europa erkundigen. Von Gibraltar bis St.
Petersburg, von Sizilien bis ans Nordkap und von Schottland bis Griechenland.
Dies habe ich in jungen Jahren verpasst, ich war nie richtig in Europa unterwegs
und das vermisse ich jetzt. Ich bin mir am überlegen ob ich im Sommer durch
Europa ziehen soll. Nach China habe ich genug vom Exotischen.
28. November 2008
Einmal mehr habe ich
schlecht geschlafen und so bin ich froh dass heute ein ruhiger Tag ist. Brücke
reinigen, Excelprobleme lösen, schlafen und Fotos bearbeiten ist angesagt. Für
den Koch brenn ich noch ein paar CDs. Er freut sich sehr, ich will aber nichts
dafür und bin auch froh wenn er mir wieder mal ein Sonderwunsch erfüllt. Wir
müssen vor Fengschang an Anker gehen. Vietnam muss auch gleich um die Ecke
sein, ich kann ein vietnamesisches Mobilfunknetz empfangen. Noch immer zieht
mich das Fernweh. Nach Thailand gehen wir zuerst nach Frankreich und dann nach
Nordspanien. Ich bin mir am überlegen ob ich mich in Frankreich abseilen soll.
Im Moment habe ich den Koller und das Gefühl ich verpasse etwas. Fühle mich auf
dem Schiff gefangen, Der Gedanke an den Winter in Europa stellt diese Idee dann
aber wieder in den Hintergrund. Interessanterweise wenn ich innerlich ein
Gnusch habe dann fange ich an die Kabine aufzuräumen..
29. November 2008
Um halb acht werde ich vom
Chief gerufen. Wir können schon heute in den Hafen hineinfahren und ich muss
helfen bei den Vorbereitungsarbeiten. Strickleiter anbringen, Verriegelung der
Ladeluken öffnen usw. Noch vor 12 Uhr sind wir dann im Hafen. Ich muss zuerst
Wache schieben, kann danach dann in die Stadt. Vom Hafen kann ich zu Fuss
gehen. Zuerst durch das Hafengelände alles ist sehr staubig, die rumstehenden Güter
sind alle mit olivgrünen Blachen abgedeckt, es sieht etwas gespenstisch aus.
Gleich nach dem Hafengelände komme ich an einem Shop vorbei, ein Chinese will
mir was verkaufen, ich frage nach Internet und er bringt mich in ein
Hinterzimmer wo ein PC steht. Zuerst will er einen Dollar pro Stunde, ich mach
ihm dann schnell klar dass ich in Shanghai, 10 Yuan für 3h bezahlt habe und
nicht bereit bin mehr zu bezahlen. Er akzeptiert und so geniesse ich es 3h lang
Mails zu schreiben, News zu lesen und lade die Echo der Zeit der letzten Woche
herunter. Plötzlich steht Vladimir der zweite Ingenieur neben mir. Sie haben
ihn auch abgefangen „your friend“ würde schon hier sein. Er schaut dann auch
noch in seine Mailbox. Danach gehen wir auf seinen Vorschlag eine Massage
geniessen. Der Chinese bringt uns dahin. In einem Coiffuresalon geht es in den
oberen Stock dort sind zwei Liegen. Dann werden wir gut 45 Minuten lang von
Kopf bis Fuss massiert. Es tut sehr gut, ich kann aber nicht richtig entspannen
und bin dadurch an den Beinen kitzelig was die Masseuren verwundert. Natürlich
versteht sie kein Englisch und ich immer noch kein Chinesisch. Nach der Massage
gehen wollen wir noch etwas essen gehen und der Guide bringt uns in ein
Restaurant. In verschiedenen Aquarien hat es allerlei Fische und in einer
Kühlvitrine div. Fleischstücke. Kurz danach ist es schon zubereitet zusammen
mit Gemüse und schmeckt sehr gut. Dann kommt noch die Puffmutter und preist uns
ihre Girls an. Schon krass für 35 Dollar ist ein Fick zu haben. Ich stelle mir
vor wie „freiwillig“ die Girls das wohl machen und lehne dankend ab. Der
Chinese schwört uns darauf ein wir sollen uns ja niemandem anschliessen, es sei
zu gefährlich wegen der Mafia usw... ich vermute aber mehr er will sich das
Geschäft nicht entgehen lassen. Als ich ihn dann darauf anhaue dass er ja wohl
auch Provision kassieren will wird er dann fast wütend er hätte nur den Laden
und würde sich nicht bereichern. Nun ich bin mir da nicht so sicher. Danach
gehen wir zurück und trinken auf dem Schiff noch ein Tee.
30. November 2008
Ich geniesse es wieder mal
auszuschlafen. Danach höre ich mir einen ersten Teil der Echos an. Nach dem
Mittag mache ich einen Stadtbummel. Die Stadt ist erst ca. 40 Jahre alt. Im
Vietnamkrieg sei das Gebiet stark umkämpft gewesen danach wurde der Hafen
eröffnet und die Stadt aus dem Boden gestampft. Teilweise sind die Gebäude
recht prunkvoll, andere sind grässlich graue Klötze. An den Bäumen sind rote
Lampions aufgehängt, insgesamt kommt es mir typischer chinesisch vor wie
Shanghai. Auffallen viele Handyshops gibt es, die Handys sind aber meistens
chinesische Kopien. Ich bin verwundert dass die alle überleben können. Danach
komme ich zur Markthalle. Diese ist sicherlich über 100m lang und es wird alles
verkauft. Kleider Nahrungsmittel Haushaltssachen usw. Staunend schlendere ich
durch die Halle und immer wieder wird mit einem „Hello“ versucht meine
Aufmerksamkeit zu erwecken. Ich Grüße mit einem „Nihau“ zurück und gehe weiter.
Beim Shop mit Internet erstehe ich mir einen neuen Koffer und einen Rucksack.
Beides würde zuerst 45USD kosten, ich kann es dann noch auf 40 Dollar und
gratis Internet runterhandeln. Vermutlich bezahle ich ja immer noch viel zu
viel. Dieses Mal hat es im Hinterzimmer einen Haufen Leute und auf dem Tisch
liegen Geldscheine. Die Lady welche den Shop führt diskutiert meistens sehr
laut und muss sich offenbar wehren. Für mich macht es den Eindruck dass hier
die Mafia gerade die Tantiemen einzieht und bin froh als die Truppe abzieht.
Plötzlich zieht Dorel vorbei und drehe mit ihm noch eine Runde, dann geht’s
zurück zum Schiff.
1. Dezember 2008
Heute hat es mich erwischt,
eiskalt und mit voller Wucht. Es kotzt mich grässlich an. Ich habe das Tief ja
erwartet bin nun aber doch überrascht wie heftig es ist. Offenbar merkt sogar
der Käpten dass etwas mit mir nicht stimmt und will wissen wie es mir geht. Tja
ich erzähle ihm von meinem Heimweh und er erzählt mir dass es ihn auch jedes
Mal bedrücke wenn er in den Häusern das Licht sieht und sich vorstellt wie die
Paare jetzt zusammen auf dem Sofa sitzen und TV schauen. Arbeitsmässig gibt es
heute wieder mal nicht viel zu tun und so verdrücke ich mich in die Kabine und
schlafe mal ne Runde. Am Nachmittag ist nicht viel mehr los und ich will in die
Stadt jedoch wird gerade Proviant angeliefert und da ist es Ehrensache
mitzuhelfen die Sachen zu verstauen. Danach gehe ich mit Vladimir in die City.
Wir machen zuerst einen Stadtbummel, er schaut sich Schuhe an. Danach gehen wir
durch den Foodmarkt. Ist gewaltig was es da alles zu sehen gibt und wie...
die Hühner werden lebend verkauft, getrocknete und frische Fische Jeglicher
Art. allerlei Gemüse usw. Natürlich will uns jeder was verkaufen wenn ich
stehen bleibe und ein Foto knipse möchte. Einmal vergesse ich zu fragen, auf
einer Wage sind etwa 5 Hühner zusammengebunden. Der Standbesitzer wird er
wütend, fängt an herumzukeifen und bespritzt mich mit Wasser so dass ich
schnell den Rückzug antrete. Wieder auf der Strasse folgt uns plötzlich ein
Chinese wie ein Schatten. Vladimir will in einer Apotheke Aspirin kaufen das
Personal kann jedoch kein Englisch und so übersetzt der Chinese mehr oder
weniger gut. Von nun an ist er immer an unserer Seite und als wir dann in ein
Seafood Restaurant gehen ist es selbstverständlich dass er sich auch zu uns
hinsetzt. Er bittet dann um eine Schale gebratenen Reis für seine Dienste.
Vladimir lässt ihn dann zuerst etwas zappeln, aus meiner Sicht hat er ihm ja
wirklich geholfen. Der Chinese hat einen kleinen Laden und verdient gerade so
seinen Unterhalt. Mit den Zusatzdiensten bessert er sich seinen Unterhalt auf.
Nach dem Essen drehen wir nochmals eine Runde durch die Stadt. Dann geht er
nochmals eine Massage geniessen und ich gehe ins Internet.
2. Dezember 2008
Heute ist noch weniger los wie
gestern. Ich bin noch müde und stehe erst gar nicht auf. Gegen halb zehn kriech
ich dann doch aus dem Bett und prompt klingelt gleich das Telefon ich solle
doch herunterkommen und an die Gangway stehen. Ich muss nicht Wache schieben
sondern mit Dorel die Pontons im Laderaum anketten da die sonst bei hohem
Seegang sich verschieben könnten. Den Rest des Tages bin ich auf StandBy und so
kann ich die Zeit für mich nutzen. Am Abend müssen wir das Schiff drehen, Was
in Shanghai ruckzuck ging ist hier eine äusserst langwierige Sache. Wir haben
über zwei Stunden für das Manöver. Ich habe den leisen Verdacht dass wir für
das Schleppboot im Minutentakt bezahlen...
3. Dezember 2008
Einmal mehr bin ich auf
StandBy gesetzt. So sammle ich den Abfall ein und putze die Waschküche und da
die Toilette sehr schmutzig ist wird diese auch gleich noch geputzt. Der neue
Kapitän will wissen warum ich putze... na ja weil es schmutzig ist. Es scheint
als begreife er die Welt nicht mehr, sagt aber nichts mehr. Am Nachmittag nachdem
ich wirklich nichts zu tun hatte beantrage ich nochmals Landgang, setzte mich
aber in die Nesseln weil ich ehrlich bin und als Begründung keine Arbeit
angebe. Der Käpten bestellt dann auch noch ein paar Sachen. Wir haben nun zwei
Fahrräder und können so fahre ich mit dem Velo in die Stadt. Offenbar ein
ungewohntes Bild für die Chinesli. In einer Drogerie brauch ich Deo und einen
Kamm. Natürlich alles mit Handzeichen, es gibt viel Gelächter. Danach geh ich
noch durch den Markt. Langsam habe ich es im Griff mit dem Handeln, vermutlich
bezahle ich ja immer noch zuviel aber nicht mehr diese Fantasiepreise. Bevor es
am Abend dann weiter geht stell ich noch den neusten Bericht online. Vermutlich
morgen fahren wir los nach Nordchina.
4. Dezember 2008
Heute soll es los gehen und
so muss ich zuerst die Fenster der Brücke reinigen, innen und aussen. Danach
noch den abgetauten Kühlschrank reinigen und die Umgebung drum herum. Um 12 Uhr
soll das Schiff fertig beladen sein und um 15 Uhr in See gestochen werden. Nun
sollte..... der Käpten ist nicht zufrieden wie die Ladung befestigt ist und so
müssen die Chinesen nochmals antraben und er zeigt ihnen wie es sein muss. Wir
haben Stahlplatten geladen welche wir bis nach Bilbao / Nordspanien bringen
werden. Vor China ist ein heftiger Monsunregen angekündigt und ich beginne
meine Kabine seetauglich aufzuräumen. Alles wird eingepackt und eingeschlossen.
Um 18 Uhr bekommen wir die Information dass wir nicht vor 21 Uhr losfahren
werden wann genau sei dann aber immer noch unbekannt. Die Arbeiter sind nun
aber fertig und so können wir die Ladeluken fertig verschliessen. Der neue
Termin ist dann um 21.30 Uhr. Der Lotse kommt an Bord und wir können losfahren.
Ich bin wie immer hinten am Heck und helfe die Leinen einzuholen. Der zweite
Offizier ist noch nicht so erfahren und schwirrt wie eine wilde Wespe umher,
Sveto als erfahrener Matrose nimmt die Sache aber viel cooler und ich kenne
mich nun langsam auch aus und nehme es lockerer. Über Funk lernen wir das
Temperament des neuen Käpten kennen. Am Bug ist eine Leine verklemmt und er
rattert seine Befehle wie ein Maschinengewehr runter. Er kommt aus Rumänen ist
ca. 60 Jahre alt und sieht aus wie der Kapitän aus der Igluwerbung, Bart und
Haar sind schneeweiss. Nun irgendwann ist die Leine befreit und wir können
losfahren. Als hinten alles zusammengeräumt ist geh ich vorne beim Bug helfen.
Über Funk hören wir immer noch die Salven des Kapitäns und ich muss helfen die
Leier für den Lotsen anzubringen. Olek der zweite Offizier ist sich etwas
grössere Schiffe gewöhnt und schwirrt nervös umher. Offenbar deckt sich das
Lehrbuch nicht ganz mit der Realität, sobald er auch etwas eingespielt ist wird
sich dass dann auch wieder legen. Die Leiter ist dann ausgebracht der Lotse von
Bord gegangen und wir können zusammenräumen. Inzwischen ist es schon nach
Mitternacht, der Kapitän verordnet uns Ruhezeit bis 13 Uhr am nächsten Tag was
von der Mannschaft sehr geschätzt wird. So geht’s ab unter die Dusche und dann
müde ins Bett.
5. Dezember 2008
Ich geniesse es sehr
auszuschlafen und stehe erst kurz vor Mittag auf. Nach dem Mittagessen muss ich
mit Dorel zusammen auf die Brücke. Ich meinte immer so ein Schiff sei fix
eingerichtet, na denkste. Kühlschrank wird gezügelt, ein Büchergestell hier abgeschraubt
und dort wieder befestigt, Dazwischen der Kapitän welcher zeigt wie er es haben
will. Alle Kästchen werden ausgemistet und rausgeputzt. Ich bringe es dann noch
fertig das Fensterputzmittel auszuleeren worauf er mich von der Brücke
schickt... Zum Glück habe ich vom Vortag die Haushaltspapierrolle vergessen und
so kann ich mein Missgeschick schnell beseitigen. Danach verzieh ich mich auf
das Aussendeck und warte brav bis ich Dorel wieder helfen kann. Dazwischen
kommt noch der zweite Offizier und schmeisst alte Verzeichnisse ins Meer. Ich
beteilige mich dabei, schmeisse es aber nicht am Stück sondern bündelweise ins
Meer, Minutenlang trägt der Wind das Papier übers Wasser ist spannend zuzusehen
und macht sehr viel Spass, tja das Kind im Manne.... Prompt steht dann auch
schon bald der Käpten neben mir und findet ich solle gefälligst alles ins
Wasser werfen, die einzelnen Seiten würden sonst wieder aufs Schiff fliegen. Er
übernimmt dann auch gleich das Werfen. Ich bin froh als wir fertig sind und ich
mich von der Brücke verdrücken kann. Ein neuer Kapitän ist wie ein neues Leben,
alle müssen sich umstellen und sich an den neuen Chef gewöhnen. Ich habe noch
etwas Mühe und sehen mir den alten Kapitän Lantos zurück.
Nach dem Abendessen gibt es
dann noch eine Premiere. Ich füttere zum ersten Mal die Fische. Ich finde es
hat nicht mal so hohe Wellen, danach geht es mir aber besser. Mit Chips und
Snackgebäck mit Pizzageschmack ersetze ich das Abendessen.
6. Dezember 2008
Nikolaustag. von dem ist
aber auf dem Schiff nichts zu merken. Ich stehe erst knapp vor acht Uhr auf und
nehme mir noch ein Brötchen bevor wir beginnen das Schiff zu putzen, das
übliche Samstagsprogramm. Ich muss an den Türen die Flecken wo die Leute mit
dreckigen Fingern hingelangt haben wegputzen.
Mein Magen meldet sich
wieder, ich schaffe es gerade noch nach draussen zu rennen, die richtige Seite
zu finden bevor das Brötchen den Weg zu den Fischen findet... Elendlich fühlend
leg ich mich ins Bett wo ich mehr oder weniger den Tag verbringe. Am Abend geht
es mir dann wieder etwas besser und ich gehe zum Znacht. Es gibt eine Art
Kebab, schmeckt gut und gefällt auch meinem Magen. Später am Abend will ich
noch ausprobieren wie die neue Stereoanlage in der Messe mit einer Memorycard
funktioniert. Ticho und Bubu feiern fröhlich angeheitert Party und ich feiere
mit. Wir hören Musik, tanzen rum und geniessen den Abend.
7. Dezember 2008
Ich stehe wieder zum
Mittagessen auf, geniesse aber nur zwei Teller Suppe. Bubu ist auch dort, er
leidet an den Nachwirkungen des Bierkonsums vom Vorabend und erzählt mir von
seinen ersten Monaten auf See und was sie als Cadet alles angestellt hätten.
Ist wohl besser bin ich der einzige Cadet auf dem Schiff... meine Phantasie
könnte sich sonst noch negativ auswirken... Noch immer haben wir recht starken
Seegang und so verbringe ich den restlichen Tag mit liegen, Musik hören, gamen
und Tagebuch schreiben.
8. Dezember 2008
Wie immer klingelt der
Wecker um sieben Uhr. Ich schlafe jedoch wieder ein und erwache Punkt acht Uhr.
Wie der Blitz stürze ich mich ins Kombi und ab ins Cargooffice... Komme gerade
rechtzeitig. Mein Job heute ist es wieder mal die Eignerkabine zu richten,
offenbar sollen im nächsten Hafen wieder Gäste an Bord kommen. Immer noch spüre
ich den Seegang und das abrupte Aufwachen gibt mir den Rest so dass ich nicht
so leistungsfähig bin und froh dass die Zeit rum geht. Am Nachmittag müssen wir
noch die Ladung sicheren und ein paar andere Jobs erledigen. Ich finde hinter
dem TV ein Satkabel und im Schrank einen Satempfänger. Signal kann ich aber
keines empfangen. Ich gehe dem Kabel nach und muss leider feststellen dass es
zuerst nach oben geht, danach nach draussen, dann aber leider gekappt ist. So
verfliegen die aufkeimenden Hoffnung nach CNN oder einem anderen Newssender
doch wieder recht schnell.
9. Dezember 2008
Heute habe ich einen coolen
Job gefasst. Wir müssen in den Laderäumen „not weld“ (nicht schweissen)
hinschreiben. Ich muss dazu die Schablonen für die Buchstaben herstellen.
Zuerst will ich alte Seekarten dafür verwenden, der zweite Offizier welcher mir
sagen könnte ob ich diese wirklich brauchen kann ist aber am schlafen und ich
will ihn nicht wecken. Der Chief meint dann ich solle die Buchstabenumrisse mit
Klebband machen sei eh schneller, irgendwie werde ich mit dieser Methode nicht
warm. So entschliesse ich mich von alten Katalogen welche ich in meiner Kabine
finde die Umschlagsseiten welche innen nicht bedruckt sind zu nehmen. Offenbar
bin ich nicht der einzige welcher auf diese Idee kam, fehlen doch schon einige
Seiten. Diese bedrucke ich dann mit dem Laserdrucker, dabei gerät etwas
Klebstoff auf die Tonerrolle und jedes Papier hat nun einen schwarzen
Streifen... super! Mit einem Taschentuch kann ich den Klebstoff abkratzen so
dass der Drucker wieder einwandfrei druckt, Glück gehabt. Danach kann ich die
Buchstaben ausschneiden zusammenkleben und dann ist auch schon Mittag. Ich
geniesse es richtig etwas „ruhige“ Arbeit zu machen. Nach dem Essen wird
gepinselt zusammen mit Ticho. Wir nehmen einen Stück Schaumstoff, binden eine
Ecke zusammen und haben so eine Art Pinsel. Funktioniert tip top und ich bin
sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Am Abend helfe ich zuerst Ticho ein Pcproblem
lösen danach hat Sveto noch ein Problem mit einem Game. Das Problem liegt dann
aber nicht am PC sondern im Game muss ein PC zum laufen gebracht werden... nach
wenigen Minuten ist das geschafft, wir scheitern jedoch an einem Passwort dass
nun gesucht wird. Ich lasse Sveto alleine suchen und will schlafen gehen, kann
aber nicht einschlafen und beginne zu Lesen. Es ist ein Krimi der in der Region
Ulm spielt und eine Bogen spannt von Görlitz bis nach Tel Avif und von der
Gegenwart zurück geht in die Kriegsjahre. Dieser ist so spannend dass ich ihn
bis 3 Uhr morgens durchlese danach aber nicht wirklich müde bin dafür hungrig.
In der Küche finde ich noch einen Teller Lasagne, dieser schmeckt zu der Zeit
umso besser.
10. Dezember 2008
Pünktlich um acht Uhr bin
ich im Cargooffice, jedoch büsse ich für die kurze Nacht. Zuerst muss ich bei
der Laderaumabdeckung die weissen Stellen wo der Kran einhaken muss neu
streichen. Ich geniesse es an der Sonne zu arbeiten und vom Anschiss voriger
Woche ist längst nichts mehr vorhanden. Am Nachmittag kann ich nochmals eine
Schablone herstellen und dann pinseln. Am Abend versuche ich für Bubu einen
Joystick zum laufen zu bringen leider klappt es aber nicht und auch den Versuch
sein Notebook mit meinem zu verbinden geht nicht via WLAN.
12. Dezember 2008
Einmal mehr müssen wir das Schiff
fetten. Wir sind nun schon auf der Höhe der Koreanischen Halbinsel und so hält
auch bei uns der Winter Einzug. Wohl scheint die Sonne doch es bläst ein
arschkalter Wind der einen wie ein Schlag trifft. Schnell gehe ich Jacke und
Kappe holen bevor ich dann wirklich arbeiten kann. Bin froh als die Kaffeepause
endlich da ist. Langsam entwickle ich mich zum Teetrinker, seit etwa einer
Woche geniesse ich in den Pausen eine Tasse Tee zu schlürfen. Nach der
Nachmittagspause muss ich dann noch die Fenster der Brücke runter waschen. Wir
haben nur 6 Grad und so frier ich mir nach dem Arsch am morgen nun noch die
Finger ab. Schnell verzieh ich mich in die Kabine. Am Abend können wir dann
nach Xingang hineinfahren. Es ist ein sehr grosser Hafen mit unzähligen Kränen.
Da es schon dunkel ist sehen wir nicht sehr viel. Bis alles vertaut und
verstaut ist wird es Mitternacht bis ich ins Bett komme.
13. Dezember 2008
Um halb acht Uhr muss ich
zuerst an die Gangway stehen, danach kann ich mithelfen die Zwischenböden im
Laderaum zu installieren. Nun muss ich noch die Umrandung des Laderaumes räumen
bevor wir den Deckel dann schliessen. Dazwischen sind die Hafenarbeiter damit
beschäftigt riesige Stahlteile im Laderaum zu verstauen welche wir nach
Frankreich bringen sollen. Neu wird nun auch Fracht auf den geschlossenen
Ladeluken verstaut, huckepack sozusagen. Ich habe dem Chief noch mein Leid
geklagt dass ich noch viel Chinesisches Geld hätte und so kann ich nach dem
Mittag in die Stadt gehen. Als die Leute erfahren dass ich in die Stadt gehe
bringt noch jeder seine Yuan und gibt mir eine Bestellung auf, die Russen
wollen Vodka, die Bulgaren einfach sonst was, und der Kapitän will zu
Weihnachten der Besatzung Schokolade schenken und beauftragt mich diese zu
kaufen. Daneben will er noch Mangos und diverse Spirituosen. Ich schreibe alles
auf und als ich zur Gangway komme steht da ein etwas älterer Chinese schaut
mich an und meint ich müsse der Schweizer sein. Er sagt er sei von der Firma
welche einen Teil des Schiffes gechartert hat und hat von irgendwem erfahren
dass ein Schweizer auf dem Schiff sei und er solle doch schauen dass er dem
hallo sagen kann. Tja ich bin sehr überrascht und freue mich darüber. Er gibt
mir dann auch noch seine Natelnummer, ich solle ihn nur anrufen falls ich ein
Problem hätte und rät mir mit dem Velo bis zum Gate zu fahren und dort ein Taxi
zu nehmen. Am Gate hat es aber kein Taxi und so fahr ich mal auf mit dem Velo
los. nach gut einem Kilometer und nachdem ich von zwei Taxis überholt wurde mag
ich nicht mehr trampeln. Ich schliesse das Velo an einen Laternenpfahl an und
warte am Strassenrand auf ein Taxi was nicht lange dauert. Beim Einsteigen
fragt mich der Fahrer wie viel ich geben würde, ich biete ihm 20 Yuan an. Er
schaut mich etwas komisch an und ich erkläre ihm dann dass ich nicht wisse wie
lange es dauern würde... er schaltet den Taxizähler ein und fährt los. Die
Fahrt dauert dann schon gut fünfzehn Minuten und wäre mit dem Velo wirklich
nicht zu machen gewesen. Ich steige bei einem grossen Schoppincenter aus. Die
Uhr war bei 18.70Yuan stehen geblieben. Offenbar hat er gehofft ich würde ihm
mehr bieten und er war enttäuscht dass ich zufälligerweise gleich den richtigen
Betrag angeboten habe.
Zuerst schlendere ich durch
das Einkaufszentrum und erstehe einige Souvenirs. Interessanterweise müssen
einige Sachen direkt in der Abteilung bezahlt werden, man sucht sich die Ware
aus, Die Verkäuferin schreibt einen Zettel was man zu bezahlen hat. Damit muss
man an der Kasse bezahlen und danach kann man wieder zur Verkäuferin und diese
rückt nun die Ware raus. Dann suche ich die Sachen für den Käpten zusammen. Ich
möchte alle Tafeln Schokolade von der gleichen Sorte und versuche einer
Verkäuferin das zu erklären. Sie will jedoch nicht mehr rausrücken und so nehme
ich dann halt verschiedene Sorten. Ich will dann noch weiter die Sachen
zusammensuchen, sie fordert mich aber auf zu bezahlen. Nun ich gehe halt mit
ihr an eine Kasse. Nach dem Bezahlen suche ich die bestellten Spirituosen
zusammen und noch weitere Schokolade. Dort werd ich dann aber wieder von einer
Verkäuferin aufgegabelt und an die Kasse geschleppt. Als ich ihr zu erklären
versuche dass ich noch weiter Sachen zusammensuchen und danach bezahlen möchte
wird sie giftig und so gehe ich halt wieder bezahlen. Zur allgemeinen „Freude“
gehen mir die Yuan aus, Kreditkarte nicht dabei, von Dollars will sie nichts
wissen und so muss ich halt zuerst zur Bank gehen und die Dollars wechseln und
Geld wechseln ist halt auch so eine Sache...
Man braucht dazu den Pass
den ich glücklicherweise mitgenommen habe. Dann wird man registriert, muss drei
mal unterschreiben und bekommt dann das Geld. Zusätzliche Verwirrung stiftete
noch das ö im Namen. Irgendwann habe ich dann doch noch das Geld bekommen und
bin dann wieder ins Einkaufszentrum gegangen meine Sachen abzuholen.
Nun nur noch nach draussen.
Bei McDonalds etwas trinken, hier können sie wenigstens englisch. In Fangscheng
konnten mehr Leute englisch als hier, Xingang scheint aber viel grösser zu
sein. Bei McDonalds erfahre ich dann auch dass gegenüber ein Internetcafe sei.
Also über 6 Spuren über die Strasse im Abendverkehr und rein ins Internetcafe.
Ich kann sogar mein kleines Notebook anschliessen und verbringe gut zwei
Stunden mit Mails lesen und schreiben und News herunter zu laden. Für die in
Shanghai mühevoll erstandene Stereoanlage habe ich vom Hersteller eine
englische Anleitung bekommen, ich bin froh darüber, können wir die Anlage nun
doch vollständig nutzen.
Danach muss ich nochmals
ins Einkaufszentrum. Die restlichen Yuan kann ich in Vodka anlegen für den
Chief, für den Rest kaufe ich für mich unter Anderem noch eine Ananas. Diese
wird jedoch nicht nach Stück sondern nach Gewicht verkauft. Tja so staue ich an
der Kasse halt wieder die Leute und renne zurück in die Gemüseabteilung um die
Ananas wiegen zu lassen und den Strichcode zu bekommen. Draussen nimmt mich ein
Taxifahrer in Beschlag und ich steige ein, mache ihm aber vorher noch klar dass
ich nicht mehr als 20 Yuan bezahlen werde. Er hört nicht so richtig zu und
fährt los. In rasanter Fahrt geht es zurück zum Laternepfahl wo das Velo
angebunden ist. Der Fahrer will zuerst 50 Yuan. Ich zeige ihm dann die Quittung
vom Nachmittag und so kapituliert er und gibt sich mit 20 zufrieden. Nun muss
ich noch mit dem Velo gut zwei Kilometer fahren bevor ich dann um halb zehn Uhr
zurück auf dem Schiff bin. Der Kapitän hat sich offenbar schon Sorgen gemacht
und ist erfreut als ich mich bei ihm zurückmelde. Nun noch die Sachen
zusammenstellen wer was bekommt. Ticho erhält einen Memorystick und Pistazien,
Sveto Bier, der Käpten Spirituosen und Schokolade und die Russen Vodka. Danach
kann ich es mir nicht verkneifen und höre noch ein Echo obwohl es schon sehr
spät ist.
14. Dezember 2008
Obwohl es Sonntag ist wird
heute gearbeitet, schliesslich wollen wir um 11 Uhr losfahren. Wir müssen aber
noch einen Kran in Parkposition bringen, Holz aufladen und andere
Vorbereitungsarbeiten. Der Chinese welcher mich gestern begrüsste kommt
nochmals zu Besuch. Er bringt uns Jasskarten und überreicht mir ein spezielles
Geschenk. Ein Reisebesteckset mit zusammenschraubbaren Stäbchen einer Gabel und
einem Löffel. Ich bedanke mich höflich für alles und wünsche frohe Weihnachten.
Bin immer noch verwundert wieso ich als „Schweizer“ so was besonderes sein
sollte. Auf der beigelegten Visitenkarte entnehme ich dass der Herr die
Position des Port Captain hat. Offenbar muss auch mit der Ladung was besonderes
sein, er fotografiert auch das Schiff mit der Ladung. Um halb zwölf legen wir
dann los. In mystischer Stimmung mit Sonne und Nebel fahren wir aus dem Hafen
und nachdem dann auch der Lotse von Bord gegangen ist heisst es nun definitiv
Good By China!
Am Nachmittag müssen wir
noch herumliegendes Laschingmaterial zusammen sammeln bevor wir dann auch den
restlichen Sonntag geniessen können.
15. Dezember 2008
Da wir gestern Sonntag den
ganzen Tag gearbeitet haben bekommen wir den heutigen Nachmittag frei. So
putzen wir am Morgen das Schiff, den Rest des Tages verbringe ich mit schlafen
und „Haushalten“, also Kabine aufräumen, Wäsche waschen usw. Mir geht es gut.
ich genoss es auszuspannen und freue mich auf Thailand und dann auch auf
Europa, besonders auf Frankreich, hoffe durch einen französischen Markt
schlendern zu können und all die feinen Käsesorten zu probieren.
16. Dezember 2008
Ein ruhiger Tag ist heute,
ausser dem Kontrollieren der Ladung ob noch alles richtig verstaut ist müssen
wir nicht viel machen. Die Fracht auf dem Deck müssen wir in Thailand
herunterladen um die Ladeluke öffnen zu können. Damit beim Aufladen wieder
alles an den rechten Ort kommt muss ich einige Markierungen anbringen. Das Meer
ist wirklich spiegelglatt vorne beim Bug spiegelt sich der Name im Wasser. Ich
geniesse es dass es wieder wärmer wird
17. Dezember 2008
Nach über zwei Monaten auf
dem Schiff war es heute soweit. Rost klopfen im grossen Stiel war angesagt.
Dazu haben wir spezielle Hämmer welche kein flaches Ende haben sonder nur zwei
spitzige, eines ist waagrecht, das andere ist senkrecht. Den grössten Teil konnten
wir aber maschinell machen. Das Gerät sieht aus wie ein Haarföhn, vorne kommen
aber ca. 20 Metallstifte raus. Mit Druckluft werden diese zum vibrieren
gebracht und damit lässt sich sehr gut die Farbe und den Rost entfernen. Sie
erinnert mich auch ans Töff fahren, nach einigen Stunden arbeiten damit
vibriert es in den Fingern noch weiter auch wenn man die Maschine nicht mehr in
der Hand hat, dieses Gefühl habe ich auch nach einer langen holperigen Fahrt
mit dem Töff. Wir arbeiteten vorne beim Bug, dort wurde lange nichts mehr
gemacht und so kam doch einiges zusammen. Wieder einmal kommt es mir vor dass
das Schiff vorwiegend aus Rost besteht... Zum Schluss streichen wir die
bearbeiteten Flächen ein erstes mal an.
18. Dezember 2008
As same as yesterday... Rost
klopfen und streichen. Das schöne an dieser Arbeit ist, man sieht was man
gemacht hat und das Streichen bei Sonnenschein finde ich sehr gemütlich. In der
Drogerie wenn viel gelaufen ist hat man nur noch mehr Arbeit mit Gestell auffüllen.
Hier hat man ein Ergebnis vor Augen. Weiter kann man so richtig schön den Trieb
des grübelns ausleben. Was wurde ich früher doch gescholten wenn ich irgendwo
Farbe weggrübelte... hier ist es erwünscht und macht Spass. Meine Kollegen
sehen das etwas anders... pünktlich zur Pausezeit oder zum Feierabend wird
alles hingeschmissen und verräumt, ja nicht zuviel machen... mich nervt das ein
wenig aber was will man, als Cadet muss ich mich fügen. Der Kapitän hat den
Übernamen Gogo erhalten. Er spricht immer sehr schnell und hat so eine nervöse
Art. Wenn man etwas für ihn erledigen muss und nicht gleich geht dann wird man
mit einem go go go hinaus befördert. Dorel der wie der Kapitän aus Rumänien
kommt muss besonders darunter leiden, der Kapitän ruft immer ihn.
19. Dezember 2008
Wieder einmal erwarten wir
Gäste im nächsten Hafen und so muss ich wieder mal die Eignerkabine
vorbereiten. Dann noch die Brücke wischen, Abfall entsorgen und den Rest der
Zeit bis zum Essen kann ich für mich geniessen. Am Nachmittag zeigt mir Gogo
wie er die Seile und Ketten markiert haben will. Er ist ein typischer Vertreter
der Gattung Mensch welche alles unter Kontrolle haben möchten und genau so wie
er sich es in den Kopf gesetzt hat. Jedes kleine Detail wird korrigiert... Nun
ich kann mich damit abfinden und muss nur schmunzeln wenn er sich in seinem
kurligen Englisch ereifert. Dafür sehen mich die anderen Matrosen wieder mal
als Tourist, weiss nicht wieso, nun mir hat das Schiff streichen gefallen, ob
das der Grund ist? Nun wir werden sehen. Ich freue mich auf jeden Fall aufs
Wochenende. Dann geht da noch das Gerücht um dass wir um Afrika herum fahren,
um den Piraten zu entgehen.
20. Dezember 2008
Samstag wie üblich, Bücken
und Treppenhaus putzen danach ist Wochenende. Wäsche waschen, Kabine aufräumen,
schlafen, spielen und lesen. Um elf Uhr abends gehe ich noch in die Messe,
Ticho und Bubu feiern Party, ich geselle mich dazu. Zuerst hören wir
bulgarische Popmusik. Diese ist schon sehr östlich angehaucht und man hört den
orientalischen Einfluss, die Musikvideos sind immer gleich, eine schlanke Frau
mit wenig bis fast nichts am Körper singt und tänzelt um einen Mann herum.
Danach lassen wir Discosound laufen und tanzen wild umher. Es macht riesig
Spass und ist eine super Abwechslung. Zum Glück sieht uns niemand, man würde
uns für verrückt erklären. Irgendwann gehen die anderen ins Bett, der üppige
Colakonsum macht sich bei mir bemerkbar und so statte ich noch Olek dem zweiten
Offizier einen Besuch auf der Brücke ab. Er erklärt mir ein paar Sachen am
Radar. Spannend ist auch der Atlas mit allen Seehäfen verzeichnet. Um drei Uhr
gehe ich dann auch ins Bett, lese allerdings noch ein Buch fertig. Nach fünf
Uhr schlafe ich dann ein.
21. Dezember 2008
Etwas nach neun Uhr erwache
ich schon, fühle mich etwas müde aber recht fit. So trödle ich noch gemütlich
bis zu Mittagessen rum. Nach dem Essen gehe ich wieder auf die Brücke. Mehr und
mehr gefällt mir es dort oben besser. All die Karten und Geräte finde ich sehr
spannend. Weiter erfahre ich dass wir nun definitiv um Afrika herum fahren. Ihr
braucht also kein Lösegeld mehr zu sammeln. Konkret heisst das 11500 Seemeilen
(SM) statt 5500SM. Wir werden in Cape Town wohl einen Zwischenstopp einlegen um
Proviant und Schweröl zu bunkern. Mir macht die Vorstellung 40 Tage auf See zu
sein etwas Angst, habe ich doch nach 4 Tagen schon genug und sehne mich nach
Landgang. Zudem wo zwei Ozeane aufeinander treffen hat es immer hohe Wellen,
die Fische werden also nicht zu kurz kommen. So werde ich mich in Thailand mit
Unterhaltung und Schokolade eindecken um die Tage zu überstehen... 40 Tage...
fast wie die Fastenzeit vor Ostern... ob ich dann geläutert in Europa
ankomme???
22. Dezember 2008
Heute waren wir den ganzen
Tag mit Schiff streichen beschäftigt. Die entrosteten Stellen bekommen zuerst
einen grauen Grundanstrich, dann einen roten und zum Schluss kommt noch eine
rote Deckschicht darüber. Wir sind nun zurück in den Tropen. es ist knapp
dreissig Grad warm und die Sonne brennt heiss herunter, ich finde es aber sehr
angenehm. Am Abend lasse ich mir noch die Haare schneiden... schnipp schnapp
alles ab!
23. Dezember 2008
Zuerst musste ich heute die
Brücke reinigen, damit der Lotse freie Sicht hat. Danach waren wir auf StandBy.
So konnte ich wieder ins Bett kriechen und eine Runde schlafen. Gegen Mittag
können wir in den Hafen fahren. Sofort beginnt das übliche Prozedere, Schiff
vertauen, Gangway herunterlassen. Laderaum öffnen. dazwischen für den Kapitän
rum rennen usw. Die Ladeluken können wir nicht mit dem normalen Kran dafür
öffnen, wir müssen die Deckel mit dem grossen Kran an Land ablegen. Grosse und
schwere Lasten sind schwierig zu platzieren und so ist es jedes Mal ein Drama
für sich... Um halb neun Uhr Abends kann ich dann endlich den Feierabend
geniessen. Nach einer Dusche nehme ich das Fahrrad und fahre noch gut 5km in
ein Shoppingcenter. ist etwas kriminell im Dunkeln ohne Licht. Links und rechts
brausen Töfffahrer und Lastwagen vorbei. Mit einer Taschenlampe versuche ich
auf mich aufmerksam zu machen. Vor allem werden die frei herumstreunenden Hunde
auf mich aufmerksam... mehr als einmal muss ich kräftig in die Pedale treten um
nicht gebissen zu werden. Da ist allerdings nicht mehr viel los und so gehe ich
wieder zurück. Bin froh als ich wieder auf dem Schiff bin.
Ausblick
Wir werden nach Fos sur Mer
in Frankreich fahren aber wie geschrieben um nicht in Gefahr von Piraten zu
kommen werden wir um Afrika herum fahren.
Wir rechnen mit etwa 40 Tagen
Reisezeit. geplant sind Zwischenstopps um Treibstoff und Proviant zu bunkern in
Singapur und in Cape Town SA. Ob es jedoch auch für einen Besuch im Internet
reicht ist eher unwahrscheinlich.
Daher verabschiede ich mich bis Mitte Februar
und wünsche allen einen guten Start ins neue Jahr! Viele Grüsse Christoph Rölli
24. Dezember 2008
Heute nach dem Morgenessen
muss ich zuerst an die Gangway stehen. Der Agent hat uns die Post gebracht.
Unter anderem erhalten wir eine Weihnachtskarte des Charterers „we wish you
warm wintermoments...“ na warm haben wir hier in Thailand! Im Gegensatz zu den
Anderen geniesse ich es. Auf dem Schiff wurde unterdessen eine Küche
eingerichtet und zwei Frauen kochen für die Hafenarbeiter. Diese schlafen auch
auf dem Schiff und so hat es überall Hängematten. Nach dem Mittag gehen Bubu,
der Elektriker und ich auf einen Landausflug, ein Fahrer bringt uns nach
Pattaya. Wir wollen in zu einem Shoppingcenter gehen. Beim ersten
Shoppingcenter werden wir von elegant gekleideten Frauen empfangen und alles
ist sehr edel, wir sind in einem Souvenircenter für Touristen gelandet. Es hat
vor allem viel Schmuck und Kunstsachen und ist vor allem sehr teuer. Wir machen
eine Runde durch das Haus, mir gefallen am besten die grossen Aquarien welche
als Raumteiler aufgestellt sind danach gehen wir aber zügig wieder. Beim
nächsten Versuch klappt es schon besser. Wir sind in einem „normalen“ Ort und
machen zuerst eine Runde durch das Center. In der Mall hat es einen riesigen,
vor Kitsch nur so strotzenden Weihnachtsbaum. Darunter findet irgendein
Wettbewerb statt wo zwei Leute im Paket auspacken gegeneinander antreten. Ich
melde mich zuerst telefonisch zu Hause und erfahre was da so alles passiert,
unter anderem auch die Sache mit den Piraten. Danach ab ins Internet,
schliesslich muss ich mich eindecken mit Unterhaltung wenn wir da 40 Tage auf
See sein sollen.
Danach noch in den
Supermarkt Chips Schokolade und Guetsli einkaufen als Notration für heftigen
Wellengang. Im Supermarkt finde ich Lindt und Sprüngli Schokolade. Endlich nach
3 Monaten wieder mal anständige Schokolade. Ich stehe vor dem Gestell und
offenbar staune ich die Schokolade an wie ein kleines Kind den Christbaum. Eine
Kundin schaut mich jedenfalls sehr komisch an. Dann hüpft mein Herz nochmals
höher als ich Ricolazältli finde. Davon wandert auch eine Dose in den
Einkaufskorb. Nun ist es auch schon Zeit zum Treffpunkt zurück zugehen. Tja und
dann sind wir wieder auf dem Schiff, es ist Weihnachtsabend und.... es ist ein
Abend wie jeder andere. Der Koch hat den Plastiktannebaum hervorgeholt und
geschmückt. Auf dem Tisch hat es für jeden ein Säckchen mit der Schokolade
welche ich in China gekauft habe, es fehlen aber die Napolitaine, wo die wohl
geblieben sind? Ich sehne mich nach Gesellschaft und gehe an die Gangway, dort
ist immer jemand. Roman der Chefingenieur erzählt mir wie es früher war.
Irgendwann bin ich dann müde genug und gehe schlafen.
25. Dezember 2008
Ich gehe von schlafen
gleich in StandBy rüber und bleibe mal liegen. Um 9 Uhr werde ich dann gerufen
um die Umrandung der Ladeluken zu wischen. Nach dem Mittag fahren Vladimir und
ich mit dem Fahrrad zum Einkaufscenter in der Nähe. Auf der Strasse hat es
viele Lastwagen, die fahren nicht so schnell und so können wir uns wie zu alten
Zeiten ziehen lassen. Natürlich etwas gefährlich dafür macht es umso mehr
Spass. Mein Lastwagen blinkt brav dass er links weg will so dass ich los lassen
kann und auch Vladimir kommt heil an. Er will zuerst im Starbucks Kaffee
trinken. Ich gönne ihm die Erholung, konnte ich doch die letzte Steigung mit
Motor bewältigen, er musste trampen.
Danach das übliche
Prozedere Telefonkarten für Ihn, Internet für mich, Supermarkt für beide. Ich
decke mich mit Original Redbull ein. Dieses ist hier noch süsser und wird in
Glasflaschen ohne Kohlensäure verkauft. Danach investieren wir unsere letzten
Bath in Food und gehen in die Foodmall essen. Angeschrieben ist es nur auf
Thailändisch, zum Glück hat es aber Bilder dass man sich etwas orientieren
kann. Ich entscheide mich für eine Nudelsuppe. Die Verkäuferin will aber kein
Geld annehmen und ich gehe an den Getränkestand. Diese will auch kein Geld
kommt mit mir aber dann an die Kasse. Offenbar muss man zuerst Geld auf eine
Wertkarte laden, danach wird das Essen von der Karte abgebucht und wenn man die
Karte nicht mehr braucht kann man den Restbetrag wieder zurück haben. Nach dem
Essen gehen wir nach hause, müssen aber zuerst unsere Ware auf dem Fahrrad
verstauen. Es ist schon dunkel und so fahren wir gemütlich zum Schiff zurück.
Dabei fahre ich über einen Absatz und mein Sattel schaut 45 Grad retour.
Offenbar macht sich nun die chinesische Qualität der Velos bemerkbar...
Auf dem Schiff ist dann die
Weihnachtsparty schon voll im Gange. Ich geselle mich dazu schon reichlich
Alkohol ist geflossen und den Rest..... der gehört nicht hierhin. Irgendwann
kommt Dorel da er Hilfe braucht um den Laderaum zu schliessen. Da ich der
einzige bin der noch nüchtern ist gehe ich ihm helfen. Danach zurück an die
Party wo es schon einiges ruhiger ist. Kurz vor zwei Uhr bin dann auch ich im
Bett.
26. Dezember 2008
Den ganzen Tag sind wir mit
Vorbereitungen beschäftigt zum losfahren. Die Laderäume sind nun proppe voll
und auch das Deck ist richtig zugestellt. Die Markierungen was wohin gehört
waren für die Katze, steht doch nun das meiste doch an einem anderen Ort. Am
Abend findet ein Schauspiel der besonderen Art statt. Es beginnt dass ich
gerufen wurde um mitzuhelfen den Kranhacken auf dem Deck zu deponieren,
offenbar gab es wieder mal ein Problem mit dem Kran. Ticho ist im Führerstand,
zu dritt stehen wir auf dem Deck und Gogo schreit seine Kommandos mehr
unverständlich und teilweise in rumänisch herunter. Ich verstehe nur Bahnhof,
werde von der Brücke angeschrieen ich solle helfen, dann stehe ich aber doch am
falschen Ort und werde wieder angeschrieen. Nun kommt nur noch rumänisches
Gebell und Dorel, der einzige der davon was versteht bellt zurück. Dazwischen
brüllt noch Ticho vom Kran herunter und an Land stehen die thailändischen
Hafenarbeiter und ergötzen sich an dem Schauspiel.
Um 8 Uhr kommt dann der
Lotse und wir fahren los. Vor der Küste gehen wir aber schon wieder vor Anker
weil noch Servicearbeiten im Laderaum gemacht werden müssen.
27. Dezember 2008
Heute haben wir den ganzen
Tag frei und so verbringe ich den Tag mit Essen schlafen spielen, Nachrichten
hören usw.
28. Dezember 2008
Es ist Sonntag und so haben
wir nochmals den ganzen Tag frei... würde man meinen. Der Chief klingelt mich
jedoch nach acht Uhr aus dem Bett und meint heute sei ein Arbeitstag. Ich kann
dann aber doch noch frühstücken, danach muss ich das Inventar vom
Vorratsschrank bei ihm neben der Kabine aufnehmen. Da hat es Malerroller,
Pinsel, Schekel, Badevorhänge, Bettwäsche, Silikonspritzen usw... Er hat zum Glück
schon eine Liste, ich muss nur noch die Änderungen eintragen, trotzdem braucht
es Zeit und ich bin bis am Mittag damit beschäftigt. Den Nachmittag kann ich
dann für mich geniessen.
29. Dezember 2008
Heute Morgen kann ich ausschlafen,
da ich ja gestern gearbeitet habe. Wir kommen in Singapur an, gehen jedoch vor
der Stadt an Anker. Nun kommen diverse Schiffe und wir erhalten Treibstoff,
Medikamente, Schmiermittel und auch der Elektriker bekommt eine Lieferung
Ersatzmaterial. Ich flicke noch das Velo mit dem krummen Sattel. Kann das Rohr
zurück biegen und dann stelle ich den Sattel tiefer. Nun stützt die
Sattelstütze und das Rohr kann nicht mehr einknicken. Schaffe es sogar auf dem
Schiff eine Proberunde ohne abstehen zu drehen. Dann heisst es Good by sagen,
der alte Chief wird abgeholt, er fliegt zurück nach Russland. Der neue Chief
ist schon am Morgen gekommen. Er ist wie der Koch aus Ungarn. Dieser strahlt
übers ganze Gesicht, hat er doch wieder jemanden mit dem er ungarisch reden
kann und auch wurde er mit neuen Zeitungen versorgt. Überrascht bin ich vom
Alter vom neuen Chief. Mit über sechzig Jahren hebt er den Altersdurchschnitt
doch recht an. Ich hoffe die anstrengenden Tage während den Zeiten im Hafen
sind nicht zuviel für ihn. Oder er macht das viel cleverer als der alte Chief
hat so weniger Stress. Am Abend fahren wir dann wieder los. Richtung Norden
durch die Strasse von Malakka. Nach den neusten Informationen fahren wir bis
Nordindonesien und dann wird entschieden ob wir durch den Suezkanal oder um
Afrika herum fahren.
30. Dezember 2008
Den ganzen Tag sind wir in
der Strasse von Malakka, bis vor kurzem ein gefährliches Gewässer mit viel
Piraterie jetzt jedoch viel ruhiger und im Schatten von Somalia. Das Wasser hat
eine eigenartige Farbe, etwas wie schwarz grün. Mit uns ist ein ganzer Haufen
Schiffe unterwegs, es herrscht ein rechter Verkehr. Wir sind den ganzen Tag mit
kleineren Arbeiten beschäftigt. Ich füge bei dem grossen Hammer einen neuen
Stiel ein. Am Abend müssen wir dann doch Feuerwehrschläuche richten, um bei
einem allfälligen Piratenangriff eingreifen zu können. Laut Olek haben diese es
oftmals auf das Farbenlager abgesehen da diese sehr teuer sei. Nun in meiner
blühenden Phantasie träume ich doch dann tatsächlich davon und schrecke mitten
in der Nacht auf.
31. Dezember 2008
Nachdem ich die halbe Nacht
wach verbracht habe bin ich am morgen auch entsprechend gerädert. Nun ist er
also da der letzte Tag des Jahres. Wir räumen die Werkstatt auf, Shandor der Koch
bekommt noch das Küchenfenster gestrichen. Danach ist Schluss für dieses Jahr.
Um sieben Uhr beginnt dann die Silvesterfeier. Wir sind alle in der
Offiziersmesse. Zuerst wird getrunken, danach gegessen. Als Tischdekoration
tauchen dann auch die an Weihnachten vermissten Napolitaine wieder auf. Eine
Diskussion entsteht über Russland, die Ukraine und die Nato. Vladimir als Russe
als Freund vom alten System und Anhänger Putins muss einiges einstecken.
Irgendwann wechselt die Diskussion dann auf die Frage ob Madonna oder Shakira
besser sei. Um Mitternacht stossen wir dann an und feiern das neue Jahr. Der
Kapitän verkündet dass wir bis am 5. Januar weiter Richtung Suezkanal fahren
und dann entschieden wird welchen Weg wir nehmen. Bin froh dass meine Mutter das
nicht weiss, sie würde kein Auge mehr zudrücken...
Um den noch immer
anhaltenden Diskussionen zu entgehen flüchte ich auf die Brücke und leiste Olek
Gesellschaft. Wir diskutieren über Gott und die Welt soweit dass auf Englisch
halt auch möglich ist. Ausser ein paar Neujahrsgrüssen die über Funk
übermittelt werden ist es ruhig. Um zwei Uhr morgens stellen wir dann noch die
Uhren zurück, wir kommen in eine neue Zeitzone. Um vier Uhr ist es dann auch
für mich Zeit ins Kissen zu horchen.
1. Januar 2009
Halbzeit! Ich bin nun schon
seit drei Monaten auf dem Schiff. Im grossen und ganzen gefällt es mir und von
der Krise von Anfangs Dezember ist nichts mehr zu spüren. Um über einen
Karrierestart in der Seefahrt nachzudenken ist es aber noch zu früh. Nach dem Mittagessen
gehe ich wieder auf die Brücke. Olek gibt mir die Fleetletters zu lesen, eine
Sammlung von Weisungen und Informationen. Für mich als Neuling ist es sehr
spannend und interessant. So erfahre ich z. b. über die Problematik vom
Zusammenspiel Charterer, Reederei, Wetterkonditionen und Spritverbrauch. Oder
dass Offiziere ihre Frauen und auch Kinder ab 12 Jahren bis zu drei Monate an
Bord nehmen können. Kann mir zwar nicht so recht vorstellen wie das vom Platz
her gehen soll...
Wir sind nun mitten auf dem
Indischen Ozean zwischen der Nordspitze Indonesiens und dem Südzipfel Sri
Lankas. Nun das Meer ist riesig, trotzdem herrscht ein rechter Verkehr und wir
müssen entgegenkommende Schiffe anfunken um die Vorfahrt zu regeln. So entsteht
die Situation dass wir einmal zwischen zwei uns entgegenkommenden Schiffen
hindurch fahren, schön eines links und eines rechts von uns.
2. Januar 2009
Wieder einmal müssen wir
heute Rost klopfen. Zuerst mit der Needlegun, danach mit der Rundbürste, und
wieder muss ich aufs Maul hocken, Meiner Ansicht nach wird die Arbeit zu wenig
gründlich gemacht, Tja aber wenn ich als Cadet motze dann motzt es nur zurück
und alle sind hässig weil sie länger arbeiten müssen. Tja und so heisst es halt
Augen zu und durch. Vom Kapitän erhalte ich dann noch den Baranteil vom
Dezemberlohn. Nun habe ich umgerechnet ca. 310Fr. in Cash. Früher war das fast
normal heute fühle ich mich richtig reich. Finde es spannend wie sich das
Verhältnis zum Geld ändert. Am Abend gehe ich wieder einmal den Sonnenuntergang
bewundern. Es ist das erste Mal dass die Sonne als glühende Kugel im Wasser
versinkt. In Thailand habe ich mir ein Springseil zugelegt, dieses probiere ich
heute aus, länger als 10 Minuten halte ich aber nicht durch, offiziell ist es
immer noch zu heiss, inoffiziell ist meine Kondition einfach nicht vorhanden.
In der Nacht erwache ich und stelle das Natel ein, prompt findet ich vier
Netze, Sri Lanka ist also um die Ecke. Ich empfange die Neujahrsgrüsse und
freue mich sehr darüber.
3. Januar 2009
Samstag, putzen wie üblich,
Dann haben wir Drill. Generalalarm wird ausgelöst und sogar der Koch erscheint
brav mit Helm und wegen dem Bauch viel zu langem Übergwändli auf dem
Sammelplatz. Sogar die Schwimmwesten müssen wir anziehen. Danach erklärt uns
der Kapitän die Situation um Somalia, so sei es um Weihnachten sehr ruhig
gewesen unterdessen hätten die Attacken aber wieder zugenommen. Wir planen
jedoch trotzdem den Weg via Suezkanal, werden uns aber in speziellen Übungen
auf die Situation vorbereiten. Am Montag wird dann definitiv entschieden. Dann
wird uns noch der Notfallgenerator, die Notfalllöschwasserpumpe und die
CO2-Anlage erklärt, danach gibt es Mittagessen. Am Nachmittag gehe ich wieder
auf die Brücke. Olek gibt mir die Berichte des IMO Offices for Piracy zu
lesen... ist nicht gerade aufbauend. Wohl gibt es nun einen Korridor der von
verschiedenen Nationen bewacht wird, die Piraten attackieren aber auch Schiffe
innerhalb des Korridors. Mir ist etwas zwiespältig zu Mute. Einerseits würde es
mir stinken um Afrika herum zu fahren und ich würde lieber durch den Suezkanal
gehen, andererseits ist da halt schon die Gefahr der Piraten und die Celine ist
ein hübsches Angriffsobjekt, Sie liegt nicht zu tief im Wasser und mit maximal
16 bis 17 Knoten ist sie auch nicht schnell. Angst habe ich nicht, aber mulmig
ist es mir schon. Die Fahrt durch den Golf von Aden wird ca. 36 Stunden dauern,
eineinhalb Tage der Anspannung. Ich werde meinen elektronischen Sachen
verstecken und beim Notebook werde ich den RAM Riegel ausbauen, Sorry ist
kaputt...
4. Januar 2009
Trotz Sonntag erwache ich
heute früh und kann mich sogar motivieren Sport zu treiben. Mit dem Springseil
Wasserflasche und Natel als Musikplayer bewaffnet gehe ich zum Bug und fange an
zu hüpfen. Schnell mal wird mir das zu anstrengend und auch langweilig immer am
gleichen Ort zu hüpfen und so wechsle ich auf joggen und drehe drei Runden ums
Schiff. Einmal mehr vermisse ich die Kondition... trotzdem bin ich stolz dass
ich mich dazu überwinden konnte. Den Nachmittag verbringe ich dann wieder auf
der Brücke. Ich helfe Bücher sortieren. Danach zeigt mir Olek den Funkempfänger
und ich kann BBC hören. Wir hören nichts von den Piraten, dafür was sonst so in
der Welt läuft. So wie es scheint verpasse ich nichts.
5. Januar 2009
Ich erwache um drei Uhr und
bin hell wach. Ein Grund war wohl die Zeitverschiebung, eine Stunde zurück,
senile Bettflucht ein anderer. Ich gehe in die Messe was essen, spiele ein Monopoly
im Cargooffice, lese ein paar Zeitschriften und gehe dann wieder ins Bett,
schlafe aber nicht mehr ein.
Zuerst haben wir heute
Infoveranstaltung über das Prozedere wenn Piraten angreifen. Detailliert werden
wir über den eingerichteten Sicherheitskorridor informiert und dass dieser auch
nicht 100 Prozent sicher ist. Nun wir harren der Dinge die da kommen. Ausser
mir ist niemand von der Idee begeistert Molotow Cocktails zu bauen und die
Piraten mit Leuchtraketen zu begrüssen. Mir kommt es etwas vor wie das
Karnickel welches auf die Schlange wartet. Der Koch hat für mich aus Resten ein
Extramenu zusammengestellt mit Gemüse, Sauce Bolognaise und Kartoffeln.
Schmeckt sehr lecker und ich trage ihm gerne wieder mal den Müll raus. Frei
nach dem Motto eine Hand wäscht die andere profitieren wir beide davon. Am
Nachmittag ist wieder Streichen angesagt dieses Mal die Löschwasserleitung in
Leuchtendem Rot. Dann muss ich noch auf die Brücke, wir wollen noch ein
Funkgerät checken. Auf einmal geht dann gar nichts mehr und alle probieren
etwas... Ich halte mich raus und versuche mein Glück als die andern aufgegeben
haben. Mir kommt es so vor wie früher bei den Kunden wenn der PC nicht mehr
wollte und Try and Error angesagt war. Schlussendlich nach ein paar Stossgebeten
komme ich dann doch noch ans Ziel, der Kapitän erschrickt als ich einen
Freudenschrei ausstosse. Für denn Chief schau ich dann noch ein PC Problem mit
einer Software für den Cargoplan an. Hier bin ich dann leider nicht so
erfolgreich. Eigentlich hätte heute noch die definitive Entscheidung eintreffen
sollen welche Route wir nun nehmen. Bis um 4 Uhr MEZ haben wir aber noch nichts
erhalten. So warten alle gespannt. Olek hat noch Funkkontakt mit einem
russischen Schiff und diese Berichte waren nicht gerade erbauend,
Piratenattacken innerhalb des Korridors und die Celine ist weil nicht schnell
und eine tiefe Bordwand ein sehr leichtes Beutestück... Na ja es kommt wie es
kommen muss und falls es Zeit ist. tja dann geht mein Kerzlein halt schon etwas
früher aus.
6. Januar 2009
Jetzt ist es definitiv, wir
fahren durch den Golf of Aden. Der Chief informiert uns was zu tun ist wenn
wirklich „Besuch“ kommt. Wir werden Wache schieben, die restlichen Arbeiten
ruhen. Danach ist wieder Rost klopfen und streichen angesagt. Mit Roman dem
Chiefingenieur sollte ich die Betriebssoftware synchronisieren. Eigentlich eine
kurze Sache jedoch startet das Programm danach nicht mehr und gibt nur noch
eine Fehlermeldung zurück. Natürlich habe ich vorher keine Kopie gemacht und nach
einer Stunde rumprobieren gebe ich dann definitiv auf und bereite ein Mail vor
um Hilfe anzufordern. In der Nachmittagspause zeige ich dieses Roman und mit
seinem Einverständnis gehe ich zum Kapitän damit er es senden kann. Dieser ist
nicht gerade glücklich über die Nachricht, ich zeige ihm mein vorbereitetes
Mail er sendet dieses dann auch gleich weiter. Mir stehen jedoch die Haare zu
Berge als ich sehe wie er den Text ausdruckt und neu ins Mailsystem eintippt.
Auf meine Intervention hat er kein Gehör und ich gebe auf. Er ist der Kapitän
und ich kann Ihn nicht zu seinem Glück zwingen.
7. Januar 2009
Einmal mehr beschäftigen
wir uns heute mit den Piraten. Zuerst was wir zu tun haben und was nicht wenn
wir gekidnappt werden. Danach überlegen wir was wir zusätzlich tun könnten um
die Sicherheit zu verstärken. Vladimir möchte am liebsten die Fenster
zuschweissen und die Treppen entfernen, am Schiff hat es aber auch noch Leitern
und die Brücke ist von zu vielen Seiten zugänglich als dies möglich währe. Wir beschliessen
dann aber doch noch das Fenster zur Messe zuzuschweissen, diese liegt im
„Erdgeschoss“, ist unser Besammlungsraum im Notfall und bei einer Schiesserei
könnte es gefährlich werden. Vom Koch erhalte ich einen Schleifstein und
beginne meine Sackmesser zu schärfen. Eigentlich nutzlos, was will ich mit
diesen anstellen, und doch gibt es ein Gefühl von Sicherheit und ist
beruhigend. Heute Abend beginnen wir auch mit Wache schieben, ich bin für das
Heck zuständig immer von 12 bis 6 Uhr. Danach gehen wir wieder Rost klopfen und
Streichen. Ich fühle mich im Zwiespalt, einerseits ist mir klar dass es (zu)
gefährlich ist gegen die Piraten zu kämpfen andererseits die Vorstellung das
Schiff einfach so zu übergeben macht mir auch Mühe und so stelle ich mir vor wie
weit ich wohl gehen würde und was so alles passieren könnte, doch
wahrscheinlich bin ich dann der Erste welcher den Gagi in den Hosen hat und
sich im hintersten Ecken des Schiffes verkriecht.... Am Abend verstecke ich
noch meine elektronischen Sachen, Memory Sticks zwischen die Socken,
Speicherkarten ins Kaugummidöschen usw. Hoffentlich finde ich dann auch alles
wieder...
8. Januar 2008
Vor Anspannung konnte ich
nicht wirklich schlafen und so stehe ich vor Mitternacht auf um pünktlich meine
erste Schicht anzutreten. Mit Redbull verleihe ich mir einen rechten
Koffeinschub um wach zu bleiben, danach löse ich Doru den Elektriker ab. Nun
stehe ich also hinten am Schiff und starre in die Nacht auf der Suche nach
einem kleinen Schiff. Wir sind auf dem Weg zu einem Sammelpunkt von wo wir am
Morgen in einem Konvoi in den Korridor starten sollten. Der Mond scheint sehr
hell und es ist schon fast eine romantische Stimmung wenn da nicht diese
Anspannung währe. Sveto kommt sich einen Kaffee holen und sieht mich wie ich
die Sterne anschaue und fragt mich was ich da sehe. ich erschrecke und drehe
mich um und beginne mit der Faust auf ihn einzuhämmern, zum Glück nur mit der
Linken und so aus dem Affekt heraus dass es ihm nicht wirklich weh tut. Danach
tut es mir leid und ich entschuldige mich hundert Mal... Nicht auszudenken was
geschehen wäre wenn ich mein Messer in der Hand gehalten hätte.... Als
Highlight gönne ich mir um 3 Uhr einen Sack Chips, und als um 4 Uhr der Mond
unter geht kann ich noch mehr Sterne sehen und erblicke auch das Kreuz des
Südens wieder. Bald bricht dann auch schon der Tag an, es ist immer wieder
beeindruckend wie die Dunkelheit verschwindet und das Licht langsam hervor
kommt, Pünktlich um 6 Uhr werde ich abgelöst. Beim Zmorgen habe ich noch eine
Diskussion mit Olek über die Frage sich wehren ja oder nein.... Er hat dann
auch noch die doch sehr aufbauenden News dass wir zwar am Sammelpunkt waren, es
noch drei andere Schiffe hatte, von der Navy keine Spur und wir nun alleine
losfahren würden. Und so stieg die Anspannung dann noch etwas höher, Noch immer
aufgeputscht vom Koffein konnte ich nicht wirklich schlafen und erwachte im
Stundenrhytmus, jederzeit in Erwartung dass der Alarm losgehen würde. um 12 Uhr
war dann auch schon wieder ich an der Reihe. Der Wachposten wurde auf die
Brücke verlegt, von hier hatten wir eine bessere Sicht. Es war ein
wunderschöner Tag, das Meer ruhig, von den Piraten keine Spur und so wich auch
die Anspannung. Wie nah Gefahr und idyllische Ruhe doch sein können. Als wir dann
am späteren Nachmittag noch ein Kriegsschiff erblickten war die Freude gross,
gab es uns doch ein Gefühl von Sicherheit. Der Sonnenuntergang war dann
phantastisch, ich versuchte die Stimmung mit der Kamera einzufangen was jedoch
hoffnungslos war. um 6 Uhr wurde ich wieder abgelöst und nach dem Essen war ich
dann auch schon bald im Bett.
9. Januar 2009
Wieder beginnt der Tag mit
Wache schieben. Heute Nacht ist Vollmond von Piraten nichts zu sehen und es
bleibt ruhig. Auch über Funk ist nichts zu hören. Wir sind nun nur noch zwei
Schiffe, eines fuhr davon, ein anderes konnte die Geschwindigkeit nicht halten
und so fuhren wir mit der Pazific Turmalin zusammen Richtung Suez. Am Morgen
war ich dann hundemüde so dass ich gleich ins Bett sank um nach ca. drei
Stunden vom Hunger geweckt zu werden. Danach noch etwas ausruhen bevor es dann
um 12 Uhr wieder auf die Wache ging. Vor uns war ein Kriegsschiff und so gut
bewacht konnte ich in Ruhe die Sonne geniessen. Später erhielten wir dann auch
noch Besuch von einem Helikopter der über uns kreiste und schaute ob alles ok
ist. So war es einfach herrlich die Sonne zu geniessen, das Meer ruhig und eine
total friedliche Stimmung und der Sonnenuntergang wieder unbeschreiblich schön.
Am Abend als die Wache aufgehoben wurde und die Spannung definitiv weg war
fühlte ich mich richtig leer und so merkte ich wie stark mich diese Sache
beschäftigt hat.
10. Januar 2008
Nun sind wir im Roten Meer,
von der Röte ist aber nichts zu sehen. Wir meistens am Samstag putzen wir die Unterkunft.
Am Nachmittag planen wir eine After GOA Party. Ich übernehme die Organisation.
Als ich den Kapitän dazu einlade ist er nicht gerade erfreut, er hat schlechte
Erfahrungen gemacht und ich bin froh dass er es nicht verbietet. Dann bin ich
auf der Suche nach einem geeigneten Platz. Hinten auf dem Schiff ist es zu
windig, zu lärmig, oder vom Platz her nicht so toll. Am Bug werde ich fündig
und so schleppe ich Tisch, Getränke Snack und Musik nach vorne. Als Hocker
dienen uns Kübel mit einem Putzlappen als Schutz gegen den Dreck. Roman erzählt
mir von seiner Karriere und wie er zur Enzian gekommen ist. Wieder ein
herrlicher Sonnenuntergang gleichzeitig leuchtet auch schon der Mond am Himmel
und auf einmal spielen Delphine mit der Bugwelle. Dank vollem Mond können wir
ihnen über 15 Minuten lang zusehen bevor sie dann verschwinden. Die
Konstellation, Party, Schiff, Vollmond, Wärme, ruhige See, Delphine ist genial
und auch von den erfahrenen Leuten an Bord hat dies noch niemand erlebt. Es
entschädigt für manche widerliche Arbeit und lässt einem die schlechten Momente
vergessen.
11. Januar 2009
Sonntag, das heisst
Ausschlafen, Essen, ein Besuch auf der Brücke und den Tag geniessen. Olek hat mir
gezeigt wie wir mit dem Funkgerät Radio hören können und so höre ich die
Nachrichte von BBC. Einerseits fühle ich mich mit der Welt verbunden,
andererseits die News sind nicht wirklich News. Es hat sich nichts verändert...
Erfreulichere News kommen über den Telex. Enzian gratuliert uns zum bestandenen
Abenteuer und spendet uns einen Bonus. So bekomme ich 250$ extra! Alle sind
hocherfreut und an dieser Stelle ein Dankeschön nach Schlieren!
Zum Znacht gibt es Pizza,
diese geniesse ich vorne beim Bug zusammen mit der Abendstimmung. Leider bläst
heute ein kalter Wind, so dass ich gleich nach dem Sonnenuntergang wieder
zurückgehe.
12. Januar 2008
Der Alltag kehrt ein, wir
sind wieder am Rost klopfen. Gogo kommt und sieht mich auf den Rehling stehend
ohne Sicherheitsgurt. Ei gibt das ein Donnerwetter... Ticho der ebenfalls
ungesichert arbeitet kriegt auch was ab. Mir ist es sofort verboten in der Höhe
zu arbeiten. Von den andern Matrosen hat vor langer Zeit Sveto mal etwas
gesagt, nun wollen jedoch alle mich gewarnt haben usw... und da ich Cadet sei
hätte ich in der Höhe nichts zu suchen bla bla bla. die würden mir gescheiter
zeigen wie man den Sicherheitsgurt richtig nutzt. So bin ich dann froh als es
Feierabend gibt.
13. Januar 2008
Als ich aufwache kann ich
schon die Sinaihalbinsel sehen. Schön zur Abwechslung mal etwas Rotes zu sehen.
Im Wasser hat es viele alte Bohrtürme und Förderanlagen. Den ganzen Tag sind
wir Richtung Suez unterwegs und mit Vorbereitungsarbeiten beschäftigt. Das
Cargooffice wird ausgeräumt, offenbar wird auch hier viel geklaut. Wir
verstauen sogar Tastatur und Maus an einem sicheren Ort. Für die Fahrt durch
den Kanal wird vorne am Bug eine spezielle Lampe montiert und so wird der
Elektriker der eigens dafür kommt in der Eignerkabine einquartiert.
Leider müssen wir nun auch
Abschied nehmen vom Sommer. Wohl ist es noch 23 Grad warm aber ein sehr kalter
Nordwind treibt einem die Kälte in die Knochen, nix mehr mit kurzen Hosen und
T-Shirt.
Am späteren Nachmittag
gehen wir dann vor Suez an Anker. Mit dem Elektriker kommen auch sofort die
fliegenden Händler und bieten wieder alles feil, Souvenirs, Telefonkarten,
Erdnüsse usw.
14. Januar 2009
Mitten in der Nacht fahren
wir los aber nur ein kurzes Stück um dann wieder vor Anker zu gehen. Am Morgen
kommt dann der Lotse an Bord und mit ihm neue Händler. Wir müssen auch ihre
Motorboote an Bord nehmen und so haben wir Huckepack noch zwei Boote im Gepäck.
Dann fahren wir los und es geht in den Kanal hinein. In Suez hat es eine grosse
Moschee am Wasser und so bekomme ich einen Hauch der arabischen Welt zu sehen.
Wir werden von einem Delphin begleitet und ich kann sogar Fotos knipsen. Ist
spannend zu sehen wie leicht das Tier fast bewegungslos dem Schiff voraus
schwimmt und ab und zu in die Luft springt. Dorel erklärt mir dass dies ein
Ersatz sei weil er sich nicht kratzen kann. Leider muss ich dann dem Chief und
Ticho helfen ein Frachtstück neu zu positionieren. Mit einem Wagenheber wird
das Stück hochgehoben und dann das Holz darunter ausgewechselt, dieses war ganz
zusammengedrückt und Gogo befürchtete das die Laderaumabdeckung Schaden nehmen
würde. Nun das neue Stück Holz wird auch gleich zusammengedrückt und eigentlich
ist die Übung nutzlos. Dies finden auch alle ausser der Kapitän und da er befiehlt
wird es so gemacht. Danach verbringe ich den ganzen Tag mehr oder weniger auf
und um die Brücke herum. Es ist eindrücklich diese Wasserstrasse mitten durch
die Wüste zu sehen. Auf der Westseite hat es hinter dem Sandwall viele grüne
Flächen und man sieht wie es richtig lebt. Die Ostseite ist hingehen meistens
kahl und leer, manchmal hat es ein paar Büsche. Im Abstand von etwa 2km hat es
farbige Wachhäuschen und meistens stehen auch ein paar Soldaten herum.
Zwischendurch hat es auch mobile Posten welche den Kanal bewachen. Dieser hat
am Anfang auch noch einige Kurven und führt durch einen See hindurch, nach
einer Ausweichstelle ist er aber dann nur noch ganz gerade und eher langweilig.
In der Ausweichstelle gibt es lustige Bildmotive, die entgegenkommenden Schiffe
scheinen mitten in der Wüste zu stehen.
Im Schiffsbazar lasse ich
mich dann noch von den Ägyptern übers Ohr hauen. Sie bieten Keramiktassen feil,
das Stück für 7$ Der Preis für zwei Stück ist dann 15$. Ich biete ihm dann für
4 Stück 20$. Als er gleich einschlägt wird klar dass ich zuviel bezahlt habe.
Beim Sonnenuntergang nahmen alle gläubigen Moslems ihren Gebetsteppich hervor
und legten ihn Richtung Mekka, sogar der Lotse auf der Brücke holte ein Tuch
hervor dass er auf dem Boden ausbreitete und verrichtete sein Gebet.
In Port Said geht dann der
Lotse von Bord und mit ihm die Händler. Beim Herunterladen der Boote streikt
der Kran. Gogo läuft wieder in Hochform auf und fordert mich via Chief auf ich
solle auf den Kran steigen und dem Elektriker sagen er solle schnell machen...
Mir kommt es jedoch nicht in den Sinn da noch Druck zu machen, der Elektriker
weiss auch dass es eilt. Um den Schein zu waren gehe ich in den Kran und da
sehe ich dass zügig gearbeitet wird und so ziehe ich mich ruhig wieder zurück
und gehe essen. Danach müssen wir noch die Gangway einholen und dies bei voller
Fahrt. Mir gefällt dies, aussen im Fahrtwind die Seilhalter abzumontieren. Zum
Glück sieht mich Gogo nicht es gäbe wieder ein Zettermordio....
15. Januar 2008
Wir sind nun wieder im
Mittelmeer und irgendwie habe ich ein Gefühl wie nach Hause zu kommen. Heute
ist wieder Rost klopfen und Streichen angesagt. Am Nachmittag muss ich noch die
Eignerkabine richten. Nun ich kann um 4 Uhr gehen und um 4.15Uhr ist die Waschmaschine
gestartet, mehr kann ich nicht machen und so helfe ich Olek noch das
Trinkwasser im Freifallboot auszutauschen. Wir leeren die Kanister und füllen
sie neu. 16 mal 3 Liter Wasser macht doch 50 Liter oder 10 Kanister a 5lt. Er
fragt mich ab und will wissen wie denn dass Boot ausgelöst wird. Dank Herrn
Haak und dem Sicherheitskurs kann ich ihm bestens Auskunft geben. Nach dem
Abendessen müssen wir dann sofort noch zählen wie viele Ketten für die Ladung
für Frankreich gebraucht wurden. Offenbar sollen wir die Ladung löschen und
nicht die Hafenarbeiter. Warum das so ist kann niemand sagen, es scheint jedoch
dass wir günstiger arbeiten... wir sollen dafür separat bezahlt werden... Ich
kann es nicht so recht einordnen und jeder erzählt etwas anderes... irgendwie
ist es mir etwas unwohl und ein Gefühl von ausgenutzt werden macht sich breit,
mal sehen wie sich die Sache entwickelt...
16. Januar 2008
Auch heute sollen wir Rost
klopfen. Es windet recht stark und ist kalt so dass ich mir ein Gnägi anziehe.
Als wir dann jedoch noch von Wellen bespritzt werden wollen wir das Programm
ändern und das Schiff fetten. Gogo hat dafür jedoch kein Gehör und will dass
wir die Laderaumabdeckung auf der Leeseite erneuern. Diese Arbeit ist jedoch in
der Höhe und da es mir ausdrücklich untersagt ist da zu arbeiten gibt Ticho mir
einen anderen Job. Ich muss die Krankabinen reinigen und im Umkleideraum die
Garderobenschränke neu beschriften. So habe ich Glück und bin am „Schärme“, mir
tun jedoch die anderen leid.
17. Januar 2009
Diese Nacht wurde die
letzte Stunde zurückgestellt, wir haben nun wieder MEZ. Wir haben das übliche
Samstagsprogramm. Putzen und Drill. Am letzten Samstag habe ich die Jobs
verteilt und so wird es wieder von mir erwartet dass ich die Jobs zuteile. Wir
ziehen Lose und so wischt Sveto, ich putze feucht und Dorel putzt die Fenster.
Eigentlich weiss jeder was gemacht werden muss und so bin ich erstaunt wie die
Leute erwarten dass ihnen jemand sagt was er tun soll... Am Nachmittag fahren
wir an Sizilien vorbei und Sveto wartet ungeduldig darauf eine Natelverbindung
zu bekommen. Zuerst bin ich verwundert dass er so dringend telefonieren muss,
danach weil ich erfahre dass nicht nur Bubu der Motorman in Fos-sur-Mer
ausgetauscht wird, sondern auch Ticho und Sveto nach Hause gehen werden. Bin
ganz überrascht und bedaure dies, habe ich doch die meiste Zeit mit ihnen
zusammengearbeitet. So feiern wir am Abend eine Say good by Party und feiern
nochmals ausgiebig. Um ein Uhr gehe ich auf die Brücke und diskutiere bis spät
in die Nacht mit Olek über Gott und die Welt.
18. Januar 2008
Ein ruhiger Sonntag, ich
lese ein Buch über eine Mexikanerin welche dick im Kokaingeschäft mitmischt. Am
Nachmittag mach ich den obligaten Besuch auf der Brücke, wir sind nun vor Sardinien.
Auf einmal kommt uns ein kleines Boot mit Motor und vielen Leuten entgegen
welche uns zuwinken und schreien. Wir holen sofort den Kapitän. Dieser findet
dann dass wir nichts gesehen haben und so fahren wir weiter. Zuerst habe ich
ein schlechtes Gewissen, die Leute befanden sich in Not und wir halfen nicht.
Sardinien lag jedoch in Sichtweite und so haben sie es sicher bis dorthin
geschafft. Ich freue mich auf Frankreich, am Abend beziehe ich noch das Bett in
der Eignerkabine und Gogo will dass ich es besonders ordentlich mache es komme
ein Vertreter von Enzian. Nun werden wieder alle bibbern und den Gagi in den
Hosen haben. Irgendwie kommt es mir vor wie wenn das kommunistische System
immer noch durchschlägt. Jeder ist besorgt dass er negativ dastehen könnte.
19. Januar 2009
Am Morgen beschäftigen wir
und mit Vorbereitungsarbeiten. Wir werden definitiv das Losmachen der Fracht
übernehmen und es soll auch ein Bonus geben. Wie viel ist noch unbekannt, ich
habe jedoch beschlossen mir nicht mehr viel Gedanken darüber zu machen, da ich
mich sonst nur in etwas hinein steigere und mir die Erfahrung fehlt um dagegen
anzukämpfen. Am Nachmittag haben wir Ruhezeit da wir in der Nacht arbeiten
müssen. Das erste was wir von Fos-sur-Mer sehen ist eine Raffinerie mit den
Fackeln. Im Hafen legen wir dann ohne Hilfe von einem Schlepper an. Wie in
Frematle holte ein kleines Boot die Leinen ab und brachte sie zum Poller. Nach
dem Znacht war es dann soweit, wir machten uns ans Werk. Es gab einiges zu tun
bis alle Vertäuungen gelöst waren. Meine Spezialität dabei war es auf die
Frachtstücke zu klettern und die Ketten zu lösen, ei ei ei wenn das Gogo
gesehen hätte...Als wir dann um elf Uhr fertig waren trafen wir auf die neue
Besatzung. Als Matrosen ein Rumäne und ein Bulgare, ein weiterer Rumäne als
Motorman. Hundemüde ging ich dann auch schon bald ins Bett.
20. Januar 2008
Noch vor sieben Uhr müssen
wir wieder antraben und weiter das Vertauungsmaterial zusammen räumen. Die
Schweisser sind schon an Bord und wollen auch schon Business machen. Sie fragen
mich nach Zigaretten. Offenbar ist bekannt dass man die auf Schiffen zollfrei
einkaufen kann. Ich verspreche mal nachzufragen. Passt ja gut zum Buch über die
Schmugglerkönigin... Dann stehe ich den ganzen Tag mehr oder weniger an der
Gangway. So kann ich mich im Französisch üben. Erstaunlicherweise ist doch noch
einiges hängen geblieben und die Mühen von Herrn Gächter und Madame Soleil
waren doch nicht vergebens. Nach dem Mittagessen bekommen wir Besuch von einem
Mann der Seemannsmission. Er verkauft Telefonkarten und bietet uns eine
Busfahrt an zum Clublokal wo es Internetverbindung, Telefonkabinen und was
Seeleute sonst noch so brauchen und so freue ich mich auf den Abend. Die Sonne
malt den kitschigsten Untergang den ich gesehen habe. Witzigerweise habe ich
mich noch immer nicht daran gewöhnt in der gleichen Zeitzone wie in der Schweiz
zu leben. Noch immer wenn ich auf die Uhr schaue will ich die MEZ Zeit
ausrechnen. Um halb acht Uhr werden wir abgeholt und nach Port au Bauc
gefahren. Ich geniesse es nach vier Wochen endlich wieder mal online gehen zu
können. So lange ohne Internet war ich noch nie seit 1998 als ich mir ein Modem
kaufte. Die Zeit vergeht wie im Fluge, vielen Dank an alle für die lieben
Emails!!! Dann für den Chief noch 30 Euro in Schokolade umsetzten und schon
werden wir wieder zurückgefahren.
Kaum auf dem Schiff ruft
auch schon wieder die Arbeit. eine Lieferung von Ge- und Verbrauchsartikel ist
gekommen und muss verräumt werden. Kurz vor Mitternacht könnte ich dann
schlafen gehen, könnte, ich gehe jedoch noch auf die Brücke, habe am Vorabend
entdeckt dass ich mich in ein WLAN einloggen kann, aber keine Verbindung
bekomme. Nun habe ich mir zusätzliche Angaben besorgt (DNS IP von Bluewin) und
damit klappt es. Jupii Internetverbindung auf dem Schiff. Leider nur auf der
Brücke oder ausserhalb und die Verbindung ist langsam und störungsanfällig. Auf
der Brücke sind noch Techniker damit beschäftigt ein neues Satellitensystem
einzubauen. Nun soll dieses noch registriert werden was wir machen müssen. Der
Superintendant von Enzian kennt sich damit noch gar nicht aus und fragt mich
wer sich auf dem Schiff damit auskennt. Von der technischen Seite her kann ich
ihm niemand anbieten, mich interessiert es aber und so darf ich einen Versuch
wagen. Nun das ganze ist ganz einfach, Provider anrufen, alte und neue
Seriennummer durchgeben, fertig, wenn man dann den Provider wüsste. In der
Messe finde ich einen Zettel von einem Provider. So rufe ich dort an und der
Herr erklärt mir dass ich zuerst das System bei einem anderen Provider löschen
muss. Also rufe ich diesen Provider an, da meldet sich nur das Band. Uns so
vereinbaren wir dass ich mich am Morgen darum kümmere. Bin noch hellwach und
schreibe Emails und gehe erst nach 2 Uhr schlafen.
21. Januar 2009
Noch vor sieben Uhr werde
ich wieder gerufen. Die Löscharbeiten sind schon in vollem Gange. Pünktlich um
acht Uhr bin ich auf der Brücke und kann das die Registratur vornehmen. Vorher
überlege ich mir noch ob wir uns bei Enzian erkundigen sollen welches der
richtige Provider ist. Nun wir haben zwei Systeme und so ist es für mich nichts
als logisch aus Gründen der Redundanz auch zwei unterschiedliche Provider zu
haben. Nach nur einer Stunde klappt es dann auch mit Mitteilungen versenden nur
bekommen wir keine Antwort, bis wir eine Meldung erhalten dass der Empfänger
nicht bezahlen will. Kurz wir hätten besser angerufen, es währe einfacher
gewesen.... Mich gurkt es zuerst mächtig an, jedoch nüchtern betrachtet muss
ich mir (und wird mir auch nicht) vorwerfen.
Sonst bin ich den ganzen
Tag beschäftigt mit Wache stehen, ab und Leute auf die Brücke bringen, Sachen
verräumen, Holz zusammen lesen, Ladeluken schliessen usw. Wir bekommen noch
Besuch von der Schweizer Seemannsmission aus Marseille. Ein ehemaliger
Schweizer Seemann führt diese und so kann ich mich auf schweizerdeutsch mit ihm
unterhalten. Er bringt für alle Nationalitäten an Bord Kalender und Lektüre
welche von den Leuten dankbar entgegengenommen wir. Der Flughafen von Marseille
liegt auch in der Nähe und zwei Mal fliegt ein Airbus A380 über das Schiff. Ist
ein gewaltiger Vogel und eindrücklich wie er so in der Luft hängt. Um neun Uhr
abends fahren wir dann los Richtung Huelva. Au revoir France!
22. Januar 2009
Nach dem gestrigen
hektischen Tag und kurzen Nächten quäle ich mich aus dem Bett und bin gerade
pünktlich im Cargooffice zu Arbeitsbeginn. Ich bin jedoch alleine und nach
einer halben Stunde gehe ich wieder in die Kabine. Offenbar habe ich nicht
mitbekommen dass heute der Arbeitsbeginn später ist, bin froh mich nochmals
hinlegen zu können. Am späten Vormittag holt mich dann auch der Chief, ich muss
Sachen verräumen. am Nachmittag die Brücke putzen sonst habe ich nicht viel
mehr zu tun. Nach einer heissen Dusche lege ich mich ins Bett. Fühle mich nicht
gut und bin hundemüde. Nach zwei Stunden weckt mich Dorel, der Kapitän braucht
noch jemand der ihm Fotos auf den PC überspielt. Auf der Brücke streiten sich
der Chief und er über Dieselöl und die Balasttanks. Mir kommt es vor die die
zwei Alten aus der Muppetshow. Nach dem Abendessen mache ich noch meine Kabine
sturmsicher. es ist hoher Wellengang angekündigt.
23. Januar 2009
Die Nacht verläuft relativ
ruhig. Wir sind nun doch gar weit im Westen und so ist es um acht Uhr immer
noch stockdunkel. Zuerst müssen wir die Leiter für den Lotsen ausbessern. Dorel
und ich gehen Ketten spannen, danach fette ich die Winden. Der Sturm wird nun
immer heftiger so dass wir die Arbeiten einstellen und nach drinnen flüchten.
Ich gehe auf die Brücke um den Wellen zuzusehen. Der Wind bläst mit Stärke acht
und wir sind auch nur noch mit gut acht Knoten unterwegs. Leider habe ich die
Seekrankheit immer noch nicht richtig überwunden. Wenn ich liegen kann habe ich
kein Problem, sobald ich aufstehe habe ich aber ein flaues Gefühl im Magen.
Zudem fühle ich mich schnell müde. Die Fische haben dieses Mal aber nichts
bekommen. Am Abend im Spanischen TV ist der Sturm dann das grosse Thema und aus
Jeder grösseren Stadt wird berichtet.
Mit der neuen Crew geht es
ganz gut. Dank meinen 3 Monaten Erfahrung gehöre ich jetzt auch zu den Grossen.
Dorel muss sich noch etwas daran gewöhnen dass er der Chefmatrose ist. Er
bespricht zuviel mit Ion in rumänisch, verpasst es dann aber uns zu informieren
und so ist es für Nikolai aus Bulgarien und mich relativ schwierig zu folgen.
Aus der Messe wurde eine richtige Raucherhöhle. Der Anteil der Raucher ist
stark gestiegen. Teilweise werden bis zu zwei Pakete pro Tag vernichtet. Da die
Stange Marlboro nur 11 USD kostet ist es nicht so teuer.
24. Januar 2009
Ein normaler Samstag, Der
Sturm hat sich gelegt und wir putzen. Am Abend laufen wir in Gibraltar ein wo
wir tanken. Leider legen wir nicht an, ich wäre gerne an Land gegangen. Ist schon
speziell, dieser Britische Fels. Ich helfe Olek noch das Rettungsboot putzen.
Die Schekel sind teilweise ganz verrostet und wir müssen sie mit der
Trennscheibe aufschneiden.
25. Januar 2009
Ausschlafen, in der Nacht
sind wir losgefahren, als ich erwache ist die Maschine abgestellt und wir
liegen an Anker vor Marokko. Der Wind hat wieder stark zugenommen die Wellen
sind aber noch angenehm. Heute ist es mir langweilig, habe nichts zu tun und
weiss nicht recht wie mich beschäftigen. Vom Käpten erhalte ich noch zwei
Magazine, eines für Auslandschweizer und die Flaschenpost eine Zeitschrift für
Schweizer Seeleute. Für die neuen Crewmitglieder bringt der Chief noch die ID
Karte, jedoch ohne Foto und nicht laminiert. So mach ich die nach neu, mit Foto
und laminiert sehen sie schon viel besser aus. Am Abend fahren wir dann los
nach Huelva wo wir morgen Montag um ca. acht Uhr eintreffen sollten.
26. Januar 2009
In der Nacht hatten wir
starkes Rolling, das ist wenn das Schiff von einer Seite auf die andere schaukelt.
Alles was nicht niet und nagelfest war versammelte sich am Boden und schaukelte
ebenfalls hin und her. Zuerst versuchte ich das Geräusch zu überhören, doch je
mehr ich mich anstrengte umso mehr höre ich es. Also bleibt mir nichts anderes
übrig als aufzustehen und alles zu verstauen. An Schlafen ist danach nicht mehr
zu denken und so döse ich vor mich hin. Punkt sieben Uhr werde ich gerufen,
zuerst helfe ich vorne die Leinen richten, danach hinten, frühstücken und schon
kommt der Lotse an Bord. Im Hafen von Huelva ist der Wasserpegel so tief dass
wir unsere Gangway nicht ausfahren können und eine Ersatzgangway installieren
müssen. Danach sind wir den ganzen Nachmittag mit Vertauung lösen beschäftigt.
Am Abend mach ich noch ne Runde mit dem Velo, ich komme aber nur bis zum Gate.
Ein freundlicher Beamte der Hafenpolizei erklärt mir dass es neun Kilometer bis
in die Stadt sind und ich für das Velo Helm und Licht brauchen würde. Für ihn
sei es kein Problem, aber seine Kollegen würden da nicht so nachgiebig sein. So
fahre ich wieder zurück zum Schiff.
27. Januar 2009
Den in der letzten Nacht
verpassten Schlaf konnte ich in der Nacht nachholen. Ist ganz ungewohnt wenn es
muxmäuschen still ist weil keine Maschine dröhnt. Wir beginnen erst um halb
neun mit arbeiten. Draussen ist es auch noch so lange dunkel. Ich stehe mehr
oder weniger an der Gangway, hole mal hier etwas, rufe diese Person, bringe
etwas wohin... Am Nachmittag müssen wir das Schiff verschieben. Ein mal mehr
ist es ein Drama a la Gogo. Wenn es nicht genau so läuft wie er es sich
vorstellt dann kommt er in Rage. Dieses Mal muss der zweite Offizier dran
glauben. Nun dieser kommt dann auch in Stimmung und beginnt auch zu fauchen.
Einmal als er mich ankeift weil ich die Leinen kontrolliere muss ich doch
zurückfauchen. Danach ist er noch erstaunt dass ich verärgert bin. Wir haben
dann ein kurzes klärendes Gespräch und die Sache ist erledigt. Er hat sein
Mobiltelefon im Laderaum verloren. Als wir den Laderaum öffnen versuche ich
mehrmals darauf anzurufen. Meistens kommt eine ukrainische Stimme die sagt dass
der Abonnent nicht erreichbar sei. Zwei mal werde ich aber auch mit jemandem in
der Schweiz verbunden. Habe keine Erklärung was das sein könnte, ich bin auch
sicher dass ich die richtige Nummer hatte, wählte immer aus dem Speicher. Am
Abend können wir dann eine Ladeluke schliessen. Wir haben aber immer noch
Fracht in Laderaum zwei und so bleiben wir einen Nacht länger in Huelva, so
freue ich mich auf eine weitere ruhige Nacht ohne Motorenlärm.
28. Januar 2009
Die Ausladearbeiten dauern
noch immer an und so macht sich die Hoffnung das Wochenende in Bilbao zu
verbringen zunichte. Ich stehe wieder mehr oder weniger den ganzen Tag an der
Gangway. Am Abend fahren wir dann endlich los. Bis Bilbao haben wir zweieinhalb
bis drei Tage. Somit werden wir am Samstag dort sein, am Wochenende wird im
Hafen nicht gearbeitet und wir wohl vor Bilbao an Anker liegen. Im Moment muss
ich mich daran gewöhnen dass ich wohl länger auf dem Schiff bin und schon
vieles gelernt habe, aber halt immer noch der Stift bin. Langsam beginnt es
mich zu stören immer nur der Bimbo zu sein. Habe auch das Gefühl der zweite
Offizier beginnt es auszunutzen und ruft mich für jeden kleinen Dreck. Am
meisten stört es mich als er findet wir sollen helfen kommen die Leiter für den
Lotsen einzuholen, er es dann aber nicht mal fertig bringt den Rettungsring zu
versorgen und sich gleich aus dem Staub macht. Ion der rumänische Matrose muss
auch noch ein paar Anstandsregeln lernen. Danke, bitte oder auch nicht einfach
hei schreien wenn er was von mir möchte. Nicolay der andere neue Matrose hat
sich recht schnell daran gewöhnt und es ist angenehmer mit ihm zusammen zu
arbeiten.
29. Januar 2009
Gogo lässt uns heute bis um
halb elf Uhr ausschlafen. Danach gehen wir die Laderäume putzen. Den Nachmittag
verbringe ich mit PC arbeiten. Für die Gasdetektoren muss ich ein Logbuch
erstellen mit Fotos und Tabellen. Es macht mir grossen Spass und ist eine
willkommene Abwechslung. Der Chief ist hocherfreut und gibt mir ganze zwölf
rote Punkte. Jedes Mal wenn etwas gut ist bekomme ich rote Punkte und so machen
wir gegenseitig Witze darüber. Er hat einen sehr trockenen, schwarz angefärbten
Humor. Mit Gogo zusammen hat er es nicht einfach. früher selber mal Kapitän,
gewöhnt Verantwortung zu tragen, und nun mit Gogo der nichts abgeben kann und
immer noch selber reinschwatzen muss...
30. Januar 209
Der Atlantik vor Portugal
und der Golf von Biskaya sind berüchtigt für Rolling im Winter und so rollt das
Schiff über die Wellen von einer Seite auf die andere. Obwohl ich die Kabine
möglichst sturmsicher aufgeräumt habe fallen die Kombis auf den Boden und auch
die Trinkwasserschachtel welche ich zwischen den Tischbeinen eingeklemmt habe
löst sich und rutscht hin und her. Am Schluss landet sie auf dem Bett, einem
sicheren Platz und so schlafe ich zwischen Büchern, Notebook,
Trinkwasserflaschen und Kleidern. Müde von der durchrollten Nacht stehe ich
auf. Heute kann ich wieder ein paar Büroarbeiten machen. Ich muss die Proviantbestellung
abtippen damit wir sie senden können. Sind schon beträchtliche Mengen die da
verfressen werden... Am Nachmittag bin ich auf StandBy und geniesse es
auszuruhen. Das Meer beruhigt sich auch wieder und so ist es wieder angenehmer.
31. Januar 2009
Zuerst will ich das Schiff
putzen, doch welch hocherfreuliche Nachricht, wir laufen schon heute in Bilbao
ein! Dann wird doch das Schiff geputzt dann angelegt und nachdem dann endlich
das Zwischendeck abgebaut ist kann ich in die Stadt. Nach einem kurzen Bummel
gehe ich in den Seemannsclub und erfreue mich genüsslich im Internet
abzusaufen, zu chatten, zu surfen und natürlich meine Leser mit einem weiteren
Bericht zu beglücken. Dieser findet sogar in Tansania Beachtung!!! Nach Bilbao
geht die Reise dann weiter nach Hamburg wo wir ca. am 9 Februar eintreffen.
Dort laden wir Fracht für den Kongo. Ich freue mich auf Afrika und bin gespannt
auf die Eindrücke.
1. Februar 2009
Nach dem Ausschlafen geh ich
früh zum Mittagessen so dass ich um 12 Uhr schon wieder auf die Leutsch gehen
kann. Zusammen mit Vladimir fahren wir mit dem Velo bis zum Seemannsclub. Dort
deponieren wir die Drahtesel und machen uns auf zum Tourismusbüro. Wir folgen
den Wegweisern, ankommen tun wir aber nicht, es ist unauffindbar. So gehen wir
zum Bahnhof und fragen dort wie wir ins Guggenheimmuseum kommen. Wusste gar
nicht dass ich so gut spanisch kann, jedenfalls werde meine Brocken Italienisch
und Englisch verstanden. Mit dem Zug geht es nach Bilbao City. Die Fahrt dauert
gut 20 Minuten und führt die meiste Zeit am Fluss entlang. Die Gegend welche
wir sehen sieht heruntergekommen aus, alte Industrieareale die lange nicht mehr
gebraucht wurden. Es wird aber viel gebaut, vor allem Wohnungen scheinen zu
entstehen. Die Landschaft ist sehr hügelig und grün, ohne das Meer sieht es aus
wie in der Schweiz und so kommt doch etwas Heimweh auf.
In Bilbao müssen wir uns
nach dem Weg erkundigen. Vom Personal will niemand englisch sprechen können und
so bekomm ich Handzeichen wodurch es gehen soll. Der Weg führt zuerst durch die
Fussgängerzone welche sehr schön und sauber aussieht. Dann kommen wir zu einem
grossen Kreisel der in der Mitte schön bepflanzt ist. Wir gehen weiter gerade
aus übersehen dabei den Abzweiger und machen so einen unfreiwillige
Sightseeingtour durch Bilbao. Wir fragen dann wieder nach dem Weg und finden
schlussendlich doch noch zum Museum. Das Gebäude ist sehr verspielt, mit seinen
vielen Ecken, Kanten und Rundungen welche teilweise mit Titanschuppen bedeckt
sind gefällt es mir besonders gut. Die Ausstellung selber ist dann aber
enttäuschend. Es werden Bilder eines amerikanischen Künstlers ausgezeigt der im
20 Jahrhundert lebte doch ich kann mit den abstrakten Bildern nichts anfangen.
Daneben hat es noch eine Installation mit Leuchtschriften welche von oben nach
unten laufen auf der einen Seite rot, auf der anderen blau. Die blaue Seite
spiegelt sich an der Wand und gibt so den Schein von fliessendem Wasser. Eine
Ausstellung von Paul Sierra gefällt mir dann aber doch. Er hat riesige
Stahlplatten zu Spiralen, Ellipsen und anderen Figuren geformt durch welche man
durchgehen kann und besondere Stimmungen vom Raum, Weite, Nähe und manchmal
auch eine Enge erzeugen können. Hauptsponsor der Ausstellung ist Acelor Mittal.
für diese Firma haben wir die Stahlteile von China nach Frankreich gebracht.
Dass man die Kunstwerke
nicht fotografieren kann ist begreiflich, das Personal greift jedoch auch ein
als ich Fotos vom Gebäude machen möchte. Interessanterweise gibt es das
Aufsichtspersonal Rot gekleidet und einen Sicherheitsdienst in grünen
Uniformen. Den Grünen sind meistens nicht so motiviert und so kann ich dann
doch noch zwei drei Fotos machen. Danach laufen wir noch am Kunstmuseum von Bilbao
vorbei und werfen einen Blick dort hinein. Eine Ausstellung zeigt Bilder des
spanischen Lebens um das Jahr 1916. Diese gefallen mir gut, sie sind sehr
detailreich und interessant anzuschauen.
Auf dem Weg zurück zum
Bahnhof werfen wir noch einen Blick in eine alte romanische Kirche. Ich glaube
es wird gerade der Rosenkranz gebetet, ein Priester babbelt etwas auf spanisch,
aber in solch einem horrenden Tempo, ich glaube auch ein Spanier konnte das
nicht verstehen. Zurück beim Bahnhof, den Zug gerade um 5 Minuten verpasst und
so erstehe ich in einer Konditorei feine Schoko und Vanilleschnitten, im
Candyshop weiche Caramels und dann fährt auch schon der nächste Zug nach
Santurci, dem Stadtteil wo sich der Hafen befindet. Via Zwischenstopp im
Seemannsclub geht es dann zurück zum Schiff.
2. Februar 2008
Heute beginnen die
Löscharbeiten, ich habe jedoch keine grosse Aufgabe und möchte nochmals nach
Bilbao. Wir bekommen dann aber Besuch von der Hafenkontrollbehörde welche sich
mit der Sicherheit auf den Schiffen beschäftigt und somit ist der Ausgang
gestrichen. Um drei Uhr nachmittags könnte ich dann gehen, aber irgendwie ist
es zu spät, es beginnt zu regnen und somit verschiebe ich es auf morgen. Ich
lasse mich dann erweichen für die Crew mit dem Crewgeld eine Playstation kaufen
zu gehen. Auf dem Weg in die Stadt rutsche ich auf einer in der Strasse
eingelassenen Eisenbahnschiene aus und fliege mit dem Velo auf die Nase, kann
mich jedoch auffangen dass ich nicht am Boden liege. Dann irre ich durch die
Stadt weil ich meine einen Gameshop gesehen zu haben. jedoch entpuppt sich dies
als falsch. Dafür finde ich einen Supermarkt und decke mich mit Schokolade,
Orangensaft und anderen Leckereien ein. Im Seemannsclub kann man mir dann eine
Adresse angeben. Also wieder durch halb Santurci durchlaufen. immer noch regnet
es leicht, und tatsächlich werde ich fündig und erstehe für 212 Euro eine
Playstation, drei Spiele, eine Memorycard und einen zusätzlichen Controller. Im
Seemansclub will ich Spiele für mein Notebook herunterladen, mache aber einen
Fehler und muss danach das ganze Notebook neu aufsetzten.
Schei.......benkleister! Also wieder alles installieren, die Podecasts
herunterladen, einrichten nochmals mit den Spielen versuchen und schon ist es
zehn Uhr und wir werden hinausgeschmissen weil sie schliessen. Auf dem Schiff
muss ich dann merken dass ich wohl die Spiele installiert habe, aber keines
davon kann ich aufstarten. Dann will ich noch Fotos für Olek kopieren was aber
auch nicht geht weil meine Speicherkarte nicht mehr erkannt wird. Langsam
zweifle ich an meinem kleinen Notebook, müde und genervt gehe ich schlafen.
3. Februar 2009
Heute morgen muss ich
zuerst ein paar kleinere Arbeiten machen, sonst ist nicht viel los. Über den
Mittag holen wir mit dem Kran Vertauungsmaterial und Abfall aus dem Laderaum.
Auf einmal zitiert Gogo alle zur Gangway um Ware zu verräumen. Dort angekommen
herrscht aber nur grosse Ratlosigkeit. Für den Maschinenraum wurden ein paar
Sachen angeliefert, es war aber überhaupt nicht nötig dass alle antrabten.
Nachdem wir fertig waren versuchte ich nochmals nach Bilbao zu gehen. Dieses
Mal wird dies durch den Kapitän verhindert. Wir bekommen am Nachmittag eine
grosse Ladung Proviant wo ich da sein müsse. Ich kann dann aber doch für gut
eine Stunde in die Stadt und so gehe ich zuerst auf eine Anhöhe von wo ich eine
gute Sicht auf den Hafen habe und mache dort ein Foto vom Schiff. Danach vor
dem Seemannsclub in ein offenes Funknetz die Emails abrufen und wieder zurück.
Um fünf Uhr kommt dann der Lieferwagen mit dem Proviant. Interessanterweise
kommen auch zwei Polizisten in Zivil und interessieren sich für die Ware,
nachdem Sie alles durchgesehen haben können wir die Paletten mit dem Kranen
aufs Schiff laden und verräumen. Danach schnellstens Umziehen und in die Stadt.
Zusammen mit Olek gehe ich shoppen. Ich kaufe mir eine externe Festplatte.
Diejenige welche ich in China gekauft habe war ein definitiver Reinfall. dann
noch eine neue Speicherkarte, und in einem Chinesenshop (Ramsch Made in China,
billig) eine Unterlage fürs Bad. Wieder mit Zwischenstopp fürs Internet geht’s
zurück aufs Schiff.
4 Februar 2009
Ich mag nicht aufstehen und
bleibe einfach mal liegen. Habe keinen Job und wenn jemand etwas von mir will
dann kann er mich anrufen. Das Telefon klingelt dann auch um elf Uhr, am
anderen Ende der Chief, ich solle kommen Manövering. Also stürze ich mich ins
Übergwändli, rein in die Schuhe und im Laufschritt nach unten. Dort stehen wir
dann aber nur ne halbe Stunde herum. dann sendet uns der Chief essen. Beim
Essen erfahre ich vom Motorman dass zuerst die Hafenbehörde das Schiff
freigeben müsse weil der Kreiselkompass bei der ersten Kontrolle nicht
arbeitete. Super... Habe schwer Gogo in Verdacht dass hier wieder mal zu früh
alarmiert wurde. Nach dem Essen spielt sich eine interessante Unterhaltung
zwischen Olek und Nicolay ab. beide fühlen sich vom anderen angepisst und man
sieht sehr schön wie jeder Schritt für Schritt auf die Palme steigt, aber
keiner ist fähig die Eskalation zu verhindern. Am Schluss sind beide
aufeinander verrückt, dabei währe es gar nicht nötig gewesen.
Um ein Uhr geht es dann
wirklich los. Nachdem alle Taue eingezogen und verräumt sind muss ich die
Spannsets zusammenräumen und schon ist auch wieder Feierabend. Ich merke dass ich
fast zuviel Landgang hatte und mich an die grosse Vielfältigkeit, die
Abwechslung und Kontakt zu anderen Leuten gewöhnt habe. Mir stinkt es wieder
auf dem Wasser zu sein.
5. Februar 2009
Wieder einmal ist putzen
der Laderäume angesagt. Die Grobreinigung fand gestern Nachmittag statt während
dem ich die Spannsets verräumt habe, heute müssen wir das Finetuning machen.
Dazu gehört auch die Bilgen auszuschöpfen. Die Bilgen sind die Sammellöcher im
Boden. Die Arbeit ist nicht sehr angenehm, wieder ist das Wasser stinkig und
ölig, ein Fall für Augen zu und durch. Ich bin froh kann ich am Nachmittag auf
die Brücke. Wir haben ein neues Programm bekommen womit die Korrekturen der
Seekarten automatisch via Satellit herunter geladen werden können. Dieses muss
ich installieren, dann müssen wir die Antenne ausrichten und das Programm frei
schalten. Gogo möchte am liebsten sofort alles schön fixieren und festmachen.
Ich muss ihm zuerst dann klarmachen dass die Antenne nicht fix angebracht
werden kann, sie muss zum Satelliten gedreht werden können und dass es auch
keinen Sinn macht den Empfänger so gross wie zwei Zigarettenschachteln gleich
fix zu installieren. Zuerst müssen wir schauen wie das System wirklich
gebraucht wird, ob der Display und die Knöpfe gebraucht werden.
Überraschenderweise kann er sich sogar damit abfinden und verzichtet seinen
Kopf durchzusetzen. Dann müssen wir noch die Seriennummern der SatcomC
Empfängern heraussuchen. Olek hat es nicht so im Griff und ist froh dass ich
ihm die Arbeit abnehme. Ich merke langsam wie der Bürogummi sich in mir
bemerkbar macht. Ich geniesse es wenn ich wieder mehr geistig arbeiten kann.
Heute geht es auch schon besser und es stinkt mir nicht mehr. Vielleicht hat da
auch die Schokolade dazu beigetragen. In Spanien ist die Tafel Lindt
Milchschokolade 125g schwer und kostet nur 1,50Fr, drei Tafeln sollten reichen
bis Hamburg.
6. Februar 2009
Eigentlich müsste ich im
Laderaum helfen putzen, mit Spezialreiniger und Putzlappen den Boden fegen,
jedoch werde ich nach einer Viertelstunde auf die Brücke gerufen. Für den
Kapitän muss ich einige Büroarbeiten erledigen, dann versuchen ich mit dem
Chief zusammen die neue Fracht und Stabilitätssoftware zu verstehen. Für mich
ist es nicht so einfach weil es sehr viele Begriffe hat welche mir gar nichts
sagen und gewisse Abläufe noch völlig unbekannt sind. Am Nachmittag kann ich
Olek auf der Brücke helfen die neue Kartenverwaltungssoftware einzurichten. Bin
froh muss ich nicht draussen arbeiten, es ist kalt. Wir fahren durch den Ärmelkanal
und die Strasse von Dover. Gegenüber dem offenen Ozean herrscht ein grosser
Verkehr und man fährt Richtungsgetrennt. auf der französischen Seite Richtung
Ost, auf der englischen Richtung West und dazwischen noch die Fähren welche
einem knapp vor der Nase vorbeiflitzen dass man meint jetzt kracht es dann
gleich.
Eindrücklich wie man
wirklich links die Kreidefelsen und rechts die Dünen sehen kann. Zusätzlich hat
die Gegend ja einen grossen historischen Hintergrund, ich versuche mir
vorzustellen wie man sich während dem zweiten Weltkrieg gegenseitig bespäht hat
und wie das wohl ausgesehen hat während der Invasion.
7. Februar 2009
Ganz auf Putzen eingestellt
begebe ich mich ins Cargooffice, doch wir haben einen anderen Job, genannt das Seildrama.
Wir müssen ein Ersatzseil für den Kran in Forecastle bringen. Das Seil ist nun
aussen und sollte nach drinnen, aber 1.2 Tonnen Stahl lassen sich nicht so
schnell verschieben. Mein Vorschlag die Trommel mit dem Seil drauf an den Kran
zu hängen und so in Forecastle zu platzieren wird abgelehnt, kein geeigneter
Platz, es könnte nass werden. Zuerst liegt die Trommel auf der Seite und wir
versuchen das Seil über die Seite abzuspulen, das gibt aber zu viele
Verdrehungen. Ich werde zu Gogo geschickt er solle schauen kommen, dieser weist
mich an den Chief weiter, von ihm bekomme ich ein paar Tipps welche sich aber
als nicht möglich rausstellen. Dann bauen wir mit Kettenzügen und Ketten eine
Vorrichtung wo wir die Trommel aufstellen können, etwas hochheben und dann
abspulen können wie eine Fadenspule. Dies funktioniert ganz gut, aber wir
können das Seil nicht in den vorgesehenen Platz legen, es ist zu klein. Dies
sieht nun auch Gogo welcher nach vorne kam und am Schluss liegt dass Seil
abgespult in grossen Schlaufen auf dem Boden. Super... meiner Ansicht nach die
schlechteste der Lösungen aber was soll’s. Ich bin nicht der Kapitän und ich
muss akzeptieren dass es nicht nur nach meinem Kopf gehen kann. Unterdessen
sind wir vor Helgoland am Anker und warten bis wir in den Hafen fahren können.
Am Abend habe ich dann ein äusserst aufschlussreiches Gespräch mit Dorel. er
erzählt mir von seinen Sorgen und wie er die AB's führen will und worauf er
achtet. Er ist mit meiner Arbeit sehr zufrieden, er will mir nächstens den Kran
zeigen. Und dann könnte ich deutsches Fernsehen geniessen und endlich wieder
mal die Nachrichten verstehen.... ... wenn ich dann in Spanien einen DBV-T
Receiver gekauft hätte. Nerve mich da ich in Spanien noch dran gedacht habe...
8. Februar 2009
Nach acht Uhr weckt mich
Gogo, ich solle helfen die Lotsenleiter auszubringen. Typisch für ihn, er
organisiert wieder die ganze Crew für einen Job der von 2 Leuten gemacht werden
kann. Danach kommt dann der Lotse, er wird mit einem Boot gebracht dass eine
Mischung aus Katamaran und Tragflügelboot ist. Scheint eine Höllenmaschine zu
sein so wie das Wasser am Heck aufgewirbelt wird. Nun fahren wir in die
Elbemündug hinein, ich freue mich sehr auf Hamburg, endlich kann ich wieder
alles verstehen in einer nicht ganz so fremden Sprache. Nach Cuxhaven wird dann
der Lotse ausgewechselt, ich helfe Dorel die Laderaumabdeckung zu entriegeln.
Dann sind wir im Hafen, legen an und schon kommt ein Mann der die
selbstaufblasbaren Rettungsboote mitnehmen will um diese zu revidieren. Diese
sind sehr schwer, wir können sie leider nicht per Kran runterladen sondern von
Seilen mit viel Diskussionen und Reibereien, dann ist es aber doch geschafft.
Tja und dann gibt es eine etwas geahnte aber doch riesige Überraschung. Der Agent
bringt mir ein Paket aus der Schweiz mit Käse, Schokolade, Wienerli und Senf.
Vielen lieben Dank an meine Eltern welche mir so eine riesige Freude bereiten.
Am Abend kann ich in den Seemannsklub gehen um die neusten Mails und
Nachrichten anzusehen.
9. Februar 2009
Schon um halb sieben Uhr
werde ich geweckt, als Erstes muss ich mit Dorel zusammen die Laderäume öffnen
und die Pontons fürs Zwischendeck installieren. Danach müssen wir die
Bilgenschächte noch mit Jute abdecken damit der Dreck zurückgehalten wird. Die
Hafenarbeiter sind schon daran die Pallets mit dem Zement einzuladen als Ion
immer noch gemütlich und seelenruhig die Jute anbringt. Ich helfe ihm, schlage
aber dann mein Tempo an was ihn doch etwas überfordert, doch wir haben wirklich
keine Zeit zum träumen. Ich muss etwas schmunzeln, war ich doch in der Lehre
auch noch so ein Lama. Im Laderaum 1 können wir es dann etwas gemütlicher
nehmen und ich stresse nicht mehr. Vor dem Mittag kommt irgendjemand noch auf
die Idee das Zwischendeck vielleicht doch in den Laderaum 1 zu verschieben.
Dank der Hilfe des Krans vom Land aus geht das recht zügig. Zuerst müssen wir
aber noch die Halteklappen ausklappen. zu diesem Zweck wird ein Ponton in den
Laderaum „gehalten“ wir können aufsteigen und schweben so zur richtigen Stelle
und können die Klappen loslösen. Sicher etwas gefährlich aber wie immer macht
es Spass so durch die Luft zu schweben. Danach ist der Moment gekommen wo ich
dann ausbüxen kann. Ab in die City, doch... zuerst muss ich mal den Ausgang finden,
dann an einer Würstchenbude nach dem Weg fragen, ich muss knapp 700m laufen bis
ich an eine Bushaltestelle komme und mit etwas rennen erwische ich gleich einen
Bus Nr. 151. dann in Wilhemsdorf umsteigen und nach 40 Minuten bin ich schon in
der Innenstadt. Ich habe nur Dollars und so fahr ich ungewollt halt schwarz,
glücklicherweise kommt keine Kontrolle.
Zuerst decke ich mit einem
DVB-T Empfänger ein, der Kapitän braucht noch einen Stromadapter, danach Geld
wechseln, dann durch die Innenstadt spazieren. Wieder am Bahnhof decke ich mich
mit Lesestoff ein. Ich finde sogar einen Sonntagszeitung und eine NZZ! Vladimir
hat auch noch russischen Lesestoff bestellt. Auf dem Rückweg muss ich für den
Bus noch einen Zuschlag lösen, kann mich aber nicht mehr an die richtige
Haltestelle erinnern, weiss nur noch dass es in der Nähe des Zolls war. Als ich
dann aussteigen will wird die Haltestelle nur in der einen Fahrtrichtung
bedient und so fahr ich halt mit dem Bus bis an die Endhaltestelle und wieder
zurück. Der Fahrer ist sehr freundlich und erzählt mir einiges über den Hafen.
Wir sprechen über Gott und die Welt, er versorgt mich mit Touristeninfos über
Hamburg und so fahr ich nochmals eine Runde mit ihm. Spät abends bin ich dann
wieder auf dem Schiff.
10. Februar 2009
Heute habe ich
herausgefunden warum ich in Spanien keinen DVB-T Receiver gekauft habe. Unsere
TV-Antenne ist speziell eine für die See und funktioniert nicht mit DVB-T.
Umtauschen geht für mich bedeutend einfacher auf Deutsch wie in Spanisch. In
der Nacht hat es geschneit, eine dünne Schneedecke liegt auf dem Schiff.
Nachdem ich am Morgen einige Arbeiten erledigen musste, Laderaumumrandung
säubern, Gangway verschieben, Rettungsfloss zurückstellen, flüchtete ich wieder
in die Stadt da ich ja noch den Receiver zurückgeben wollte. Danach ging ich
ins Miniatur Wunderland. In einem ehemaligen Speichergebäude vom Hafen wurde da
eine Modelleisenbahnanlage eingebaut welche die Grösste der Welt ist.
Verschiedene Themengebiete wurden abgebildet, neben Deutschland und Österreich
auch die Schweiz mit einem 6m hohen Matterhorn. Der Weg führt mitten durch die
Anlage, es fahren nicht nur Züge auf der Anlage sondern auch Autos, diese
blinken richtig, spuren ein, biegen ab und verursachen auch mal Unfälle. Dann
kommt die Feuerwehr und räumt auf. Es ist äusserst faszinierend und ich könnte
stundenlang zusehen. man wird vorher müde vom schauen als dass es langweilig
wird.
Nach drei Stunden habe ich
dann doch genug gesehen und gehe zurück zum Schiff. Die Buslinie 152 welche am
Zoll halten würde hat eine Taktlücke von über zwei Stunden, so nehme ich halt
wieder den 151er. Der Fahrer offeriert mir dann mich am Zoll aussteigen zu
lassen und so bekomme ich einen Extrahalt. abends um 10 Uhr müssen wir dass
Schiff um 200m verschieben. Dafür lohnt es sich nicht die Maschine anzuwerfen,
wir „ziehen“ uns von Poller zu Poller. Wie immer sind solche Manöver höchst
dramatisch und jeder ist nervös. Der Alex der Motormann hilft uns. zwischen ihm
und Olek entwickelt sich eine Diskussion ob der andere jeweils nervös sei oder
nicht. Der Kapitän ist dann nicht einverstanden dass Olek nicht genau seinen
Vorgaben folgt und als sich Olek noch verteidigen will hüpft er wie im
Trickfilm auf und ab und klopft dazu noch mit den Fäusten imaginär auf den
Tisch. Ist wunderbar zuzusehen, Nicolay und ich amüsieren uns prächtig. Ich
werde dann an Land beordert um Alex zu helfen die Leinen zu schleppen. Es ist
kalt, gibt Schneeregen und ein bissiger kalter Wind bläst. Nach zwei Stunden
ist es dann geschafft, das Schiff verstaut und ich flüchte in die Kabine,
brauche eine heisse Dusche. Der Kapitän spendet (wohl eher unfreiwillig) eine
Flasche Vodka und so werde ich auch noch zum Trinken eingeladen. Zum Glück ist
die Flasche schon fast leer, ich bin überhaupt nicht unglücklich kriege ich nur
noch zwei Schlücke.
11./12. Februar 2009
Nach dem gestrigen strengen
Abend habe ich heute ausgeschlafen. Niemand verlangte nach mir, und so genoss ich
einen ruhigen Morgen. Am Nachmittag will ich wieder in die Stadt abhauen, im
Hafen kann man ein russisches U-Boot besichtigen, doch oha lätz der Kapitän
legt sein Veto ein, nach dem Beladen des Schiffes müssen wir die Lucken
versiegeln und da wird auch meine Hilfe gebraucht. Ich kann dann doch noch für
3 Stunden an Land gehen was gerade reicht um Briefmarken zu kaufen, für
Vladimir ein Medikament besorgen und im Internet die Podecasts aktualisieren
und Mails herunterladen. Auf die Minute genau um halb vier bin ich wieder auf
dem Schiff. Die Ladearbeiten sind aber immer noch in vollem Gang. Ich verzieh
mich in meine Kabine, lege mich schlafen, gehe zwischendurch essen und hoffe
auf einen Abend im Seemansclub. Um halb zehn Uhr werde ich gerufen, ich muss helfen
die Krane in Parkposition zu bringen, div Sachen zu verstauen und dann beginnen
wir die Spalten in der Abdeckung der Ladeluken mit Bitumenband abzudichten.
Dazu müssen wir zuerst mit einem Heissluftföhn und mit Butangasbrennern den
Frost wegtauen. Danach das Bitumenband erhitzen, aber ja nicht zu stark und
dieses dann möglichst gerade und faltenfrei aufkleben. Damit es nicht zu
einfach wird hat es Befestigungsbolzen und Containerplatten dazwischen welche
auch schön abgedeckt werden müssen. Kurz gesagt, es ist ein riesiger Scheiss,
es ist trotz Winterkombi kalt, für Winterschuhe hatte der Kapitän kein Gehör,
und ich frage mich wieder einmal wie ich nur auf die Idee kommen konnte aufs
Schiff zu gehen. Pro Stunde schaffen wir gerade mal eine Breite also knapp 20m.
Wir sind zu dritt, Olek Nikolay und ich. Um vier Uhr kommt Ion und der Chief,
zwischen durch gibt es einen warmen Tee, und um acht Uhr kann ich mich dann
endlich auch ins Bett legen. Doch um halb zehn Uhr muss ich schon wieder
antraben, die Gangway muss eingeholt werden, um zehn Uhr fahren wir los. Ich
geniesse die Sonne und die Fahrt aus dem Hafen raus. Der Chief gibt mir dann
den restlichen Tag frei. Ich merke wieder wie ich mich wieder loslassen muss,
habe mich schon zu fest ans Landleben gewöhnt und am Anfang etwas den Koller.
Die schöne Fahrt und die Sonne entschädigt mich etwas und mit dem Kongo kommt
ja eine ganz interessante Destination dazu. Nach dem Mittagessen eröffnet mir
der Chief dass ich dann doch wieder um 4 Uhr antraben müsse, Gogo hätte das so
befohlen. Ich begreife unseren Kapitän nicht wirklich, lege mich schlafen und
bin um 4 Uhr wieder auf der Matte um dann noch eine Linie Bitumenband
aufzukleben. Zum Glück kann ich mit Dorel zusammen arbeiten. Dieser macht kein
Geschrei wenn es eine Falt hat sondern korrigiert mit einer kurzen Bemerkung
und zeigt wie ich es besser machen kann. Um halb sechs ist dann endlich
Feierabend.
13. Februar 2009
Müde krieche ich aus dem
Bett, merke noch immer die durchgearbeitete Nacht. Heute regnet es und wir
müssen den Bootraster reinigen, das ist der Raum vorne im Schiff wo ein etwa
ein Meter dickes Rohr wagrecht durchs Schiff geht, in der Mitte hat es einen
starken Propeller um das Schiff im Hafen besser lenken zu können. In der
Kaffeepause nötigt mich Dorel dass ich bis am Mittag ausruhe. zuerst will ich
nicht, doch danach bin ich doch sehr froh und die zwei Stunden Schlaf wirken
wunder. Richtig fit kann ich am Nachmittag wieder mithelfen. Dann muss ich noch
auf die Brücke, das Kartenaktualisierungsprogramm will nicht richtig
funktionieren. Wir sind nun wieder im Ärmelkanal, dieses Mal näher an England
und so leuchten die Kreidefelsen von Dover richtig in den Himmel hinein.
14. Februar 2008
Eigentlich steht wieder die
Bitumenabdeckung anbringen auf dem Programm, doch vier Personen sind zuviel und
so kann ich mich zum Putzen abdetachieren was mir gerade recht ist. Den
Nachmittag geniesse ich mit den deutschen Zeitschriften welche ich in Hamburg
erstanden habe. Ich freue mich auf Afrika. Wir machen einen Zwischenstopp in
Las Palmas auf den Kanaren, hoffentlich kann ich dort wieder ins Internet.
Zurzeit habe ich ein richtiges Fressflash, habe diese Woche ein Kilogramm
Schokolade gefuttert und könnte noch mehr. Daneben kocht Shandor ja auch noch
und dort esse ich nicht weniger... zum Glück haben wir keine Wage an Bord.
15. Februar 2009
Wieder einmal kann ich
richtig ausschlafen. Um 11 Uhr ist Drill angesagt. Der Generalalarm ertönt und brav
marschieren alle auf die Brücke zum Sammelpunkt. Dort erzählt uns Gogo einige
Sachen zum Schiffsablauf, dass sich die neuen Crewmitglieder mit dem Schiff
vertraut machen sollen, dass wir beim Laderaum öffnen und schliessen darauf
achten müssen dass der Hacken immer Horizontal ist und dass die Reederei noch
nicht geantwortet hätte wie sie den Bonus vom Golf von Aden bezahlen will. Nach
der Ankündigung dass es einen Bonus geben würde ist nichts mehr gegangen und
auf dem Schiff kam die Stimmung auf dass Gogo sich das Geld in die eigene
Tasche gesteckt hätte. Auch vom Geld fürs Ketten lösen von der Fracht in
Fos-sur-Mer und Huelva haben wir noch nichts gesehen. Ich für mich finde es
auch komisch dass wir mehr als einen Monat nichts mehr davon hören. Ich merke
wie mein Vertrauen in Gogo nicht gerade gross ist. denke dies hat damit zu tun
dass er meiner Ansicht nach zuwenig für die Crew schaut, wenn es nach ihm
ginge, wie würden auch am Wochenende arbeiten, das Essen würde gekürzt (Früchte
wurden schon mal auf jeden zweiten Tag statt täglich reduziert, nun aber wieder
täglich) und überall würde gespart werden. (keine Winterschuhe in Hamburg)
einzig vor Bilbao hat er sich durchgesetzt dass wir das Wochenende im Hafen
verbringen konnten und so an Land gehen konnten. Zum Znacht gönne ich mir echte
Schweizer Wienerli und feinen Tilsiter den ich zusammen mit der Schokolade in
Hamburg erhalten habe.
16. Februar 2008
Heute mussten wir, nein
keine Bitumenbänder ankleben, sondern die Laderaumabdeckung neu streichen, von
China nach Frankreich hatten wir ja Fracht huckepack auf dem Laderaum. diese
war angeschweisst und nun werden die schadhaften Stellen geputzt, geschliffen
und gestrichen, einmal mehr muss ich mich zurückhalten, ich würde alles viel
genauer machen, Gogo will aber dass wir möglichst schnell vorwärts kommen und
so wird die eine oder andere Stelle unbearbeitet überstrichen. Seit Hamburg
muss ich mich wieder neu einleben auf dem Schiff, Ion der Matrose aus Rumänien
sagt in jeder zweiten Äusserung „pu la mer“ was etwa soviel heisst wie leck mir
am Arsch, und motzt weil wir keine neuen Farbroller haben, meines Erachtens tun
es die alten aber noch längstens. Nikolay zeigt sich vor allem in dem er
entweder ausruft oder mit Ion herumkeifft. Mir fehlen Ticho und Sveto. Sie
waren tatkräftig und nicht so zwei Lahmärsche wie die Neuen. So geniesse ich es
wenn ich ruhig und zügig mit Dorel zusammen arbeiten kann. In den Pausen
verdrück ich mich in die Kabine und den Abend verbringe ich mit Tagebuch
schreiben, Musik hören und Solitair spielen. Ärgere mich dass ich in
Deutschland nicht noch ein Buch über Linux gekauft habe. Zum Abendessen gibt es
Spaghetti die ich mit meinem rezenten Tilsiter würze. Ich strahle so stark dass
Shandor findet man müsste ein Foto machen. Herrlich habe noch selten eine
Teller Spaghetti sooo genossen wie heute. Vielen Dank noch einmal an meine
Eltern für das wunderbare Päckli.
17. Februar 2009
Der Tag verläuft gleich wie
gestern, ich erfreue mich ab dem warmen Wetter und dem Sonnenschein. Wir sind
nun auf der Höhe von Madeira und steuern auf Las Palmas zu. Hoffentlich kann
ich da nochmals an Land gehen bevor wir von dort in 10 Tagen Fahrt den Kongo
erreichen. Im Kongo soll offenbar Bürgerkrieg herrschen. Vladimir hat den
Kapitän darauf angesprochen und der hat ihn gefragt ob er nach Hause will. Wenn
ein Schiff in ein offizielles Krisengebiet fährt dann müsste die Crew wählen
können zwischen doppeltem Lohn oder früherer Vertragsauflösung. Ob Krieg
herrscht und die Küste davon auch betroffen ist, wir haben keine Informationen,
auch deshalb drängt es mich ins Internet.
18. Februar 2009
Same as yesterday, Rost
klopfen, schleifen, streichen. Ion und Nicolay schaffen es heute mal nicht zu
keifen, Sonst bin ich froh als der Tag rum ist und ich mich in die Kabine
verdrücken kann. Gegen Mittag wurde die Maschine gestoppt und wir driften mit
der Strömung Richtung Gran Canaria.
19. Februar 2009
Noch ist es dunkel
draussen, wir müssen aber schon antraben um die Leinen vorzubereiten. In der
Ferne glitzern die Lichter von Las Palmas. Nach dem Zmorge legen wir dann an.
Ich komme wieder mal in den Klinsch mit Olek. Er will immer alles
lehrbuchmässig machen, ich suche die meiner Meinung nach pragmatischste Lösung
und habe dann keine Geduld zu warten. Der Kapitän schickt mich in die Stadt,
Tee, Sirup und ein Schachspiel zu besorgen. Ich bin richtig froh dass ich
abhauen kann. Nicolay will auch noch was, kann dann aber nicht sagen was und
will mit mir tauschen was ich jedoch entschieden ablehne. Mit dem Flugzeug sind
es nur 4h nach Zürich und würde mich 400Fr kosten... wieder einmal zieht es
mich in die Schweiz. Zuerst suche ich in einem Supermarkt nach Früchtetee, die
Spanier scheinen aber keine Teetrinker zu sein, ich finde nur ein minimales
Sortiment und beim Sirup bin ich noch weniger erfolgreich trotz nachfragen auf
Spanisch. Dann finde ich in einem Chinesenshop ein Schachspiel und begebe mich
auf die Suche nach einem Internetcafe. Schnell werde ich fündig. Also Podecasts
herunterladen, Mails schreiben und Nachrichten lesen. Fast etwas neidisch bin
ich über den vielen Schnee, da ist wieder einmal richtig Winter in der Schweiz
und ich rackere mich auf dem Schiff ab. Ich vergesse die Zeit und bin dann
reichlich spät daran als ich zurück aufs Schiff gehe. Habe Gogo meine
Natelnummmer gegeben, er hat aber noch nicht angerufen so kann es also noch
nicht zu spät sein. So wie ich ihn kenne hat er eh eine Sicherheitsreserve
eingebaut und in der Tat vergehen noch drei Stunden bis wir ablegen. Dorel hat
in der Zwischenzeit offenbar Partei für mich ergriffen und so werde ich vom
Heck an den Bug verfrachtet und so ist das Konfliktpotential auch reduziert.
Ich geniesse den Abend mit den News aus der Schweiz. Auf der
20. Februar 2009
Wir sind auf der Höhe der
Westsahara und es ist gut 25 Grad warm wir arbeiten weiter am Ausbessern der
Laderaumabdeckung. ich bearbeite die Aussenseiten und zur Sicherheit ziehe ich
den Sicherheitsgurt an und befestige ihn an einem Posten. Will ja schliesslich
nicht wieder einen Rüffel von Gogo bekommen. Es vergeht jedoch kaum eine halbe
Stunde dann ist dies der Fall. Es sei für mich verboten gefährliche Arbeiten zu
machen und ich sei der Cadet und hätte am Rand nichts zu suchen wegen
mangelnder Erfahrung. Super, als ich dann noch einwende wie ich denn Erfahrung
sammeln soll wenn man mich nicht lässt wird Gogo noch aufgebrachter und meint
ich könne nicht nur in wenigen Monaten Erfahrung sammeln und er lasse nicht mit
sich diskutieren. Aus und fertig. Super!!! Ich verstehe die Welt nicht mehr und
es nervt mich, fühle mich wie ein kleines Kind behandelt. Tja das ist das
Schiffsleben und der Kapitän ist die oberste Instanz.
21. Februar 2009
Nach dem Putzen müssen wir
noch die Laderaumabdeckung streichen. Es geht ein zügiger Wind, das Meer
glitzert wie viele tausend kleine Spiegelchen. Wir sind nun auf der Höhe von
Gambia. Am Nachmittag ist die Safmarine Andisa in der Nähe, Olek funkt mit der
Crew hin und her. Offenbar ist da noch ein rechter Unterschied in der
Schiffskultur genaueres will er aber nicht sagen.
Im Internet habe ich mir
noch die Reisehinweise des EDA's herauskopiert, So steht unter der
Demokratischen Republik Kongo Zitat: “Von Touristen- und anderen nicht
dringenden Reisen in die Demokratische Republik Kongo wird abgeraten.“ ich
weiss ja nicht wie dringend dass der Zement benötigt wir. Weiter stehen noch
Sachen wie „im ganzen Land Gefahr von Landminen“ oder „Infolge der Kriegswirren
und der desolaten Wirtschaftslage ist die Kriminalitätsrate hoch. Die
Gewaltbereitschaft ist gross, insbesondere von jugendlichen Strassenbanden, die
an stark belebten Orten operieren, oft in Zusammenarbeit mit der Polizei.“ Wir
müssen den Fluss Kongo ca. 100km hinauf fahren bis zur Stadt Matadi. Bin ja
echt gespannt wie das wird. heute haben wir die erste Lariamtablette zur
Malariaprophylaxe bekommen.
22. Februar. 2009
Um halb elf werde ich vom
Chief geweckt, ich solle in den Messraum kommen, Sicherheitsmeeting. Wir
besprechen Unfälle und was man hätte besser machen können. Sicher eine sehr
sinnvolle Sache auch wenn einige Fragen etwas fragwürdig sind wie „könnte das
auch auf unserem Schiff passieren?“ Na klar weil sonst wir es ja nicht
besprechen müssten... Dann muss ich noch Gogo rehabilitieren, zwar hat er uns
immer noch nicht informiert was mit dem Bonus geschieht, via Chief habe ich
jedoch erfahren dass das Geld direkt aufs Konto überwiesen wird. Also nix mit
in die eigenen Taschen stecken, alles ist ok. Es war wieder einmal sehr
spannend zu sehen wie so falsche Stimmungen aufkommen können, sich zu Gerüchten
verdichten, und dann zu irgendwelchen Behauptungen werden welchen jegliche
Grundlage fehlt. Ich versuche mich aus dem Geschwätz rauszuhalten, leider
gelingt es nicht immer. Ab und zu ist es erstaunlich was für ein Tratschladen
so ein Schiff sein kann, fragwürdig finde ich auch liebe Kollegen die motzen
sie werden nicht informiert,, auf die Frage was sie denn gerne wissen würden
aber keine konkrete Antwort geben können...
Den Nachmittag verbringe
ich mit Tagebuch schreiben. War in letzter Zeit nicht so fleissig und muss
einiges nachschreiben. Am Abend geniesse ich noch meine letzten Wienerli, sie
sind schon 12 Tage über dem Datum, ich esse sie trotzdem und bis gut drei
Stunden später habe ich noch keine Probleme.
23. Februar 2009
Einmal mehr beschäftigten
wir uns heute mit dem Streichen der Laderaumabdeckung. Wir sind auf der Höhe
von Liberia und die Sonne brennt schon mächtig. Wobei es viel Dunst am Himmel
hat und am Morgen die Sonne verschleiert. Um die Mittagszeit ist sind die
Stahlabdeckungen schon so warm dass ich nicht mehr darauf knien kann. So in der
Hocke zu Arbeiten ist mit der Zeit doch sehr anstrengend. Dafür kann man beim
Rost klopfen, schleifen und streichen so herrlich grübeln und nachdenken und so
manches Rätsel wird gelöst. Einmal mehr muss ich Gogo rehabilitieren, habe ich
doch gepfuttert als er mir verboten hat an den gefährlicheren Stellen zu
arbeiten. Nun man kann es auch so sehen dass wenn er es mir verbietet, dann
müssen unsere zwei besonders motivierten Herren dort anpacken. Ich kann dadurch
die etwas leichteren Arbeiten machen. Na ja auch nicht schlecht aber halt ohne
Herausforderung. Ich habe noch nicht so ein gutes Gespür für Gogo’s indirekte
Kommunikation und bin froh übersetzt Dorel für mich.
24. Februar 2009
Im Süden nichts Neues.
Laderaumabdeckung streichen. Heute werden wir wieder einmal von Delphinen
begleitet. Spannend ist auch das Wetter, wir fahren auf Regengebiete zu die
sich dann wieder auflösen und nur etwas die Sonne verdunkeln und kühlenden Wind
bringen. Einmal fallen dann doch ein paar Tropfen, es Regen zu nennen währe
übertrieben. Zum ersten Mal spüre ich den Rücken nach der Arbeit, die immer
kauernde Haltung ist mühsam, nach der Arbeit ist es eine Wohltat an eine Leiter
zu hängen und sich etwas baumeln lassen. Ich plane nun definitiv bis Anfangs
Mai auf dem Schiff zu bleiben. Wenn der 1 Mai das Heimreisedatum ist dann sind
es also noch 65 Tage. Für den Kongo müssen wir noch eine detaillierte
Effektenliste machen, da die Behörden es sehr genau nehmen sollen. So notiere
ich jede einzelne Speicherkarte, alle Kopfhörer, alle Kabel usw. Am Abend gibt
es Wetterleuchten und ich betrachte fasziniert das Schauspiel.
25. Februar 2009
Heute morgen regnet es
richtig, und ich bin richtig froh darüber, so müssen wir nicht Rost klopfen
sondern können den Paintstore wo die Farbe gelagert ist aufräumen und
inventarisieren. Unsere zwei Helden sind wieder mal etwas lahmarschig und so
krieche ich aufs Gestell um die Eimer zu sortieren.
Mühe macht mir wie wir
Farbreste einfach ins Meer schmeissen, Widerrede hat keinen Sinn. die Kübel
fliege sowieso, wenn nicht von mir dann von Dorel selber...
Am Nachmittag kann ich die
Liste der Farben abtippen. Dorel gibt mir danach frei, ich hätte am Morgen
genug gearbeitet. Er streicht mit den andern zwei Matrosen die
Laderaumabdeckung.
26. Februar 2008
Und wieder sind wir am Rost
klopfen. Langsam wird es mir zu langweilig, ich konnte nun genug studieren,
sinnieren und den Gedanken nachhängen, hätte nun gerne wieder etwas
Abwechslung... Plötzlich hupt Gogo von der Brücke, aber nicht um irgendwelchen
Senf dazuzugeben sondern wir fahren an hunderten von Delphinen vorbei. Ich
renne in die Kabine um die Fotokamera zu holen. Wow es ist wirklich
eindrücklich diese Menge Delphine zu sehen. Immer wieder springt einer aus dem
Wasser und es sprudelt richtig. Fleissig mache ich Fotos.... um danach zu
merken dass ich in der kleinsten Auflösung fotografiere. Super... nein ich
nerve mich überhaupt nicht... Am Abend im letzten Tageslicht hat es am Horizont
ganz tief liegende Wolken. Auf den ersten Blick sieht es auf die die Skyline
einer Stadt und ich muss zwei mal schauen bis ich die Wolken erkenne. Wir sind
nun weit und breit das einzige Schiff. 250 Seemeilen um uns herum hat es keine
Menschenseele....
27. Februar 2009
Das Wetter scheint zu
unsicher heute und so müssen wir das Schiff aussen putzen. Mit Spezialreinger
Bürsten und Hochdruckreiniger bewaffnet beginnen wir bei der Brücke. Als wir
jedoch den Hochdruckreiniger einstecken springt die Sicherung raus und auf der
Brücke ist kein Strom mehr. So muss der Elektriker ran, wir putzen ohne
Hochdruckreiniger. Nikolay hat heute seine pubertäre Phase indem er immer das
Gegenteil von dem macht was er tun sollte. Er bringt es dann auch noch fertig
den Eimer mit der Putzlösung umzukippen weil er am Schlauch rumrupft und nicht
merkt dass sich dieser um den Kübel gelegt hat. Dorel stellt ihn dann zur Rede
danach geht es etwas besser, ist aber immer noch Mühsam. ich flüchte einen
Stock tiefer und schruppe die Wand. Zum Glück kann ich am Nachmittag mit Dorel
zusammen die Laderaumabdeckung streichen. Ich geniesse es in Ruhe zu arbeiten
und ich glaube Dorel geht es auch so. Am Abend muss ich dann noch
Unterschriften sammeln für die Deklarationen für den Kongo. Weiss nicht warum
Gogo dies nicht schon am Mittag gemacht hat als er den Lohn auszahlte...
28. Februar 2009
Wie üblich putzen, zusammen
mit Nicolay. Leider mache ich den Fehler dass ich feucht wische und somit warten
muss bis er mit dem Besen durch war. Normalerweise kann ich die Arbeit in 90
Minuten verrichten wenn ich alleine bin. Mit ihm zusammen habe ich länger. er
kommt nicht vom Fleck, wischt auch mit dem Teppich mit dem Besen nur weil er zu
faul ist zu fragen wo das der Staubsauger ist. Ich habe sogar dazwischen
genügend Zeit meine Wäsche zu waschen... Nach der Kaffeepause werden wir
informiert dass die Enzian ab sofort nur noch Sri Lankis anstellt. Für die
europäischen Mitarbeiter wird Enzian Deutschland gegründet. Warum ist leider
unbekannt. Die Leute sind nicht sehr glücklich darüber. Sri Lankis und
Osteuropäer sind nicht gut aufeinander zu sprechen. Am Abend ist das übliche
Abendprogramm, am einen Fernseher wird gegamet oder DVD geschaut, im Offiziersmessraum
läuft meistens ein Film, je nach Programm schaue ich beim einen oder anderen
und sonst verdrück ich mich in die Kabine.
1. März 2009
Fünf Monate bin ich nun auf
dem Schiff und was in diesen fünf Monaten doch alles passiert ist. Als erstes
fällt mir heute auf wie braun das Wasser ist. Wir haben noch keine
Mobilfunkabdeckung, vom Land ist noch nichts zu sehen, das Meer hat aber eine
braune Färbung vom Congo River. Als ich das Fenster öffne sticht mir auch der
modrige Geruch des Urwaldes in die Nase. Am Morgen bin ich richtig fleissig,
lege Wäsche zusammen, sortiere die Socken und reinige den Siphon des Lavabos.
An der dicken Seifenschicht die sich da drin abgelagert hat ist es schon sehr
lange her dass der gereinigt wurde. Am Mittag ist es dann soweit, wir gehen vor
der Mündung des Congo Rivers an Anker. Links die Demokratische Republik Kongo,
rechts Angola. im Meer hat es Ölförderplattformen und eine grosse Fackel wo sie
das Erdgas abfackeln. Morgen sollen wir dann nach Matadi fahren, gut 100km den Fluss
hinauf, zuerst muss dass uns aber noch vom Hafenverwalter bestätigt werden.
Ohne die Bestätigung dürfen wir nicht fahren, wenn ich das etwas klischeehaft
anschaue dann kann es gut sein dass wir noch ein paar Tage länger vor Anker
liegen. Am Nachmittag ist mir richtig langweilig, weiss mich nicht richtig zu
beschäftigen und so schlafe ich eine Runde. Beim Sonnenuntergang sehe ich dann
tatsächlich die grüne Sonne, die letzten zwei drei Sekunden bevor die Sonne im
Meer versinkt bekommt sie eine grünliche Färbung. Ich bestaune das Schauspiel
durch das Fernglas, von Auge ist es nicht gut zu sehen. Dorel ist fleissig am
fischen, nach 4 Stunden hat er neben ein paar „Bratpfannenfischen“ (flach und
etwa die Grösse einer kleinen Bratpfanne) auch drei essbare Stücke gefangen.
Als ich die Stücke begutachte springt mir einer entgegen, ich erschrecke so
dass ich in die Luft springe...
2. März 2009
Eigentlich hätten wir um 5
Uhr los fahren wollen, die mündliche Bestätigung des Hafenchefs von Matadi war
gestern noch eingetroffen jedoch folgte die schriftliche noch nicht. Ich
verwache, habe das Gefühl es müsse noch mitten in der Nacht sein da die
Maschine noch nicht läuft, ist dann aber schon nach sechs Uhr. Draussen
schüttet es wie aus Kübeln, es sträzt so richtig wie man es nur in den Tropen
erleben kann. Um acht Uhr giesst es immer noch, um neun ist es etwas besser und
so können wir nach vorne gehen die Werkstatt aufräumen. Zum Znüni gibt es dann
die Fische welche Dorel gestern gefangen hat. Am Anfang bin ich noch etwas
skeptisch, versuche dann doch und wirklich sie schmecken sehr gut. Am
Nachmittag müssen wir die Arbeit fast suchen und so setzte ich mich selber auf
stand by und verschwinde in die Kabine, falls ich gebraucht werden sollte, dann
wird man mich schon finden.
3. März 2009
Noch vor fünf Uhr werde ich
vom Rumpeln der Maschine geweckt, wir haben offenbar die Bestätigung bekommen
und fahren nach Matadi. Bald schon werde ich vom Chief gerufen ich muss helfen
die Leiter für den Lotsen zu montieren. Nachdem dann noch die Leinen
vorbereitet sind kann ich mich wieder etwas hinlegen. Nach acht Uhr verteilt
Dorel die Arbeiten, die Verriegelung der Laderaumabdeckung öffnen und die
Leinen vorne vorbereiten, Ankunft in Matadi zwischen fünf und sechs Uhr.
Eigentlich nicht sehr viel, jedoch müssen wir auch die in Hamburg mühvoll
angebrachten Bitumenbänder in noch mühvollerer und schweisstreibender Arbeit
wieder weggekratzt werden. Kurz vorher muss Nicolay stand by beim Anker sein
und so mache ich mich alleine daran. Nach der Mittagspause löse ich Ihn ab
danach gehen wir vor Anker weil der Congo zu wenig Wasser führt. Wir sind nun
bei der Stadt Boma. nicht zu verwechseln mit Goma im Osten des Landes. Noch
immer ist links Kongo und rechts Angola. Bald schon kommen Einheimische auf
einem Einbaum angerudert und preisen Bananen und Telefonkarten feil. Die Sonne
brennt nun heiß herunter das Ablösen der Bänder geht nun besser, ist dafür
wegen der Hitze umso schweisstreibender. Nachdem wir von der Ladeluke 1 alle
Bänder weg haben kommt der Kapitän und verordnet uns Pause, ich bin gottenfroh.
Der Fluss ist am Anfang
sehr weit, von Mangroven und dem Dschungel gesäumt, Zwischen drin hat es andere
Flussarme, kleine Inseln, wir fahren viele Kurven, ab und zu ein paar einfache
Hütten. In der Ferne tauchen Hügelzüge auf, die Landschaft formt ein Tal, nun
ist es offenes Grasland mit Bäumen und Büschen. alles ist in hellem grün.
intensive Farben.
Ich habe die Arme nicht mit
Sonnencreme eingeschmiert und nun sind sie zündrot. Nivea Aftershave Balsam
kühlt wunderbar (nein Baiersdorf sponsert mich nicht) und zwei Stunden Schlaf
sind auch ganz gut. Am Abend verdunkelt sich der Himmel, die Sonne bescheint
noch ein paar Hügel dann kommt das Gewitter. Das Farbenspiel und den Regen
bewundere ich von der Brücke aus, ich bin überwältigt und beeindruckt. Gerade
vor dem Regen kommt ein Boot und bringt uns Wachmänner für die Nacht, die
Matrosen müssen dann aber doch auch noch Wache stehen. Wir trauen den
Kongolesen nicht so ganz.
4. März 2009
In zwei Monaten habe ich
Geburtstag und dann werde ich auch schon zu hause sein... Noch immer stehen wir
vor Boma. die schweren Regenwolken haben sich verzogen und die Sonne scheint
wieder. Zuerst muss ich Dorel an der Wache ablösen. einer der Wachmänner heisst
auch Christoph. und so komme ich mit ihnen ins Gespräch. Ein zweiter meldet
dann schon bald seinen Hunger an, ich lasse mich erweichen und schmuggle ein
paar Brötchen aus der Küche. Bin etwas hin und her gerissen. einerseits ist mir
klar dass wir nicht den ganzen Kongo füttern können, andererseits ist
Verpflegung wirklich nicht üppig und es gehört für mich irgendwie auch zur
Gastfreundschaft... Danach muss ich wieder diese verfluchten Teerbänder
wegkratzen. Dank der Sonne die schon kräftig eingeheizt hat geht es relativ gut
und Dorel hilft mir dabei. Bis zum Mittagessen schaffen wir die Hälfte vom
grösseren Laderaum. Nach dem Essen geht es weiter und oh Wunder Nikolay hilft
mit ohne Gemotze und erst noch zügig. Danach habe ich Ruhezeit, In der Nacht
muss ich zusätzlich Wache stehen. Wir haben hier guten TV Empfang und
afrikanisches Fernsehen ist sehr spannend. Die Werbespots sind viel länger und
in Liedern werden die Produkte besungen. Dabei wird nicht nur für ein Produkt
geworben sondern gleich für die ganze Palette der Firma. Ein
Reinigungsmittelhersteller wirbt zuerst für Flüssigseife, wechselt dann über zu
drei verschiedenen Handseifen und zum Ende wird noch Waschpulver angepriesen,
alles im gleichen Spot der gut und gerne drei Minuten dauert. Und dann würde es
mich aus den Socken hauen wenn ich welche getragen hätte. Kongo das assoziiere
ich mit Krieg, Armut, Hunger usw.. und am TV wird ebenfalls minutenlang
besungen für den Porsche Cayenne geworben!!! Wir empfangen zwei Kanäle, einer
scheint privat zu sein, Digital Congo läuft am Morgen eine Dokumentation über
den Bau der Titanic von Planet Thalassia, Glaube dieser gehört zu dem grossen
Buchhandelskonzern Talia. Zwischendurch kommt auch ein anderes Programm,
relativ handgestrickt, schein lokal zu sein. Auch sehr interessant sind die
afrikanischen Musikclips. Meistens in sehr farbenfroher Kleidung in grünen
Gärten wird da gesungen. Der Schnitt ist nicht so unruhig wie bei uns. Am Abend
zerrt die Strömung besonders stark am Schiff, die Anker halten nicht richtig
und wir rutschen in die Flussmitte. So wird die Maschine gestartet und wir
positionieren uns wieder beim Ankerplatz.
5. März 2009
Mit dem neuen Tag beginnt
meine Wachschicht. Aufgeputscht mit Redbull stehe ich vorne beim Bug und schaue
dass die Leinen nicht geklaut werden. Es ist immer noch sehr warm, der Mond
scheint und das Wasser plätschert um die Ankerketten. Das Licht zieht Horden
von Insekten an und die wiederum die Fledermäuse welche sich am Festschmaus
erfreuen. Die Nacht bleibt ruhig, zwischendurch unterhalte ich via Funk mit
Olek oder drehe eine Runde zu Nikolay welcher am Heck Wache schiebt. Um vier
Uhr wird er von Ion abgelöst, und ich kann dann um 6 Uhr in die Federn
kriechen. Den Tag verbringe ich mehrheitlich im Bett, gehe mal auf die Brücke,
dort kann ich mich in ein Funknetz einloggen, leider bekomme ich aber keine
Verbindung ins Internet. Noch immer fasziniert mich die Landschaft. Nachdem es
gestern nicht geregnet hat erwarte ich heute noch einen Gewitter, dunkle Wolken
ziehen auf, am Abend geht ein zügiger Wind dieser legt sich dann später wieder,
es bleibt trocken. Am Radio kommt die Kinderstunde, unter anderem wird eine
Geschichte einer weissen Ente und Diamanten erzählt, mehr lassen meine
rudimentären Französischkenntnisse nicht verstehen. hätte wohl doch besser
aufpassen sollen bei Herrn Gächter im Französischunterricht.
6. März 2009
Wieder beginnt der Tag mit
Wache schieben. Sechs Stunden sitze ich am Bug, verkürze mir die Zeit mit
Lesen. Ab und zu kommt Nikolay, später Ion und schauen was wie es mir geht.
Danach gehe ich schlafen. Nach dem Mittagessen fahren wir dann weiter Richtung
Matadi. Die Landschaft ist sehr hügelig, alles Grasland ab und zu Dörfer aus
einfachen Lehmhütten, immer noch links Kongo, rechts Angola. Nach gut drei
Stunden sind wir dann in Matadi. Zuerst sehen wir nur ein paar verstreute Hüten
am Hügel, dann macht der Fluss eine scharfe Biegung nach rechts, unter einer
Brücke hindurch und vor uns eröffnet sich die Stadt. Wir quetschen uns in eine
enge Lücke zwischen zwei Schiffe, an Land hat es eine Horde von Leuten, alle
hoffen ein Business machen zu können. Unter anderem ist da einer der sich als
Max vorstellt und sich fast aufdrängt. Er habe Elektrotechnik studiert, aber
keinen Job gefunden und mit Business verdient er seinen Lebensunterhalt. Nach
dem Essen ist es schon dunkel und so zu gefährlich um noch an Land gehen zu
können. Hoffe dies morgen nachholen zu können.
7. März 2009
Gogo findet dass ich heute auch
zu arbeiten habe und ich an einem Notausgang den Rost wegklopfen soll, ich bin
nicht so begeistert, aber ok. Der Chief meint ich müsse bis 12 Uhr arbeiten, am
Nachmittag könne ich in die Stadt. Der Kapitän findet dann aber nein ich müsse
bis drei Uhr arbeiten. Von der Firma die den Transport beauftragt hat ist ein
Supervisor hier. dieser gibt Dorel sein Fahrer und so kann auch ich dann doch
schon nach dem Mittagessen zusammen mit Dorel, dem Chief. Vladimir und Alex.
Max nimmt uns in Empfang und ist dann etwas angepisst als er merkt dass wir
nicht auf ihn angewiesen sind. Zuerst geht es durch eine erste Kontrollstelle.
wir müssen aussteigen und zu Fuss hindurch gehen. Danach können wir wieder
einsteigen, und nach gut 500m kommt eine weitere Kontrollstelle, diesmal können
wir sitzen bleiben. Max ist schon vor uns dort. Und dann eröffnet sich Afrika
wie man es sich so vorstellt. Viele Leute auf der Strasse, an Rand viele Shops,
oftmals nur ein Tisch der auf die Strasse gestellt ist. Alles ist sehr farbig,
aber auch staubig. Wir fahren zu einem Supermarkt. Dort sieht man dann wie die
Globalisierung fortgeschritten ist. Redbull ist auch hier erhältlich, in der
Tiefkühltruhe hat es Poulet aus Brasilien, Toblerone ist auch im Gestell und
der Kaugummi mit Bananenaroma kommt aus China. Orangensaft kostet ca. 2.30fr.
der Liter, und ich denke es ist recht teuer für die Kongolesen. Danach gehen
wir zu einem Restaurant von dem man schön auf den Hafen blicken kann. Wir
entkommen Max, aber er findet uns auch da wieder. Im Restaurant sind dann die
Preise auf die Seefahrer abgestimmt. Ein Bier drei USD, ab 10 Uhr abends dann 5
USD. Ich nehme ein lokales Süssgetränk, und als der Kellner mir aufzählt was er
hat. Cola Fanta... ich spreche ihn dann darauf an dass sei ja nicht sehr lokal
und bestelle ein Fanta. Später sehe ich dass es von einer lokalen Firma
ebenfalls ein Limonadengetränk gibt. Immerhin wurde das Fanta in Kinshasa
abgefüllt.
Weiter gehen wir auf die Suche nach einem
Internetcafe, das erste hat aber keinen Strom, das zweite keine Linie. Super.
So gehen wir wieder zurück zum Hafen, ausser unseren zwei Rumänen, die ziehen
noch weiter. Bei der Rückkehr in den Hafen will ein Wachmann mir ein Pack
Kaugummi ausrupfen, als ich mich wehre meint er ich sei ein schlechter Mann was
mich jedoch nicht wirklich stört...
Dorel fragt mich dann
später ob ich seine Schicht übernehmen würde er hätte eine schöne Frau in der
Stadt gesehen. Ich willige ein und so stehe ich dann Wache bis Mitternacht.
Zusammen mit dem Survier und dem Chief was recht unterhaltsam ist.
Zwischendurch muss er immer wieder die Kongolesen antreiben, Wenn er nicht dem
Chauffeur ein Zeichen gibt dass er nun zur Laderampe fahren kann dann kommt
kein Lastwagen und wenn kein Lastwagen kommt dann werden auch keine Säcke
abgeladen...
8. März 2008
Müde stehe ich um acht Uhr
wieder auf der Matte, Dorel kommt pünktlich um acht auch von seinem Ausflug in
die City zurück und sieht sehr entspannt aus... Zuerst soll ich helfen
Abdeckungen zu machen, danach soll ich Hydrauliköl dass vom Kran Nr. 1 tropft
aufwischen und dann beginnt die Misere.
Vom Kran Nr. 1 tropft Öl
und es sieht so aus dass ein Schlauch rinnt. So versuchen wir zuerst mit dem
Kran den „Käfig“ in Position zu bringen und dann den Schlauch zu tauschen. Das
eine Ende ist schnell fixiert, das andere dann doch nicht wirklich zu
erreichen. Es wird diskutiert, versucht, das Öl tropft immer noch herunter weil
der Kranarm es mit dem Eigengewicht aus dem Tank presst. Der Kapitän kommt dann
auch noch dazu... wir versuchen es mit einem Kettenzug, dann ist das
Anschlusskabel zu kurz, der Elektriker bringt dann mal Kabel und will es so
verlängern, wir sehen dass der zweite Kettenzug ein längeres Anschlusskabel
hat, schleppen den hervor, noch immer tropft das Öl herunter, Der Kapitän ist
höchst besorgt dass Öl ins Wasser gelangt und ich werde zum Aufpasser bestimmt,
ich dürfe den Platz nicht verlassen... er kommt dann gleich danach ich solle
ihm helfen zu halten und zu tragen.... Nun können wir mit dem Kettenzug einen
zweiten Käfig raufziehen, und Vladimir kann den Schlauch fixieren. Beim Putzen
drängt sich uns ein Kongolese auf, ich will ihn nicht anstellen, da ich ihm ja
keine Lohn zahlen kann, Dorel lässt ihn dann putzen. Das alte Öl ist bei den
Kongolesen begehrt und sie leeren das halbe Fass. Danach endlich gibt es das
Mittagessen und Mittagsruhe bis dann kurz nach ein Uhr das Telefon klingelt...
Der Kran verliert immer noch Öl!
Also Sonnencreme
einschmieren, Kombi anziehen, Schuhe anziehen schon klingelt das Telefon wieder,
dieses Mal Gogo ich solle auch kommen, ich erkläre ihm dass ich schon auf dem
Weg sei. Also wieder das ganze Rösslispiel, dieses mal schon schneller.
Schlussendlich ist es eine Zuleitung welche bei der Verbindungsstelle tropfte.
Als dann endlich endlich alles aufgewischt und versorgt ist kommt der Kongolese
der beim Aufwischen geholfen hat und will Dorel m sprechen, dieser hat aber
Pause und ist nach seiner langen Nacht sehr müde. Ich will ihn nicht holen,
vereinbare dann mit ihm dass ich ihm als „Lohnvorbezug“ eine Seife gebe. Er
willigt ein und zottelt dann ab um morgen wieder zu kommen. Eigentlich will ich
nochmals in die Stadt gehen um zu schauen ob es klappt, aber alleine ist mir
etwas unwohl dabei. Hätte besser die Reisehinweise des EDAs nicht gelesen.
Nach einigem hin und her
gehe ich dann doch. Die Strassen ausserhalb des Hafens sind auffallend ruhig
und leer, dann sehe ich aber einen Haufen Menschen um ein TV Gerät herum stehen
und Fussball schauen. Im Afrikacup ist das Endspiel Ghana Kongo und die
Kongolesen führen 1:0 ein paar Haufen weiter erkennen mich ein paar
Hafenarbeiter und laden mich ein mitzuschauen. So bleibe ich stehen und schaue
zu. Als dann Kongo ein Goal schiesst ist der Freudentaumel riesig und gespannt
warten alle auf den Schlusspfiff nachdem dann nochmals alle jubeln. Danach
lasse ich mich hinreissen eine Runde auszugeben, plötzlich hat es noch mehr
Leute um mich und ich beauftrage einen die Getränke zu organisieren. Daraufhin
bricht eine laute Diskussion an und ich stehe auf die Seite, mir ist es
unheimlich zu Mute. Die Situation ist dann aber schnell wieder beruhigt und wir
gehen in einer Beiz etwas trinken. Wir sind dann noch zu dritt und einer stellt
sich als Jean-Paul vor, die anderen Namen weiss ich nicht mehr. Jean-Paul will
dann schnell mal meine Telefonnummer und redet von Arbeiten in der Schweiz
usw... mir kommt das etwas gar komisch vor und ich habe dann nur eine
Emailadresse. zum Glück hat er auch eine. Beim Bezahlen wird dann höflich
gefragt ob ich die Runde übernehmen würde und von meinem ersten Geld will
keiner mehr was haben... na ja so bezahle ich 2500Franc RDC umgerechnet 3.5 USD
und denke mir meine Sache...
Danach gehen wir dann
zurück zum Richtung Hafen, ich verabschiede mich von meinen „Freunden“. Bei mir
kommt die Schweizer Mentalität hervor. Mir ging das alles viel zu schnell und
ich würde den Kontakt eher als flüchtige Bekannte bezeichnen. Auf dem Rückweg
kommt dann einer der mir noch seine Wunde zeigt, und zwei drei weitere Leute
wollen einfach etwas reden, wissen woher man kommt und warum man hier ist und
im Gespräch wollen einige dann auch mal ein Cola oder sonst was erbetteln. Ein
Wachmann, es muss ein Landei sein, hat ein rundliches Gesicht und kaut
Erdnüsschen während er mit mir in sehr stark Akzent spricht. Später kommt er
mir vor wie ein Äffchen und ich bin froh komme ich nicht auf den Gedanken als
er mir gegenüber steht sonst hätte ich mich noch erklären müssen. Der Rückweg
verläuft aber ruhig und so waren meine Befürchtungen mehr als unbegründet.
9. März 2009
Nachdem ich schon früh
erwachte stand ich noch vor sieben Uhr auf. Musste noch den CO2 Raum aufräumen
da ich am Samstag ja in die Stadt ging. Musste mir dann anhören wie ich nur auf
die Idee kommen könnte so früh zu arbeiten, von der Wärme her war es auch
angenehmer. Danach musste ich die Umrandung der Laderaumabdeckung wischen und
dann bei der Unterkunft Rost klopfen. Am Sonntag habe ich Vladimir das
Taschenmesser ausgeliehen und ich kann mich noch erinnern wie er es mir
zurückgeben wollte, ich aber keine Hand frei hatte. Dass er es dann aber auf
eine Abdeckung legt habe ich nicht mitbekommen und so freut sich nun ein
Kongolese über einen Victorinox Cybertool extendend Edition. Am Anfang bin ich
echt sauer und wütend, einerseits auf mich dass ich nicht rascher daran gedacht
habe, andererseits auf Vladimir weil er es bei sich hätte aufbewahren können.
Voller Wut hämmere ich auf einen rostigen Stahlpfosten ein, tat das gut. Kurz
darauf kommt Gogo und stoppt mich, was mir auch einfalle Olek der zweite
Offizier schlafe noch, er schickt mich dann den Laderaum wischen. Ich wische
mal den Teil den ich kann. Der Chief offeriert mir einen freien Tag nach dem
Essen ich lehne zuerst ab, nehme dann aber doch danken an. So will ich Briefe
zur Post bringen und ins Internet gehen, bereite alles vor, will nur ein
Memorystick mitnehmen. Ein Kontrollposten klönt dass es ihm nicht so gut gehe,
es sei sehr heiß und mit einem Coca Cola würde es angenehmer sein und ich als
Chief hätte genügend Geld. So erkläre ich einmal mehr dass ich Kadett bin und
ich auch nicht reich sei und dass sie gestern doch ein sehr schönes Geschenk
mit dem Sieg erhalten hätten worauf sich dann das Thema erledigt hat und man
sich mit einem bonne journee verabschiedet. Der Sieg ist auch heute dass grosse
Thema, die Leute rufen einem zu on a gagne und jubeln. Aufgrund des Sieges ist
heute Feiertag und die Post somit geschlossen, und die Internetleitung auch
nicht repariert. Am Strassenrand hat es Geldwechsler. Sie sitzen hinter einem
kleinen Tisch, und haben die Geldscheine einmal gefaltet richtig in Blöcken. Es
gibt keine Münzen nur 10, 200 und 500 RDC Francnoten. 100 USD sind 75000 FR was
150 Noten sind. Also wenn jemand etwas grösseres Kaufen will, muss er schon
recht Geld mit sich schleppen...
Auf dem Weg treffe ich auf
Raul den ich gestern beim Fussball getroffen habe. er zeigt mir wo die Post ist
und hängt sich an meine Fersen. Ob aus Langeweile oder weil er sich erhofft
dass ich für ihn etwas kaufen werde finde ich nicht heraus. Ich wimmle ihn dann
vor dem Hafen ab. Und wieder will einer der Kontrollposten ein Bier von mir
worauf ich ihm halt wieder erkläre dass ich keines für ihn habe. Danach will er
noch wissen woher ich komme dann kann ich gehen. Beim zweiten Kontrollposten
werde ich mit dem Metalldetektor abgesucht. Er pfeift wie wild, zuerst ist es
das Taschenmesser (habe ein zweites) Er will wissen was das ist, ich zeige ihm
dann aber nur den Büchsenöffner und den Zapfenzieher und hüte mich eine Klinge
zu öffnen, nicht dass er es als Waffe deklariert. Dann pfeifen noch der
Schlüssel und der Memorystick. Dass der Kugelschreiber auf der linken Seite
auch noch gepfiffen hat erinnert er sich nicht mehr und so lässt er mich
problemlos ziehen. Auf dem Schiff läuft nichts, zwar ist der Supervisor und ein
paar andere Leute an Bord, aber Zement wird keiner abgeladen. Ich geniesse den
freien Nachmittag mit Emails lesen. Auch wenn es nicht mehr lange geht drückt
mich etwas das Heimweh und ich vermisse Freunde und Familie. Am Abend geht ein
heftiges Gewitter nieder die Kongolesen drängen sich unter das Dach auf dem
Hauptdeck. Einer spricht mich an er hätte mit mir sprechen wollen in der Stadt
aber ich hätte nicht angehalten so entschuldige ich mich bei ihm, mein Problem
ist dass ich zu viele neue Gesichter kennen gelernt habe und mir nicht alle
merken kann. Ehrlich gesagt ist es mir manchmal fast unheimlich wie viele Leute
meinen Namen kennen manchmal habe ich das Gefühl alle schauen mich so
erwartungsvoll an. Mir ist es dann peinlich wenn ich sie nicht mehr zuordnen
kann und so gebe ich mir Mühe und hoffe von solchen Momenten möglichst
verschont zu bleiben.
Tja und dann heisst es
wieder sich mit dem Thema Abschied nehmen befassen, raus aus dem sicheren
Umfeld, rein in etwas Unbekanntes. Ich muss dem Kapitän sagen dass ich in
Frankreich aussteigen will. Mehr und mehr habe ich das Gefühl nur ich arbeite,
dies ist manchmal auch subjektiv, Dorel bestätigt mir aber immer wieder dass
Ion und Nikolay nicht wirklich fleissig sind. Ich rege mich dann auf und werde
giftig was dem Betriebsklima nicht wirklich dient. Ok eigentlich währe es ja
eine gute Schulung um hinzustehen und in einem Gespräch eine Lösung zu suchen.
Nur ich kann Nikolay und Ion nicht ändern, wenn der neue Matrose dann auch noch
nicht so sattelfest ist na prost nägeli, dann kann ich am Ende alles alleine
machen und so wird die zusätzliche Zeit nur noch zum nerven. Besser kann es
nicht werden also gehe ich.
Nach dem Essen ging ich
noch etwas raus zu den Kongolesen. Diese warteten auf das Essen welches Ihnen
auf das Schiff gebracht wird. Ich wollte noch etwas wissen wie sie so leben,
dabei stellte sie dann schnell mal raus dass sie vor allem unter der Korruption
leiden und nach Europa wollen. Ich versuchte Ihnen dann aufzuzeigen dass dies
sehr gefährlich und teuer ist, dass die Mentalität sehr unterschiedlich ist.
dass niemand auf Sie wartet in Europa und sie zwei drei Jahre von der Familie
getrennt sein können ohne weiteres. Irgendwie kam es mir etwas komisch vor, ich
bin weiss, sie sind schwarz und nur dank dem dass ich Schweizer bin habe ich
ein um Längen bessere Lebenssituation. ich erzähle ihnen wie es wirklich ist in
Europa, dass die dunkle Hautfarbe das Leben dort nicht einfacher macht. Komme
mir vor wie ein Wanderprediger der vom Paradies kommt und Ihnen erzählt dass es
keinen Sinn macht dorthin zu gehen. Meiner Ansicht nach ist es aber die
Realität. Es bringt auch nichts wenn ich ihnen 4m2 Plastikfolie gebe, diese ist
in drei Monaten von der UV-Strahlung zersetzt und sie haben nichts mehr.
Nun kann ich auch meine
Eltern verstehen welche ein paar Jahre in Afrika gelebt haben. Oftmals habe ich
mich darüber aufgeregt weil sie alles behalten haben man könne es noch
gebrauchen. Hier unten sehe ich dass man wirklich noch alles gebrauchen kann.
Die Plastikabdeckung wird zum Sonnenschutz. Petflaschen sind heiß begehrt als
Trinkflaschen, Sogar die verhassten Bitumenabdeckbänder werden geprüft. Die
langen Stücke habe ich damals in Boma schön aufgerollt, einer der Kongolesen
nimmt eine Stück mit, ich gebe ihm noch den Tipp dass er es in die pralle Sonne
legen soll evtl. kann er es dann abwickeln.
Daneben nerve ich mich über
die Kongolesen welche mir die ganze Zeit meine Dächlikappe abbetteln wollen,
wir hätten ja soo viele davon. Nein ich habe nur die eine und die brauche ich
nun mal selber. Am Abend verlangt einer Olek zu sprechen ok ich rufe ihn,
später will der Kongolese von mir eine Seife. Als ich ihm dann ganz entschieden
nein sage wird er auf einmal freundlich und will wissen warum ich kein russisch
spreche. Der Typ hat nicht begriffen dass wir kein Wunschladen sind.
Diese Gegensätze
beschäftigen mich sehr, ich sehe wie wir eine Konsumgesellschaft sind und ich
muss teilweise das Thema wegschieben um nicht ins Grübeln abzusaufen.
10 März 2009
Hatte vergessen den Wecker
zu stellen, als ich das erste Mal auf die Uhr schaue ist es schon fast acht
Uhr. Ich stürze mich in meinen Kombi und gehe aufs Deck. Der Chief beauftragt
mich den Laderaum zu wischen. Zusammen mit Dorel mache ich mich an die Arbeit.
Ein Kongolese will mithelfen, ich kann nicht einfach Leute anstellen. auch wenn
sie mit einem kleinen Geschenk zufrieden sind. Fürchte mich auch davor dass
wenn ich einen „anstelle“ dann sofort andere kommen und ich denen dann erklären
muss dass ich nicht alle anstellen kann. Ich bin so in Gedanken vertieft dass
Dorel mich fragt was denn los sei... Später schaue ich in meiner Kabine was ich
abgeben könnte. Ist es Luxus 3 Kugelschreiber zu haben? Und dann wieder der
Kongolese welcher beim Öl aufwischen geholfen hat und findet er könne bei mir
Seife und Toilettenpapier bestellen. Werde wütend wenn die das Gefühl haben sie
könnten hier einfach mal bestellen und dann die Ware abholen. Am Nachmittag
müssen Nikolay und ich das Zwischendeck fegen. Es ist sehr heiß und einer der
Kongolesen fragt ob er helfen könne. Ich nehme die Hilfe gerne an und
vereinbare mit dass ich ihm dafür eine Seife von mir gebe. Er hilft fleissig
mit, wir werden aber trotzdem nicht fertig bis die Hafenarbeiter wieder mit der
Arbeit beginnen. Ich gehe für ihn die Seife holen und prompt will sein Kollege
wissen warum er keine bekomme. Ich versuche es ihm dann zu erklären, ob er es
begreift ist nicht sicher, die Arbeit ruft vorher wieder. Bachnass vom Schweiss
gehe ich zurück in die Kabine.
Auf einmal ist draussen ein
riesiger Lärm. und hinter einem Stapel Container steigt eine pechschwarze
Rauchsäule auf. Alle Arbeiter strömen zum Brandplatz, es werden
Feuerwehrschläuche ausgerollt, es sieht aber nicht so eingespielt aus.
Plötzlich explodiert irgendein Tank und die Menge an Gaffern flüchtet zurück.
Irgendwann werden dann unsere Schläuche vom Schiff genommen und so kann dank
Schweizer Hilfe das Containertransportfahrzeug gelöscht werden. Ich schaue dem
Schauspiel zuerst von der Brücke zu und geselle mich dann auch zu den Gaffern.
11. März 2009
Heute musste ich zuerst
einen Teil des Laderaumes wischen. Als ich den Besen versorge sehe ich wie die
Ballastwassertanks überlaufen, gehe extra noch auf Steuerbordseite um zu sehen
ob es auch dort voll ist. Dann teile ich im Maschinenraum mit dass sie
abstellen können und gehe zum Chief um ihn zu orientieren dass es voll ist. Der
Chiefingenieur findet dann dies könne nicht sein von der Zeit her ob sie
wirklich voll waren und so muss ich wieder in den Maschinenraum runter Vladimir
stören der gerade um die Maschine kriecht er solle das Wasser wieder anstellen.
Er muss daraufhin wissen in welchen Tank gepumpt werden muss und so muss ich
wieder rumrennen den Chief suchen. Finde den nicht aber den Eintrag im Ballastwassertankbuch
dass es Tank Nummer 6 ist. Vladimir startet die Pumpe und siehe da... es läuft
immer noch über. Der Chief sieht es dann mit eigenen Augen und es ist nun ok.
Alex der Motormann fragt mich dann warum ich mich nerve, es sei nicht meine Verantwortung.
Ich könne dann studieren wenn ich Offizier oder Kapitän bin. Nun ich bin da
etwas andere Meinung, für mich gehört es dazu das ich soweit möglich eingreife
wenn ich was sehe.
Danach müssen wir das
Zwischendeck öffnen und die Halterungen zurück stellen. Diese sind sehr schwer
und zu dritt mit Hilfe eines Kettenzuges versuchen wir sie zurückzustellen. Bei
zwei Stück müssen wir zuerst kapitulieren, später helfen uns noch ein paar
Kongolesen und als Dankeschön geben wir ihnen Seifen welche hier heiß begehrt
sind. Falls es ein nächstes Mal gibt dann muss ich alles was ich nicht mehr
will mitnehmen. Hier kann alles noch gebraucht werden. Ich kann die Ware dann
gegen Arbeit oder Früchte eintauschen. Am Abend bleibe ich auf dem Schiff. nach
dem gestrigen Ausflug bleibe ich lieber an einem sicheren Platz und wasche
meine Wäsche. Heute habe ich auch bei Gogo gekündigt. Beauftragte ihn er solle
ein Mail schreiben dass ich auch von Frankreich aus heimgehen kann.
12. März 2009
Noch immer wird ausgeladen.
Nachdem ich einen weiteren Teil vom Laderaum 2 gewischt habe gibt es für mich
nicht mehr viel zu tun. Die lieben Kongolesen waren nicht so lieb und haben
unseren Frischwasserschlauch geklaut. Dorel erzählt mir wie die beiden
Offiziere gestern ihn um Rat gefragt hätten wie es am Einfachsten ist die
Halterungen zurückzustellen. Unter anderem hätte Olek geklönt wie heiß es
draussen sei. Dorel meinte dann nur ob es den kühler sei wenn er nach draussen
komme und liess die beiden alleine. Ich merke wie mir die Erfahrung fehlt und
ich mich nicht durchsetzen kann. Wenn Dorel sagt das Genügt dann genügt es,
wenn ich sage das genügt dann wird das bezweifelt. Tja so freue ich mich als
ich am Nachmittag in die Stadt gehen kann. Zuerst auf die Post Briefmarken
kaufen. Das Postgebäude ist von aussen her ein grauer Betonklotz. Innen hat es
eine Einrichtung wie in den 40er Jahren. Das Mobiliar ist wohl von Belgien
hierher entsorgt worden. Es hat vier Schalter einige geöffnet, andere
geschlossen, über den Schaltern steht auf Tafeln handgeschrieben was wo
erhältlich ist. Hinter den Schaltern ist aber niemand. Ich stehe etwas ratlos
umher da kommt von draussen eine Dame in einem schön farbigen afrikanischen
Kleid und sieht meine Briefe. Sie ruft in den Schalter hineine als keine Antwort
kommt holt sie für mich draussen den Schalterbeamten. Ich werde dann hinter den
Schalter in ein Büro geführt dass mit Drahtgitter abgegrenzt ist. In Fächern
hat es Papierstapel die so aussehen als währen sie schon immer dort gewesen.
Offenbar läuft nicht sehr viel. Ein paar Tage früher hat mir ein Wachmann
erzählt dass es in Matadi keine Post mehr gäbe und auf die Frage wie sie sich
den schreiben meint er nur lakonisch, ja telefonieren oder SMS schreiben. Tja
die Afrikaner sind da wohl moderner als ich.
In dem Dort wird mir ein
Sessel angeboten und ich erzähle was ich möchte. So bekomme ich für 13200 Franc
Marken für meine zwei Briefe mit unvollständiger Adresse. Der Beamte klebt sie
für mich auf. Er hat aber kein Wechselgeld und so gehen wir zusammen auf die
Strasse und wechseln bei einem Sandwichstand. Dann gehe ich ins Internetcafe,
dieses hat heute sogar Verbindung und so kann ich endlich meine Mails lesen und
den neusten Bericht online stellen. Die Verbindung ist für afrikanische
Verhältnisse recht schnell, ich denke ist ein DSL ca. 256kbps welche sich 5 PCs
teilen. und pro Stunde kostet es 1200 Franc. Öfters mal erscheint ein Kunde in
Schale und benutzt das Internet. Es scheint als hätten auch einige
Geschäftsleute keine Festnetzleitung und gehen zwei drei mal am Tag die Mails
hier lesen. Nach fast zwei Stunden habe ich genug und gehe wieder. Ich komme
mit einem Geldwechsler ins Gespräch, er ist gelernter Elektriker aber um zu
überleben arbeitet er auf der Strasse. Der Kurs ist nun bei 780Franc pro
Dollar, und ich habe noch für 750 gewechselt... Danach gehe ich zurück zum
Hafen. An der Kontrollstelle das übliche Prozedere. Taschen leeren weil es
piepst, immer dem gleichen Beamten erklären warum ich ihm kein Bier spende.
Dieses mal habe ich mir vorher noch ein Fruchtgetränk gekauft und so erkläre
ich ihm dass auch Cola für mich zu teuer sei und überhaupt sei für Geschenke
der Kapitän zuständig. Dann das Thema wechseln, fragen wie lange er noch
arbeiten müsse und schon kann ich weiter gehen. Noch an der zweiten Kontrolle
vorbei, dies ist meistens problemloser und ich bin wieder bei der Celine. Dort
unterhalte ich mich mit den Lastwagenchauffeuren. Den Zement bringen sie nach
Kinshasa. für die ca. 550km brauchen sie etwa 11 Stunden inkl. Pausen. Der Lastwagen,
ein Mercedes aus Deutschland hat schön den Aufkleber in der Tür „Standheizung
beim Tanken ausschalten“ Ich übersetzte den Kongolesen den Hinweis und wir
erheitern uns daran
Das Ausladen verläuft
meiner Meinung nach immer noch sehr langsam, werden wohl sicher bis am Samstag
hier sein.
Abends um acht Uhr gibt es
Bienenalarm um den Führerstand von Kran Nr. 2. Dorel will zuerst etwas Öl in
einem Kübel anzünden und den Kran ausräuchern, Gogo findet aber wir sollen den
Kongolesen einen Feuerwehrschlauch zur Verfügung stellen sie sollen dann selber
schauen. Diese spritzen nun in der Gegend umher und versuchen so die Viecher zu
vertreiben was ihnen nach gut fünfzehn Minuten auch gelingt. Ich verziehe mich
in den Messraum und habe da noch mit Roman dem Chiefingenieur eine interessante
Unterhaltung.
13. März 2009
Noch immer sind die
Arbeiter mit dem Ausladen beschäftigt. Die Arbeiten kommen und kommen nicht vom
Fleck. Auch heute wird wieder alles zusammengebettelt. Wir schichten die
Holzplanken welche für die Ladung gebraucht wurden auf das Deck und mehr als
einmal muss ich sie verteidigen. Der Charterer gab die Order dass wir das Holz
nicht abgeben dürfen. Leider sind die Kongolesen nicht so gut und schichten das
Holz gleich auf die Slings damit wir es mit dem Kran gleich heraushieven
können, nein es wird in eine Ecke geknallt und fertig. Vom Mitleid der ersten
Tage ist nicht mehr viel übrig. Irgendwie kein Wunder dass sie nicht vorwärts
kommen wenn ich sehe wie die hier arbeiten. Mindestens eine Person ist immer im
Laderaum irgendwo am Schlafen und wenn der Kranhaken unten ist dann stehen sie
auf und gehen hin die Last daran befestigen... Am Nachmittag müssen wir Platz
für ein anderes Schiff machen. wir fahren ca. 30m vor, das Schiff hinter uns
etwas zurück und dann hat es Platz für ein nächstes Schiff. Einer bietet mir
Ananas an zwei Stück für ein Kombi oder Schuhe, ich brauche die aber wirklich
selber und so will er fünf Dollar, mir ist es zuerst zuviel, aber ich kann mir
nicht zuerst Gedanken um Afrika machen und dann den Preis drücken. Er geht dann
die Ananas holen, bis ich den Bericht schreibe bevor ich schlafe bin ich noch
ohne Ananas, wahrscheinlich geht er sie zuerst im Supermarkt kaufen für zwei
Dollar. Am Abend beginnt es dann wieder mal zu regnen und so sind die Arbeiten
wieder eingestellt.
14. März 2009
Heute hatte ich Mühe mit
aufstehen, habe in der Nacht davor an meiner Zukunft rumstudiert und dann
einige Zeit mit aufschreiben verbracht. Eigentlich fand Gogo ich müsse den
Laderaum wischen, doch macht dies noch keinen Sinn denn nach einer halben
Stunde ist er wieder gleich dreckig. Zum Glück sieht dass der Chief und so muss
ich im Laderaum 1 für Ordnung sorgen. Bewaffnet mit Seife gehe ich zu den
Kongolesen und zeige was ich will und wie ich es haben möchte. Als Antrieb gebe
ich jedem eine Seife, diese ist sehr willkommen und einer arbeitet auch
wirklich ganz gut, sieht die Arbeit, packt an hilft mit. Ein anderer ist da
dann eher faul und macht da gerade das Nötigste, ist aber der welcher am lautesten
nach Handschuhen schreit. Ich habe heute ein Paar Neue bekommen, denke aber
nicht im Traum daran die alten ihm zu geben, im Gegenteil, gebe sie am
Nachmittag seinem Kollegen der wirklich gut arbeitet. Nikolay hilft auch am
Nachmittag, natürlich in seinem Stiel, die leichten Arbeiten wie wischen werden
gemacht, den Dreck aber zusammenlesen ist dann zu anstrengend und so
verschwindet man dann mal so schnell. Im Laderaum hat die Schicht gewechselt
ich bewaffne mich wieder mit Seife und die Kongolesen machen auch heute
Nachmittag mit, allerdings nicht so fleissig wie am Morgen. Am Abend gehe ich
mit Vladimir in die City. Zuerst Geld wechseln, Bumba ist heute nicht hier, so
wechsle ich bei einem Kollegen. Dann in den Supermarkt Sirup für den Kapitän
kaufen, danach gehen wir durch eine Marktstrasse, diese ist mehr Schlaglöcher
wie Strasse und auch recht schmutzig, mit einfachen Verkaufsständen. Mir ist es
nicht so wohl und so ist es mir Recht als wir wieder in der Stadt sind. Nun ins
Internetcafe und nach anderthalb Stunden wieder raus und zurück zum Schiff was
problemlos verläuft.
15. März 2009
In der Nacht löschten die
Kongolesen tatsächlich alle Fracht aus Laderaum 1 und so konnte ich am Morgen
mit Reinigen beginnen. Zuerst mit dem Kran den Abfall rausholen, dann den
Schlauch vorbereiten und mit dem Druck der Löschwasserpumpe geht das Waschen
ganz gut. Nach dem Mittagessen leg ich mich für 20 Minuten hin, aus den 20
Minuten werden dann aber 50, schlafe so tief dass ich den Wecker nicht höre.
Offenbar werde ich jedoch nicht dringend benötigt, man hätte mich sonst
gerufen. Dorel beauftragt mich einen zweiten Schlauch zu holen und die Böden
fürs Zwischendeck zu waschen. Kaum habe ich den Schlauch gerichtet kommt schon
Olek wir müssen Laderaum zwei schliessen, ein Gewitter ist in Anzug. Natürlich
steht der Kran bei Laderaum 1 und der Schlauch ist im Weg. Also Schlauch
wegräumen, Laderaum zwei schliessen, Laderaum eins öffnen dies geht ganz gut,
um das Deck waschen zu können. Das Gewitter kommt dann nicht, also wird der
Laderaum wieder geöffnet um ihn dann nach gut einer halben Stunde wieder zu
schliessen weil es nun doch regnet. In der tropischen Wärme ist es ganz
angenehm mit dem Wasser zu spielen und es macht mir nichts aus bin ich schon
nach kürzester Zeit bachnass. Dann müssen wir noch die Halterungen einklappen.
Dieses Mal geht es ganz gut. Mit einem Zwischenboden am Hacken schweben wir
unter die Halterung, dann werden wir hinaufgezogen, die Halterung vom
Zwischenboden eingeklappt und wir müssen nur noch schauen dass die Arretierung
einklickt. diese klemmt bei einer Klappe und wir binden mit Draht die Halterung
an die Arretierung. Dann geht Dorel um in der Maschine die Bilgepumpe starten
zu lassen. Dies geschieht dann auch, im Laderaum wird jedoch das Wasser nicht
weniger. Nach knapp zwei Stunden ist dann auch klar warum, der Filter ist
verstopft. Unterdessen hat sich aber so viel Wasser im Laderaum angesammelt
dass der Dreck wieder verteilt ist. Dorel muss in den sauren Apfel beissen und
den Boden nochmals abspritzen. Ich verbringe den Abend mit dem zurückspielen
meiner Fotos. Habe es ja geschafft dass meine Speicherkarten nicht mehr gelesen
werden konnten. Mittels Software, vielen Dank an Eggi, kann ich nun die Bilder
wieder hervorholen. Shandor unser Koch gesellt sich zu mir, er erzählt mir wie
Gogo täglich in die Küche kommt und auch bei ihm immer wieder drein schwatzt.
Er hätte dass in seiner über dreissig Jahre langen Karriere noch nie erlebt.
Ich musste ja die
Bestellung von Bilbao abtippen und Gogo hat da einiges zusammengestrichen.
Weiss nicht was seine Beweggründe sind, aber wir laufen im Moment auf dem
absoluten Minimum und wenn es in Ghana eine Verzögerung gibt dann besteht die
Gefahr dass uns die Lebensmittel ausgehen. Beim Wasser ist es schon so weit,
wir haben die Rationen bis Rouen an Bord, da ich im Moment aber täglich mehr
trinke als eine Flasche wollte ich dazukaufen, was aber nicht möglich ist. und
so mussten wir nun umstellen auf das aufbereitete Wasser das Shandor nochmals
abkocht, dieses schmeckt aber leicht nach Seife, kommt wohl daher dass es
eigentlich destilliertes Wasser ist, ein erdiger Geschmack, the taste of Kongo
ist auch darin. Super, musste mich heute morgen richtig zwingen zu trinken.
Cola und Bier ist auch nicht mehr erhältlich, kommt wohl daher dass wir für
Ghana auch ein paar „Geschenke“ brauchen. Den Sirup der hier über 7 Fr pro
Liter kostet wollte Shandor in Spanien ordern. dort gab es aber ein Niet von
Gogo. Ehrlich gesagt bin ich im Moment nicht gut auf den Kapitän zu sprechen
und auch deshalb freue ich mich bis ich in spätestens 23 Tagen von Bord gehen
kann.
16. März 2009
Mitten in der Nacht
verwache ich und spüre wie immer noch der Kranhaken ab und zu an die Schiffswand
kracht. Die Löscharbeiten sind also immer noch in Gange. Hungrig gehe ich in
die Messe etwas essen, danach ist der Gwunder zu gross und ich gehe zum
Laderaum schauen wie weit sie sind. Noch gut 70 Pallets stapeln sich dort. Olek
der Wache hat gesellt sich zu mir und quasselt mich voll, solle doch wieder
schlafen gehen er müsse mich wecken wenn sie fast fertig sind. Ich lege mich
wieder hin, kann aber nicht mehr schlafen und nach knapp zwei Stunden klingelt
dann auch schon das Telefon. So stehe ich um halb fünf auf der Matte. Die
Arbeiter sind nun damit beschäftigt das Holz heraus zuhieven, Danach sollten
sie uns noch helfen den Zement zusammen zu räumen, die Kongolesen denken jedoch
nicht daran und machen sich schleunigst aus dem Staub. Als dann die
Gabelstapler herausgefugt werden möchte ich dass der Kranführer noch einen Sack
mit dem Kran verschiebt, aber denkste der Vorarbeiter hat kein Gehör. So
wischen wir alleine weiter. Nikolay ist natürlich hoch motiviert... ok kann ihn
auch verstehen schliesslich ist er schon seit Mitternacht an der Arbeit. Ich
fühle mich krank, habe den Husten, der Zementstaub ist auch nicht das Wahre für
meine Lunge. Und die Vorstellung dass ich danach mit Nikolay den Laderaum zu
waschen habe stinkt mir gewaltig.
Einer der Wachmänner hilft
uns beim Vorbereiten, er bettelt mir dann noch einen grossen Plastikbidon ab,
auch die Petflaschen sind hier heiß begehrt zum Aufbewahren von Trinkwasser.
Sogar den Container für den Plastikabfall wurde geplündert... Um 9 Uhr ist der
Lotse angekündigt. Wir werden gerade fertig mit dem Vorbereiten des Schiffes,
weit und breit kein Lotse. Nun suchen wir das Schiff ein erstes Mal nach
Blinden Passagieren ab. Als der Lotse dann endlich kommt und wir abgelegt haben
suchen wir ein zweites Mal nach Blinden Passagieren, dies ist auch nötig, habe
mehr als einen Kongolesen gesehen der sich nach Versteckmöglichkeiten auf dem
Schiff umgesehen hat, wir finden zum Glück niemanden.
Kurz nachdem wir abgelegt
haben hat das Schiff starke Schlagseite, wir gehen vor Matadi an Anker, alle
sind verwundert, keiner weiss warum, später erfahre ich dass im Maschinenraum
etwas gebrochen ist und geflickt werden musste. Dies geschieht recht schnell,
als wir wieder losfahren könnten spuckt jedoch die Winde um den Anker
hochzuheben. Ich gehe mal Mittagessen, kann nicht helfen. Danach teilt mir der
Chief mit dass wir heute nicht mehr waschen sondern Ruhezeit hätte. Ich bin
gottenfroh, trinke einen heissen Tee, gehe heiß duschen, nehme ein Aspirin und
lege mich ins Bett. Nach zwei voll geschwitzten Tshirts und drei Stunden Schlaf
fühle ich mich wieder besser. Wir sind nun wieder in Boma und gehen dort vor
Anker weil wir auf den nächsten Lotsen warten müssen. kurz danach fahren wir
aber schon weiter Richtung Meer. Einmal mehr wundere ich mich ab unserer
skurrilen Welt, mitten auf dem Fluss, links und rechts Urwald, aber sogar hier
funktioniert das Natel. Und dann war heute noch Wassertag, wir haben die Ration
Trinkwasser für die nächsten 14 Tage bekommen. Bin echt froh hat das Wasser
nicht mehr diesen Geschmack nach Erde.
17. März 2009
Bachnass verwache ich in
der Nacht, nein habe nicht ins Bett gepinkelt, offenbar war die Besserung nur
von kurzer Dauer dank dem Aspirin. Olek bringt mir den Fiebermesser, 37.4. Dies
ist auch am Morgen so, fühle mich zu wenig krank um mich abzumelden wirklich
fit bin ich auch nicht. Zum Glück muss ich nicht den Laderaum waschen, dies
machen Ion und Nikolay, zusammen mit Dorel mach ich das Finetuning im ersten
Laderaum. Jetzt wo wir wieder auf dem Meer sind ist auf dem Schiff der gewohnte
Ablauf eingetreten, die sonst im Hafen vorhandene Spannung ist weg und es
herrscht eine angenehme Ruhe.
Ich freue mich sehr bis wir
wieder in Frankreich sind, habe langsam genug vom Matrosenleben. freue mich auf
einen unbeschränkten Zugang zu Nachrichten, Zeitungen, TV, Radio, Internet,
Freunden Familie Kollegen, wieder Schweizerdeutsch sprechen zu können, und auf
Schweizer Spezialitäten. Nur noch max. 21mal schlafen!
18. März 2009
Wir haben einen blinden Passagier,
heute um 7.40 Uhr tauchte er an Deck auf, wer in zuerst gesehen hat weiss ich
nicht, als ich zur Arbeit erschien musste ich zuerst ein Foto von ihm machen.
Der Kerl ist in Matadi im letzten Moment aufs Schiff gesprungen und hat sich
dann im Kran versteckt. Während dem Ablegen sind alle so beschäftigt dass dies
niemand bemerkt hat und bei der angehenden Suche nach blinden Passagieren hat
er sich so gut versteckt dass wir ihn nicht gefunden haben. Bin froh hab nicht
ich die Kräne abgesucht. Der Kapitän muss nun einiges an Papierkram erledigen.
Ich gehe danach fürs Finetuning in den Laderaum. auf einer Abdeckung hat es
Zement der ist nun abgebunden und steinhart, diesen muss ich rausspitzen. Nach
dem Mittagessen kommt unser neuer Kadett wie wir ihm sagen in die
Reservekabine. Der Kapitän hat beschlossen dass er dort arrestiert wird, zu den
Mahlzeiten darf er raus. Ich bin froh muss nicht ich die „Gefangenenbetreuung“
übernehmen. Ich habe kein Mitleid mit ihm, er hat sich das alles selber
eingebrockt und mit seinem Handeln bereitet er uns nur Mehrarbeit und wohl hohe
Kosten, auf dem Schiff wird eine Zahl von 20'000.-Fr Kosten für Enzian herum
geboten. Am Abend heisst es zuerst dass wir evtl. den Kerl zurück in den Kongo
bringen müssen. Nun dann will ich aber die Person sein welche den Typ mit einem
Tritt in den Allerwertesten an Land befördert. Der Kerl ist 18 Jahre alt und
wollte nach Europa. Er hat keine Papiere, eigentlich gar nichts dabei ausser
den Kleidern die er an hatte und ein Notizbuch, wohl sein Adressbuch. Später
erfahre ich von Gogo dass es ein Versicherungsfall ist und die sich darum
kümmert dass der Typ möglichst schnell wieder in den Kongo kommt.
Für uns geht es zurück in
den Laderaum. Als alle Bilgen gereinigt sind, steht auf einmal der ganze
Laderaum wieder unter Wasser. Wir sind natürlich alle hell begeistert... habe
keine Ahnung wer was falsch gemacht hat nur wir fangen wieder von vorne an. Zum
Glück ist nicht viel Dreck mitgekommen und wir sind so etwas schneller fertig.
Ein letztes Mal haben wir
heute wieder den Äquator überquert. nun sind wir wieder auf der Nördlichen
Halbkugel. Mir geht es wieder etwas besser, bin heute Drogenfrei, dafür ist
jetzt noch der Schnupfen dazu gekommen... aber Unkraut vergeht nicht, besonders
wenn es nur noch max. 20 Tage dauert bis es wieder in der Heimat ist.
19. März 2009
Nichts Neues aus dem
Atlantik. Wir sind noch immer mit dem Finetuning in Laderaum 2 beschäftigt. Am
Boden hat es abgebundener Zement, den sollten wir herauskratzen. Wir kommen
jedoch nicht vom Fleck und so beschliesst der Chief dass wir den Beton mit
Farbe überpinseln. Sogar Gogo ist damit einverstanden. Draussen ist wieder
diese komische Stimmung, die Sonne scheint, aber es hat sehr viel Dunst in der
Luft so dass es richtig milchig aussieht.
Am Nachmittag putze ich die Unterkunft, ist
auch bitter nötig so dreckig wie das Treppenhaus ist. Bin froh kann ich es
etwas ruhiger nehmen, der Schnupfen plagt mich, ich habe einen sturmen Kopf.
Punkt fünf Uhr ankern wir vor Takoradi. Dort bunkern wir neuen Treibstoff und
abends um neun Uhr fahren wir dann weiter Richtung Takoradi. Typisch Gogo hetzt
er mich vom Essen raus ich solle helfen gehen, draussen haben aber Nikolay und
Olek die Situation bestens im Griff. Unterdessen bin ich so clever dass ich
zuerst mal schauen gehe ob überhaupt Hilfe nötig ist bevor ich mich ins Kombi
stürze.
Im TV können wir über sechs Programme in
bester Qualität empfangen. ein Sender ist ein Ableger von Viacom, d.h. Amerikan
TV vom schlimmsten. Kein Wunder wollen so viele Leute nach Europa abhauen wenn
sie die unwirkliche Welt sehen welche ihnen da gezeigt wird. So ist ein Bericht
vom Genfer Autosalon zu sehen. das Rinspeedauto wird vorgestellt und ein neues
BMW Cabriolet. Eigentlich völlig paradox, denke die wenigsten Leute haben hier
überhaupt die Möglichkeit sich so etwas überhaupt leisten zu können. oder habe
ich ein falsches Bild im Kopf???
Der Kapitän versucht mich
dann noch zu überreden nochmals eine Reise mitzumachen. Ich glaube ihm graut
davor wenn er die Fotos selber handhaben muss, jetzt hat er es einfach, gibt es
ein Foto zu machen, ruft er mich und ich liefere ihm das fertige Bild in
mailgerechter Grösse. Ich habe aber überhaupt kein Gehör... höchstens wenn ein
weiterer Schweizer an Bord kommen würde der auch schweizerdeutsch spricht, dann
müsste ich schon nochmals meine Entscheidung überdenken... Dafür ist aber nur
noch 19 Tage Zeit...
20. März 2009
Schon um fünf Uhr werde
klingelt das Telefon. Wir müssen die Ankunft in Takoradi Ghana vorbereiten.
Lotsenleiter ausbringen, Licht, montieren, Rettungsring bereitstellen. Dann die
Leinen vorbereiten. Gleich nach der Ankunft sind wieder ein Haufen Leute auf
dem Schiff. Neben den üblichen Amtspersonen wie Zoll, Immigration, Veterinär,
auch etwa 10 Leute von der Firma welche den Cacao versenden will. Diese
überprüfen die Laderäume, haben zwei drei kleine Reklamationen welche wir bis
zum Mittag beheben können. Die „Amtspersonen“ werden mit den üblichen
„Geschenken“ bedacht. Jede schleppt einen Sack mit Softdrinks, Zigaretten evtl.
auch Whiskey mit sich. Wer nun Korruption schreien will, in diesen Ländern
gehört das dazu und ist ganz normal. Wer sich weigern würde da sind dann
plötzlich riesige Probleme hier welche so umgangen werden können. Bin sehr froh
dass wir in der Schweiz den Alltag nicht so bewältigen müssen. Ohne grosses
Tamtam wird auch unser blinder Passagier von vier Polizisten und einem
Vertreter der Versicherung abgeholt und wohl in den Kongo zurück verfrachtet.
Nach ein Uhr kann ich dann
endlich auch essen gehen und dann habe ich Ruhezeit. Olek holt mich dann aber
schon bald wieder aus dem Schlaf ich solle an die Gangway stehen, er müsse die
Laderäume öffnen und es müsse immer jemand an der Gangway stehen. Offiziell hat
er ja schon recht, nur praktiziert wird dies eher selten und wenn dann halt mal
10 Minuten niemand an der Gangway steht ist es dann plötzlich nicht mehr so
schlimm. Mich pisst es an, werde ich mitten aus dem Tiefschlaf gerissen. Als
ich dann unten bin bringt einer Orangen Bananen und Mangos, Wir haben alte
Containerböden welche wir fortwerfen können, diese sind hier begehrt und so
tauschen wir sie gegen Früchte ein. Gogo steckt hinter dem Deal, irgendwie
typisch rumänisch, überall noch ein Geschäftchen drehen... Mit Ion bin ich auch
am dealen, Er will Bier dass ich habe, er hat Wasser dass ich zu wenig habe.
Warum ich Bier habe? Es ist Usus dass wenn ein Crewmitglied geht, es Bier
spendet. Ich habe die Büchsen brav gesammelt und so kann ich sie nun gegen
Wasser eintauschen. Dann habe ich mir noch ein paar Kakaobohnen geholt. die
Dinger sind etwas grösser als Mandeln und werden an der Sonne getrocknet bevor
sie verschifft werden. Hier sind sie in einer langen Lagerhalle in Haufen
gelagert bevor sie verfrachtet werden. Die Kakaobohnen schmecken bitter,
zusammen mit einem Löffel Zucker lässt sich aber ein erster Geschmack von
Schokolade erahnen.
Als ich später noch Fotos
ausdrucke für die Shorepässe beichtet mir Gogo dass er es jetzt schon bedaure
wenn ich nach Hause gehe, er würde meine Arbeitsweise sehr schätzen welche
besser sei als die von andere Matrosen... Cool, freue mich sehr, ist ein
grosser Aufsteller für mich.
Weniger erfreulich ist dass
Gogo Enzian erzählt hat dass ich in Matadi die ganze Nacht lang Wache gestanden
hätte. Super Enzian liest auch mein Tagebuch und die werden wohl schnallen dass
was Gogo ihnen erzählt und was ich schreibe nicht stimmen kann. Ich mag aber
auch nicht Geschichten erfinden... weiss noch nicht was ich machen will um Gogo
nicht in die Pfanne zu hauen.....
Ach ja, noch 18 Tage bis
Buffalo!!!
21. März 2009
Um das ganze Schiff herum
weht der Duft nach Kakao. Ein Trax mit einer riesigen Schaufel welche
schätzungsweise 2m3 fasst holt die Bohnen aus der Lagerhalle und kippt
sie in einen Trichter von dort mittels einer ganzen Strasse von Förderbändern
werden die Kakaobohnen aufs Schiff geladen und so ergiesst sich ein stetiger
Strom von Kakao in den Schiffsbauch. Daneben wirbelt es noch viel Staub und
Fasern umher und überzieht das ganze Schiff. Die zertretenen Bohnen bleiben an
den Schuhen kleben, ich muss aufpassen dass ich nicht umfalle. Dann werden noch
die Containerböden abgeholt. Wir wollen sie mit Ketten an den Kran hängen.
Leider kommt dann Gogo dazwischen und findet die Ketten seien zu schwach ich
solle die starken Ketten holen. Dazu muss ich zuerst den Schlüssel für
Forecastle holen. finde den nicht, steige zu Dorel auf den Kran, der Kapitän
ist schneller und schreit von unten rauf, am Ende alles umsonst und wir laden
die Böden problemlos auf den Lastwagen. Super... wieder einmal Gogo life wie er
leibt und lebt. Nach dem Mittagessen fahren Dorel und ich in die Stadt. Weisse
auf Velos scheint es hier nicht viele zu geben, die Leute winken uns zu und wir
winken zurück. In der Stadt gehen wir zum Basar und parken die Velos bei einer
sehr gut gebauten Mama welche Stoffe verkauft. Dann fragen wir uns durch nach
einem Schuhstand, ein Geldwechsler hofft auf ein gutes Geschäft und hilft uns
dabei. Dorel will gute Schuhe kaufen. Wir gehen durch Trampelpfade an einfachen
Hütten und Ständen vorbei. Dorel findet aber nichts das passt, Grösse 39 für
ihn ist auch gar klein. Wir gehen von Schuhstand zu Schuhstand, entweder ist
die Grösse nicht gut oder Dorel mit der Art und der Qualität nicht zufrieden.
Nach unzähligen Ständen findet er dann ein Paar das passt und er kauft es für
15 USD. Danach will er noch Turnschuhe von Adidas oder Puma. Der Geldwechsler
hat sein Geschäft gemacht und ist wohl froh als er fliehen kann, er will nichts
mehr von uns wissen. So gehen wir zu Mamma wo unsere Velos stehen und die gibt
uns ihre Schwester mit als Guide. Und so klappern wir in einer anderen
Reihenfolge wieder alle Schuhstände ab. Die Ghanesen denken wohl die spinnen
die Weissen. Ich merke relativ schnell dass hier die Überproduktion aus Europa
verkauft wird, oder die Schuhe aus der Altkleidersammlung kommen. Ich glaube
die können sich hier gar keine Schuhe leisten welche Direkt von der Fabrik in
China kommen wo der Chinese wohl noch mehr verdient wie hier. Dorel scheint es
nicht zu schnallen und sucht weiter... irgendwann findet er dann doch noch
etwas das Ihm passt, unsere Guidin meint nur zu mir „der ist ja echt
anstrengend“
Danach müssen wir für Gogo
noch 5kg Zitronen erstehen. Wieder gehen wir durch enge Gassen und kommen an
eine Ort wo wirklich schönes Gemüse verkauft wird. Die Zitronen sehen aber
nicht gut aus, alle schrumpelig und knorpelig und so nehme ich Limonen. Für
mich erstehe ich dann auch noch ein paar Ananas.
Zum Schluss laden wir die
Lady noch auf einen Drink ein. Dorel will mit ihr auch etwas anbändeln, doch
die Dame lässt ihn abblitzen. Ziemlich schnell muss sie dann auch gehen und wir
beobachten noch etwas das Treiben auf der Strasse.
Nun will ich noch kurz ins
Internet die Mails auf mein Notebook laden. Auf unseren Streifzügen habe ich
ein Schild gesehen von einem Internetcafe. Wir finden es sogar auch wieder und
via einen Hintereingang eine Treppe hoch hat es ein modern eingerichtetes
Cybercafe. Die Stunde kostet nur 60 Picous was etwa 50 Rappen entspricht.
Zuerst haben sie kein Gehör als ich mein Notebook anschliessen will. Als ich
mich dann etwas suchend umsehe, fragt mich einer ob er mir helfen kann. es ist
der Besitzer des Ladens der in den USA lebt und dies hier als zweites Standbein
betreibt. Ich erkläre ihm dann was wie wo, er hat dann bedenken wegen der
Sicherheit, als ich ihm erkläre dass es ein Linuxsystem ist, verfliegen diese
sofort und es ist kein Problem mehr. Leider ist die Leitung sehr langsam und
beim Warten habe ich ein interessantes Gespräch mit dem Besitzer., der ISP hat
diese völlig überbucht und zur Rushhour am Abend sei es auch nochmals
langsamer, für eine 1Mbitleitung bezahlt er 300 USD pro Monat. In den USA hat
er Glasfaser bis ins Haus und diese kostet Ihn nur 15USD für die gleiche
Leitung. Wow....
Nach fast zwei Stunden habe
ich dann endlich meine Mails auf dem Notebook und gehe wieder.
Dorel hat sich unterdessen
bei einem Schneideratelier nieder gelassen und mit den Schneiderinnen
geplaudert. Eine Horde Kinder umgibt ihn als ich komme. Nun da ich ihn so lange
habe warten lassen findet er ich könne den Kindern ein Glace sponsern. Dies ist
auch kein Problem, ein Eis kostet nur ca. 30 Cents... Er hat unterdessen
einiges an Bier intus und hängt sich an die Frauen ran... diese sind davon
nicht so begeistert, bleiben aber erstaunlich ruhig. Nach gut einer Stunde
können wir dann endlich gehen. Er sollte um acht Uhr seine Wache auf dem Schiff
antreten... Wir fahren ein Stück mit den Velos, verfahren uns und da er noch
Cedis hat will er noch ein Bier trinken gehen. Also fragen wir uns wieder nach
einer Bar durch und landen am Schluss wieder bei dem Lokal vom Nachmittag. Dort
findet er am Nebentisch eine Dame die ihm gefällt und labert sie voll, diese
will aber nichts von ihm wissen nur er schnallt das nicht und labert weiter,
ich greife ein wenn ich finde jetzt wird es kritisch, bin jedoch froh als die
Dame sich einen anderen Tisch sucht. Dorel erzählt mir nun seine
Lebensweisheiten, ich bin froh als er endlich ausgetrunken hat und wir Richtung
Hafen fahre können. Er kann sogar noch fahren, kurvt aber schon etwas umher.
Einmal steigt er auch noch unfreiwillig vom Velo ab und findet er hätte einen
Unfall gehabt nun müssen wir die Polizei rufen... Er sieht dann aber schnell
davon ab und wir fahren ohne Zwischenfall zum Schiff. Dort wartet Ion schon
sehnsüchtig darauf endlich abgelöst zu werden. Er verzichtet jedoch auf ein
riesen Geschrei und hilft auch noch das Velo die Gangway raufzutragen.
Der Chief meint dann nur
ich solle in einer Stunde auf der Matte stehen, Dorel muss zwei
Lüftungsöffnungen verschliessen und es sei wohl besser wenn ich dann ihm dabei
helfe. Und so sitzen wir dann eine Stunde später im Kakao und verschliessen die
Öffnungen. Mitten in ca. 3000 Tonnen Kakao zu sitzen ist ein spezielles Gefühl
und ich hätte am liebsten darin noch etwas herumgesult... Müde falle ich danach
ins Bett.
22. März 2009
Vor sieben Uhr muss ich
wieder antraben. wir müssen das Schiff segelbereit machen. die Laderäume verschliessen,
alles verräumen und um 10 Uhr ist der Lotse angekündigt. Ich will noch meine
restlichen Cedis im Duty Free Shop loswerden, dieser hat jedoch am Sonntag
geschlossen... Das Ablegen geht problemlos, heute suchen wir das Schiff
besonders gründlich nach blinden Passagieren ab. Ich durchsuche einen Kran und
zünde dabei mit der Taschenlampe in jede Öffnung mag sie auch noch so klein
sein. Hoffentlich übersehe ich nichts... währe dass peinlich wenn es ein
zweites Mal passieren würde.... Erst viel später wird mir bewusst dass dies das
letzte Mal ablegen war, nun gibt es nur noch das Ankommen in Rouen. Ich freue
mich sehr darauf, die Ungewissheit wie es weiter geht macht mir aber auch etwas
Sorgen. Den Nachmittag habe ich frei. Die anderen müssen das Deck wischen. Olek
ruft mich auf die Brücke, Walalarm, doch bis ich mit dem Fotoapparat oben bin
will der Wal sich nicht mehr zeigen. Alex der Motorman hat morgen Geburtstag,
wir feiern schon heute. So gibt es einen lustigen Abend in der Messe, Dorel
erzählt mir wie Gogo zuerst nicht wollte dass der Laderaum gestrichen wird, wir
aber nur so problemlos durch die Kontrolle kamen weil er gestrichen war. Wir
diskutieren über das Schiff und seine Besatzung. Ich bin noch am Wäsche waschen
und als die Maschine endlich fertig ist kann auch ich ins Bett gehen.
23. März 2009
Heute habe ich wieder
einmal.... ja richtig geraten, geputzt. Im Treppenhaus hatte es besonders viel
Dreck von den Kakaobohnen und so widmete ich mich dem ausgiebig. Auch wenn ich
mir besonders viel Mühe gebe und auch alle Toiletten putze bin ich schon vor
dem Mittagessen fertig. Am Nachmittag beschäftige ich mich dem Finetuning,
putze die Handläufe und Flecken an den Türen. Kann es aber gemütlich nehmen und
verbringe so einen ruhigen Tag. Wir werden nochmals in las Palmas Halt machen
um schwefelarmen Treibstoff zu bunkern. Vor drei Monaten war Weihnachten, wir
in Thailand am Laden und ich dachte noch nicht ans nach Hause gehen. Gogo hat
sich einen Schnauz geschnitten und sieht nun wie ein Walross aus. Als
Bettmümpfeli schneide ich eine Ananas auf, sie ist genau richtig, süss, fast
keine Säure, einfach himmlisch...
Ich merke wie ich mich
wieder sehr mit meiner Zukunft beschäftige. Soll ich auf die Reise gehen, wie
lange kann ich in der Schweiz überleben ohne Arbeit, was will ich denn
überhaupt machen, irgendwie gefällt mir die Seefahrt schon, wenn ich zum Sip
gehe wird er mir wieder alles vorschwärmen. Die gute Sache ist, Ich merke dass
mein Arbeitsstiel gefällt und ich so wie ich anpacke und mitmache genügend
fleissig bin. Dies sind doch schon mal gute Voraussetzungen. Nur womit ich
meine Brötchen verdienen will... Ich hätte gerne ein kleines Häuschen, einen
Weiher, ein paar alte Bäume, ein kleines Auto, einen coolen Töff und eine
Arbeit wo man am Morgen sich richtig freut aufzustehen und welche auch genügend
Geld einbringt. Nur was dass dies ist... keine Ahnung.
24. März 2009
Rost klopfen, einmal mehr,
wir können uns immer noch mit der Laderaumabdeckung beschäftigen. Zum Glück
haben wir nur noch drei Teilstücke so müssen wir nicht mehr wochenlang uns
damit abmühen. Heute sind wir zuerst genau Westwärts gefahren und dann zur
Mittagszeit rechts abgebogen Richtung Europa, sonst wären wir nach Brasilien
gekommen... Wir werden am 29. März in Las Palmas bunkern, leider erst am späten
Nachmittag und in der Nacht, Hoffentlich kann ich trotzdem in die Stadt gehen.
Am 3 April spät abends sollen wir in Rouen ankommen, Das heisst ich werde wohl
am 4. April wieder in der Schweiz sein. Nun geht es sehr schnell und es kommt
sogar ein wenig Wehmut auf. Am Abend gibt mir Nikolay noch ein paar
interessante Filme. Eigentlich ist er ja gar nicht so ein unleid nur zum
zusammen arbeiten ist er leider etwas mühsam...
25. März 2009
Noch immer sind wir am Rost
klopfen, Heute bläst ein kühler Wind, von der Laderaumlüftung strömt der leicht
bittere Duft vom Kakao über das Deck. Wir sind nun auf der Höhe von Sierra
Leone. In den letzten Tagen in Afrika habe ich keine Sonnencreme mehr
eingeschmiert was kein Problem war, gestern aber so einen tag in der prallen
Sonne war dann doch zuviel, ich hab mir deftig den Nacken verbrannt. So gibt es
heute halt wieder eine dicke Schicht Sonnencreme und dazu einen Sonnenhut.
Langsam habe ich es gesehen mit dem Rost klopfen. Die Aussicht dass wir bald
fertig sind und in 10 Tagen ich zu Hause machen dass ganze aber erträglich.
Hoffentlich kann ich etwas von der Wärme mitnehmen....
26. März 2009
Mein Fenster der Kabine ist
auf der Steuerbordseite und da wir ja nordwärts fahren konnte ich heute wieder
einmal einen eindrücklich schönen Sonnenaufgang bewundern. Durch Wolken getrübt
in einem intensiven gelb orange stieg die Kugel in den Himmel hinauf.
Zwischendurch war sie hinter Wolken verborgen, es sah aus als währe sie hinter
Gitter.
Tja und dann sind wir
wieder einmal am Rost klopfen. Heute haben wir das letzte Teilstück in Angriff
genommen und ich konnte mich nochmals richtig mit der Nadelpistole austoben.
Mich erinnert es ans Ausdrücken von Pickeln in der teenager Jahren. Der Blick
gleitet über die Oberfläche und dort wo man eine Erhebung entdeckt wird die
Pistole hingehalten. Die Stifte trommeln so auf den Rost ein dass er
pulverisiert wird und eine glänzende Oberfläche zum Vorschein kommt. Das
schnelle Erfolgserlebnis gibt eine gewisse Befriedigung während der Blick schon
nach der nächsten Rostblater Ausschau hält..
Die stundenlange kauernde
Haltung macht sich am Abend bemerkbar, ich kann kaum noch den Kopf drehen, der
Nacken ist völlig verspannt, eine warme Dusche und etwas massieren lindert es
ein wenig, ich fülle eine Petflasche mit heissem Wasser und liege darauf. Die
Wärme hilft recht gut. Wir sind nun auf der Höhe von Dakar, dem wohl
westlichsten Punkt meiner Reise. Auch heute blies ein kühler zügiger Wind,
abends in den kurzen Hosen auf das Deck ist nicht mehr angenehm. Muss nun wohl
definitiv vom Sommer Abschied nehmen.
27. März 2009
Noch immer sind wir am Rost
klopfen, am Nachmittag kreuzte ein Rudel Wale unseren Weg, man sah es daran
dass ab und zu eine Finne aus dem Wasser tauchte und aus dem Atemloch Wasser
spritzte. Einmal mehr war heute ein wunderschöner Tag und da es nicht mehr so
heiß ist auch sehr angenehm zum arbeiten. Noch bin ich eine Woche auf dem
Schiff, und auch wenn ich mich auf viele Sachen zu Hause freue, die Weite des
Meeres wird mir fehlen...am liebsten würde ich Freunde, Familie und Kollegen
das nächste Mal mitnehmen... überlege mir ob ich zu Gogo gehen soll, ich bleibe
noch eine Weile aber als Passagier. Früher habe ich gemeint Kreuzfahrten seien
nur für Leute ab fünfzig, unterdessen kann ich den Reiz nachvollziehen.
28. März 2009
und wieder einmal beginnt
der Tag mit putzen, heute wohl zum letzten Mal das Treppenhaus zusammen mit
Nikolay. Schnell schnappe ich mir den Besen so kann er nachher mit dem Mopp
trödeln wie er will ich kann mein Tempo vorwärts machen. Monsieur ist heute
aber auch erstaunlich schnell und ich muss mich schon etwas ins Zeug legen dass
er mich nicht einholt. Nach der Kaffeepause diskutieren wir wieder
Sicherheitsfragen, heute zum Thema Müdigkeit an Bord. Das Fallbeispiel ist ein
Frachter der auf Grund läuft weil der wachhabende Offizier eingeschlafen ist.
Die Problematik ist halt schon dass es immer weniger Besatzung hat und somit
die Belastung für den jeden einzelnen steigt. Am Nachmittag gehe ich die Sonne
geniessen vorne am Bug. Noch immer bläst der Wind und es ist kühl. Auch heute
kreuzt ein Rudel Wale unsern Weg leider posieren die Viecher nicht schön, es
gibt keine brauchbaren Bilder. Nass gespritzt von einer grossen Welle flüchte
ich wieder in die Kabine.
Seitdem Ticho und Bubu
nicht mehr an Bord sind verlaufen die Samstagabende ruhiger, nix mehr mit Party
und tanzen bis in den frühen morgen hinein. Heute war Movietime, wir schauten
einen Film über die Tempelritter, wir bekamen aber nur die Hälfte mit, er war
teilweise in schwedischer Sprache... In der Nacht beginnt auch für uns die
Sommerzeit.
29. März 2009
Volle Fahrt Richtung Gran
Canaria. Dort treffen wir am Vormittag ein, vor uns war aber ein Schiff schneller
und so müssen wir warten bis dieses fertig gebunkert hat. Für mich heisst das
Ausschlafen und den Tag geniessen. Ich wasche die Wäsche und kann mich sogar
dazu motivieren die Kabine zu putzen. staube alles ab, räume die Kleider neu
ein und wasche die Wände herunter. Draussen geht immer noch der kühle Wind, wir
haben nur 20 Grad, ich empfinde es als unangenehm kühl und morgen soll es noch
kälter werden...
Das Schiff soll von Rouen
mit Raps nach Tarragona bei Barcelona gehen. Alex meint in Rouen würde keine
Zeit für ein Crewwechsel sein und wir müssten nochmals 14 Tage länger an Bord
sein... ich hoffe mal das ist nicht so, habe mich auf Abreise eingestellt und
keine Lust mehr zum Rost klopfen.
30. März 2009
Schon um sieben Uhr bin ich
zur Arbeit bereit, wir sollten ja heute morgen in den Hafen einlaufen, bin aber
weit und breit der einzige, auf der Brücke meint dann der Chief ich könne bis
acht Uhr pausieren, wir würden erst um ca. neun Uhr in den Hafen einlaufen. Tja
so lege ich mich nochmals etwas hin, habe danach dafür Mühe wach zu werden. Las
Palmas kennen wir ja nun schon und so verläuft das Anlegen auch Problemlos.
Nikolay hat seine pubertäre Phase und ruft aus weil Karton bei den Winden
liegt, den hat der Wind dorthin geblasen... als ich zurück ausrufe wird er
schnell ruhig, offenbar gehört er zu der Sorte Mensch denen man mal tüchtig ans
Schienbein hauen muss damit sie zu Anstand kommen. Danach will ich in die
Stadt, es heisst aber dass Polizeikontrollen stattfinden würden und so will der
Kapitän mich nicht gehen lassen. Nach einer halben Stunde kann ich dann endlich
gehen, habe eine riesige Liste was ich für wen besorgen muss. Olek braucht
Telefonkarten und der Kapitän und der Chief Medizin. Ich finde zum Glück
schnell die benötigten Sachen und kann diese schnell auf dem Schiff abliefern.
Nicoshur der Elektriker will dann auch noch mitkommen, bis er dann endlich
bereit ist kommt eine Lieferung Proviant wo wir helfen diese zu verstauen. So
vergeht gut nochmals eine Stunde bis wir dann endlich endlich losziehen können.
Via Elektronikladen und
Supermarkt geht’s ins Internetcafe. Dank dem Besuch Mitte Februar kenne ich
mich aus und bin so recht schnell. So geniesse ich fast einen ganzen Nachmittag
im Internet, Emails schreiben und lesen, Podecasts herunterladen, Nachrichten
lesen, Infos suchen usw. Daneben melde ich mich wieder bei der Krankenkasse an
was entgegen der Abmeldung unproblematisch verläuft.
Als ich um halb sieben
wieder auf dem Schiff bin hat das Bunkering gerade mal erst begonnen. Ich bin
total aufgedreht, freue mich auf die Heimreise und leiste Vladimir und Alex
Gesellschaft welche das Bunkering überwachen müssen. Dazu machen sie Sounding.
Dazu lassen sie ein Messband das am Ende ein Gewicht hat in den Tank hinunter,
ziehen es wieder herauf und dort wo das Band schwarz ist, so hoch ist der Tank
gefüllt. Um elf Uhr abends sind wir dann endlich fertig, um ein Uhr morgens
können wir dann los fahren und um zwei Uhr kann ich dann horchen was das
Kopfkissen zu erzählen weiss.
31. März 2009
Wir sind wieder, wie könnte
es auch anders sein, am Rost klopfen. Zu viert machen wir uns an die Arbeit,
Gogo lässt uns wegen der kurzen Nacht erst um neun Uhr antraben. Nach der
Kaffeepause werden wir im Shipsecurityplan unterrichtet. In Rouen haben wir ein
Audit über die Security auf dem Schiff und so wird Theorie gebüffelt. Mir kommt
die ganze Sache etwas amerikanisch vor, Viel Papier und Abläufe und bla bla.
ich finde es logisch dass man sich zuerst erkundigt wie die Situation in einem
Land ist bevor man hinfährt. Hab ich ja für mich selber auch gemacht bevor wir
in den Kongo gefahren sind, Mich hat der Bericht vom EDA damals zwar eher
abgeschreckt und ich war im Kongo wohl mit zuviel Respekt unterwegs.
Am Nachmittag geht’s weiter
mit Rost klopfen, als dann ein paar Regentropfen herunterfallen rennen meine
zwei wunderbaren Kollegen gleich an den Schärmen, ich warte noch etwas zu, die
Wolke war aber nicht sehr gross und auch nicht sehr grau... und siehe da, es
wird nicht mal richtig nass und die ganze Aufregung war umsonst... Gogo bezahlt
noch den Märzlohn zusammen mit dem Laschinggeld so erhalte ich 275 USD und
fühle mich richtig reich. Mit Tagebuch schreiben, für Dorel Fotos auf DVD
brennen und Echos hören geniesse ich einen ruhigen Abend. Wir sind noch bis
samstags unterwegs, also wohl nur noch 4 mal schlafen!!!
1. April 2009
Auch der siebte Monat
beginnt mit Rost klopfen, wir haben regnerisches Wetter und als wir mit
arbeiten beginnen ist gerade ein Regenbogen am entstehen. Zuerst nur ein
kleines Stück am Horizont welches aber äusserst intensiv leuchtet. Mehr und
mehr beginnt der Bogen zu wachsen bis er in ganzer Pracht sichtbar ist inkl.
des zweiten Bogens. Die Distanz zum Regenbogen ist recht klein und so taucht er
ins Wasser ein, beziehungsweise steht ein Stück sogar vor dem Wasser. Als wir
mit malen beginnen wollen beginnt es zu regnen. So gehe ich die Ersatzkabine
aufräumen. Am Nachmittag hilft mir Nikolay dabei. Zumindest versucht er es, er
kann aber nicht ganz meinen Ansprüchen genügen und so putze ich lieber selber.
Für Farbflecken schicke ich ihn Verdünner holen. er will es zuerst mit
Badreiniger versuchen, merkt dann aber schnell dass er halt doch zum Farblager
im Bug gehen muss. Danach will er mir den Verdünner als Australisches Mineralwasser
verkaufen... Ach Nikolay...
Nicoshur der Elektriker hat
noch eine Anleitung welche ich für ihn abtippe, für mich eine angenehme Arbeit
und in weniger als zwanzig Minuten erledigt. Er ist froh und ich habe es gern
gemacht.
Am Abend will Gogo das
Laschinggeld wieder zurück. Es soll uns mit dem Märzlohn auf das Bankkonto
gezahlt werden. So gebe ich ihm halt die 175 USD wieder zurück und bin nicht
mehr so reich. Wir werden am Sonntag in Rouen ankommen, die Rückreise wird wohl
am Montag sein. also noch 5 mal schlafen.
2. April 2009
Heute können wir die
Laderaumabdeckung streichen. Es ist zwar kalt aber trocken. trotzdem ziehe ich
die langen Unterhosen an, hatte zwar gehofft diese nicht mehr zu brauchen. Wir
sind nun auf der Höhe von Finsterterre in Portugal.
Gespannt warte ich auf die
Rückreisedetails, heute kamen sie nicht, so müssen sie morgen kommen. Danach
ist Wochenende am Montag ist es zu spät. Am Abend beschäftige ich mich wieder
mit DVD's brennen. Was nach einer kleinen Angelegenheit tönt entwickelt sich
als hartes Stück Arbeit. Fotos aussortieren, umbenennen, Booklet designen und
drucken.... tja und der Perfektionist in mir ist auch nicht gerade hilfreich um
schnell fertig zu sein...
3. April 2009
Wir sind im Golf von
Biskaya. Dieser ist gefürchtet für schlechtes Wetter. Bei uns zeigt er sich von
der besten Seite, das Wasser ist ganz ruhig, keine Wellen brechen und vorne
beim Bug spielen die Delphine. War noch nie so schnell vom Bug zur Kabine
gerannt, die Fotokamera geschnappt und wieder an den Bug gerannt. Der Delphin
ist noch hier ich mache ein Foto und dummerweise stelle ich den Blitz nicht
aus. So verschwindet das Tier sofort. Wir müssen heute eine Deckschicht auf die
Laderaumabdeckung auftragen. Die Farbe wird mit viel Verdünner vermischt und so
geht das Auftragen sehr schnell. Gogo will am Anfang nicht dass wir die
Abdeckung von Hole Nr. 1 auch streichen. als er dann sieht wie schnell wir sind
können wir doch beginnen. Leider reicht uns die Zeit dann nicht dafür um fertig
zu werden. Dazwischen sehen wir immer wieder Delphine und auch Wale. Vor dem
Mittag kommen dann endlich die Flugdetails. So wird es Dienstag 7 April 14.35
Uhr bis ich wieder in der Schweiz bin. Nun also definitiv noch 4mal schlafen!
4. April 2009
Heute würden wir gerne noch
die restliche Laderaumabdeckung streichen. Die Gischt spritzt aber zu hoch und
wir müssen uns anderweitig beschäftigen. Dorel und Ion räumen um die Unterkunft
herum auf. Nikolay und ich putzen die Unterkunft. Ich richte dann noch die
Eignerkabine, wir bekommen in Rouen Besuch von Enzian der evtl. an Bord
schlafen will. Wir sind nun bei der Bretagne rechts abgebogen Richtung
Ärmelkanal. Hier hat es wieder viel mehr Schiffe unterwegs, es kommt mir vor
wie auf einer Autobahn. Wir können wieder britisches TV empfangen. Hier hat
sich die Welt noch nicht verändert, die Reklame ist noch die gleiche, Kochshows
sind immer noch in. Und Gameshows hat es auch immer noch. Interessant finde ich
ein TV Spot der für eine gesunde Ernährung und gegen Übergewicht wirbt. die
Engländer sind ja nicht gerade ein schlankes Völklein.
Am Abend bewundere ich noch
ein letztes Mal den Sonnenuntergang, gehe nochmals über die Laderaumabdeckung,
sauge die Weite des Meeres in mir auf. Wir fahren an den Kanalinseln vorbei und
am späteren Abend sehen wir schon die französische Küste. Auch wenn ich mich
sehr auf die Schweiz freue so ist damit auch ein Abschied nehmen verbunden.
Noch habe ich drei Nächte auf der Celine.
5. April 2009
Ich werde nicht geweckt in
der Nacht, sie kamen ohne mich aus und ich konnte ausschlafen. Um acht Uhr muss
ich dann doch antraben. Im Deckoffice treffe ich auf Nikolay der schon seit
drei Uhr auf ist und vom Kapitän und dem Chief teils unnötigerweise herum
gehetzt wird. Als ich ihn dann mit einem Welcome to the Show begrüsse platzt
ihm der Kragen und ein Donnerwetter entlädt sich. Ich höre ihm etwas zu,
zusammen ziehen wir dann die Fahne auf, versorgen die Lotsenleiter, richten die
Leinen und lassen uns überraschen was aus dem Nebel hervor taucht. Wir sind nun
auf der Seine, es hat stockdicken Nebel, nur ab und zu sieht man schemenhaft
das Ufer. Zwischendurch lichtet sich der Nebel etwas, wir gewinnen erste
Eindrücke von der Normandie. die Gegend ist sehr typisch für Frankreich, viele
alte Gebäude mit hohen Fenstern, die Häuser sind schmal aber hoch. Von Rouen
sehen wir nichts, dafür ist es ein sehr grosses Industriegebiet dass ich am
Ufer des Flusses über mehrere Gemeinden erstreckt. Beim Anlegen entdeckt der
Kapitän noch eine zusätzliche Leine auf dem Deck und so müssen wir diese auch
noch ausbringen, er befürchtet dass durch die schnell vorbei fahrenden Schiffe
die Celine zu stark vom Ufer weggesogen wird. Ich bin froh haben wir nicht noch
mehr Leinen, wir müssten sie sonst auch noch ausbringen. Vom sonst üblichen
Zirkus von Beamten, Zöllnern usw. sehen wir nichts. In Frankreich haben wohl
alle genug Getränke zu Hause. Vladimir und ich schnappen uns die Velos und
fahren ins Dorf genannt Grand Couronne. Auch hier hat es viele alte, teils sehr
schön renovierte Häuser und Häuschen. Da Sonntag ist hat fast alles
geschlossen. In einer offenen Bäckerei erstehe ich ein echtes Baguette,
Vladimir deckt sich mit Süssigkeiten ein. Danach drehen wir noch eine Runde im
Dorf und fahren wieder zurück zum Schiff. Danach trifft noch Herr Wilk ein, der
Sicherheitsverantwortliche von Enzian. Er wird uns mithelfen das Schiff für das
Audit vorzubereiten.
Am Abend gehen wir in den
Seemansclub, In Frankreich hat jeder Hafen solch eine Organisation welche die
Leute vom Schiff abholt und in ein Clublokal bringt. Dort hat es meistens TV,
eine Bar, Telefonkabinen, einen kleinen Shop für das Nötigste, ein paar
Souvenirs und wohl am wichtigsten die Internetverbindung. Hier haben sie aber
nur vier Feststationen und kein Wireless, So warten alle ungeduldig. Bei
Nikolay funktioniert es nicht, er klickt wie wild in den Netzwerkoptionen
herum, als ich ihm helfen will, will er nicht hören , verabschiedet sich auf
bulgarisch fluchend und überlässt mir die Leitung. Bei mir funktioniert es tip top.
Etwas später lässt er sich dann doch helfen und siehe da, Monsieur hat sich
eine fixe IP Nummer gegeben was natürlich nicht funktioniert und siehe da es
läuft auch bei ihm tip top.
Zurück auf dem Schiff
kündigt der Chief an dass er mich nach Mitternacht evtl. brauchen würde. Zum
Schlafen reicht die Zeit nicht mehr, so gehe ich in die Kabine und packe meine
Sachen zusammen. Der Chief braucht mich dann aber doch nicht mehr, müde gehe
ich schlafen.
6 April 2009
Mein letzter Arbeitstag, der
Chief gibt mir einen letzten Job, ich habe jedoch noch ein paar Sachen mehr im
Kopf welche ich erledigen will. Zuerst muss ich auf ein Manhole „Restricted
Area“ hinschreiben, Dorel hilft mir die Schablonen zubereiten, ich gehe pinseln
muss dann aber schon bald noch zwei Schilder am Eingang erneuern. Text am PC
schreiben, ausdrucken laminieren hinkleben. Dorel berichtet Herr Wilk dann auch
über meine gute Arbeitsweise, mir ist es etwas peinlich da es für mich
selbstverständlich ist. Danach gehe ich für Nicoshur noch eine Anleitung
ausdrucken, eigentlich sind es über 90 Seiten, ich drucke jedoch vier Seiten
pro Blatt. Gogo kommt dazu und es gibt eine herrliche Situation:
Gogo: wie viele Seiten
druckst du, er macht auf Panik
ich: 23
Gogo: oh oh so viel Papier,
wer braucht das überhaupt
ich: es ist für den
Elektriker das Manual ist in Englisch, wir haben nur Deutsch an Bord.
Zusätzlich erkläre ich ihm dass ich sehr ökonomisch ausdrucke.
Gogo: Ah sehr gut, sehr
gute Arbeit und es ist überhaupt kein Problem mehr.
Danach helfe ich noch dem
Elektriker Lampen zu überprüfen und entwerfe ein Formular auf dem PC für ihn.
Tja dies war dann wirklich der letzte Job auf der Celine.
Zum Mittagessen trifft dann
die neue Crew ein. So sehe ich wieder Sandor den zweiten Ingenieur welcher von
Oktober bis November auf der Celine war. Der Matrose, der zweite Offizier und
der neue Kadett sind vom Sri Lanka. Ich nehme mich dem Kadett an, zeige ihm die
Unterkunft, beantworte all seine Fragen dann lasse ich ihn alleine und gehe meine
Kabine putzen. Vladimir und Olek müssen noch nach Rouen um ein Transitvisa zu
erhalten damit sie von Paris wegfliegen können. Ich könnte mit, bin aber noch
nicht fertig mit putzen und es geht mir zu schnell. So bleibe ich auf dem
Schiff, putze die Kabine fertig und als ich danach aufs Deck gehe erfahre ich
dass wir um sechs Uhr das Schiff um zwanzig Meter verschieben müssen. Dieses
Kabarett muss ich nicht mehr haben und so schnappe ich mir ein Velo, ich will
Fotos von Celine knipsen aber von der anderen Seite der Seine. ca. zwei
Kilometer weiter vorne hat es eine Fähre. Darauf haben nur gut 10 Autos platz,
sie fährt mehr oder weniger ununterbrochen und ist gratis. Auf der Gegenseite
geht es dann wieder zurück. Nun habe ich Gegenwind, es ist recht anstrengend.
Ich geniesse den Ausblick auf das Schiff, fahre auf dem Rückweg durch das
Dörfchen und bestaune die Häuser. Danach mache ich einen Abstecher über Petit
Couronne, es erscheint mir aber grösser als Grand Couronne. Zurück auf dem
Schiff ist das Umparkieren noch im Gange. Die neue Crew übt sich im bedienen
der Winde, Olek der nicht geschlafen hat ist am rum kommandieren und
kommentieren, ich bin heilfroh traf ich die richtige Entscheidung und
verschwand. Drücke mich sonst nicht vor der Arbeit, und da die neue Crew da war
hatte es genügen Leute, ab morgen muss es sowieso ohne mich gehen. Später gehe
ich mit Dorel noch ins Dorf, wir wollen was trinken gehen. es ist aber alles
geschlossen, als ich einen Local frage wo wir was trinken gehen könnten schaut
er mich verwundert an und meint es sei Montag und darum alles zu. So drehen wir
noch eine Runde, fahren dann zurück aufs Schiff. Dort brenne ich ihm noch die
restlichen Fotos auf die DVD und überreiche sie ihm. er ist sehr erfreut und
bedankt sich xmals. bis zwölf Uhr muss ich noch auf bleiben damit ich mich von
Nikolay verabschieden kann. Tja noch einmal schlafen...
7. April 2009
Obwohl es nach ein Uhr war
bis ich im Bett war bin ich schon vor sechs Uhr wieder Wach. beschwingt nehme
ich eine letzte Dusche, gehe essen. um acht Uhr kommt das Taxi. Abschied nehmen
gehört immer noch nicht zu meinen Stärken, ich froh als wir endlich los fahren.
Zuerst über Land und durch Dörfer danach auf der Autobahn geht es auf den
Flughafen. Unterwegs gibt es eine Kaffeepause. der Fahrer lädt uns ein, als wir
wieder einsteigen sehe ich warum er so grosszügig war, er liess die Uhr weiter
laufen und so bezahlt Enzian unseren Kaffee.
Am Flughafen muss jeder in
ein anderes Terminal. So bleibt gar keine Zeit zum richtig Adieu sagen. beim
Check in habe ich 52kg Gepäck... So muss ich umdisponieren, nehme die Bücher
heraus, trenne mich von einem Teil der Kakaobohnen und beim dritten Anlauf
lässt die Dame mich dann mit 43kg schlüpfen, Hoffentlich komme ich gut durch
die Sicherheitskontrolle. Mit Tagebuch schreiben vertreibe ich mir die
restliche Zeit. Gut 20 Minuten vor der Bordingtime stelle ich mich bei der
Sicherheitskontrolle an. Hier hat es eine sehr lange Schlange, langsam wird die
Zeit knapp. Auf einmal ruft eine Sicherheitsbeamtin „Zürich“ und wir werden
vorgezogen meine zwei Rucksäcke sind dann auch kein Problem. Und was lernen wir
daraus??? Stell dich nicht zu früh an wenn keine Zeit da ist geht alles viel
problemloser.
Dann ist auch schon das
Boarding und wir starten mit etwas Verspätung, fliegen dafür etwas schneller
und sind sogar zu früh in Zürich.
Was für eine Überraschung,
meine Familie ist hier, meine Göttikinder, Kollegen, so empfangen zu werden ist
wunderbar, Ich werde mit Schoggimousse und Mohrenköpfen überrascht, wir setzten
uns in die Foodmall und ich erzähle von meinen Erlebnissen.
7. Mai 2009
Nachtrag oder der Start in
der Schweiz
Nun bin ich schon einen
Monat wieder in der Schweiz. Ich besuchte viele Freunde, ging in der Reederei
vorbei, genoss das schöne Wetter, holte bei meinem Bruder ein paar Sachen,
füllte die Steuererklärung aus und erledigte administrative Arbeiten.
Ab und zu gibt es ein paar
„Nachwirkungen“ von der Zeit auf der Celine, zum Beispiel als wir in China
waren…
Auf dem Bankauszug sehe ich
dass in China zwei Versuche von Bankomatbezügen belastet worden sind, zwei Tage
später aber wieder gut geschrieben werden. Ich bekam damals nur Fehlermeldungen
aber kein Geld. Die Umrechnungsgebühren werden mir aber frech belastet. Kein
Geld bekommen kostet mich 9.30 Franken. Super, einmal mehr zocken mich die
Chinesen ab....
An Gründonnerstag kamen
dann auch die Briefe welche ich in Matadi versendet habe in der Schweiz an… Sie
haben also länger als ich gebraucht, habe sie am 12. März im Kongo aufgegeben,
am 9. April wurden sie zugestellt. Ganze 4 Wochen… da ist der englische Begriff
von Snailmail (Schneckenpost) sehr treffend. Aus Reaktionen weiss ich dass die
Briefe zuerst sehr viel Verwunderung ausgelöst haben und auch etwas unheimlich
waren. Die Überraschung danach dafür umso grösser.
Wie es weiter geht? Nun bis
Ende Juni bin ich sicher in der Schweiz. Nach der anfänglichen Freude wieder zu
hause zu sein kommt nun langsam die Sehnsucht nach dem Meer zurück… Bin mir am überlegen
ob ich es noch auf einem Kreuzfahrtschiff versuchen soll…
Die Reise in die Südsee ist
auch noch immer geplant. Ob es als Rucksacktourist von Indien bis Tuvalu geht
ist nicht sicher, nach dem Kongo habe ich etwas genug von Abenteuerreisen.
Könnte mir aber vorstellen Neuseeland und die Südsee zu bereisen. Mein kleines
Notebook welches mir treue Dienste geleistet hat ist nun in der Reparatur, die
Maustasten wollten nicht mehr.
Tja und dann erhielt ich am
7. Mai nun endlich meine Töffnummer wieder. Sofort drehte ich eine erste Runde,
es war genial endlich wieder auf zwei Rädern mit Motor unterwegs zu sein!!!
Beruflich suche ich mir nun
einen Zwischenjob bevor ich Ende Jahr dann wieder losziehe. Im Moment ist die
Situation halt etwas schwieriger, bin aber dennoch zuversichtlich dass sich
eine Lösung ergeben wird.
Liebe Leser dies ist
vorerst der letzte Eintrag in meinem Tagebuch. Sobald ich wieder unterwegs bin,
ob mit oder ohne Schiff werde ich wieder schreiben. Gerne informiere ich Sie
per Mail wenn es wieder etwas zu Lesen gibt. Wer dies wünscht soll mir via
Mailformular eine Nachricht schreiben, bitte eigene Mailadresse nicht
vergessen.
Ich bedanke mich für die
erhaltenen Feedbacks und wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft.
Christoph Rölli
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